Eröffnung des Niederländischen Golfmuseums

Streitfall Ursprungsland der Sportart Golf

Kaum eine Sportart verfügt über eine ähnlich lange Tradition wie der Golfsport. Und eine der spannendsten Fragen beschäftigt sich mit dem Ursprung des Golfsports, gilt doch gemeinhin Schottland als Wiege des Golfs. Doch spätestens seit einem Symposium im Juni 2014 auf dem holländischen Golfplatz Landgoed Bleijenbeek (Provinz Limburg) erheben unsere westlichen Nachbarn Ansprüche auf die Urheberschaft: Der deutsche Wissenschaftler Heiner Gilmeister präsentierte auf diesem Symposium die Ergebnisse seiner Recherchen, wonach das 1545 erschienene Buch „Tyrocinium Latinae Linguae“ des berühmten niederländischen Gelehrten Pieter van Afferden die Ursprünge des Spiels nach Holland verlege.

Am 22. April 2016 war der Golfplatz Bleijenbeek bei Afferden erneut Schauplatz eines wichtigen Ereignisses für den Golfsport. An diesem Tag wurde das neue Niederländische Golfmuseum offiziell eröffnet. John Ott, Chef-Konservator des Museums, und sein Team haben in den vergangenen Monaten intensiv auf diesen Tag hingearbeitet. Ziel war es, einen Überblick über die Entwicklung des Golfsports in den Niederlanden zu geben. Und dies ist Ott und seinem Team hervorragend gelungen.

 

Im Vorfeld wurde das Museum durch verschiedene Golfhistoriker aus ganz Europa unterstützt. Der Niederländische Golfverband hat die Arbeit ebenfalls unterstützt und wertvolle Kontakte im Rahmen der Recherche hergestellt, erläuterte Ott anlässlich der Eröffnungsfeierlichkeiten. Den Grundstock zur nunmehr der Öffentlichkeit zugänglichen Sammlung in einem Raum des Clubhauses von Bleijenbeek wurde bereits vor rund zwölf Jahren gelegt. Romana Oosterbeek-Airodi zögerte keinen Augenblick, die von ihrem verstorbenen Mann begonnene Sammlung in das neue Museum einzubringen, wie sie auf der Eröffnungsfeier berichtete. Weitere Unterstützung erhielten Ott und sein Team nicht nur vom gastgebenden Club, auch das Golfarchiv des Verbands unterstützt die Arbeit der Golfhistoriker. Rechtlich ist das Museum jedoch unabhängig vom Verband und wird durch eine eigene Stiftung im Museumsstatus betrieben. Der Eintritt kostet künftig fünf Euro pro Person, Inhaber der holländischen Museumskarte (vergleichbar dem Konzept von British Heritage) zahlen keinen Eintritt. Neben zahlreichen Exponaten aus Literatur, Schläger- und Ballgeschichte ist die Ausstellung des Original-Pokals der KLM Open sicherlich ein weiteres Highlight des Museums.

 

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung hatten Ott und sein Team ein sehr gelungenes Event rund um das historische Golfspiel organisiert. Nach einer kurzen Begrüßung wurde von den Pros Perry Somers, Iain Forrester, Brian Gee und Jan Dorrestein ein Hickory-Demowettspiel präsentiert. Welch präzises Spiel auch die vor 1935 gefertigten Hickoryschläger ermöglichen, zeigte das Ergebnis an der zweiten Spielbahn, einem Par 3: Nur ein Spieler beendete die Bahn in Par, die drei übrigen Spieler spielten ein Birdie! Anschließend ging es zur feierlichen Eröffnung des neuen Museums und auf einen ersten Rundgang. Frisch gestärkt am Mittagsbüffet konnten die Gäste der Eröffnung dann bei einem 18-Löcher-Turnier selbst Hickory-Golf spielen. Für Neueinsteiger hatte das Niederländische Golfmuseum eigens Leihschläger von Iain Forrester organisiert. Stilecht wurden die Teilnehmer mit Rolls Royce-Oldtimern und Pferdekutschen zu ihrer Teebox gefahren. Während des Turniers wurden für die Nichtgolfer zudem Rundfahrten mit den Kutschen und Oldtimern angeboten. Im Rahmen einer sehr gelungenen Abendveranstaltung wurden die Sieger gekürt und die Eröffnung des Museums gebührend gefeiert. Wie groß die Aufmerksamkeit für diese neue Einrichtung in Holland ist, zeigte nicht zuletzt die Anwesenheit zahlreicher Pressevertreter und ein abendlicher Bericht in den Nachrichten des Regionalfernsehens.

Für John Ott ist die intensive Kooperation unter den Golfhistorikern Europas ein wichtiges Element nicht nur der bisherigen, sondern auch der künftigen Arbeit. Auch mit dem Deutschen Golf Archiv strebt Ott einen regelmäßigen Austausch an. Schließlich solle das Museum weiterentwickelt werden und auch die Geschichte des Golfs europaweit noch stärker gepflegt werden – ganz im Sinne des „Spirits of the Game“. Und Otts Gedanken reichen noch weiter: Auch die Gründung einer Vereinigung führender historischer Golfclubs in Europa zählt zu seinen Plänen für die nahe Zukunft.

 

Welche Dimensionen ein solches Vorhaben erreichen kann, zeigt nicht zuletzt das British Golf Museum im schottischen Home of Golf, St. Andrews. Unmittelbar gegenüber dem Clubhaus der R&A gelegen wurde dieses Museum bereits 1990 eröffnet. Nach rund einem Jahr Bauzeit wurde es anlässlich der letztjährigen Open-Championship in einem neuen und inzwischen preisgekrönten Gebäude auf größerer Fläche wiedereröffnet. Dieses Museum mit vielen interaktiven Elementen ist auch bei schottischen Schulklassen ein sehr beliebtes Ausflugsziel. In Deutschland gibt es bisher kein offizielles Museum, obwohl der deutsche Golfsport zahlreiche historische Anlagen wie Wannsee, Bad Homburg oder Frankfurt zu bieten hat. Auch wenn das Deutsche Golf Archiv über eine umfangreiche Sammlung zur Geschichte des Golfsports verfügt, zur Gründung eines offiziellen Museums hat es bisher noch nicht gereicht. Im bayerischen Regensburg gibt es allerdings eine private Initiative, das Golfmuseum Regensburg. In dieser präsentiert der private Sammler Peter Insam seine Exponate zur Golfgeschichte aus über vier Jahrhunderten.

 

Museen können ein wichtiger Baustein im Kommunikationskonzept einer Sportart sein, da sie auch Menschen anziehen und informieren, die den Sport noch nicht selbst ausüben. Für aktive Sportler sind Sportmuseen noch attraktiver. In den Niederlanden steht eine solche Plattform nun zur Verfügung. Bedenkt man, dass der Anteil der Golfer an der Bevölkerung in unserem Nachbarland fast drei Mal so hoch ist wie in Deutschland, empfiehlt sich auch für den deutschen Golfsport, über eine solche Ausstellung nachzudenken. Schließlich kommen viele der führenden Golfhistoriker aus dem direkten Einzugsgebiet des Deutschen Golf Verbandes. Die vielgepriesene Rückkehr des Golfs auf die olympische Bühne könnte die perfekte Grundlage für ein solches Projekt darstellen.

Autor: Michael Althoff | golfmanager 02/16