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Ein Herbstseminar, das Maßstäbe setzt

Sportgeschichte als Rahmenprogramm

Der Deutsche Golf Verband steht in der Rangliste der DOSB-Spitzenverbände seit Jahren fest auf Platz 8 – nach Fußball, Turnen, Tennis, Alpenverein, Schützenbund, Leichtathletik und Handball. Ein Platz, mit dem man leben kann. Vielleicht lag es mit daran, dass der GMVD-Regionalkreis WEST mit den beiden neuen Leitern Daniel Orth und Tim Berendsen, unterstützt durch die Geschäftsstelle, das diesjährige Herbstseminar ausgerechnet in jenem Haus abhielt, das Deutschlands Sport- und Olympiageschichte in Szene setzt: dem Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln.
 

Für mich persönlich war es zugleich beruhigend wie überraschend, dass ich nicht der einzige war, der das Museum bislang nicht kannte. Ein Grund mehr, den Veranstaltern an dieser Stelle ein entschiedenes ,Daumen hoch‘ zu geben.

Ein Ort, der selbst fast zum Referenten wird
 

Es gibt Veranstaltungsorte, die ,funktionieren‘ als Kulisse. Das Deutsche Sport & Olympia Museum gehört eindeutig in diese Kategorie. 
 

Untergebracht im historischen Zollhafen, direkt am Rhein, erzählt es die Geschichte des Sports von antiken Sportstätten bis zur modernen Fernsehkameralinse. Auf gut 2.000 Quadratmetern begegnet man olympischen Ikonen, sportlichen Meilensteinen und großen Emotionen. Dass der GMVD hier sein Herbstseminar abhielt, war insofern nicht nur eine logistische, sondern eine atmosphärisch äußerst gelungene Entscheidung.
 

Ein Rundgang, der den Tag öffnete
 

Der erste inhaltliche Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten: die Führung durch das Museum. Was als ,erlebnisreiche Zeitreise‘ angekündigt war, entpuppte sich als ebenso kurzweilige wie beeindruckende Expedition durch gut zweieinhalb Jahrtausende Sportgeschichte. Von Griechenlands antiken Wettkämpfern über Turnvater Jahn bis hin zu den Helden moderner Olympischer Spiele – selten hat man bei einer Fachveranstaltung das Gefühl, dass Sport so ,nahe‘ sein kann.

Ernährung für ein gesundes Golferleben
 

Der thematische Schwerpunkt des GMVD-Jahres – ,Longevity: Visionen schaffen, Werte leben, Zukunft sichern‘ – lieferte den Rahmen für die Keynote von Dr. Alexa Iwan. 
 

Die Ernährungswissenschaftlerin und TV-Moderatorin verstand es, Golf, Gesundheit und Genuss miteinander zu verweben, ohne in ,Kaloriendogmatik‘ zu verfallen. Besonders ihre alltagstauglichen Atemübungen, die sie als schnelle Hilfsmittel für mehr Fokus und Ruhe vorstellte, blieben im Gedächtnis. „Good food for golf“ klang dabei nicht nur nach einem Versprechen, sondern fühlte sich wie eine sehr pragmatische Toolbox an, die jede Anlage wie auch jede einzelne Person sofort nutzen kann.
 

Besonders spannend auch der Gedanke, dass Langlebigkeit nicht nur ein biologisches, sondern auch ein organisatorisches Prinzip ist. Ein schöner Brückenschlag zwischen F&B, Clubführung und persönlicher Verantwortung.


Pflege mit Effizienz
 

Mit Philipp Weber (Turf Handels GmbH) ging es anschließend auf die Grüns – zumindest theoretisch, aber durchaus aufschlussreich.
 

Sein Vortrag ,Keep on rolling‘ zeigte, wie das Bügeln von Grüns nicht nur Spielqualität und Pflanzengesundheit verbessert, sondern auch Ressourcen schont. Die präsentierten US-Studien lieferten spannende Impulse, wie moderne Pflegekonzepte künftig aussehen könnten – ein technisches Thema, das dank Webers Praxisnähe viel interessiertes Kopfnicken hervorrief.

On-Course-Retail im Wandel
 

Der Einzelhandel war und ist einem steten Wandel unterzogen – auch auf Golfplätzen. Rike Vormwald (Sisters In Law-Handelsagentur) nahm die Teilnehmenden mit in die Realität eines Geschäftsmodells, das sich seit Jahren neu erfinden muss. Von der Entwicklung des Pro-Shop-Business über Chancen der Logo-Corner-Konzepte bis zu emotional aufgeladenen Markenwelten für Mitglieder reichte die Palette.
 

Ehrungen, Ein- und Ausblicke
 

Neben der Reihe von Fachthemen, von denen vorstehend nur drei vorgestellt werden sollten, bot der Tag auch Anlass zu Rückblick und Würdigung. Der langjährige RK-West-Leiter Achim Lehnstaedt wurde für sein Engagement geehrt – ein Moment, der spürbar zeigte, wie sehr persönliche Kontinuität und professionelles Netzwerk im GMVD zusammengehören. Ebenso wurde Oliver Röckerath, zwar in Abwesenheit, aber mit ebenso herzlicher Wertschätzung verabschiedet.
 

Gleichzeitig markierte die Veranstaltung den gelungenen, offiziellen Start von Tim Berendsen und Daniel Orth als neue Regionalkreisleiter. Ein Duo, das mit frischen Ideen und sichtbarer Freude am Vernetzen einen überzeugenden Auftakt hinlegte.

Ein gelungener Mix – und ein echtes Heimspiel
 

Das Herbstseminar 2025 war eine inhaltlich starke und atmosphärisch besondere Veranstaltung. Fachlich breit aufgestellt, persönlich wertschätzend, und dank des außergewöhnlichen Tagungsortes mit einem inspirierenden Rahmen versehen.
 

Dazu kam ein Austausch auf Augenhöhe mit Mitgliedern und Partnern, der noch einmal unterstrich, wie wertvoll regionale Treffen für eine Verbandskultur sind.
 

Und für jemanden, der in Bonn arbeitet, war es obendrein ein kleines, feines Heimspiel. Man nimmt ja nicht jeden Tag an einer Tagung teil, bei der der Rhein beim Blick aus dem Fenster ,grüßt‘. 

 

Autor: Stefan Vogel | golfmanager 5/25

 

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