Schnelles Golf am Feierabend

Im Gespräch mit Marcel Siem und Karolin Lampert

Wer hätte vor wenigen Jahren noch geglaubt, dass 9-Löcher-Golf soviel Zuspruch findet?

 

Mit von Anfang an dabei und genau auf dieses Format setzend: der Mercedes-Benz After Work Golf Cup (AWGC), der 2017 wieder rund 3.000 Turniere für Amateure auf über 290 Golfanlagen anbietet – deutschlandweit, saisonübergreifend und offen für alle Spielerinnen und Spieler. Mit rund 30.000 Teilnehmern und ca. 75.000 gespielten Turnierrunden rechnen die Veranstalter 2017.

 

Die Turnierserie, die noch bis 22. September 2017 läuft, richtet sich dabei traditionsgemäß vor allem an berufstätige Golfer und an Spieler, die „Zeitmangel“ für 18-Löcher-Golf anführen. Ab 17 Uhr kann bei der mittlerweile etablierten Turnierserie vorgabewirksam (für Spieler mit Hcp -54 bis -4,5) gespielt werden.

 

Besonders interessant: die verschiedenen Online-Ranglisten (Registrierung über www.awgc.de). Alle registrierten Teilnehmer können sich darüber in der gesamten Saison sportlich vergleichen und darüberhinaus attraktive Preise gewinnen. Als Jahreshauptpreis der Serie verlost Mercedes-Benz unter allen registrierten Golfern einen CLA Shooting Brake im Wert von rund 45.000 Euro. Zudem werden weitere Jahres-, Monats- und Wochenpreise vergeben.

 

Auch im Hinblick auf das internationale Interesse am 9-Löcher-Format gilt der AWGC als Vorreiter. „Der Mercedes-Benz After Work Golf Cup bietet Amateurgolfern eine besondere Möglichkeit, ihre Leidenschaft und Begeisterung für den Golfsport mit Turniergeist zu verbinden. Dieses Veranstaltungskonzept soll die Vereinbarkeit von Beruf und einem zeitintensiven Hobby wie Golf unterstützen. Das stetig wachsende Teilnehmerfeld und die hohe Anzahl beteiligter Golfanlagen in Deutschland wecken auch in anderen Ländern Interesse für das Turnierformat“, so Dr. Jens Thiemer, Vice President Marketing Mercedes-Benz Cars.

 

Anfang Mai fand die Auftaktveranstaltung auf der Anlage des Golfpark München Aschheim statt. Der golfmanager unterhielt sich nach der Runde mit den beiden Mercedes-Benz Markenbotschaftern Marcel Siem und Karolin Lampert.

 

golfmanager: Der Aspekt „Zeit“ bei Golfrunden spielt in Deutschland eine große Rolle – für die Golfer selber, aus betriebswirtschaftlicher Sicht aber auch für die Anlagen-Betreiber. Was unternimmt die European Tour, um das Spiel zu beschleunigen?

 

M. Siem:Auf der Tour haben wir 45 Sekunden Zeit, den Schlag auszuführen und zugegeben, viele kommen damit nicht aus. Dazu kommen zunehmend mentale Aspekte, Spielroutinen und Visualisierung gewinnen an Bedeutung – gerade die jungen Spieler werden darauf getrimmt. Dagegen geht die Tour vor. Ich selbst trainiere das mit meinem Mentalcoach, bin aber sowieso recht schnell. Sobald ich am Ball stehe: sechs Sekunden, dann muss der Ball fliegen. Das muss das Ziel sein, da ist die Tour aber auch dran.

 

Auch das Design einer Anlage trägt zum Spieltempo bei: Wenn eine Anlage normal gebaut ist, d.h. der nächste Abschlag nahe dem letzten Grün ist, dann schafft man das auch in 4:10 Stunden, im Zweier-Flight sogar in 3:30 Stunden!

 

golfmanager: Werden Strafen für langsames Spiel denn konsequent durchgesetzt?

 

M. Siem:Auf der Tour hast Du sechs Referees pro Runde; anders als bei den Majors kannst Du nicht in jedem Flight einen eigenen haben – das ist ein Problem, denn ist der Referee nicht vor Ort, fehlt die Kontrolle. Was in meinen Augen wichtig ist: die Gehzeiten müssen gering gehalten werden, dann hat man mehr Zeit am Ball. Wir betreiben schließlich Sport, da darf man schon zügig gehen.

 

K. Lampert:Das schnelle Spiel wird in meinen Augen schon klar favorisiert; wir haben auf unseren Pin-sheets auf der Vorderseite die Fahnenpositionen – hinten ist immer eine Durchgangszeit als Anhaltspunkt angegeben. Pro Runde gibt es besagte sechs bis acht Referees, die schon von weitem auf die Einhaltung der Durchgangszeiten drängen – das aber nur für den ganzen Flight. Ist man ein oder zwei Löcher langsamer, kommen die Referees, um etwas mehr aufs Tempo zu drücken. Das Ziel bei uns ist, dass man immer an der vorderen Gruppe „dran“ ist, selbst wenn diese schneller als die vorgegebene Zeit ist.

 

In der Ladies European Tour wird daneben eine Liste über das ganze Jahr hinweg geführt, in der Time-Vermerke eingetragen werden – und bei fünf solcher Vermerke im Jahr erhält man eine Geldstrafe. Kommt es darüberhinaus öfter vor, fallen die Strafen dann auch höher aus. Insgesamt ist aber gerade bei Turnierentscheidungen schon noch Potenzial drin, das Spiel zu beschleunigen.

 

golfmanager: Was könnten deutsche Golfanlagen im Amateurbereich tun, um das Spiel schneller zu machen? Gibt es Unterschiede zu den USA?

 

M. Siem:„Buggy-Golf“ wie in den USA ist natürlich ganz hilfreich. Daneben liegt es aber auch an der Ausbildung, den Golfeinsteigern zu vermitteln, dass sie bereits beim Herangehen an den Ball den Wind prüfen, den Blazer ausziehen können etc. Auch die Beachtung der Reihenfolge beim Schlagen, abhängig von der Weite des Balls zur Fahne, hält auf; im Grunde sollte schon längst gelten: wer „ready to go“ ist, schlägt – das hat nichts mit mangelndem Respekt zu tun. Ein sehr sinnvoller Punkt bei den geplanten Regeländerungen 2019.

 

K. Lampert:Meines Erachtens gibt es nirgends so viele Ausgrenzen wie bei uns in Deutschland. „Aus“ macht das Spiel sehr langsam, weil viele Golfer oft keinen provisorischen Ball hinterherschlagen; innerhalb des Platzes würde ein häufigeres Hindernis-Kennzeichnen als Wasser oder Biotop das Spiel doch deutlich beschleunigen. Doch hier werden sicherlich die Regeländerungen bzgl. Suchzeit etwas bewirken.

 

golfmanager: Von Ihnen beiden bereits angesprochen, sind für 2019 daneben noch einige weitere Regel­anpassungen vorgesehen, die in erster Linie auf das Spieltempo abzielen. Wie wird das in Profikreisen aufgenommen?

 

M. Siem:Einige der Punkte sind sicherlich sehr gut, z.B. dass nurmehr drei Minuten nach dem Ball gesucht werden darf – wenn fokussiert mit den Flightpartnern gesucht wird, reicht das auch. Wenn man zu lange suchen muss, liegt der Ball meist ohnehin so schlecht, dass man zum Abschlag wieder zurück muss.

 

Pitch- und Spike-Marken „runterdrücken“ halte ich für kritisch, da es im Profi- wie im Amateurbereich schon Spieler gibt, die das nicht vernünftig können. Verboten wurde es ursprünglich, weil es Spieler gab, die sich regelrecht eine „rail“ zum Loch machten und sich damit einen Vorteil verschafften.

 

Schläger aufsetzen im Wasser dagegen halte ich wieder für in Ordnung. Wenn der Ball nicht „weg“, sondern spielbar ist, sehe ich das Aufsetzen als unproblematisch an.

 

K. Lampert:Auch ich halte Vieles für sehr sinnvoll, helfen die Änderungen doch mit, das Spiel schneller zu machen; nehmen Sie doch einmal das nicht mehr nötige Fahne-Bedienen, wenn man noch 30 Meter vor der Fahne liegt. In den Privatrunden werden diese Bälle wohl auch jetzt schon direkt geputtet, allein im Turnier muss immer gewartet werden, dass zunächst die Fahne bedient wird. Alles keine großen Zeitersparnisse, die in Summe aber doch einiges bringen.

 

Was das Thema droppen angeht – aus welcher Höhe etc. –, da sind wir uns auch intern noch nicht ganz einig, aber da wird sicher noch weiter konkretisiert; generell werden von den Profis die Regeländerungen aber begrüßt.

 

golfmanager: Werden solche Informationen über die European Tour an die Profis herangetragen?

 

M. Siem:Die Informationen zu den geplanten Regeländerungen wurden ja weltweit kommuniziert, wir bekamen sie unter anderem über die Newsletter der European Tour, schließlich ist auch unser Feedback gefragt.

 

golfmanager: In Deutschland wird bisweilen der Pflegezustand der Anlagen im Vergleich zum Ausland bemängelt. Wo trainieren Sie? Auf welchen deutschen Anlagen stimmen die Voraussetzungen für Sie? Was ist Ihnen wichtig?

 

M. Siem:Eine heikle Frage, denn ich möchte natürlich niemandem zu nahe treten. Bei mir im Umkreis ist z.B. Mühlheim an der Ruhr mit super netten Leuten, ein toller Club, dort darf ich meine eigenen Bälle schlagen und sie werden auch für mich gesammelt. Aber auch dort haben die Grüns eben nicht das ganze Jahr über Tour-Standard. Kurzum, es gibt schon Plätze in Deutschland, die Tour-Standard bieten. Ein Problem für uns Profis ist einfach, dass Amateure keine elf oder 12 Stimpmeter haben wollen und für mich bringen sieben oder acht zu wenig. Darüber streite ich aber auch bisweilen mit meinem Vater (grinst). Ich kriege jetzt privat ein eigenes Putting-Grün zuhause eingebaut, das kostet zwar etwas Geld, ich kann aber auch nicht immer nach Florida zum Training fliegen.

 

Mir fehlt in Deutschland manchmal etwas Liebe zum Detail. Gerade im Vergleich zu England und Schottland, die teilweise noch kälteres Wetter oder auch mehr Sandböden haben. Ich war zuletzt am Motzener See, da waren die Grüns prima; am Lärchenhof, klar, da herrschen immer klasse Bedingungen und wenn sie wissen, dass ich komme, dann werden die Grüns auch mal besonders präpariert. Aber wenn Sie mich nach den nächsten Anlagen fragen: Lärchenhof und Mühlheim an der Ruhr.

 

K. Lampert:Ich spiele meist in St. Leon-Rot, da dies mein Heimatclub ist, über meinen Trainer Ted Long bin ich aber auch oft im GC Mannheim Viernheim. St. Leon-Rot bietet schon klasse Bedingungen mit viel Platz, ordentlichen Rangebällen, was mir persönlich sehr wichtig ist. Generell habe ich den Eindruck, dass die Plätze in Deutschland oft sehr feucht sind, was den Platzverhältnissen auf der Tour nicht so nahe kommt.

 

Bei trockeneren Plätzen wäre evtl. auch der Pflegeaufwand geringer, z.B. was das Ausbessern der Spike- und Pitchmarken angeht; bei uns in Leon-Rot wird derzeit versucht, den Platz durch Pflegemaßnahmen etwas trockener zu machen. Keiner will den Verantwortlichen auf den Anlagen etwas Böses, viele Profis geben aber schon zu, Putten ist gerade etwas schwierig in Deutschland – auch wenn dies im Laufe der Saison sicher wieder besser wird. Zugegeben, es ist aber schon schwierig, es allen Mitgliedern recht zu machen.

 

Ein enger Austausch mit dem Greenkeeping ist sicher sehr hilfreich; so wird bei uns in Leon-Rot auf der Rangerückseite für die Profis etwas niedriger gemäht, damit es den Tour-Verhältnissen eher entspricht.

 

golfmanager: Ergänzend zu den letzten Fragen: Was machen in Ihren Augen Top-Anlagen im Ausland anders? Gibt es mehr Personaleinsatz? Ist der Ausbildungsstand in der Platzpflege besser?

 

M. Siem:Das kann ich so nicht sagen. Im Ausland liegt eventuell der Fokus noch mehr auf den Grüns und den Fairways; wie hoch das Rough ist, ist für mich und mein Spiel zweitrangig. Insofern ist es auch nicht unbedingt eine Sache des Budgets.

 

K. Lampert:Am Personal denke ich nicht, dass es in erster Linie liegt; entscheidend ist, welche Spielergruppe angesprochen wird. Manchmal hat man den Eindruck, dass in Deutschland seitens Mitgliedern oft versucht wird, Einfluss auf den Platz bzw. die Pflege zu nehmen. Im Ausland ist man diesbzgl. offener und entspannter.

 

Herr Siem, Frau Lampert, herzlichen Dank für diese zum Teil sehr persönlichen Einblicke über den AWGC hinaus und für die Saison 2017, egal wo Sie aufteen, recht viel Erfolg.

 

Das Gespräch führten Bastian Bleeck und Max Freyn.

 

Weitere Informationen zum Mercedes-Benz After Work Golf Cup finden Sie online unter www.awgc.de oder unter www.facebook.com/MBAWGC.

Sie möchten ebenfalls Austragungsort der AWGC-Serie werden? Dann wenden Sie sich bitte an E-Mail: info (at) awgc.de.

Sympathieträger und einfach gute Typen: Die beiden Mercedes-Benz Markenbotschafter Karolin Lampert (li.) und Marcel Siem (re.) ­schlugen beim Auftakt des AWGC genauso ab wie die beiden ­Athleten des Charity-Partners Stiftung Deutsche Sporthilfe Konstantin Schad (2.v.li.) und Tobias Arlt (2.v.re.). (Alle Fotos: AWGC/ges-sportfoto.de)
Großes Medieninteresse beim Auftakt der diesjährigen Turnierserie „Mercedes-Benz After Work Golf Cup“.
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