Mit 66 Jahren ...

Best Ager als Zielgruppe für Golfanlagen

In Gullivers Reisen schrieb Jonathan Swift zu Beginn des 18. Jahrhunderts den bemerkenswerten Satz „Jeder möchte lange leben, aber keiner will alt werden.“ (Original: „Every man desires to live long, but no man would be old.“) Doch gerade in Deutschland werden ältere Menschen als Kunden immer relevanter. Das Stichwort vom demografischen Wandel fasst es zusammen: Die bundesdeutsche Bevölkerung verschiebt sich zunehmend in Richtung der Älteren. Vor allem der bevorstehende Renteneintritt der Baby Boomer-Generationen wird dies forcieren, aber auch die im Vergleich zu früheren Jahrzehnten niedrigeren Geburtenraten tragen zu dieser Entwicklung bei. Längst hat Deutschland einen der höchsten Altersdurchschnitte Europas. Die Auswirkungen zeigen sich beispielsweise bei den Diskussionen um Renteneintrittsalter und Rentenniveau, aber auch bei der Frage, wie die öffentliche Infrastruktur auf diese Entwicklung reagieren solle. Deutschland versucht letztlich – wie nahezu alle Länder Kontinentaleuropas – seine Infrastruktur stets als Mehrgenerationen-Modell zu gestalten. Ganz anders der Ansatz in den USA: Hier entstehen schon seit vielen Jahrzehnten, vor allem in den südlicheren Bundesstaaten, eigene Communities, die sich speziell an den Bedürfnissen älterer Menschen orientieren. Das bekannteste Beispiel dürfte The Villages rund 90 Kilometer nordwestlich von Orlando, Florida, sein: Eine gated community mit deutlich mehr als 100.000 Einwohnern – samt entsprechender Ärzteschaft und altersgerechten Sportangeboten, bei denen vor allem Golf eine zentrale Rolle spielt. Für 179 USD monatlich können die Einwohner sage und schreibe 42 Executive Courses und zahlreiche sonstige Aktivitäten nutzen, zusätzlich gehören 12 Championship-Plätze zum Angebot der Community.

 

Längst ist bekannt, dass Golf nicht nur gesundheitsfördernd ist, sondern auch – entsprechende körperliche Beweglichkeit vorausgesetzt – bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. Dennoch wird vielerorts mal engagiert diskutiert, mal eher philosophiert, ob Senioren für den deutschen Golfsport eine besonders relevante Zielgruppe seien – oder ob man besser in die jüngeren Golfer investieren solle. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie man dem Sport verbundene, aber eben auch älter werdende Golfer als Kunden bindet, sondern vor allem um die Frage, ob ältere Menschen eine lukrative Zielgruppe zur Generierung neuer Golfer seien. Welche Rolle ältere Golfer bereits heute im Mitgliedermix deutscher Golfanlagen spielen, zeigen die jährlichen Daten des Deutschen Golf Verbandes (DGV) (Tabelle 1).

Aktuell sind 42,3% aller im organisierten Golfer in Deutschland älter als 60 Jahre, bei den Damen sind es sogar 45,5%. Nimmt man die Gruppe der 41-60-Jährigen dazu, entfallen 79% aller DGV-Golfer auf die Altersgruppe 40Plus (Männer: 76,4%, Damen: 83,5%).

 

Vergleicht man diese Struktur mit der bundesdeutschen Bevölkerung, wird die „Senioren-Orientierung“ im Golfsport noch deutlicher (Quelle: Statisches Bundesamt, Bevölkerung nach Altersgruppen in Prozent 2020) (Tabelle 2).

 

Die rot unterlegten Werte bedeuten, dass der Anteil der Golfer dieser Altersgruppe unter dem entsprechenden Bevölkerungsanteil liegt, grün hingegen weist auf einen überproportionalen Golferanteil in dieser Altersgruppe hin.

Noch deutlicher wird dies, wenn man die Durchdringung der jeweiligen Altersgruppen ermittelt, indem man die Anzahl der Golfer je Altersgruppe in Relation zur jeweiligen Bevölkerung der gleichen Altersgruppe setzt (Tabelle 3).

 

Insgesamt erreicht der organisierte Golfsport in Deutschland derzeit rund 0,81% der bundesdeutschen Bevölkerung – allerdings liegt der Anteil in der Altersgruppe bis 40 Jahren deutlich darunter, während der Anteil in der Gruppe der über 60-Jährigen am höchsten ist. Genau hier setzt die Herausforderung an: Was bedeuten diese Zahlen für die künftige Golf-entwicklung? Soll man im Marketing verstärkt auf Senioren setzen? Oder ist in dieser Altersgruppe die Marktdurchdringung bereits so groß, dass man eher die jüngeren Generationen umwerben sollte? Auch die veröffentlichten Ergebnisse der Nachfrageanalyse Golf des DGV aus dem Jahr 2020 geben darauf keine Antworten. Doch angesichts einer im Vergleich zu anderen Nationen eher überschaubaren Durchdringung der Bevölkerung mit aktiven Golfern (zum Vergleich: Der European Golf Participation Report 2021 von R&A und EGA weist für Island eine Durchdringung von 17,74% aus, auch Schweden liegt mit 5,80% um ein Vielfaches vor Deutschland) ist zu vermuten, dass grundsätzlich auch unter den Best Agern noch Golfinteressenten zu finden sein sollten. Um die Eignung dieser Zielgruppe für künftiges Wachstum zu analysieren, sollte man jedoch zwei Fragen betrachten:

 

  1. Wie entwickelt sich die Kaufkraft dieser Bevölkerungsgruppe?
  2. Unter welchen Prämissen stellen Best Ager eine lukrative Bevölkerungsgruppe für weiteres Wachstum dar?

 

Kaufkraft der Best Ager

Als Best Ager im Sinne der nachfolgenden Betrachtungen wird die Bevölkerungsgruppe der über 60-Jährigen angesehen. Für sie gilt zunächst die gute Nachricht: Die Lebenserwartung nimmt weiter zu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag die Rest-Lebenserwartung eines 60 Jahre alten Menschen (also die Anzahl der Jahre, die ein Mensch im Durchschnitt noch vor sich hat, wenn das 60. Lebensjahr bereits vollendet wurde – abweichend von der durchschnittlichen Lebenserwartung über alle Altersgruppen) in Deutschland noch bei 14,2 Jahren für Frauen und 13,1 Jahren für Männer. Bis 1980 stiegen diese Werte auf 20,8 Jahre für Frauen und 16,5 Jahre für Männer. Aktuell geht man von einer Rest-Lebenserwartung für 60-Jährige von 25,6 Jahren für Frauen und 22,0 Jahren für Männer aus – bis 2060 erwartet das Statistische Bundesamt einen weiteren Anstieg auf 29,1 für Frauen und 26,1 Jahre für Männer (Grafik 1).

Damit hat sich die Rest-Lebenserwartung in den letzten gut 100 Jahren ungefähr verdoppelt. Es ist davon auszugehen, dass auch die aktuelle Corona-Pandemie diese Werte nicht signifikant verändert. Doch Menschen werden nicht nur immer älter, sondern auch fitter – können also länger sportlichen Betätigungen nachgehen. Vor diesem Hintergrund ist die Gruppe der Best Ager die absolut am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe, einmal durch die Verschiebung der Baby Boomer in diese Gruppe, zum anderen durch die parallel steigende Lebenserwartung. Neben dem Alter spielen jedoch die Kaufkraft und damit Einkommen und Vermögen eine wichtige Rolle – denn Freizeit alleine reicht für eine Mitgliedschaft in einem Golfclub oder umfangreiche Greenfee-Runden nicht aus.

Ohne an dieser Stelle eine umfassende volkswirtschaftliche Kaufkraft-Analyse durchzuführen (der aktuell signifikante Anstieg der Inflation reduziert die Kaufkraft für alle Bevölkerungsgruppen nachhaltig), sind die entscheidenden Parameter das Einkommen sowie das Vermögen. Je nach Renteneintritt kann Einkommen für die Best Ager entweder aus Gehalt, sonstigen Einkünften (beispielsweise aus der Vermietung von Immobilien oder der Vermögensanlage) und nicht zuletzt ab Eintritt des Rentenalters aus entsprechenden Altersrenten oder Pensionen bestehen. Eine Veröffentlichung von Sozialpolitik-aktuell.de für das Jahr 2020 zeigt dabei ein durchaus erstaunliches Bild (Grafik 2).

Natürlich wird das Rentenniveau von zahlreichen Faktoren beeinflusst, insbesondere der Höhe der gezahlten Beiträge und der Dauer der Beitragszahlungen. Dennoch: Nach Angaben der gesetzlichen Rentenversicherung lag die tatsächliche Durchschnittsrente 2020 bei gerade einmal 989 Euro. Männer beziehen dabei üblicherweise eine höhere Rente. Doch diese Werte basieren auf der tatsächlichen Beitragsdauer. Betrachtet man die sogenannte Eckrente – also die Rente für Personen, die 45 Jahre lang Beiträge auf Basis des jeweiligen Durchschnittseinkommens entrichtet haben – ist diese mit brutto 1.539 Euro (alte Bundesländer) und 1.506 Euro (neue Bundesländer) pro Monat ebenfalls alles andere als üppig. Allerdings besteht das Einkommen von Rentnern oft nicht nur aus der gesetzlichen Altersversorgung, sondern wird um Hinterbliebenen-Bezüge, betriebliche Altersversorgungen oder sonstige zusätzliche Einkünfte ergänzt. Der Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung 2020 kommt zu dem Ergebnis, dass Ehepaare als Rentnerhaushalt im Schnitt über insgesamt 2.910 Euro monatliches Nettoeinkommen verfügen – alleinstehende Frauen kommen auf 1.606 Euro, alleinstehende Männer auf 1.796 Euro. Dabei trägt die gesetzliche Rentenversicherung dem Bericht zufolge bei Ehepaaren nur zu 52% zum Gesamteinkommen bei, während dieser Anteil bei Alleinstehenden mit 57% (Männer) sowie 71% (Frauen) deutlich höher ist. Dabei ist jedoch zu beachten, dass eine Vielzahl der zusätzlichen Einkünfte aus dem bisher angesparten Vermögen stammt – wenn also beispielsweise eine Kapitallebensversicherung verrentet wird, erhöht die monatliche Rentenzahlung daraus zwar das Nettoeinkommen, andererseits schmilzt gleichzeitig das Vermögen. Doch auch ein Blick auf das Vermögen in Deutschland dürfte viele Menschen überraschen.

Das durchschnittliche Nettovermögen liegt in Deutschland gemäß einer Auswertung der Bundeszentrale für politische Bildung bei gut 120.000 Euro in Westdeutschland sowie knapp 55.000 Euro in Ostdeutschland. In Bezug auf das Alter und Vermögen werden ebenfalls Unterschiede deutlich: Während in Westdeutschland der Vermögens-Spitzenwert in der Gruppe der 71- bis 75-Jährigen zu beobachten ist, wird in Ostdeutschland dieser Wert bei den 51- bis 55-Jährigen erreicht (Grafik 3). 

 

Die Abnahme nach Erreichen des Rentenalters zeigt: Offensichtlich wird häufig das vorher angesparte Vermögen eingesetzt, um den Lebensstandard im Alter zu finanzieren. Wichtig zu beachten: Vielfach ist das Vermögen jedoch gebunden und nur begrenzt liquidierbar – da es sich beispielsweise um das eigene Haus oder die Eigentumswohnung handelt.

Die Zahlen zeigen: Längst nicht alle Best Ager verbringen ihren Lebensabend an einem Platz an der Sonne, vor allem Alleinstehende sehen sich häufig mit eher knappen Einkünften konfrontiert. Wer rein auf die gesetzliche Altersversorgung angewiesen ist, kommt für Golfanlagen eher weniger in Frage – von Einzelfällen, in denen beispielsweise durch Vererbung zusätzliches Vermögen übertragen wurde, einmal abgesehen. Die für den Golfsport (und andere Freizeitbetätigungen) erforderliche Kaufkraft – gleich, ob als Vollmitglied einer Anlage oder ob als Greenfee-Spieler – kann auch bei den Best Agern nur von einer begrenzten Zielgruppe erbracht werden. Dabei dürfte es sich meist um die Menschen handeln, die bereits während ihres aktiven Berufslebens über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, um Freizeitaktivitäten wie Golf finanzieren zu können. Umgekehrt ist es durchaus realistisch, dass Golfer mit Eintritt des Rentenalters plötzlich nicht mehr über den notwendigen finanziellen Spielraum für eine Golfmitgliedschaft verfügen – denn wenn man selbst von 2.900 Euro Haushalts-Nettoeinkommen Standardausgaben wie Miete, Energie und Mietnebenkosten, PKW-Kosten und Lebenshaltung abzieht, verbleibt kein allzu großer Spielraum mehr.

 

Anforderungen der Best Ager

Best Ager verfügen – im Unterschied zu Berufstätigen – meist über eine wichtige Voraussetzung für Golf: Zeit. Eine Konsequenz daraus ist häufig die, im Vergleich zu erwerbstätigen Mitgliedern, deutlich höhere Spielhäufigkeiten. Damit reduzieren Best Ager vielfach die verbleibende Rundenkapazität einer Anlage, so dass die Kapazitätsgrenze schneller erreicht wird oder nur eine reduzierte, an Greenfee-Spieler vermarktbare Kapazität, verbleibt. Wer Best Ager als Zielgruppe in den Fokus rückt, sollte deren Anforderungen an Golfanlagen beachten. Auch wenn es viele Golfer nicht wahrhaben wollen: Trotz modernster Schlägertechnik lässt die Schlagweite meist nach. Damit auch Best Ager Spaß auf dem Platz haben, benötigen sie daher entweder kürzere Spielbahnen (ein speziell auf Best Ager ausgerichteter Platz kann beispielsweise deutlich kürzer gebaut werden, was sich positiv auf die Investitions- und Unterhaltungskosten auswirkt) oder zumindest Teeboxen, die ihrer Schlagweite entsprechen. Auch wenn es unter den Best Agern viele überzeugte „Walking Golfer“ gibt: Immer mehr Best Ager bevorzugen, wie in den USA, ein Cart auf der Runde. Das erfordert zusätzliche Investitionen und entsprechende Instandhaltungsaufwendungen, bietet aber auch die Chance auf Zusatzerträge aus der Vermietung und kann zudem helfen, die Rundenzeiten in Grenzen zu halten. Vielfach hört man von Golfanlagen, dass Best Ager – vor allem Alleinstehende – Wert auf die soziale Gemeinschaft im Club legen. Hier sind entsprechende Angebote wichtig und können gleichzeitig zur Bindung der Golfer dienen. Bei der Startzeiten-Organisation haben Best Ager vielfach die Erwartung, dass sie immer mit den gleichen Spielpartnern auf die Runde gehen können – am besten immer am gleichen Wochentag zur gleichen Zeit. Ob ein Club dies leisten möchte, ist nur individuell zu entscheiden, schränkt aber naturgemäß die Verfügbarkeit für andere Mitglieder und Gastspieler ein.

 

Lohnen sich Best Ager?

Im Beitrag ► ”Kundenwert-Analyse für Golfanlagen: Rentabilität von Mitgliedschaften" (golfmanager 1/2022)  wurden verschiedene Möglichkeiten der Kundenanalyse betrachtet. Ausgehend von den vorab beschriebenen Rahmenbedingungen stellt sich daher die Frage, ob Best Ager eine lukrative Zielgruppe für Golfanlagen darstellen. Eine genaue Berechnung kann natürlich nur pro Golfanlage anhand individueller Parameter erfolgen. Dennoch sollte man hier unbedingt zwischen Best Agern im Rahmen bestehender Mitgliedschaften und Best Agern als Zielgruppe für Neugolfer differenzieren. Sind die Best Ager bereits Mitglied, fallen für eine Fortführung der Mitgliedschaft keine Akquisitionskosten an. Hier stehen daher zwei Fragen im Raum:

 

  • In welchem Verhältnis stehen Beitrag und Rundenzahl zueinander?
  • Lassen die individuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Golfer im Ruhestand eine Fortführung der Mitgliedschaft zu?

 

Auf die Problematik des Vielspielens von Best Agern wurde bereits eingegangen. Um Golf für Best Ager wirtschaftlich attraktiv zu gestalten, bleiben letztlich zwei Betrachtungsweisen: Entweder verfügt ein Club über so hohe Leerstände, dass selbst Vielspieler zu keinen Engpässen bei den Startzeiten führen – das deutet allerdings häufig auf andere Herausforderungen für den Club hin. Ist der Club jedoch gut frequentiert, können nur Regelungen zur Begrenzung von Vorausbuchungen oder Rundenkontingente eine für alle Beteiligten faire Lösung herbeiführen – sonst kommt es zu Konflikten zwischen Viel- und Wenigspielern. Die mathematisch ebenfalls mögliche Option, Best Agern aufgrund der hohen Spielfrequenz von vornherein höhere Mitgliedsbeiträge in Rechnung zu stellen, dürfte wenig praktikabel sein. Anders sieht es bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus. Hier hilft keine Pauschalbetrachtung, letztlich entscheiden das individuelle Vermögen und die Priorisierung der Ausgaben über die Bedeutung des Golfsports für den einzelnen Best Ager – wer Golf liebt, wird im Zweifelsfall lieber seltener in Urlaub fahren, wer hingegen als Rentner endlich mehr Reisen möchte, wird eventuell Golf hinten anstellen. Um mögliche finanzielle Hemmnisse für die Zukunft der Best Ager als Mitglied zu vermeiden, könnten Golfanlagen alternativ auch Finanzierungskonzepte anbieten, die in anderen Branchen längst etabliert sind. So wäre beispielsweise die Einführung eines Beitragsmodells samt Altersrücklage denkbar: Während des aktiven Berufslebens zahlt das Mitglied einen höheren Beitrag, ein Teil davon wird in eine Altersrücklage eingebracht. Mit Erreichen des Rentenalters zahlt das Mitglied dann einen reduzierten Betrag, da die Rücklage mit angerechnet wird. Auf diese Weise können nicht nur mögliche Finanzierungslücken kompensiert werden, sondern die Clubs hätten auch ein zusätzliches Bindungsinstrument, sofern die Rücklage nicht übertragbar ist.

 

Anders sieht es bei Best Agern als Neugolfer aus. Zwar steigt die Lebenserwartung erfreulicherweise weiter, dennoch kann auch der Golfsport nicht unbegrenzt ausgeübt werden – und mit zunehmendem Alter drohen Krankheiten, die Golf nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ermöglichen. Geht man bei 60-Jährigen von einer durchschnittlichen restlichen Golfkarriere von etwa 20 Jahren aus, wird der Unterschied zu jüngeren Zielgruppen deutlich. Denn wer beispielsweise mit 35 Jahren zum Golfsport kommt, hat noch eine „Golfkarriere“ von bis zu 45 Jahren vor sich! Noch deutlicher wird dies bei Jugendlichen – wobei die Erfahrung zeigt, dass (leider) nur sehr wenige Jugendliche bis ins hohe Alter unterbrechungsfrei dem Golfsport erhalten bleiben, doch davon mehr in einer der kommenden Ausgaben des golfmanager. Die vergleichsweise „kurze“ Dauer als Golfer rückt die Akquisitionskosten für Best Ager in den Mittelpunkt: Welcher finanzielle Aufwand ist notwendig, um Best Ager für den Sport sowie als Mitglied des eigenen Vereins zu gewinnen? Und mindestens genauso wichtig: Welches Finanzierungsmodell akzeptiert diese Zielgruppe – eher reine Nutzungsentgelte oder auch einmalige Signing Fees? Gerade bei den Einstandskosten sollten Anlagen berücksichtigen, dass diese mit zunehmendem Alter schnell unwirtschaftlich erscheinen, wenn ein Golfer diese auf die erwartbare maximale Mitgliedschaftsdauer im Club umlegt und zum Jahresbeitrag hinzurechnet. Anders sieht es nur aus, wenn dafür ein übertragbarer Gegenwert erworben wird (beispielsweise Anteil an einem wirtschaftlich gesunden Unternehmen). Ansonsten wird bei Best Agern eher das Modell der laufenden Entgelte bevorzugt werden. Interessant wird es bei den Akquisitionskosten. Auch wenn heutige Best Ager durchaus online-affin sind: Ob Search Engine Marketing, Google Adwords oder Werbung in den sozialen Medien diese Zielgruppe ausreichend motiviert, ist zumindest fraglich. Wirtschaftlich attraktiv sind meist „Mitglieder werben Mitglieder“-Aktionen, da hier schon nach wenigen Wochen durch die neue Mitgliedschaft Zusatzerträge erwirtschaftet werden. Zudem vertraut die Gruppe der Best Ager weiterhin besonders persönlichen Empfehlungen. Soll die Zielgruppe hingegen durch andere Marketingmaßnahmen wie Printwerbung oder mehr angesprochen werden, sind individuelle Kalkulationen zur Amortisation empfehlenswert. Eine weitere Akquisitionsmöglichkeit bietet seit 2022 der Rehasport. Hier haben die Anlagen einen fast perfekten Durchgriff auf die in dieser Zielgruppe besonders häufig vertretenen Best Ager – und können im Rahmen der durchgeführten Kurse nicht nur aktiv für Golf als Gesundheitssport werben, sondern erhalten hierfür auch Vergütungen durch die Krankenkassen (siehe dazu den Beitrag zu Golf als Rehasport in dieser Ausgabe).

 

Best Ager sind interessant, aber kein „Selbstläufer“

Keine Frage: Die demoskopische Entwicklung zwingt den Golfsport geradezu, Best Ager weiterhin in seine Marketingaktivitäten einzubeziehen. Neben einem immer größer werdenden Anteil an der Gesamtbevölkerung und der weiter zunehmenden Lebenserwartung entspricht Golf dem Wunsch vieler Best Ager nach Gesundheit und Natur. Außerdem verfügen (fast) alle Best Ager über ein knappes Gut: Zeit – eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Golfsport. Doch trotz dieser sehr positiven Rahmenbedingungen: Am stärksten werden Best Ager durch die finanziellen Rahmenbedingungen eingebremst. Wie bei Erwerbstätigen gilt auch für Best Ager: Längst nicht alle Haushalte verfügen über die notwendigen finanziellen Ressourcen, um auch im Ruhestand Golf in Form einer Mitgliedschaft oder als Greenfee-Spieler zu genießen. Klarheit kann hier für die einzelne Golfanlage nur eine individuelle Marktanalyse für das regionale Einzugsgebiet bringen.

 

Ein weiteres wirtschaftliches Risiko liegt in der hohen Spielfrequenz vieler Best Ager, vor allem im Vergleich zu Golfern, die berufstätig sind. Mehr Runden pro Mitglied bedeuten für die Golfanlage jedoch weniger Chancen auf Greenfee-Einnahmen durch Gastspieler, dieser Effekt sollte in die Betrachtung einbezogen werden. Zudem ist, sofern Best Ager als Neugolfer gewonnen werden sollen, der Akquisitionsaufwand (in Form von Werbung, Schnupperkursen und mehr) nur über einen deutlich kürzeren Zeitraum amortisierbar als bei anderen Altersgruppen. Wer bestehende Mitglieder auch als Best Ager an sich binden möchte, sollte über mögliche Ansparoptionen zur Absenkung der Beiträge als Best Ager nachdenken – sofern die Mitglieder nicht ohnehin über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen. Denkbar sind auch unterschiedliche Mitgliedsmodelle für Best Ager, welche die jeweilige Spielfrequenz mit einbeziehen.

 

Fazit

Best Ager werden auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil des Golfcommunity-Mixes bleiben. Allerdings ist davon auszugehen, dass Zusatzerträge über Greenfee oder Mitgliedsbeitrag hinaus meist niedriger sind als bei jüngeren Mitgliedern, da nicht mehr so oft in neue Schläger, Bekleidung oder Schuhe investiert wird. Wer diese Zielgruppe in den Mittelpunkt stellt, sollte sein Produkt auf der Anlage konsequent an den Erfordernissen dieser Zielgruppe ausrichten. Beachtenswert ist, dass die durchschnittliche Bindungsdauer von Neugolfern aus der Gruppe der Best Ager deutlich geringer ausfällt – Akquisitionskosten müssen daher in deutlich kürzerer Zeit refinanziert werden. Sofern eine Anlage auf diese Herausforderungen die individuellen Antworten findet und ausreichend Best Ager mit entsprechenden verfügbaren finanziellen Mitteln im Einzugsgebiet leben, sind sie vor allem vor dem Hintergrund von Golf und Naturerlebnis eine wichtige, kaum wegzudenkende Zielgruppe.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 2/2022

 

 

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