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Italien auf dem Weg zum Ryder Cup 2023

Golfmanager zu Besuch im Marco Simon G&CC

Auch der Ryder Cup blieb von Corona nicht verschont. Das ursprünglich für den Herbst 2020 geplante Event, das turnusgemäß in den USA stattfindet, wurde letztlich um ein Jahr auf 2021 verschoben. Damit rückt der Ryder Cup wieder auf seinen ursprünglichen Stammplatz im Kalender, die ungeraden Jahre. Und konsequenterweise, da Team USA in beiden Wettbewerben gegen Vertreter anderer Kontinente antritt, kehrt der Presidents Cup ab 2022 wieder auf die Jahre mit gerader Jahreszahl zurück. So kommt es nun vom 21. bis 26. September in Kohler, Wisconsin, zum Kräftemessen von Team Europa und Team USA. Noch steht nicht endgültig fest, ob das Event mit oder ohne Zuschauer ausgetragen wird – aber Ende Juli konnten für einzelne Turniertage noch Hospitality-Pakete gebucht werden. 

Während sich die beiden Captains Padraig Harrington (Team Europa) und Steve Stricker (Team USA) intensiv auf das Event vorbereiten und in den kommenden Wochen ihre Teams einschließlich der Captains‘ Picks bekanntgeben werden, laufen in Europa bereits die Vorbereitungen für den nächsten Heim-Ryder Cup auf Hochtouren. Nach der generellen Verschiebung des Ryder Cups auf die ungeraden Jahre, findet das nächste Event auf europäischem Boden 2023 im Marco Simone Golf & Country Club, Rom, statt. 2027 wird The Golf Course at Adare Manor in Irland die besten Golfer beider Kontinente begrüßen, weitere europäische Austragungsorte wurden bisher nicht verkündet – die Gerüchteküche besagt jedoch, dass die kommenden europäischen Austragungsorte aus Großbritannien und eventuell Irland kommen werden. 2023 wird daher wohl – nach Paris 2018 – auf absehbare Zeit der letzte Ryder Cup sein, den man von Deutschland aus ohne Flugzeug erreichen kann. 

 

Fiebrig-realistische Erwartung

Die Vorbereitungen bei Marco Simone laufen auf Hochtouren und liegen im Zeitplan. Der Ryder Cup-Platz wurde im März eröffnet und kann von Mitgliedern und Gästen gespielt werden. Vom 02. bis 05. September werden die Profis der European Tour im Rahmen der DS Automobiles Italian Open erstmals ein Turnier auf diesem Platz austragen und ihn somit seiner Feuertaufe unterziehen. Derzeit wird das Clubhaus von Marco Simone umfassend renoviert, dann stehen die weiteren Vorbereitungen auf den Ryder Cup an. Einen Einblick in den Stand der Vorbereitungen und die kommenden Aktivitäten gibt das separate Interview mit Sandro Maistrello, Responsible of Golf Operations bei Marco Simone in dieser Ausgabe. Doch nicht nur in Marco Simone, in ganz Golf-Italien spürt man eine Aufbruchstimmung in Richtung Ryder Cup. Die Erwartungen, aber auch die Aktivitäten auf dem Weg zum Ryder Cup sind jedoch so unterschiedlich wie die Vielfalt italienischer Golfanlagen. Der golfmanager hat daher Clubs in der Toskana, in Umbrien und im Latium besucht und mit den Clubmanagern über den Ryder Cup 2023 und seine Bedeutung für Italien gesprochen.

 

Golfboom dank Ryder Cup?

Eine der spannendsten Fragen: Wird es in Italien durch den Ryder Cup einen Golfboom geben? Blickt man auf die Erfahrungen des letzten europäischen Gastgeberlands Frankreich, zeigt sich, dass es wohl eher kein echter Boom ist, sondern eine mittel- bis langfristige Entwicklung, die nicht nur durch das Event selbst, sondern vor allem durch die begleitenden Maßnahmen von Verband und Clubs entscheidend geprägt wird. Ähnlich auch das Stimmungsbild in Italien. Ascanio Pacelli, General Manager von Terre dei Consoli im Norden Roms, meint: „Ich glaube nicht, dass die Zahl der Spieler in Italien wegen des Ryder Cups explodieren wird.“ Und sein Kollege César Burguière, Golf Director des umbrischen Antognolla Golfs, ergänzt: „Der Ryder Cup kann mit Sicherheit dazu beitragen, Golf in Italien zu fördern, aber alles hängt von der Strategie des Verbandes ab, um mehr Menschen für das Spiel zu gewinnen.“ Dass die reine Austragung eines international relevanten Wettbewerbs nicht ausreichen wird, um Golf als Freizeitbeschäftigung stärker in der Bevölkerung Italiens zu manifestieren, unterstreicht der Manager von Terre dei Consoli ausdrücklich: „Wir müssen Anlässe finden, um den Menschen unseren fantastischen Sport näher zu bringen – und dabei viele Vorurteile und Klischees abbauen, die diese Menschen bisher daran hindern, sich der Gemeinschaft des Golfsports anzuschließen.“ Wer jedoch glaubt, dass die Clubs nun abwartend verharren und auf landesweit gültige Konzepte des Verbands warten, irrt. Denn gerade die jungen, modernen Clubs haben längst eine Transformation eingeleitet. 

 

Bisher wurde Golf in Italien gerne mit dem Attribut „signoresk“ versehen: Es war vor allem eine Freizeitbeschäftigung für wohlhabende, meist männliche Italiener. In der Folge entsprechen viele italienische Golfanlagen vielfach dem alten, britischen Vorbild: Man bleibt meist unter sich, Gastspieler sind eher selten (meist als Gäste von Mitgliedern), es gibt ein intensives Clubleben (mit dem Clubhaus als gesellschaftlichem Treffpunkt) und die Runden werden besonders gerne in Turnieren gespielt. Somit trat die aktive Vermarktung von Startzeiten an Gastspieler – mit Ausnahme typischer Ferienregionen wie beispielsweise rund um den Gardasee, in einigen Regionen der Toskana oder beispielsweise auf Sizilien – oft in den Hintergrund. Nun ist dies sicherlich ein legitimes Konzept – doch auch in Italien stehen Golfanlagen vielfach vor der Herausforderung, dass das Durchschnittsalter der Mitglieder stetig steigt. Neue Golfer braucht das Land, lautet die Devise – und hier setzen vor allem junge Clubs nicht nur auf den Nachwuchs im eigenen Land, sondern zunehmend auf Gastspieler.

Nun zählt Italien seit Jahrzehnten – nicht nur bei Deutschen – zu den beliebtesten Feriendestinationen weltweit. Denn wie kaum ein zweites Land in Europa vereint Italien alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Tourismus-Strategie: Mit rund 7.500 km Küste bietet das Land beste Voraussetzungen für Strandurlaube, Italiens Weine und Küche sind weltbekannt und beliebt, und auch für die Nebensaison bietet vor allem die unvergleichliche historische Bedeutung – sichtbar vor allem in der Hauptstadt Rom, aber auch in anderen Städten wie Florenz, Pisa oder Mailand – beste Voraussetzungen für den Tourismus. Kunstliebhaber können in Italien auf den Spuren der großen Meister sicherlich mehrere Urlaube verbringen, ohne dass sich die besuchten Stätten wiederholen. 

Doch Golf stand bisher nicht im Fokus der touristischen Vermarktung. Um überhaupt Gastspieler begrüßen zu dürfen, vollziehen einige Anlagen derzeit eine Neuausrichtung. Sie kehren den traditionellen, fast ausschließlich auf Mitglieder ausgerichteten, Konzepten den Rücken zu und öffnen sich bewusst für Gastspieler – sowohl aus Italien, als auch insbesondere aus dem Ausland. Wesentlich hierfür ist zunächst die Bereitstellung entsprechender Startzeiten für die Gäste. Der Austragungsort des Ryder Cups 2023, Marco Simone, hat sich daher entschieden, sich vom traditionellen Mitgliederclub stärker in Richtung hochwertigem Pay & Play-Konzept zu wandeln. Auch Antognolla Golf in Umbrien, 2020 als beste Golfanlage Italiens bei den World Golf Awards ausgezeichnet, zielt vor allem auf Gastspieler ab und limitiert bewusst die Anzahl der Mitgliedschaften. Und die ebenfalls noch sehr junge Golfanlage von Terre dei Consoli nahe Rom, bietet nur noch Abonnements wie bei einem Fitness-Studio, jedoch keine traditionellen Mitgliedschaften mehr an. 

Denn deutlich größer als die Erwartungen an ein Wachstum bei den Inlands-Mitgliedern wird die Chance eingeschätzt, dass Italien künftig auch stärker als Golfdestination wahrgenommen wird. „Der Ryder Cup wird dazu beitragen, das weltweite Interesse der Golfer an Italien als Golfdestination zu steigern“, fasst der Manager von Antognolla Golf, César Burguière, die Erwartungen zusammen und ergänzt: „In Bezug auf ausländische Märkte sollte uns das Mega-Event helfen, Italien als Golfdestination zu bewerben, vor allem in Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern.“ Nach den Einschätzungen der für diesen Beitrag befragten Clubs kommt Reiseveranstaltern und Agenturen eine besondere Bedeutung bei der künftigen Vermarktung zu – ein Direktvertrieb pro Anlage wird eher nicht angestrebt. „Am wichtigsten ist für uns weiterhin die Vermarktung über Agenturen und Reiseveranstalter, Direktbuchungen sind eher die Ausnahme bei Gruppen“, fasst Le Pavoniere-Geschäftsführer Niccolò Cateni seine Sicht zusammen. Und sein Kollege Pacelli von Terre dei Consoli ergänzt: „Mein Team arbeitet hart daran, zusammen mit Reiseveranstaltern spezielle Pakete rund um das Event zu schnüren, die nicht nur eine 18-Löcher-Runde bieten, sondern auch Aktivitäten vor und nach der Runde sowie alternative Aktivitäten für die nicht-golfenden Familienmitglieder beinhalten.“ Interessant dabei, dass hier vor allem auf eine Zusammenarbeit mit anderen Golfanlagen großer Wert gelegt wird – eine Einstellung, die selbst heute weltweit noch nicht allzu oft greift, sieht man einmal von Beispielen wie dem Robert-Trent-Jones-Trail in den USA, Florida‘s First Coast of Golf und der zentralen touristischen Vermarktung des Golfverbands Schleswig-Holstein unter dem Brand „Golfküste“ ab. Die Kooperationen reichen dabei in Italien von regional bis national. „Da wir davon ausgehen, dass Golfer rund um den Ryder Cup mehrere Anlagen spielen möchten, haben wir gemeinsam mit unseren Partnern von Circolo del Golf dell‘Ugolino und Poggio dei Medici Golf eine gemeinsame Vermarktung unter dem Slogan ‚Golf in Florenz‘ initiiert“, erläutert Niccolò Cateni von Le Pavoniere nahe Florenz den Ansatz seines Clubs. Andere Anlagen nutzen – vor allem mit Blick auf Übersee – den Bekanntheitsgrad ihrer Golfplatzarchitekten. „Da Robert Trent Jones viele fantastische Plätze in Norditalien entworfen hat, bereiten wir derzeit einen italienischen ‚Robert Trent Jones Trail‘ vor, der einige seiner besten Plätze als Paket für Golfer aus Europa und den USA kombiniert“, so der Ansatz von Antognolla Golf. Bei Terre dei Consoli, ebenfalls ein Robert Trent Jones-Platz, steht zusätzlich die regionale Kooperation auf der Agenda: „Wir arbeiten eng mit anderen Golfclubs wie Golf Nazionale, Olgiata Golf Club, Marco Simone und Parco di Roma zusammen, um eine starke Partnerschaft zu schaffen und es Golfern zu ermöglichen, mehrere Plätze zu Sonderkonditionen zu genießen und sich für einen Tag wie ein Mitglied zu fühlen“, so Geschäftsführer Pacelli. Dass man auch den nationalen Markt nicht ganz aus dem Blickfeld rücken lässt, zeigt das Beispiel von Le Pavoniere. „Die Agentur Value & Business hat eine eigene Turnierserie rund um den Ryder Cup ins Leben gerufen, bei der die Teilnehmer in ganz Italien Aufenthalte und Greenfees für Marco Simone gewinnen können“, so Geschäftsführer Niccolò Cateni.

Fazit

Auch wenn es noch zwei Jahre dauern wird, bis Italien mit der Austragung des Ryder Cups sicherlich seinen vorläufigen Höhepunkt in Sachen Golfsport erreichen wird: Die Vorbereitungen laufen nicht nur beim Austragungsort Marco Simone auf Hochtouren, sondern haben bereits viele Anlagen Italiens erfasst. Bereits jetzt ist absehbar, dass das Event für mehr Vielfalt sorgen wird: Der Markt der traditionellen Mitgliederclubs wird ergänzt durch moderne, sehr hochwertige Pay & Play-Konzepte und alternative Mitgliedschaftsmodelle. Anders als in den USA spielen Immobilien bei dieser Entwicklung nur selten eine Rolle und sind eher vereinzelte Ergänzung. Erfreulich ist, dass die Clubs frühzeitig erkannt haben, dass eine Einzelvermarktung pro Anlage nicht nur enorme Kosten verursacht, sondern gerade rund um den Ryder Cup nicht den Wünschen der Besucher entspricht, die gerne mehrere Golfanlagen im Rahmen einer Reise besuchen möchten. Ebenso interessant: Keine der besuchten Anlagen strebt eine Vermarktung über den Preis an – im Vordergrund steht stets die Qualität, gepaart mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Aufbruch der italienischen Golfszene in Richtung Ryder Cup hat begonnen – man darf gespannt sein, ob neben der internationalen Vermarktung auch der nationale Markt an Dynamik gewinnen wird und Golf künftig mehr Italiener in seinen Bann ziehen wird – im Jahr 1 nach dem Gewinn der Fußball-Europameisterschaft sicherlich eine herausfordernde Aufgabe für alle Clubmanager des Landes.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 4/2021

 

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Der Ryder Cup 2023 in Italien wirft seine Schatten voraus. Neben dem Marco Simone Golf & Country Club gibt es aber auch weitere tolle Anlagen in der Toskana, in Umbrien und Latium, die einen Besuch lohnen. Michael Althoff und der golfmanager haben eine kleine Auswahl besucht und Gespräche mit den Verantwortlichen zu ihrer Anlage sowie den erwarteten Auswirkungen des Groß-Events geführt.

 

 

 

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