Kommunale Sportrasennutzung – innovative Bau- und Pflegesysteme

Bericht zum 121. DRG-Rasenseminar in Basel (CH)

Lawson, P.G., T. Brandtönies und M. Thieme-Hack

Einleitung

Am 21. und 22. September 2015 fand in Basel (CH) das 121. DRG-Rasenseminar statt (Abbildung 1). 



Den ca. 80 Seminarteilnehmern wurde ein vielschichtiges und interessantes Programm geboten. Die Exkursion veranschaulichte den Teilnehmern, welch hohe Bedeutung Rasenflächen für die Stadt Basel haben und wie intensiv an einer multifunktionalen Nutzung gearbeitet wird. Die Fachvorträge am zweiten Tag nahmen die Themen der Exkursion auf, so dass der fachliche Austausch fortgesetzt werden konnte. Öffentliches Grün als Golfanlage Das ist ein ganz neuer Ansatz, den die Stadt Basel im Gartenbad Bachgraben verfolgt (Abbildung 2). Im Westen Basels befindet sich, auf dem Gelände eines Freibades und im Randbereich der angrenzenden Fußballrasenfelder, eine 15 Löcher-Pitch- & Putt-Anlage. Golfneulingen und passionierten Golfern wird, zwischen Mitte September und Ende April, die Möglichkeit geboten, in einer Umgebung Golf zu spielen, in der sonst Badegäste die Sonne genießen. Jan Behringer, Leiter der Sportanlage Bachgraben, und Thomas Hesler, Greenkeeper, führten die Exkursionsteilnehmer über den Golfplatz der „anderen Art“.


Durch die Erweiterung der Nutzung können die Parkanlagen des Gartenbades Bachgraben ganzjährig genutzt und der Bedeutungswert der Fläche für die Öffentlichkeit gesteigert werden. Die beiden Mitarbeiter des Gartenbades gaben jedoch zu bedenken, dass die Pflege für die gesamte Sportanlage nur mit viel Aufwand bewältigt werden kann. Trotz der intensiven Betreuung der Fläche durch das Pflegepersonal, entsprechen die Spielbahnen nicht den Anforderungen eines erfahrenen Golfspielers. Dies sei aber auch nicht der Anspruch an die Fläche, so Behringer und Hesler. Stattdessen soll Hobbygolfern eine stadtnahe Möglichkeit zum Trainieren geboten werden. Diese Funktion erfüllt das Projekt Citygolf Bachgraben mit Bravur und überzeugte die Exkursionsbesucher mit der malerischen Parkanlage.

Ein Stadion im Einkaufszentrum
Das Stadion St. Jakob-Park („Joggeli“ genannt) wird durch die stadtnahe Lage im Einkaufzentrum für eine Vielzahl von Veranstaltungen außer Fußball genutzt. Marc Studach (Head-Greenkeeper), Jonas Blechschmidt (Leiter des Stadions), beide FC Basel, und Dr. Linus Wege berichteten ausführlich über letzte Umbaumaßnahmen.

Bei der Bestandsaufnahme, vor dem Ausbau der alten Rasennarbe, fand Dr. Wege in den schadhaften Bereichen verschiedene Rasensodentypen und unterschiedliche Rasentragschichten, die eine zu geringe Wasserdurchlässigkeit aufwiesen. Daher wurden die obere Rasentragschicht ausgetauscht (Abbildung 3) und im Anschluss eine Dicksode verlegt. Zusätzlich wurde der Sicherheits- und Servicebereich baulich verändert. Um den erhöhten Nutzungsansprüchen der Bereiche gerecht zu werden, wurde direkt hinter der Seitenauslinie ein FIFA 2-Star Kunststoffrasen verlegt. Auf diese Weise können die überbelasteten Bereiche im Laufbereich des Linienrichters vermieden werden. Dies widerspricht den Anforderungen der DIN 18035-1, wird aber aktuell auch in anderen Stadien praktiziert.

Die Ausführung der Baumaßnahme im Hochsommer erforderte besondere Maßnahmen, um die Temperaturen über der Rasennarbe zu verringern. Es wurden Temperaturen bis 52 °C in 30 cm Höhe über der Rasennarbe gemessen. Um den Stress für die frischen Rasensoden zu verringern, wurde eine Staubbindemaschine (Abbildung 4) zur Kühlung eingesetzt. Normalerweise werden diese im Winter eingesetzt, um Kunstschnee zu erzeugen oder bei Abbrucharbeiten den Staub zu binden. Durch den Einsatz dieser Maschinen während der Baumaßnahme im St. Jakob-Park, konnte die Temperatur um gut 20 °C reduziert werden. Eine Anschaffung für den Regelbetrieb im Stadion ist nun vorgesehen.

Hybridrasen – neuer Hype oder alter Hut?
Am Nachmittag präsentierte Dr. Paul Baader die Versuchsflächen für die „Vergleichenden Untersuchungen an Systemen zur Kunststoffarmierung von Rasentragschichten und Rasennarben im Sportplatzbau“. Auf drei Versuchsfeldern werden Werte zur Beschreibung der Eignung, Pflegeempfehlung und Strapazierfähigkeit an den Versuchsgliedern ermittelt (Abbildung 5). Auf den Versuchsflächen konnten sich die Exkursionsteilnehmer ein eigenes Bild von den Hybridrasen- Produkten machen. Der zunehmende Anteil an Hybridrasensystemen und deren propagierten Vorteile, wie z.B. eine höhere Belastbarkeit, längere Nutzungsdauer, größere Scherfestigkeit u.v.m., hat nach einer unabhängigen Untersuchung der verschiedenen, auf dem Markt befindlichen Produkten, verlangt.

In der Präsentation am Folgetag stellte Dr. Baader eine neue Systematik zu den bestehenden Hybridrasen-Systemen vor:

a. Systeme zur Armierung der Rasentragschicht (wie z.B. Airfibre oder Terrasoil® Advance)
  
b. Systeme mit armierter Rasennarbe (wie z.B. XtraGrass TM oder Eurogreen CombiGrass®)

c. Systeme, die beides miteinander kombinieren (wie z.B. GrassMaster)

Insgesamt sechs verschiedene Systeme wurden in einem, seit Oktober 2014 intensiv genutzten, Trainings-Spielfeld eingebaut. Darüber hinaus wurden auch Feldversuche mit definierter Stollenbewalzung sowie für Maschinentests angelegt.

Im Untersuchungsprogramm werden verschiedene Prüf-Parameter der Vegetationsdecke (Auflaufverhalten, Narbendichte u.a.) und der Rasentragschicht (Wasserdurchlässigkeit, Lagerungsdichte, Drehwiderstand u.a.) getestet. Erste Ergebnisse zur Entwicklung der Narbenbildung bei Belastung, Narbendichte und Wasserinfiltrationsrate sowie der Bodensetzung und botanischen Zusammensetzung des Rasenspielfeldes, haben Tendenzen bei den verschiedenen Produkten gezeigt. Alle armierten Systeme zeigten eine deutliche Nähe zu der Kontroll-Variante (Lavaterr). Die Versuche sollen bis Ende 2018 fortgeführt werden. Nach abschließender statistischer Auswertung sollen Empfehlungen für Nutzer und Hersteller abgeleitet werden.

Stiftung Nachwuchs-Campus Basel

Das im September 2015 bezogene Gebäude auf dem Nachwuchs-Campus bietet dem Fußballnachwuchs der U15- bis U21-Mannschaften des FC Basel ein modernes Zentrum für den Trainingsbetrieb. Benno Kaiser, der Geschäftsführer der Stiftung Nachwuchs- Campus, führte durch den Gebäudekomplex. Kabinen, Krafträume und der Videoanalyseraum zeugten von der Professionalität, mit der beim FC Basel die Jugendarbeit vorangetrieben wird. Dieser Eindruck wurde durch die Sportanlagen im Freien auf dem Stiftungsgelände unterstrichen.

Vier Naturrasensportplätze sowie Kunststoffrasenplätze als Groß- und Kleinspielfeld bieten den Jugendmannschaften des FC Basel optimale Trainingsbedingungen. Die Unterhaltskosten in Höhe von etwa 2 bis 3 Mio. Euro pro Jahr für den Nachwuchs-Campus werden im Wesentlichen von Gigi Oerli, einer La Roche Erbin, finanziert. Der Nachwuchs-Campus bildet, zusammen mit den angrenzenden Sportanlagen des St. Jakob-Parks, die größte Sportanlage in der Schweiz. Zusätzlich zu den Sportflächen des Nachwuchs- Campus werden dort vom Sportamt Basel weitere elf Naturrasenplätze, Tennenplätze sowie ein Kombiplatz für Leichtathletik unterhalten.

Basler Rasenplatten-System
Auf einem der Naturrasenplätze wurde für die Exkursionsgruppe eine Eigenentwicklung des Sportamtes, das Baseler Rasenplatten-Systems demonstriert (Abbildung 6). Mit diesem System können schadhafte Stellen im Spielfeld sukzessive über das ganze Jahr ausgetauscht und sofort nach Abschluss der Arbeiten bespielt werden. Dadurch brauchen keine Flächen gesperrt und die Arbeitsspitzen können entzerrt werden. Mit einem LKW-Kran werden zweijährige, vorgezogene Rasenplatten anstelle einer zerstörten Rasennarbe eingesetzt. Eine spezielle Rasensoden- Zange ermöglicht es, die acht Zentimeter dicken Rasenplatten rückenfreundlich und genau zu verlegen.

Konzert vs. Sportrasen

Den Auftakt des Referatetages übernahm Hartmut Schneider. Er hatte sich mit „Konzertveranstaltungen in Fußballstadien – Untersuchungen über die Auswirkungen auf Rasen und Rasentragschicht“ beschäftigt. Durch die intensive Nutzung der Fläche seitens der Zuschauer, aber insbesondere durch eine tonnenschwere Bühne, wird die Spielfläche nach einem mehrtägigen Konzert stark in Mitleidenschaft gezogen. Üblicherweise wird die Rasenfläche unterhalb der Bühne mit speziellen Abdeckungen (z.B. Stadiumflooring) geschützt. Auch durch moderne Schutzabdeckungen von verschiedenen Herstellern werden die Rasen-Wachstumsfaktoren stark eingeschränkt und die entstehenden direkten und indirekten Schädigungen des Pflanzenbestandes sowie Bodenverdichtung und Krankheiten führen zu einem enormen Qualitätsverlust der Fläche.

Die meistpraktizierte Lösung des Problems ist eine Renovation der Rasenfläche nach dem Konzert, wobei zwischen Teil- und Vollbesodung unterschieden wird. Die Entscheidungskriterien hierfür sind der Gesundheitszustand der Rasennarbe, die Zeitdauer bis zur Wiederbenutzung und die Jahreszeit/Klima sowie die Verfügbarkeit von Fertigrasen und Geräten. Weiterhin wurden mögliche Einflussfaktoren aufgelistet, die zu Schäden durch Konzertveranstaltungen führen können: Dazu zählen Art und Dauer der Veranstaltung, die Art der Abdeckung, die Lasten sowie Bodenaufbau und Bodenzusammensetzung.

Energiespar-Rasenheizung- Pflegesystem
Eric Hardmann stellte Naturrasen- Heizungs- und -Kühlungssysteme und die dazugehörige Pflegetechnik vor. Ausgangspunkt sind die sehr hohen Energiekosten von bis zu 250.000,- Euro für eine konventionelle Rasenheizung pro Wintersaison und Feld. Herkömmliche Rasenheizungen seien, mit einer Einbautiefe von 26 bis 28 cm Tiefe, nicht sehr effizient, da diese sehr lange Reaktionszeiten haben und zudem das Wurzelwerk schädigen können. Die Novoter®- Rasenheizung hätte, mit einer Einbautiefe von 8 bis 12 cm, einen bis zu 80% niedrigeren Verbrauch und ließe sich einfacher und günstiger einbauen, so Hardmann. Auch die Einbauweise verfolge einen revolutionären Ansatz: Die Rohrverlegung kann in einem Arbeitsgang durch eine zum Patent angemeldete Schlitzohr®- Maschine erfolgen.

Weitere Vorteile der Maschine seien die uneingeschränkte Bespielbarkeit der Fläche unmittelbar nach dem Einbau. Zudem müsste keine Abtragung des Rasens und der Rasentragschicht erfolgen und bereits vorhandene Systeme könnten bestehen bleiben. Das Novoter®-System verspricht eine, in der Anschaffung und im Betrieb, kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Rasenheizungen, die sogar als Spielfeld-Kühlung im Sommer nutzbar sein soll.

Darauf aufbauend wurde eine pneumatische Lockerung von Böden vorgestellt. Erste Überlegungen hierzu gab es bereits in den 1920er Jahren, aber erst in den 80er Jahren wurden wieder vermehrt Einzellanzengeräte, wie z.B. das Terralift-Gerät, eingesetzt. Druckluftlockerungsgeräte wie das Aerragreen aus dem Jahr 1997 oder das Air2G2 mit drei Injektionslanzen sind bereits auf dem Markt. Die mit 26 Lanzen kontinuierlich arbeitende Airter®-Maschine, soll Anfang 2016 folgen. Die lockernde Wirkung des Druckluft-Injektionsverfahrens von Novoter® wurde, in einem Bereich unterhalb von 6 bis 10 cm Einstichtiefe, von der Universität Hohenheim in einer Auftragsstudie bestätigt. Zudem soll diese innovative Unterhaltstechnik die Bildung von Fäulnisgasen verhindern, die sich toxisch auf das Wurzelwachstum auswirken könnten.

Naturrasen für Pferde
Sehr ausführlich wurde von Prof. Gert Bischoff (FH Erfurt) auf den Reitplatzbau eingegangen. Das Titelthema war: „Anforderungen an Naturrasenplätze und Tretbeläge für den Reitsport – Vorstellung der FLL-Richtlinie zum Bau von Reitplätzen“. In der Vergangenheit wurde der Reitplatzbau entweder gar nicht oder nur unvollständig beschrieben (DIN 18035; „Reitanlagen“ 1983; „Orientierungshilfe Reitanlagen- und Stallbau“ 2001). Daher konnte die FLL mit der 1. Auflage von „Reitplatzempfehlungen“ 2007 erstmals konkrete Vorgaben und objektive Anforderungen an Materialien, Bau und Pflege von Reitplätzen machen. Die 2. Auflage 2014 brachte eine grundsätzliche Erweiterung des Anwendungsbereichs: Nicht nur Reitplätze im Freien, sondern auch Hallen-Reitplätze wurden eingeschlossen. Ferner wurden in der letzten Ausgabe auch die horizontale Entwässerung der Oberfläche und Anstauplätze behandelt.

Dem Organisationsteam rund um Dr. Gabriela Schnotz sei gedankt für diese sehr informative Veranstaltung.

Autoren:


Dr. Patrick G. Lawson
Tobias Brandtönies, M.Eng.


Prof. Martin Thieme-Hack
ILOS-Institut für Landschaftsbau, Sportfreianlagen und Grünflächen
Hochschule Osnabrück Osnabrück, Germany 

p.lawson@hs-osnabrueck.de  
t.brandtoenies (at) hs-osnabrueck.de 
m.thieme-hack (at) hs-osnabrueck.de 

 

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