Rangesysteme auf dem Vormarsch

Zukunftsträchtige Investitionen zur Kapazitätserweiterung

Während viele Wirtschaftsbereiche bis heute an den Auswirkungen der Corona-Krise leiden, konnte die Golfbranche – mit Ausnahme des Turniersports – ihre Position überwiegend festigen, wenn nicht gar ausbauen. Selten zuvor wurde ein derartiger Zuwachs bei den Mitgliedszahlen beobachtet, auch die Anzahl der gespielten Runden ist weltweit gestiegen. Doch wie so oft decken Boomphasen auch Schwachstellen auf. Nicht wenige Golfanlagen erkannten, dass es durch die Steigerung der Nachfrage – sowohl aus der bestehenden Mitgliedschaft heraus, als auch durch neue Mitglieder – in Kombination mit Restriktionen wie beispielsweise der zeitweisen Begrenzung auf zwei Spieler pro Gruppe zu Kapazitätsengpässen kam. Und insbesondere für Neugolfer wurde deutlich, dass durch diese auch die Übungsanlagen in den Golfclubs wieder stärker in den Blickpunkt rückten. 

Blickt man auf die vergangenen Jahre zurück, führten gerade Ranges vielerorts eher ein Schattendasein – mancher Golfer fühlte sich bei ihrem Anblick an die Range der Filmfigur Roy McAvoy in Tin Cup erinnert. Dass längst nicht alle Ranges über Ziele mit klaren Entfernungsangaben verfügen, verdeutlicht dies. Doch neue Konzepte wie insbesondere Topgolf oder DriveShack haben in Großbritannien und vor allem den USA gezeigt, dass gerade die Gewinnung neuer Golfer primär über den Spaßfaktor erfolgreich ist – und hier können gerade Range-basierte Konzepte große Erfolge feiern. Doch angesichts knapper Kapazitäten auf den Anlagen rückt die Range auch für etablierte Golfer immer mehr in den Blickpunkt. Dabei geht es einerseits um gezieltes Training, andererseits aber auch um virtuelles Spiel – sei es auf Golfplätzen oder im Rahmen spezieller Range-Anwendungen – in Ergänzung zur traditionellen Runde. Mehr noch: Gerade in Herbst und Winter, wenn die Tage deutlich kürzer sind, habe viele Golfer nur eine Chance auf Golf nach Feierabend, wenn sie dazu eine (beleuchtete und eventuell sogar beheizte) Range aufsuchen können. Und schließlich haben viele Golfer die Range auch als Option entdeckt, wenn selbst für eine 9-Löcher-Runde nicht ausreichend Zeit herrscht. 

 

Drei Anbieter von Rangesystemen in Deutschland

Um das Training und Spiel auf der Range attraktiver zu gestalten, bieten sich moderne Rangesysteme an. Und Erfahrungen aus dem Ausland, aber inzwischen auch aus dem Inland, zeigen: Mit diesen Systemen können Golf-anlagen gleich drei Ziele umsetzen. Erstens, das Angebot für die Mitglieder wird erweitert und attraktiver, dies gibt den Clubs mehr „Touch points“ im modernen Marketing-Sprech, Golfer kommen eben nicht nur für die Runde auf die Anlage, sondern vermehrt zum Üben auf der Range. Zweitens können die Clubs damit neue Zielgruppen ansprechen – ob mehr auf der sportlichen Ebene oder mehr auf der Entertainment-Ebene, bleibt jeder Anlage selbst überlassen. Und Drittens haben viele Anlagen dadurch auch ihre Wirtschaftlichkeit optimieren können – denn der Invest in die Rangesysteme hat sich nach vorliegenden Rückmeldungen der Golfanlagen meist in vergleichsweise kurzer Zeit refinanziert, die Range wird vom Kostenfaktor zum erfolgreichen Profit-Center. Hauptverantwortlich dafür, so zeigen die Erfahrungen, ist ein deutlich gestiegener Ballumsatz. Aktuell konkurrieren drei Anbieter von Rangesystemen auf dem deutschen Markt: Toptracer Range, TrackMan Range und – als jüngster Anbieter – Inrange. Der golfmanager hat sich alle drei Systeme angeschaut und auch vor Ort in der Praxis getestet. Um den Golfanlagen einen ersten Überblick zu den Konzepten, Lösungen und Voraussetzungen zu geben, sind die wichtigsten Daten in der nachfolgenden Tabelle zusammenstellt. Inrange wird nach eigenen Angaben seine erste Installation in Deutschland im Herbst 2021 durchführen, in zahlreichen anderen Ländern wird das System bereits genutzt, insbesondere in Großbritannien. Daher hat sich der golfmanager auch dieses System live vor Ort angesehen. Ergänzend hat der golfmanager Anlagen in Deutschland besucht, die bereits mit Toptracer Range oder TrackMan Range arbeiten, und deren Motive und Erfahrungen in Gesprächen mit Entscheidungsträgern beleuchtet. Diese Best Practice-Berichte finden Sie als separate Beiträge HIER. Letztlich sind Rangekonzepte so individuell wie Golfplätze – es hängt stets von der Zielgruppe und der Ausrichtung einer Anlage ab, ob und welche Konzepte jeweils die passenden sind. Daher sollten Anlagen auch die verschiedenen Möglichkeiten genau analysieren und das Gespräch mit den Anbietern suchen, um die für sie bestmögliche Konzeption und Installation zu finden. Auch ist es schwierig, klare Preise zu veröffentlichen, doch dazu an anderer Stelle mehr. Auffällig ist, dass sich die technischen Konzepte, aber auch die Anwendungen und Vorgehensweisen der drei Anbieter durchaus unterscheiden.

 

Toptracer Range – der globale Marktführer

Die Geschichte des heutigen weltweiten Marktführers beginnt in den späten 1990er Jahren in Schweden. 2006 wurde das System Protracer geboren, das seit 2016 zur Topgolf Entertainment Group gehört und heute unter dem Namen Toptracer Range firmiert. Viele Golfer kennen die visuelle Darstellung von zahlreichen Major-Fernsehübertragungen und der US PGA Tour, denn für diese Visualisierungen wird die gleiche Technologie eingesetzt wie bei Toptracer. Das System des US-amerikanischen Anbieters basiert auf Kamera-Technologie und kann sowohl für Boxen, als auch Rasenabschläge genutzt werden. Interessant ist das kommerzielle Modell: Hier setzt man klar auf Leasing beziehungsweise Miete und bietet den Anlagen dafür ein umfassendes Paket. Dieses schließt auch den Austausch defekter Komponenten im Bedarfsfall ein. Golfer können die Funktionen des Systems entweder über einen Monitor auf der Range nutzen oder über die Toptracer-eigene App. Wer bereits einmal eine Topgolf-Anlage besucht hat, wird viele Gemeinsamkeiten im Bereich Spielmodi feststellen. Denn der Marktführer legt besonderen Wert auf die Kombination von gezieltem Training für ambitionierte Golfer einerseits, aber auch auf Unterhaltung und Spaß, den man nicht nur alleine, sondern zu mehreren auf der Range erleben sollte. Daher zählen auch Noch-Nicht-Golfer ausdrücklich zur Zielgruppe, die zahlreichen Spiele in der Software sind insbesondere bei Kindern sehr beliebt. Ausführliche Informationen zur Positionierung von Toptracer gibt das separate Interview mit David Cederholm, Sales Manager EMEA bei Toptracer. Auch wenn das Unternehmen keine eigene deutsche Niederlassung betreibt, mit Kate Selwent steht den Golfanlagen eine lokale und selbstverständlich Deutsch sprechende Ansprechpartnerin zur Verfügung.

TrackMan Range – die Premium-Allrounder

Neben Spiel und Spaß ist Datenqualität ein Kernelement des Konzepts von TrackMan Range. Die meisten Golfer hatten in ihrem Golferleben bereits Kontakt mit einem anderen Produkt aus dem Hause der dänischen Analysespezialisten, denn TrackMan in der aktuellen Version 4 ist unbestrittener Marktführer bei den Launch-Monitoren und wird von vielen Golf-Pros nicht nur in Deutschland, sondern weltweit im Rahmen des Unterrichts sowie bei Fittings eingesetzt. Erfinder Frederik Tuxen war im Militärbereich tätig, bevor er mit Klaus Eldrup-Jorgensen TrackMan 2003 gründete. TrackMan Range ist ein eigenes Produkt, das mit mittlerweile schon elf Anlagen in Deutschland in den letzten Jahren stets mehr in den Fokus der Produktstrategie des Unternehmens gerückt ist und mittelfristig den gleichen Stellenwert im Markt wie die anderen Produkte aus dem Unternehmen erreichen soll. Besonderen Wert legt der inzwischen zum Marktführer in Deutschland aufgestiegene Anbieter dabei auf eine individuelle Betreuung aktueller und potenzieller Kunden. „Wir haben ein eigenes Tool entwickelt, um mit jeder interessierten Anlage eine individuelle Kalkulation zur Wirtschaftlichkeit durchzuführen“, erläutert Achim Jansen, Sales & Business Development TrackMan Range und unter anderem für den deutschsprachigen Markt zuständig. Die Nutzung von TrackMan Range kann selbstverständlich unabhängig davon erfolgen, ob auch die örtlichen Pros auf die Systeme des Spezialisten aus Dänemark setzen – obschon es laut Aussage des Unternehmens durchaus sinnvoll ist, auf einer Anlage Daten aus einer Hand und die gleichen Plattformen für die Nutzer anzubieten. TrackMan versteht sich als Premium-Allrounder aufgrund des Qualitätsstandards in allen verschiedenen Anwendungsgebieten, im Unterschied zum sehr umfangreichen Datenset des Launch-Monitors konzentriert sich TrackMan Range dabei auf acht wesentliche Ballwerte, die den Golfern angezeigt werden – denn Rangesysteme sollen Golfern jeden Niveaus einen leichten Einstieg und Umgang mit ihren Daten ermöglichen und können nicht den Gang zum Pro ersetzen, so das Credo des Unternehmens. Die Datenerhebung erfolgt über Radare. Wie viele Radare benötigt werden und wo diese am besten installiert werden, ist Teil des Beratungsprozesses durch die TrackMan Range-Spezialisten. Üblicherweise wird mindestens ein Radar auf dem Rangedach montiert, ein bis zwei weitere werden dann auf der Range selbst installiert. Genehmigungen für die Nutzung des Radarsystems werden nicht benötigt. Teil des Installationsprozesses ist die Vermessung und virtuelle Abbildung der Range im System – damit können die Golfer auf den Monitoren in den Boxen und über die App den Ballflug virtuell auf der lokalen Range verfolgen. Sofern die Anlage dies wünscht, kann auch der Golfplatz des Clubs virtuell umgesetzt und im System hinterlegt werden, dafür fallen jedoch je nach Angebot eventuell Zusatzkosten an. Der Vorteil: Golfer können dann den eigenen Club komplett auf der Range spielen. „Vor allem auch für Einsteiger ein echter Mehrwert, da sie hier ohne Druck den Heimatplatz spielen und sich an die verschiedenen Spielsituationen gewöhnen können – ein virtuelles Handicap wird auf Basis der Spielergebnisse ebenso ermittelt“, so Jansen. Da TrackMan auch eine Simulator-Variante bietet, über derzeit mehr als 120 hinterlegte Golfplätze weltweit verfügt, Tendenz stark steigend, möchte man diesen Mehrwert künftig stärker in den Markt bringen. „Die Anlagen können demnächst aus einer ständig wachsenden Datenbank von anfangs ca. 40-50 Plätzen weltweit auf Wunsch im täglichen Wechsel allen Nutzern der eigenen Range rund acht bis zehn Plätze zeitgleich zur Verfügung stellen. Welche Plätze dies sind, kann die Anlage bei Bedarf jederzeit selbst wählen und im System hinterlegen“, erläutert der Vertriebsmanager den nächsten Schritt. Und auch die Erfahrungen der Anlagen sind dem Unternehmen wichtig, daher wurde jüngst der TrackMan-Business-Club gegründet, in dem die für die Range und das System lokal zuständigen Entscheider eingebunden sind und sich rund vier Mal jährlich zum virtuellen oder Präsenz-Erfahrungsaustausch treffen. Ein weiteres wichtiges Feature aus Sicht von Jansen: „Da wir den kompletten Ballflug messen, kann die Anlage das System so einstellen, dass beispielsweise Spieler und Club eine Warnmeldung erhalten, wenn Bälle über die Grenzen der Range hinausgeschlagen werden – das ist vor allem auf Anlagen wichtig, bei denen die Range direkt an die Spielbahnen angrenzt!“ Bei den Konditionen hält man sich bedeckt. „Wir setzen klar auf individuelle Angebote, First Mover einer Region erhalten bei uns ebenso Sonderkonditionen. Letztlich wollen wir stets das individuell bestmögliche Angebot, besonders auch im Verbund mit den anderen Produkten aus unserem Portfolio für unsere Kunden bereitstellen, daher sehen wir bewusst von der Veröffentlichung von Listenpreisen pro Komponente ab“, erläutert Jansen die Strategie. Das Konzept basiert meist auf einem Mietkauf, oft wird dieser über fünf Jahre konzipiert. Aber, sofern vom Club gewünscht, auch ein Kauf der Hardware ist möglich. Erfahrungen aus dem Markt zeigen, dass die Gesamtkosten meist im niedrigen sechsstelligen Bereich beginnen – wie hoch der Invest tatsächlich ist, hängt nicht zuletzt von der Anzahl der Radare und der räumlichen Gestaltung der Anlage ab. Dennoch: Setzt man als Beispiel eine Gesamtinvestition von 175.000 Euro an, ergibt sich daraus bei fünf Jahren eine jährliche Summe von rund 35.000 Euro, die anteiligen monatlichen Durchschnittskosten liegen damit bei unter 3.000 Euro. 

 

Inrange – der Newcomer

Anders als Topgolf und TrackMan hat Inrange seinen Ursprung in der Radar-Technologie. Da der Unternehmensgründer selbst begeisterter Golfer ist, war der Weg in die Golfbranche nicht weit. Die aktuell meisten Installationen des Systems gibt es in Großbritannien, aber auch in den USA, den Emiraten, Südafrika sowie künftig auch China und Australien nutzen Golfanlagen das System. Für den deutschen Markt steht nach Aussage von Michael Hayes, Head of European Sales, der erste Vertrag kurz vor der Unterschrift und soll noch in den kommenden Monaten zur Auslieferung kommen. Inrange nutzt für sein Rangesystem ebenfalls ein Radar-basiertes Konzept, die sehr kleinen Radargeräte werden sowohl auf dem Dach einer überdachten Rangeanlage, als auch auf der Range installiert. Die Anzahl richtet sich nach der erforderlichen Abdeckung und den örtlichen Gegebenheiten. Wichtig war dem Unternehmen, sowohl die Zielgruppe der etablierten Golfer, als auch den Bereich Entertainment anzusprechen. Daher findet man häufig Installationen, bei denen direkt hinter dem Abschlag Sitzgelegenheiten für mehrere Personen eingerichtet sind – und neben dem Monitor unmittelbar neben dem Abschlag gibt es zusätzlich einen Gallerie-Bildschirm, welcher die Werte den Personen im Sitzbereich anzeigt. Auch bei Inrange kann der Golfer Monitor der Box oder eigenes Mobilgerät wählen – über den Account werden die Daten stets synchronisiert, so dass selbst eine rein per Monitor durchgeführte Einheit hinterher über die App auf dem Smartphone oder Tablet aufgerufen werden kann. Für die beiden Zielgruppen hat das Unternehmen daher zwei Anwendungsbereiche definiert: Inrange wendet sich primär an Golfer, die üben möchten – und dies oft als einziger Nutzer eines Rasenabschlags oder einer Rangebox. Mit Inrange+ hingegen rücken Spaß und Unterhaltung in den Mittelpunkt – und damit auch die Nutzung einer Box durch mehrere Personen. Dies erinnert deutlich an die Konzepte der überdachten Mega-Ranges, wie man sie vor allem aus den USA kennt. Beide Module sind immer Teil der Auslieferung. Da die Radareinheiten sehr klein ausfallen, können sie – je nach örtlichen Gegebenheiten – oft auch auf bereits vorhandenen Begrenzungs- oder Trennzaunpfosten montiert werden. Die Range wird grundsätzlich in das System integriert, so dass sich Schläge sowohl live, als auch am Monitor vor dem Hintergrund des tatsächlichen Geländes beobachten lassen. Optional können Golfanlagen gegen Aufpreis den eigenen Platz einlesen lassen und diesen dann auf der Range für das virtuelle Golfspiel bereitstellen. Wie bei den Mitbewerbern bietet auch Inrange die Möglichkeit, die tatsächlich gemessenen Werte auf Basis der Rangebälle auf Premium-Bälle hochzurechnen. Eine Besonderheit ist das virtuelle, Inrange-eigene Handicap-System, das auf Basis der „Strokes gained“ ermittelt wird – und zwar nicht nur beim virtuellen Golfspiel auf einem der hinterlegten Plätze, sondern bei allen dafür definierten Trainingseinheiten. Freies, Handicap-unabhängiges Training ist ebenso möglich. Viel Wert legt man beim Anbieter auch auf die Unterstützung der Anlagen beim Marketing. „Wir haben gerade ein eigenes Online-Marketingportal freigeschaltet, über das die Anlagen beispielsweise Druckvorlagen für die Range-Abtrennungen oder spezielle Videos für die Verbreitung über sozia--le Medien abrufen können“, erläutert Chris Styles, Head of Marketing bei Inrange. Sehr vielfältig sind auch die Business-Modelle: Von Kauf über Miete und Leasing bis hin zum gemeinsamen Joint-Venture samt Ertragssharing reiche die Palette, berichtet Styles. Bei den Kosten hält man sich ähnlich bedeckt wie bei den Kollegen aus Dänemark. Brancheninsider berichten jedoch, dass – ausgehend von rund 15 bis 20 Boxen – die durchschnittlichen Kosten pro Monat denen der übrigen Anbieter vergleichbar seien. Allerdings betont Inrange, dass es in der Tat vor allem größere Rangeanlagen ab 15 Boxen als Zielgruppe ansieht, bei kleineren Anlagen kann das System ebenfalls genutzt werden, allerdings sind dann die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anspruchsvoller.

Die Systeme im Überblick

Laden Sie sich bei Interesse die folgende Tabelle runter (► Download PDF). Sie fasst die wichtigsten Merkmale und Funktionen zusammen (alle Antworten nach Angaben der Anbieter). 

 

Wer die detaillierten Mehrwerte der verfügbaren Systeme, aber auch die technischen Unterschiede und ihre Auswirkungen auf die Installation im Detail kennenlernen möchte, sollte sich mit einem oder mehreren Anbietern in Verbindung setzen und einen individuellen Termin auf der eigenen Golfanlage vereinbaren. Denn letztlich gibt es nicht die genau eine, allumfassend bestgeeignete Installation, sondern es ist stets ein Zusammenspiel aus Anlage, Zielsetzungen, Örtlichkeiten und System. Auf dieser Basis können die Anbieter dann auch konkrete Angebote erstellen, denn letztlich ist der Gesamtpreis inklusive Installation entscheidend und nicht der Preis einzelner Komponenten. Einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden jedoch bereits bei der Analyse der Übersicht deutlich:

  • TrackMan Range und Inrange basieren auf Radar-Technologie, während Toptracer ein Kamerasystem nutzt. Während die Kameras direkt an den Boxen oder auf eigenen Traversen hinter den Rasenabschlägen montiert werden, werden die Radare sowohl auf dem Dach einer Range, als auch auf der Range-anlage selbst installiert. Daher ist bei Radartechnologie erforderlich, Leitungen zwischen den Feldradaren und dem Server zu verlegen. Ob Radar oder Kamera besser geeignet sind, hängt von der jeweiligen Range, der geplanten Nutzung und oft auch vom genauen Standort ab.
  • Die Ergebnisse der Systeme können sowohl auf Monitoren (in Rangeboxen), als auch auf den mobilen Endgeräten der Nutzer angezeigt werden. Hierfür haben alle Anbieter eigene Apps entwickelt, die den Golfern kostenlos zur Verfügung stehen.
  • Die Größe der angebotenen Monitore variiert. Sie reicht von 21 Zoll bis hin zu 27 Zoll, was bei TrackMan Range als Option angeboten wird. Vor allem Inrange empfiehlt zudem, mit Blick auf die Nutzung einer Box durch mehrere Personen auch noch größere Galleriemonitore anzubringen.
  • Üblicherweise wird bei allen Systemen pro Box ein Monitor installiert. Wer jedoch eine Box sowohl für Links-, als auch Rechtshänder mit dem gleichen Komfort anbieten möchte, kann zusätzlich zum Systemmonitor einen weiteren Bildschirm per HDMI auf der gegenüberliegenden Boxseite anschließen.
  • Die Abbildung des eigenen Golfplatzes ist derzeit nur bei den Radar-basierten Systemen im Angebot, dort allerdings auch stets als kostenpflichtige Option. Damit wird es aber beispielsweise möglich, bei schlechtem Wetter ein Turnier oder Stechen vom Platz auf die Range samt virtuellem Platz zu verlegen.
  • Gerade im Bereich Entertainment gibt es Unterschiede bei der Anzahl und Gestaltung der Spiele – welche einer Anlage mehr zusagen, kann nur individuell entschieden werden.
  • Im Unterschied zu Launch-Monitoren messen alle drei Anbieter den tatsächlichen Ballflug (carry). Vorteil für die Anlagen: Man muss nicht berücksichtigen, welchen Loft die einzelnen Schläger haben, sondern kann rein auf die Art des Schlägers wie Eisen 7, Holz 3 oder Pitching Wedge abstellen.
  • Je nach Breite einer Anlage oder der abzudeckenden Tiefe variiert die Anzahl der dafür notwendigen Kameras oder Radare. Daher ist eine individuelle Planung je Anlage ebenso unverzichtbar wie die Entscheidung der Anlage, ob sie alle oder nur einen Teil der Rangeabschläge mit dem System ausstatten möchte.
  • Das insbesondere für die Nutzung von Mobilgeräten notwendige Wifi wird durch die Systeme im Rahmen der Installation bereitgestellt, Anlagen benötigen daher auf der Range kein eigenes drahtloses Netz, allerdings muss ein Internetanschluss für das neu einzurichtende Wifi bereitgestellt werden.
  • Unterschiede bestehen nach Angaben der Anbieter bei der In-stallationsdauer – sowohl bei der Vor-Installation seitens des Clubs (Verkabelung, Masten etc.), als auch bei der Systeminstallation selbst.
  • Anlagenübergreifende Wettbewerbe, auch mit Preisauslobungen, werden derzeit von Toptracer und TrackMan angeboten. Bei Toptracer kommen die internationalen Partnerschaften des Unternehmens zum Tragen, vor allem rund um die Majors. 
  • Je nach Finanzierungsmodell oder Nutzungsentgelt-System sollten Golfanlagen auch klären, welche Regelungen für den Fall gelten, dass Komponenten defekt sind (vor allem außerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsdauer) oder – beispielsweise bei Monitoren – durch neue Komponenten vor Ablauf der vereinbarten Vertragsdauer ausgetauscht werden sollen.
  • Die effiziente Nutzung aller Range-systeme erfordert Ziele auf der Range-fläche – sind diese noch nicht vorhanden, sollten sie unbedingt im Rahmen der Installation eingerichtet und möglichst gut sichtbar markiert werden.
  • Der Umfang der Installationen kann stark variieren – das ermöglicht einerseits eine individuelle Anpassung an die Wünsche der Anlagen, andererseits kommt es beim Preisvergleich darauf an, wirklich identische Installationskonzepte miteinander zu vergleichen. Hierbei sollten sowohl die Kosten der Vorab-Installation, als auch die Systemkosten (Kauf, Miete, Leasing, Systemnutzung) beachtet werden.
  • Bei den Preismodellen zeigen sich letztlich alle Anbieter flexibel – zwar gibt es je Anbieter bestimmte Präferenzen, aber wenn eine Anlage ein bestimmtes Modell bevorzugt, sollten sich mit allen Anbietern Lösungen finden lassen – gleich, ob Kauf, Miete und Mischform.

 

Einbindung in den Anlagenbetrieb

Die Best Practice-Beispiele (► zu den Best Practice Berichten) zeigen, dass im Wesentlichen drei Motive Treiber der aktuellen Entwicklung sind: Golfanlagen wollen ihren Mitgliedern Mehrwerte bieten (entweder im Rahmen bestehender Preismodelle oder gegen Aufpreis), Anlagen wollen die Range als Profit-Center neben dem Golfplatz aufstellen oder Anlagen nutzen die Systeme, um das Thema Entertainment stärker in den Vordergrund zu spielen und damit auch neue Zielgruppen vor allem unter den Nicht-Golfern anzusprechen. Demzufolge gibt es auch unterschiedliche Konzepte für den Payback: Einige Anlagen setzen hier mehr auf Wachstum bei den Mitgliedern, andere auf Zusatzerträge durch das neue Angebot. Häufig kommen beide Ansätze zum Tragen, denn die Erfahrung zeigt, dass nahezu überall durch die Range-systeme der Ballumsatz gestiegen ist, meist um mindestens 50%. Das hat für manche Anlagen dann zusätzliche Herausforderungen mit sich gebracht, denn entweder müssen die Rangebälle nun häufig eingesammelt werden oder die Anzahl der Range-bälle wird erhöht, was wiederum Auswirkungen auf damit verbundene Komponenten wie Ballwaschautomat und Fördersystem haben kann. Die Erfahrungen der befragten Golfanlagen, die bereits Rangesysteme nutzen, zeigt aber auch: Der Erfolg basiert vor allem auf zwei Faktoren: Einerseits ist die aktive Kommunikation mit den Mitgliedern und Gästen sehr wichtig, denn trotz aller Einfachheit der Bedienung besteht bei den Golfern oft eine Hemmschwelle, die sich am besten durch persönliche Betreuung auf der Range abbauen lässt. Andererseits ist es wichtig, das neue Angebot auch aktiv zu vermarkten – sei es innerhalb der Mitgliedschaft, sei es an Gastspieler oder, beispielsweise über Events, auch an neue Zielgruppen wie Firmen oder über Eventagenturen. Eine wichtige Frage ist oft, wie gerade im Entertainment-Bereich die Gastronomie eingebunden wird, denn mit steigender Anzahl der Personen pro Box und wachsender Bedeutung der Unterhaltung steigt erfahrungsgemäß die Erwartung an eine Bewirtschaftung bei den Kunden – gerade bei ausgelagerter Gastronomie ein Thema, das Golf-anlagen rechtzeitig angehen sollten.

 

Fazit

Rangesysteme zählen derzeit zum am schnellsten wachsenden Markt auf Golfanlagen. Die durchweg sehr positiven Erfahrungen der befragten Golfanlagen zeigen, dass es sich hier um zukunftsträchtige Investi-tionen handelt. Dass mittlerweile drei Anbieter den Markt angehen, dürfte nicht nur den Produkt-, sondern auch den Preiswettbewerb fördern. Positiv fällt auf, dass die Anlagen bestätigen, dass die Golfer die Systeme gut aufnehmen und die unterschiedlichen Preismodelle für die Nutzung akzeptieren – letztlich konnte allein der Ball-Mehrumsatz nahezu flächendeckend die Investition bisher refinanzieren. Entscheidend ist, dass die Anlagen die Systeme auch organisatorisch einbetten, es bedarf klarer Zuständigkeiten hinsichtlich operativer Betreuung und Vermarktung. Zudem gibt es hier nicht „das“ Standardsystem, sondern alle drei Anbieter betonen, dass die Installation stets auf die örtlichen Gegebenheiten, aber auch die Zielsetzung einer derartigen Installation abzustimmen seien. Daher gibt es auch keine Mindest-Anzahl an Boxen oder Rasenabschlägen für die Nutzung der Rangesysteme, es hängt von der individuellen Motivation einer Anlage ab. Die Erfahrungen zeigen, dass Rangesysteme eine Kapazitätserweiterung ermöglichen – vor allem in den dunklen Jahreszeiten können Golfer auch abends auf der Golfanlage üben und spielen. In Verbindung mit Flutlicht und beheizten Boxen konnte damit manche Anlage sogar während des Covid-Lockdowns über die Range ein Golfangebot bieten – während Indoor-Simulatoren geschlossen bleiben mussten. Viele Entscheider sind davon überzeugt, dass Rangesysteme künftig zum Standard vieler Golfanlagen zählen werden. Denn Golfer, die sich erst einmal an das daten-unterstützte Üben, aber auch den Spaßfaktor im virtuellen Wettstreit gewöhnt haben, möchten dies oft nicht mehr missen. Und so gelingt es dann doch, aus dem „lost place“ Golfrange in den kommenden Jahren einen ebenso wichtigen wie ertragsstarken Teil einer Golfanlage entstehen zu lassen.

 

Autor: Michael Althoff / golfmanager 4/2021

 

Ergänzend zu diesem Beitrag hat der golfmanager Anlagen in Deutschland besucht, die bereits mit Toptracer Range oder TrackMan Range arbeiten. Diese Best Practice-Berichte finden Sie HIER.

 

 

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