Was tun bei Starkregen und Überflutung?

Gefahr Hochwasser für Golfanlagen

Extreme Wetterereignisse mit Starkregen treten zunehmend häufiger auf und können lokal zu großen Beeinträchtigungen führen. Hohe Niederschlagsmengen verursachen besonders umfangreiche Schäden, wenn sie auf Böden fallen, die zu diesem Zeitpunkt bereits wassergesättigt sind. Bei einem derartigen Ereignis können die Wassermassen nicht mehr versickern und im Extremfall kann es zu Überflutungen kommen.

Neben den schnell sichtbaren Schäden an Wegen, Bunkern oder baulichen Einrichtungen, kann stehendes Wasser zu direkten oder indirekten Schädigungen an Gräsern führen. Grundsätzlich toleriert ein Grasbestand eine Überflutung für eine gewisse Zeit ohne größere Probleme. Trotzdem kann aber keine pauschale Einschätzung eines möglichen Schadens erfolgen, da es auch darauf ankommt, wie vital der Grasbestand ist und in welcher Jahreszeit das Ereignis stattfindet. Überflutungen im Frühjahr oder Herbst, zum Zeitpunkt der Vegetationsruhe, richten geringere Schäden an, als im Sommer, bei Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen.

Von großer Bedeutung ist zudem, welche Gräserarten betroffen sind. Während Agrostis stolonifera relativ widerstandsfähig gegen stehendes Wasser ist und bei kühlen Temperaturen sogar fünf bis sechs Tage überstehen kann, muss Lolium perenne dagegen in der Regel nachgesät werden. Einfluss hat vor allem auch die Dauer der Überflutung, sowie die Höhe des  Wasserspiegels. Eine komplette Überflutung des Grasbestandes ist erheblich schädigender, als wenn noch wenigstens ein Teil der Blattmasse oberhalb der Wasserkante steht.

 

Grundsätzlich gilt es, den Schadenhergang, die Schäden und auch alle anfallenden Maßnahmen, sowie deren Zeitbedarf zu dokumentieren, durch Fotos und Aufzeichnungen. Dies ist hilfreich in Bezug auf Versicherungsleistungen sowie Kostenvoranschläge und dient auch zur internen Kommunikation!

 

Vorgehen im Katastrophenfall

Als Erstes gilt es, dafür zu sorgen, dass das Wasser abläuft. Je nach Jahreszeit und Umfang dauert es zu lange, auf die natürliche Versickerung zu warten und deshalb müssen Pumpen eingesetzt werden. Ein Betreten oder Befahren ist zu diesem Zeitpunkt zu minimieren, um den wassergesättigten Boden zu schonen. Nach dem Abtrocknen kann mit den Maßnahmen zur Instandsetzung begonnen werden:

 

1. Alle groben Anschwemmungen, wie Unrat, Steine, Äste usw. gilt es, zu entfernen. Waren bei der Überflutung Teiche betroffen, so kann es dazu kommen, dass auch tote Fische von den Spielbahnen gesammelt werden müssen.

2. Kommt es zu Schlammablagerungen auf den Spielbahnen, so können diese bis zu einer Mächtigkeit von zwei bis drei Zentimeter verbleiben und dann, wenn es der Bodenzustand zulässt, durch Bürsten oder Striegeln entfernt werden.

 

Bei stärkeren Auflagen besteht, aufgrund der tonigen und schluffigen Anteile, die Gefahr, dass Stauhorizonte entstehen und deshalb sollten diese beseitigt werden. Je nach Art der Ablagerungen darf damit auch nicht zu lange gewartet werden, da sie extrem verkrusten können und sich dann nicht mehr beseitigen lassen. Auf den Grüns und Tees sind diese Feinanteile wesentlich kritischer zu sehen und müssen möglichst schnell entfernt werden, um den Eintrag in die Rasentragschicht zu minimieren. Die Feinanteile verstopfen die Poren und haben somit dauerhafte Auswirkungen auf den Wasser- und Lufthaushalt. Hier ist ein vorsichtiger Einsatz von Schaufeln, Abziehern oder sogar Wasser angebracht.

3. Die betroffenen Flächen müssen vor einem Befahren ausreichend abgetrocknet sein, da es sonst nicht nur zu Spuren, sondern auch zu Verdichtungen kommt. Sobald der Boden jedoch tragfähig ist, verbessert auf allen Spielelementen ein wiederholtes Aerifizieren, Schlitzen und Sanden die Bodenluft- und -wasserverhältnisse. Auch ein Schlitzen oder Striegeln hat nicht nur auf den Bestand positive Auswirkungen und reduziert organische Substanz, sondern erleichtert danach auch das Auflaufen und die Entwicklung junger Gräser.

 

4. Zeigt sich nun, abgesichert durch einen Vitalitätstest, dass der Bestand nachhaltig geschädigt wurde, ist eine Neueinsaat notwendig. In diesem Fall empfiehlt sich entweder der Einsatz einer Fräse bzw. Kreiselegge oder auch das Abschälen des Altbestandes, um die Bildung von Sperrschichten zu vermeiden. Im Anschluss sollte die Oberfläche leicht gelockert und danach planiert werden, um eine optimale Grundlage für die Neuansaat zu schaffen.

 

Selbst wenn es nur zu einer teilweisen Schädigung gekommen ist, kann dies ein günstiger Zeitpunkt sein, die Zusammensetzung des Bestandes durch eine Nachsaat zu optimieren.

 

Im Rahmen der Regenerations-Maßnahmen sollte auch überlegt werden, ob in diesem Arbeitsgang Ursachen für Überflutungen oder Optimierungen vorgenommen werden können.

 

5. Im Anschluss an die pflegerischen Maßnahmen unterstützt eine leichte, bedarfsgerechte Düngung die Regeneration. Wurde eine Nachsaat durchgeführt, muss die Bodenfeuchte kontinuierlich kontrolliert werden, um ein Austrocknen zu vermeiden.

 

Nach den umfangreichen Maßnahmen gilt es, die Flächen noch zu schonen, im Hinblick auf Befahren, Bespielen und Begehen. Absperrmaßnahmen, Auftee-Pflicht oder Einsatz der Fairway-Matte, sowie eine Wegeführung sind mögliche Instrumente.

 

Die Planung der zukünftigen Pflegearbeiten sollte zudem eine regelmäßige Bodenbearbeitung und Besandung beinhalten, um den Bodenzustand nachhaltig zu optimieren.

 

Eine Überflutung sollte auch zum Anlass genommen werden, sich grundsätzlich Gedanken zu machen, wie die Golfanlage auf zukünftige Stark-regenereignisse, deren Wahrscheinlichkeit aller Vor-aussicht nach steigt, besser vorbereitet werden kann. Hierzu gehören bauliche Veränderungen oder der Einbau effektiver zusätzlicher Drainagen. Aber auch mechanische Maßnahmen, wie das Aerifizieren, Tiefenlockern und Sanden helfen, die Drainfähigkeit der Spiel-elemente zu optimieren. Zudem sollten Wasserläufe und Sickergräben regelmäßig kontrolliert werden, denn nur wenn dort ein freier Abfluss möglich ist, wird ein Rückstau auf die Golfanlage verzögert oder im Idealfall abgemildert.

 

Fazit

Extremwetterereignisse sind wahrscheinlicher geworden und wir müssen mit mehr Starkregen und Hagelgewittern rechnen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass unvorhergesehene Ereignisse nahezu jeden treffen können und dann gilt es, überlegt und besonnen zu reagieren, um die Schäden so gering wie möglich zu halten.

 

Eine Überprüfung der benötigten und sinnvollen Versicherungs-Policen, von Notfall- und Einsatzplänen gehören hier ebenso dazu, wie das Hintergrundwissen über die mehr oder weniger großen Gefahren für die Gräser oder die Bodenphysik. Und, ganz wichtig: Auch eine transparente und offene Kommunikation mit Club, Betreiber und Mitgliedern schafft die benötigte Akzeptanz, die Schäden in der richtigen Reihenfolge zu beseitigen und den Platz schnellstmöglich wieder in einen bespielbaren Zustand zu versetzen.

 

Autorin: Beate Licht | golfmanager 6/2021

 

(Anm.d. Red.: Eine etwas praxisnaher ausgelegte Version des Beitrags von Beate Licht wurde parallel im Greenkeepers Journal 4/21 veröffentlicht – diesen finden Sie, zusammen mit zwei persönlichen Erfahrungsberichten betroffener Head-Greenkeeper, ► HIER.)

 

Lesen Sie bei Interesse den folgenden Beitrag zur ► Unwetter-Katastrophe 2021 und den Folgen für Golfanlagen (golfmanager 6/2021)

 

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