Im Gespräch mit dem Captain der German Hickory Golf Society e.V.

Christoph Meister

? Nach welchen Kriterien wählen Sie die Austragungsorte der German Hickory Championships aus?

 

! Es gibt in Deutschland 27 Golfplätze, die vor 1939 gebaut und heute noch in Betrieb sind. Bislang haben wir jedes German Hickory-Championship auf einem dieser zumindest teilweise noch historischen Plätzen gespielt. Dabei waren wir bereits bei drei Gründungsmitgliedern des DGV (Wentorf-Reinbek, Kiel-Kitzeberg und Baden-Baden) zu Gast, aber auch auf den historischen Plätzen von Bad Wildungen und Bad Ems, die beide jeweils um 1930 erbaut worden sind. Auch in Berlin-Wannsee, einem weiteren Gründungsmitglied des DGV, waren wir bereits mehrfach für das Berlin Hickory-Championship zu Gast.

 

? Kommen somit neue, moderne Golfanlagen für dieses Event nicht in Betracht?

 

! Doch, auch moderne Golfplätze eignen sich zum Hickory-Golf, wir waren beispielsweise für das European Links Hickory-Championship in Budersand auf Sylt zu Gast. Genauso gut eignen sich auch insbesondere sogenannte Links Courses beziehungsweise linksähnliche Plätze (beispielsweise Föhr nach erfolgreichem Umbau, Winston Links, Hofgut Georgenthal) für Hickory Golf. Oft ist es jedoch erforderlich, dass eine Längenanpassung erfolgt, also beispielsweise die Herren von den Damen-Championshiptees spielen. Gut geeignet sind dabei Plätze, auf denen die Grüns nicht komplett eingebunkert sind oder als Inselgrüns angelegt sind.

 

? Das Turnier ist bisher weitgehend frei von offiziellen Sponsoren. Gibt es dafür Gründe oder findet Hickory in Deutschland zu wenig Beachtung?

 

! Bislang war es unsere freie Entscheidung, die Championships ohne Sponsoring durchzuführen Wir wollten auch den bei solchen Hickory-Turnieren vorherrschenden Stil der 1920er Jahre nicht durch moderne Werbebanner verfälschen. Auch handelt es sich bei den German Hickory-Championships um nicht-kommerzielle Golfturniere ohne Gewinnerzielungsabsicht. Sollten wir uns in der Zukunft für Sponsoren entscheiden, so sollten wir sicherstellen, dass ein Sponsor zu Hickory Golf passt, es sich also beispielsweise um eine Firma oder ein Produkt handelt, das es bereits vor 1939 gab.

 

? Und wie sieht es mit der öffentlichen Wahrnehmung von Hickory Golf in der deutschen Golfszene aus?

 

! Hier sind die Ansichten unserer Mitglieder zu diesem Thema durchaus vielschichtig. Während die einen kein Problem damit haben, dass der Kreis der Hickory-Golfer überschaubar ist und vielleicht auch bleibt – wir also quasi unter Freunden deutschlandweit entspannt Golf spielen –, gibt es andere Mitglieder, die es gerne sehen würden, wenn Hickory-Golf mehr Beachtung in Deutschland fände, auch unter PGA-Pros. Diesen Golfern geht es vor allem darum, den heutigen Generationen von Golfern die Geschichte, die Tradition und die Etikette unseres Sportes hautnah näherzubringen.

 

? Wie sind die Turniere „Deutsche gegen Ausländer“ entstanden, in welchem Zeitraum wurden diese Turniere ausgetragen?

 

! In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre wurde das Deutsche Amateurgolf stark durch in Deutschland lebende Briten und Amerikaner dominiert, die teilweise sehr spielstark waren. Es gab nur wenige deutsche Spieler, die diesen in Deutschland lebenden Angelsachsen golferisch etwas entgegenzusetzen hatten. Anfangs durften in Deutschland lebende Ausländer bei Länderspielen sogar noch für Deutschland antreten, damit man überhaupt ein halbwegs leistungsfähiges Team zusammenbekam.

 

? Wodurch wurde dieser Zustand letztlich verändert?

 

! Man kam schnell zu der Ansicht, dass sich das Deutsche Golf nur weiter entwickeln könne, wenn man Ausländer aus der Nationalmannschaft ausschließe. Auch Meisterschaften sollten so veranstaltet werden, dass nur deutsche Staatsbürger startberechtigt wären. Nur so – war man der Meinung – würde man junge deutsche Golfer motivieren können, bessere Golfer zu werden.

 

? Der Name „Deutsche gegen Ausländer“ hat also nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun?

 

! Ganz im Gegenteil: Jahre bevor die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, wurde damit begonnen, einmal jährlich ein Wettspiel „Deutsche gegen Ausländer“ durchzuführen. Bei diesem Wettspiel spielten im Matchplay Deutsche gegen in Deutschland lebende oder sich aufhaltende Ausländer ein Matchplay. Diesen historischen Namen haben wir wieder aufgegriffen, um bisher immer am Tag nach dem German Hickory Championship ein Matchplay auszutragen. In der heutigen Sprache würde man das Wettspiel eher „Germany vs. Rest of the World“ nennen – wir haben uns allerdings entschlossen, den historischen Namen dieses Wettspiels beizubehalten, da wir ja auch in historischen Kleidern mit historischen Schlägern spielen.

 

Herr Meister, herzlichen Dank für diese sehr interessanten Hintergrundinformationen.

 

Das Gespräch führte unser Autor Michael Althoff (golfmanager 05/2016).

 

Weitere Informationen über Hickory-Golf in Deutschland finden Sie unter:

www.german-hickory.com

 

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