Buntes und praxisorientiertes Programm

Der Dachverband der nationalen Greenkeeping-Verbände Europas gewährt mit einem spannenden Tagungsprogramm den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand.

 

Seit dem letzten Treffen in Galway im Februar 2020 war es nur möglich, sich online zusammenzufinden. Dies hat auch sehr gut funktioniert und eröffnete neue Möglichkeiten, vielschichtige Informationen auszutauschen. Was auf der Strecke blieb, waren die Interaktionen der Teilnehmer miteinander während und neben dem offiziellen Programm.

 

Trotz ungewisser Lage angesichts des Infektionsgeschehens in Bezug auf Covid-19, ist es dem FEGGA Board und Dean Cleaver in Zusammenarbeit mit den spanischen Verbänden gelungen, ein interessantes Programm zusammenzustellen und entsprechend geeignete Örtlichkeiten zu finden.

 

Am Anreisetag gab es ein „Come Together“ am frühen Abend im Hotel mit anschließendem Buffet. Die Stimmung war sehr heiter und die Teilnehmer erfreuten sich sichtlich an dem Wiedersehen mit alten Bekannten.

 

Mit dem Bus ging es am ersten Conference-Tag Von Marbella Richtung Gibraltar zum La Hacienda Alcaidesa Links Golf Resort. Hier wurden die Teilnehmer von den Delegierten der spanischen Verbände und der Clubführung herzlich in Empfang genommen und konnten erste Eindrücke von der herrlichen Anlage gewinnen.

 

Das FEGGA Scholarship Programm

Das Conference-Programm startete nach der Begrüßung der Teilnehmer mit einem Überblick des FEGGA Scholarship Programms in Zusammenarbeit mit dem in Schweden gelegenen Kristianstad Golf Course und der Sportsturf Maintenance Company. „Das Programm ist aufgestellt für ambitionierte Greenkeeper, die auf der Karriereleiter eine Stufe höher steigen und sich für die Übernahme einer Position als Head-Greenkeeper oder Course Manager vorbereiten wollen“, erläuterte Bevan Tattersall, Course Manager Kristianstad Golf Course. Jedes Jahr gibt es für acht Kandidaten die Möglichkeit, während einer Pflegesaison in Vollzeitanstellung im Club Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen zu sammeln. Neben der Pflege der Spielflächen – auf sehr hohem Niveau – gibt es Schulungseinheiten durch Spezialisten aus den Bereichen Beregnung, Maschinentechnik, Agronomie und Führung. Ebenso werden die Kandidaten mit unterschiedlichen Aufgaben betraut und müssen eigenständig ein Projekt planen und durchführen. Ein Highlight dürfte am Ende die Mitarbeit in der Vorbereitung zu einem European Tour Event sein. Teilnehmer des Programms haben im Anschluss oder kurz danach Positionen auf High End-Anlagen in ganz Europa besetzen können. Vielleicht kommt ein zukünftiger Kandidat aus Deutschland. Wer Interesse an dem Programm hat, kann sich mit der Geschäftsstelle in Verbindung setzen.

 

App zur Mitarbeiterförderung oder -schulung

Für den Schwedischen Greenkeeper-Verband stellte Goran Tyrsing eine App vor, die entwickelt wurde, um die erworbenen Fähigkeiten von Angestellten in der Golfplatzpflege dokumentieren zu können. Die erfassten Daten können genutzt werden, um gezielt neue Fähigkeiten nach Bedarf zu schulen oder die Förderung von Mitarbeitern hervorzuheben. Führungskräfte können Bewerber besser beurteilen, da die Angaben verifiziert werden müssen. Im Falle eines Arbeitsunfalls können die Daten als Beleg für durchgeführte Unterweisungen zur Risikobewertung und -minimierung für die Versicherung hilfreich sein. Derzeit sind 31 „Skills“ vorinstalliert, mit der neue Mitarbeiter geführt geschult werden können. Wie gehe ich vor bei einer bestimmten Tätigkeit? Woran muss ich bei der Tätigkeit denken? Was mache ich nach der Durchführung als abschließende Kontrolle? Ein erweiterbares Tool, welches auf eigene Bedürfnisse angepasst und zukünftig auch den anderen FEGGA-Partnern zur Verfügung gestellt werden könnte.

 

Kommunikation in Pandemie-Zeiten

Eugenio Rezola vom gastgebenden Spanischen Greenkeeper-Verband berichtete über ihre Aktivitäten und notwendigen Veränderungen unter den strengen Corona-Auflagen, die umgesetzt wurden, um die Mitglieder und Golfclubs bestmöglich zu informieren und zu unterstützen. Die 12 Mitglieder des Vorstandes haben sich mit Delegierten aus den Regionalverbänden zusammengeschlossen, um eine verbesserte, bidirektionale Kommunikation aufbauen können. Zusätzlich gab es regelmäßig informative Themenvideos über die Kanäle der Social Media-Plattformen zu den Herausforderungen und Lösungen aus den Regionen. Derzeit hat der spanische Verband einen Zuwachs auf 360 Mitglieder in der Kategorie Greenkeeper, 60 Industriepartner und 24 Mitglieder aus der neu entstandenen Kategorie Groundsmen, in der die Greenkeeper der Fußballstadien vereint wurden. Die Jahrestagung des Verbandes wurde auch in einem veränderten Format durchgeführt und hatte vornehmlich den Erfahrungsaustausch im Fokus. Hierfür wurde das Treffen dynamisch mit vielen Runden Tischen gestaltet.

 

Platz-Redesign unter Nachhaltigkeits-Aspekten

Nach der Mittagspause wurde das Redesign der Golfanlage vom Architekten Kurtis Bowman vorgestellt. Hauptaugenmerk wurde auf die Nachhaltigkeit gelegt. Das neue Design soll vor allem Arbeitskräfteeinsatz und Wasserverbrauch so gut es geht reduzieren. Die entscheidenden Faktoren neben dem Baukostenbudget waren eine standortgerechte Gräserauswahl für die Region und klimatischen Bedingungen, Bunkerdesign und Aufbau sowie totale Bunkerfläche, Design der Grüns und Puttoberfläche und Design der Abschläge und deren Pflegbarkeit. Erneuerung und Anpassungen der Beregnungsanlage an das Designkonzept mit optimierter Triangulierung der Regner, neuer Pumpenstation und Versorgungsleitungen für optimalen hydraulischem Fluss. Bei den Bunkern entschied man sich für einen Unterbau mit dem Better-Billy-Bunker-System, um Ausspülungen und Durchmischungen zu minimieren und so zeitintensive Arbeitseinsätze nach Starkregen-Ereignissen zu reduzieren. Diese Entscheidung erwies sich schnell als weise, da selbst 300 mm Regenmenge in einem kurzen Zeitraum den neu eingefüllten Sand an Ort und Stelle hielt. Zur Begrünung der meisten Flächen wurden TifEagle Bermudagrass-Spriggs verwendet, einzig die Bunkerumfelder wurden nicht nur wegen des Kontrastes mit Tall Fescue-Soden belegt. Das Zeitfenster für den Umbau war recht klein, da für eine erfolgreiche Etablierung ausreichend Temperatur notwendig ist. So musste alles von Anfang April bis Anfang Oktober erledigt werden. Für die bis zur Wiedereröffnung nötige Einpflege der Anlage wurde das Greenkeeping mit einer neuen Flotte von Pflegemaschinen ausgestattet. Die Teilnehmer konnten sich nach dem Vortrag dann selbst ein Bild von dem Umfang und der Veränderung auf der Anlage machen. Mit einer „Armada“ von Carts ausgestattet, erläuterte der Architekt dann vor Ort entlang der Bahnen nochmals die Entscheidungen zum Design und der Auswahl der Materialien.

 

Nachhaltiger Golfplatz-Betrieb

Nach der Rückkehr ins Clubhaus erläuterte David Gomes vom Spanischen Golfverband, welche Möglichkeiten derzeit umgesetzt würden, um die Nachhaltigkeit im Golf zu verbessern. So würden beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem PGA Catalunya Resort Projekte umgesetzt wie die Reduzierung von Energiekosten durch die Installation von Photovoltaik-Anlagen, die Reduzierung des Wasserverbrauchs durch Veränderung im Beregnungslayout, der Ausbau von Trainingsflächen mit Kunstrasenbelägen sowie der Einsatz von anderen Gräsern, z.B. auf Tees, die mit weniger Aufwand und Mitteleinsatz zu pflegen sind. Es würden auch Forschungsprojekte unterstützt, um alternative Mittel im Bereich Pflanzenschutz auf ihre Wirksamkeit, Alltagstauglichkeit und Verträglichkeit im Vergleich zu herkömmlichen Praktiken zu untersuchen.

 

Best practice Speicherbecken für Beregnungswasser

Zum Abschluss des ersten Konferenztages zeigte Adolfo Ramos, Head-Greenkeeper der Golfanlage Valderrama, ein Video zur Entstehung eines Speicherbeckens für Beregnungswasser, in dem das gesamte Oberflächenwasser des Geländes der Golfanlage zusammengeführt wird, um so ein zusätzliches Volumen von 50.000 m³ Beregnungswasser zur Verfügung zu haben. Dieses Video ist auf Youtube zu finden – Suchbegriffe: The Lake, Valderrama. Mit 600.000 Euro Baukosten ein riesiges Einzelprojekt, für die lokalen Bedingungen und die zunehmende Knappheit von Beregnungswasser eine zukunftssichernde Investition.

 

Abgerundet wurde der Tag mit dem Abendessen in einem nahegelegenen Restaurant, wo mit einer Auswahl an regionalen Variationen aus der Küche kulinarisch verwöhnt wurde. Durch die Anordnung der großen runden Tische war auch hier wieder ein guter Austausch unter den Teilnehmern möglich.

 

GCSAA 2022 und die Thank a Greenkeeper-Kampagne

Am zweiten Tag blieben wir in den Tagungsräumen des Hotels. Rhett Evans berichtete über die Aktivitäten der GCSAA und die Situation um Covid-19 auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Er präsentierte die Auswertung der „Thank a Greenkeeper“-Kampagne und verdeutlichte ihre Reichweite in den sozialen Netzwerken. Aus einer vor neun Jahren gestarteten Kampagne wurde eine weltweite Bewegung, die von vielen Stars aus Sport und Medien unterstützt wird. In 2020 erreichte der Hashtag #ThankASuper bereits 6.836.000 Personen. In 2021 waren es bereits 9.200.000. Der nächste Thank a Greenkeeper Day wird am 13.09.2022 sein.

 

Save the date: ITRC 2022

Martin Nilsson stellte das Programm zur ITRC 2022 vor. Die „International Turfgrass Research Conference 2022“ findet vom 10. Juli bis 15. Juli 2022 in Kopenhagen statt. Alle Informationen sind auf der Webseite www.itrc2022.org zu finden. Hervorgehoben wurde der 12. Juli, an dem ein Ganztagesprogramm für Praktiker im Bereich Rasen angeboten wird.

 

Umfrage zu Wasserverbrauch auf Golfanlagen der Algarve

Joel Nunes, Vorsitzender des FEGGA Boards und des Portugiesischen Greenkeeper-Verbandes erläuterte die Auswertung einer Umfrage unter den Golfanlagen der Algarve zum Wasserverbrauch für die Beregnung. Auslöser war die vorherrschende Meinung, dass Golfanlagen Unmengen an Wasser für die Beregnung verschwenden würden. Um proaktiv mit dem Thema der regionalen Regierung entgegentreten zu können, wurden in Zusammenarbeit mit der Universität Algarve die Daten der Golfanlagen abgefragt, wieviel und welche Art von Wasser für die Beregnung benötigt wurde. Mit den erfassten Daten konnten dann Vergleiche mit anderen Wasserverbrauchern der Region angestellt werden. Das Ergebnis überraschte, da sich herausstellte, dass die Golfanlagen sehr viel weniger Wasser benötigten als angenommen wurde und häufig auch schon mit recyceltem Wasser gearbeitet wird.

 

Erfahrungsaustausch untereinander und mit Partnern

Nach einer Erfrischungspause trafen sich dann die Teilnehmer der Verbände in zwei Gruppen und es wurden die Erfahrungen und Veränderungen durch und während Covid-19 in den Verbänden besprochen und abschließend zusammengefasst. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Herausforderungen bei allen Verbänden gleichermaßen auftraten, der Umgang damit aber doch sehr unterschiedlich war. Hier zeigte sich, dass mitgliederstarke Verbände es leichter hatten, eine professionelle Kommunikation und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Mitglieder anzubieten.

 

Das erstmals  in Galway durchgeführte „Speed-Dating“ mit den Patrons, den Industriepartnern, welche als Sponsoren die FEGGA finanziell unterstützen, war der Abschluss des offiziellen Conference Programms. Hier hatten alle Industrievertreter die Möglichkeit, sich und ihre Produkte oder Neuheiten den Vertretern der Verbände in einem vorgegebenen Zeitfenster zu präsentieren, bevor es reihum einen Tisch weiterging.

 

Am Abend gab es nochmal ein gemeinsames Abendessen im Hotel. Hier konnten die Inhalte der Konferenz und so mancher Austausch zu Ende geführt werden. Es war aber gleichzeitig die Zeit, sich auch wieder von den Teilnehmenden zu verabschieden.

 

Autor für den GVD: Frank Schäfer | Greenkeepers Journal 2/2022

Gruppenfoto der Teilnehmer der FEGGA Conference 2022
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