Service – die große Stärke südafrikanischer Clubs

Der südafrikanische Golfmarkt

Südafrika zählt unverändert zu den beliebtesten Destinationen der Deutschen bei Fernreisen: Über 349.000 Deutsche haben das Land 2017 besucht, was einem Wachstum von 12% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Innerhalb der Top-Destinationen des südlichen Afrikas ist Südafrika die unumstrittene Nummer eins, alle fünf folgenden Länder (Namibia, Kenia, Äthiopien, Uganda und Gambia) kommen gemeinsam nicht annähernd auf eine vergleichbare Anzahl deutscher Gäste. Die Gründe für Reisen nach Süd­afrika sind vielfältig, zu den meistgenannten Motiven gehören Safaris mit der Möglichkeit, die Big 5 oder Big 7 zu sehen, sowie Golf.

Südafrika bietet eines der vielfältigsten Produkte für Golfreisen, viele berühmte Plätze finden sich nahe der bekannten Garden Route sowie in und um Kapstadt. Zudem kann Golf perfekt mit anderen Aktivitäten wie Safaris, Strand und Weinverkostungen kombiniert werden. Nicht zu vergessen: Da das Land auf der südlichen Hemisphäre liegt, passt sein Klima perfekt zur Hauptreisezeit deutscher Golfer vom späten Herbst über den Winter bis hin zum Frühjahr. Da Südafrika zudem fast in der gleichen Zeitzone liegt, gibt es keinen Jetlag, was den Reisekomfort nochmals erhöht. Lufthansa und South African Airways verbinden die wichtigsten deutschen Flughäfen per Non-Stop-Flug mit Kapstadt und Johannesburg.

 

Tourismus – Triebfeder der südafrikanischen Wirtschaft

Tourismus ist für die Südafrikanische Wirtschaft insgesamt von großer Bedeutung. Einer kürzlich veröffentlichten Studie von Stats SA, der nationalen Behörde für Statistiken (vergleichbar dem deutschen Statistischen Bundesamt), zeigte, dass 2,9% des Bruttoinlandsprodukts durch Tourismus erwirtschaftet werden. Rund 700.000 Menschen finden im Tourismus Arbeit, so dass einer von 23 Arbeitsplätzen vom Tourismus abhängt. Auch aus Sicht deutscher Golfer befindet sich Südafrika in prominenter Position: Eine von Sports Marketings Surveys durchgeführte Erhebung zeigte, dass 6% aller deutschen Golfer in 2017 nach Südafrika gereist sind (zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum reisten lediglich 3% aller Golfer nach Irland, auch England kam nur auf 3% Besucheranteil). Auch im Vergleich zu anderen reisefreudigen Golfnatio­nen zeigt sich eine starke Bindung deutscher Golfer an Südafrika: Nur 3% der englischen Golfer besuchten 2017 das Land, aus Frankreich heraus waren es gar nur 2% der Golfer, aus Schweden entschieden sich 4% der Golfer für eine Reise auf die andere Seite der Erdhalbkugel. Da Deutschland gleichzeitig die Nummer zwei in Europa, gemessen an der Anzahl der Golfer, ist, kommt dem deutschen Markt eine besondere Bedeutung für Golfreisen an die Kapregion und in andere Landesteile zu.

Parallelen zum ­deutschen Golfmarkt

Auf den ersten Blick scheint der südafrikanische Golfmarkt ein Pendant des deutschen Markts zu sein. Die meisten Clubs arbeiten unabhängig voneinander, Kooperationen gibt es eher selten. Der größte Unterschied besteht darin, dass vor allem auf Golf-Urlauber ausgerichtete Anlagen häufig mit einem Hotel oder einer eigenen Siedlung kombiniert werden – ein Ansatz, den man in Deutschland eher selten antrifft. Doch welche Rolle spielen Gäste im Vertriebsmix südafrikanischer Clubs, wie versuchen die Anlagen, Gäste für sich zu gewinnen? Der golfmanager hat einige der bekanntesten und renommiertesten Anlagen im gesamten Land besucht, um ihre Strategien aus erster Hand kennenzulernen: De Zalze Golf Club, Fancourt, Pinnacle Point Golf Club, St. Francis Links und The Legend Golf & Safari Resort.

 

Das Produkt „Golf“ in Südafrika lässt sich in zwei Bereiche aufteilen: Den typischen, oft traditionellen Golfclub, der sich vor allem an lokale Spieler wendet (aber dennoch auch Gästen offensteht) und den eher Gastspieler-orientierten Club, oft als Teil eines Resorts, der sich besonders an den Wünschen der Resort-Bewohner und Gastspieler orientiert. Für die meisten Clubs ist Deutschland der wichtigste Quellmarkt – vor allem entlang der Garden Route. „Deutschland ist einer unserer wichtigsten Märkte“, so Ryan Reid von Fancourt. Alfie Payne von De Zalze ergänzt: „Über 50% unserer internationalen Gäste kommen aus Deutschland.“ Dies ändert sich jedoch, wenn man Anlagen rund um Johannesburg betrachtet. „Für uns ist Asien einer der wichtigsten Märkte – vor allem für unser The Extreme 19th“, sagt Nico Truter vom The Legend Golf & Safari Resort. Auch die Ausrichtung und das Geschäftsmodell variieren von Club zu Club: Fancourt beispielsweise hat über 1.100 eigene Mitglieder, während andere Clubs wie beispielweise St. Francis Links und De Zalze auf jeweils rund 500 Mitglieder kommen. Andere Anlagen wie The Legend und Pinnacle Point sind noch stärker von Gastspielern abhängig, mit denen über 80% des Clubertrags erwirtschaftet werden. Auch die Verknüpfung zwischen Immobiliengeschäft und Golf unterscheidet sich häufig je nach Anlage. „Die frühere Beschränkung des Zugangs zum Club auf Hauseigentümer hat sich für unsere Anlage als falsch herausgestellt“, fasst Nic Grundtvig von Pinnacle Point seine Erfahrungen zusammen. Jeff Clause von St. Francis Links hingegen sieht jeden Gast auch als potenziellen künftigen Hauseigentümer. Und Ryan Reid von Fancourt bestätigt, dass nur Hauseigentümer Mitglied des Clubs werden können.

 

Auch bei den Vermarktungsstrategien zeigen sich durchaus Parallelen zum deutschen Markt: Obwohl eine starke Abhängigkeit von Gästen aus der ganzen Welt besteht, gibt es kaum Kooperationen zwischen den Clubs in den Bereichen Marketing und Vertrieb. Gelegenheiten dazu gäbe es zuhauf: Ein gemeinsamer Messeauftritt der entlang der Garden Route gelegenen Clubs beispielsweise oder eine gemeinsame Website aller Clubs entlang der Garden Route sind nur zwei Beispiele unter vielen. „Letztlich arbeiten wir alle nur für uns und verzichten auf die Chance, Ressourcen zu teilen“, so Nic Grundtvig von Pinnacle Point. Verglichen mit dem ausgezeichneten Ruf der Anlagen und der hohen Nachfrage nach Golfrunden fällt ein Blick auf den technologischen Standard der Anlagen überraschend aus. Online-Startzeitenbuchungen werden vielfach nicht angeboten oder es fehlt an Schnittstellen zwischen Buchungssystem und Clubsoftware.

 

Für Resorts besteht zudem die Herausforderung, die verschiedenen Systeme innerhalb des gesamten Resorts sinnvoll miteinander zu vernetzen, wie Ryan Reid am Beispiel von Fancourt ausführt. Ein großer Unterschied zur deutschen Golflandschaft besteht in der klaren Ausrichtung an den Kundenwünschen: Alle interviewten Clubs – unabhängig davon, ob sie sich eher an Mitglieder oder an Gastspieler wenden – legen extremen Wert auf das Kundenerlebnis. In Konsequenz betreiben die Clubs die verschiedenen Bereiche vom Platz über den Pro Shop bis hin zur Gastronomie selbst. Vor allem die süd­afrikanische Liebe zur Halfway-Rundenverpflegung sorgt zudem für zusätzliche Einnahmen. Und internatio­nale Gäste kommen kaum am vielfältigen Angebot der Pro Shops vorbei, ohne etwas zu kaufen – zumal das Preisniveau oft deutlich günstiger ist als in Deutschland. „Socken verkaufen sich in unserem Shop besser als Golfbälle“, hat beispielsweise Alfie Payne von De Zalze festgestellt.

 

Mit Blick auf die begrenzten Marketingbudgets setzen alle Clubs besonders auf Social Media, da sich dies in den vergangenen Jahren als effizienter als Printwerbung erwiesen habe. Beim internationalen Vertrieb arbeiten die Clubs mit lokalen Incoming-Agenturen und internationalen Reiseveranstaltern zusammen. Diese übernehmen dann auch die internationale Promotion von Südafrika als Golfdestination. Eine weitere Parallele zu Deutschland: der Wunsch nach noch mehr Unterstützung durch die Tourismusbehörden in Sachen Vermarktung. Die meisten Manager sind der Meinung, dass sich die zuständigen Stellen noch zu sehr auf Themen wie Safari und Strand konzentrierten, obwohl Golf vor allem in Kapstadt und entlang der Garden Route eine wichtige Rolle spiele.

Fazit

Insgesamt basiert der Erfolg von Golf in Südafrika vor allem auf dem Golfprodukt selbst und dem gebotenen Service. Angefangen vom Standort und der umgebenden Landschaft über das Layout eines Platzes über den stets freundlichen Empfang bis hin zur Schlägerreinigung am Ende der Runde: Service ist die große Stärke der besuchten Clubs. Hinsichtlich Vertrieb und Marketing sowie im Bereich Technologie hat das südafrikanische Golf jedoch noch Luft nach oben. Aber so lange es das Land schafft, die Golfresorts sicher zu gestalten, die Preise ausgewogen zu halten und negative Schlagzeilen wie rund um die Wasserkrise auf ein Minimum zu reduzieren, wird die Vielfalt des Angebots und die schier unbegrenzten Erlebnismöglichkeiten, kombiniert mit perfektem Wetter in der beliebtesten Reisezeit dafür sorgen, dass die Nachfrage für Golfreisen nach Südafrika auf hohem Niveau bleiben wird.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 03/2018

 

Nachfolgend stellt unser Autor Michael Althoff  südafrikanische Golfclubs im Einzelnen vor:

 

 

<< zurück