Hickory Golf als erfolgreiche Nische

Länderübergreifend wachsende Szene

 

Hickory Golf etabliert sich in den europä­ischen Turnierkalendern zunehmend erfolgreich in der Nische. Auch 2016 wurden wieder zahlreiche Hickory-Events in Deutschland, Österreich und angrenzenden Ländern ausgetragen. Dabei zeigt sich immer deutlicher: Die Hickory-Community ist eine europaweite Bewegung, kaum ein anderes Turnierkonzept schafft es regelmäßig, so viele Golfer aus ganz Europa zusammenzubringen. Ein weiteres Merkmal: Bei kaum einem anderen Event wird die Etikette des Golfspiels so sehr beachtet wie bei Hickory. Dies beginnt schon mit der korrekten Kleidung, denn die Spieler greifen nicht nur auf Hickory-Golfschläger aus der Zeit vor 1935 zurück, sondern kleiden sich üblicherweise auch entsprechend. Und dazu gehört bei den meisten Herren traditionell während der Runde eine Fliege oder Krawatte. Und dieser Stil setzt sich bei den Siegerehrungen und Abendveranstaltungen fort – hier kommen auch heute noch gerne Smokings zum Einsatz. So sind Hickory-Events nicht nur Golfsport in einer seiner reinsten Formen, sondern auch eine kleine Zeitreise.

 

Erster Höhepunkt der diesjährigen Hickory-Saison waren im April ein Profi-Showmatch und anschließendes offenes Hickory-Turnier im Rahmen der Eröffnung des Niederländischen Golfmuseums in Afferden (der golfmanager berichtete).

Ein weiteres Highlight: Die Austrian Hickory Cham­pionship, die Ende Juni in Hof bei Salzburg ausgetragen wurde. Organisator Martin Panosch hatte nicht nur zwei anspruchsvolle 9-Löcher-Plätze ausgewählt, sondern auch ein perfektes Rahmenprogramm zusammengestellt. Alleine die Kombination zweier Plätze zu einer Gesamt-Wertung ist heutzutage ungewöhnlich. Doch bereits die Anreise der Teilnehmer zum Golfclub Waldhof war besonders, hatte Panosch doch einen historischen Postbus, passend zur Blütezeit des Hickory-Golfs, organisiert. Nach den ersten neun Bahnen in bergigem Gelände, ging es dann mit zwei Zillen (kleinen Booten mit geringem Tiefgang) über den Fuschl-See zu den Back Nine, die im Golf- und Countryclub Schloss Fuschl ausgetragen wurden. Die Blicke der zahlreichen Badegäste an der Anlegestelle am Fuschl-See zeigte: Alleine schon durch ihre Kleidung rufen Hickory-Golfer Aufmerksamkeit hervor. Bei der Abendveranstaltung im Hotel Schloss Fuschl wurden die Sieger gekürt. Aus­trian Hickory-Champion der Amateure wurde Andreas Kara­csonyi (Österreich), Sieger des Schloss Fuschl-­Cups der Profis wurde Brian Gee aus den Niederlanden mit einem Level-Par-Score. Britta Nord aus Schweden gewann die Damenwertung um den besten Brutto-Score, die Heimo Hrovat-Trophy für den besten Netto-Score ging an Christian Juel (Dänemark). Die Siegerliste zeigt, dass das Turnier auch von vielen Spielern aus ganz Europa besucht wird (siehe dazu auch das Interview mit Organisator Martin Panosch am Ende dieses Beitrags).

Ende August stand dann die diesjährige German Hickory-Champion­ship, ausgetragen von der German Hickory Golfers Socie­ty e.V., auf dem Programm. Austragungsort war dieses Jahr der Mittelrheinische Golfclub in Bad Ems, ein Platz mit großer Historie, wie Captain Christoph Meister im Interview (online ab 12.01.2017) erläutert. Auch hier präsentierte sich ein internationales Teilnehmerfeld, das auf einen herausfordernden Golfplatz in Top-Zustand traf. Dennoch wurden auch in Bad Ems teils hervorragende Scores mit den historischen Schlägern erzielt. Bruttosieger bei den Amateuren wurde mit fünf Schlägen über Par Claus Mühlfeit. Das Damen-Brutto ging mit deutlichem Vorsprung an Britta Nord, die damit ihre paneuropäische Titelsammlung weiter ausbaute. Nettosieger wurden Peter Scholz bei den Herren sowie Petra Dudzus bei den Damen. Sieger der Pro-Wertung wurde Perry Somers.

Am Tag nach der German Hickory Championship traten zahlreiche Turnierteilnehmer zu einem Matchplay-Wettbewerb unter dem Motto „Deutsche gegen Ausländer“ an – eine Wettspielform, die ihren Ursprung in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts hat. Austragungsort dieses zusätzlichen Wettbewerbs war der Golfclub Georgen­thal in Hessen. Dieser neue Golfclub aus der Feder von Christian Althaus, der erst im Mai dieses Jahres komplett fertiggestellt wurde, unterstrich eindrucksvoll, dass auch moderne Golfanlagen für Hickoryspieler sehr gut geeignet sein können. Sowohl das Design als auch der Pflegezustand der Anlage und das gesamte Ambiente begeisterten die Teilnehmer dieses Zusatz-Wettbewerbs. Und das trickreiche Design stellte die Golfer immer wieder vor knifflige Herausforderungen. Am Ende des Wettbewerbs erinnerten sich die Deutschen Golfer wohl an das Motto der Fußball-WM 2006: „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Der Sieg des Matchplay-Events ging daher an die ausländischen Hickory-Golfer, doch für kommendes Jahr ist die Revanche fest eingeplant.

Die europäische Hickory-Saison war damit jedoch noch nicht beendet: Anfang September fand im Fanø (Dänemark) die Danish Hickory-Championship und direkt danach die EAGHC European Hickory Championship statt. Und vom 10. bis 12. Oktober stand die World Hickory Open Championship im schottischen Panmure Golf Club auf dem Programm.

 

Hickory Golf ist weiterhin eine Nische des Golfsports, jedoch eine sehr erfolgreiche. In den Niederlanden gibt es mittlerweile sogar eine eigene Turnierserie für Hickory-Spieler. Neben den historischen Sportgeräten und der daran angepassten Bekleidung fällt die internationale Ausrichtung der Turniere auf. Oft kommt fast die Hälfte der Teilnehmer aus dem Ausland, aber auch innerhalb Deutschlands kommen Spieler aus allen Landesteilen zu den Turnieren zusammen. Für die Austragungsorte sind die Turniere damit auch wirtschaftlich zunehmend interessant, da neben Green- und Turnierfees auch andere Infrastruktur wie Hotellerie und Gas­tronomie von den Events profitieren. In Deutschland haben einige Clubs, beispielsweise der Country Club Schloss Langenstein, damit begonnen, eigene Hickory-Turniere auszutragen. Hickory steht dabei nicht im Gegensatz zum modernen Golf, sondern ist schlicht eine wunderschöne Zeitreise, die auch dazu beiträgt, die ursprünglichen Merkmale des Golfspiels – eben den „Spirit of the Game – und das gesellschaftliche Miteinander (auch Clubleben genannt) wieder stärker in den Fokus zu rücken.

Nachgefragt bei Martin Panosch, Organisator der Austrian Hickory Championship

 

? Welche Resonanz erlebt Hickory-Golf derzeit in Österreich, auch im Vergleich zu modernem Golf?

 

! Im Unterschied zu modernem Golf, wo wir in Österreich einen Mitgliederschwund verzeichnen, hat sich vor kurzem in Ostösterreich mit dem Hickory-Club Burgenland eine neue Gruppe gebildet, die wöchentlich mit alten Schlägern spielt. Aber man muss realistisch sehen, dass wir hier insgesamt von etwa 20 Personen in ganz Österreich sprechen, die wirklich regelmäßig Hickory-Golf spielen.

 

? Wie leicht oder schwer ist es, Golfanlagen und sonstige Sponsoren für eine Austrian Hickory-Championship zu gewinnen?

 

! Es ist nicht so schwer, Golfclubs – vor allem, wenn sie eine gewisse Geschichte haben – für die Austragung der Austrian Hickory-Championship zu gewinnen. Einen Sponsor zu finden, ist jedoch ein schwieriges Unterfangen. Die Hickory-Community ist klein und das Zuschauerinteresse gering. Damit hält sich natürlich auch der Werbewert in Grenzen.

 

? Welche Gründe sprechen aus Sicht der Partner wie Clubs und Sponsoren für ein Engagement bei der Austrian Hickory-Championship?

 

! Im Wesentlichen sind wir für Partner interessant, die sich mit der Geschichte des Sports auseinandersetzen oder den Spirit der „Roaring Twenties“ aufleben lassen wollen. Es ist ein spezielles und besonderes Event, diese Seite muss man gegenüber Clubs und Sponsoren betonen.

 

? Warum ist bei Hickory-Turnieren der Anteil internationaler Gäste deutlich höher als bei sonstigen Amateur-Turnieren?

 

! Die europäische Hickory-Szene ist gut vernetzt. Man kennt sich und es entwickeln sich über die Ländergrenzen hinweg Freundschaften. Das prägt natürlich auch die internationale Durchmischung bei Turnieren.

 

Herzlichen Dank, Herr Panosch, für diesen Einblick in diese länderübergreifende Art, Golf einmal anders zu spielen.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 05/16

 

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