Hintergründe zur Entstehung der ­Marktanalyse des deutschen Golfmarktes

Früher war mehr Zukunft

 

 

In der im Dezember 2016 erschienenen Ausgabe der Fachzeitschrift golfmanager berichtete der Chefredakteur Stefan Vogel in seinem Editorial über die Diskrepanz zwischen der Beurteilung der Lage des deutschen Golfmarktes durch den Deutschen Golf Verband (DGV) und seiner persönlichen Einschätzung auf Basis zahlreicher Gespräche mit Branchen-Kollegen.

 

Die im Vergleich zum DGV insgesamt deutlich kritischere Markteinschätzung konnte ich auf Grundlage meiner eigenen Erfahrungen nur teilen. In einem Artikel mit der Überschrift „Pfeifen im dunklen Wald“, den ich am 04. Januar 2017 an den golfmanager schickte, nahm ich dazu Stellung und schrieb einleitend: „Die Verwunderung von Stefan Vogel kann ich gut verstehen. Auch mich überrascht diese positive Markteinschätzung des DGV, da meine Wahrnehmung – natürlich nicht repräsentativ, aber basierend auf einer Vielzahl von Kontakten und Gesprächen mit Geschäftsführer-Kollegen von den unterschiedlichsten Golfanlagen in ganz Deutschland – auch eine etwas andere ist. Ich würde mich freuen, wenn die Entwicklung im deutschen Golfmarkt tatsächlich so positiv ist, aber ich bin da doch eher etwas skeptisch. Oder um es mit Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: ‚Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.‘

 

Kurz danach ging die aufwändige Marketing-Aktion „Gemeinsam Golfen“ in die breite Öffentlichkeit, mit der eine hohe Erwartungshaltung im Hinblick auf die Gewinnung von Neu-Golfern verbunden war. In dieser Situation, als die Kommunikation der Aktion „Gemeinsam Golfen“ gerade mit viel Euphorie anlief, habe ich damals die Veröffentlichung meines Artikels im golfmanager zurückgezogen.

 

In den folgenden Monaten hatte ich weitere zahlreiche Gespräche mit Berufskollegen aus ganz Deutschland, die mich nahezu einhellig in meiner „etwas anderen“ Markteinschätzung bestätigten. Aus diesen Rückmeldungen ergaben sich für mich zwei grundsätzliche Fragestellungen. Erstens: Wie ist die Situation im deutschen Golfmarkt denn nun wirklich? Was ist anhand von Fakten aus den verschiedenen vorliegenden Marktstudien nachweislich belegbar? Und zweitens: Wenn die Marktsituation tatsächlich so positiv wäre, inklusive umfangreicher zu erschließender Marktpotenziale an Neu-Golfern bzw. Umsteigern aus dem nicht-organisierten Marktsegment: Warum ist dann die Mitgliederentwicklung in der Mehrzahl der deutschen Golfclubs trotzdem nicht zufriedenstellend? Liegt es an unfähigen oder nicht hinreichend engagierten Clubvorständen, Clubmanagern oder Geschäftsführern? Oder liegt es an gesellschaftlichen Faktoren und Entwicklungen, die von den Verantwortlichen im Golfmarkt gar nicht beeinflussbar sind?

 

Dies war für mich der Anlass, den Versuch zu starten, auf Grundlage der zahlreichen vorliegenden Marktstudien (insbesondere vom DGV und der Vereinigung clubfreier Golfspieler im DGV (VcG)), ergänzt durch weitere selbst recherchierte Marktdaten, eine sachliche, auf Fakten basierende Beschreibung des aktuellen Golfmarktes sowie verschiedener, die zukünftige Marktentwicklung betreffenden Fragestellungen zu erarbeiten. Je mehr ich mich allerdings um Fakten-basierte Antworten bemühte, umso mehr Fragen ergaben sich – und zwar nicht nur zu den Fakten, sondern auch zu der Art und Weise, wie diese Fakten jeweils ermittelt wurden. Einige Fakten und Sachverhalte erwiesen sich dabei – im eigentlichen Wortsinn – als „fragwürdig“. Obwohl das Ergebnis meiner Recherchen letztendlich 36 Word-Seiten (zzgl. 19 Tabellen) umfasste, erhebt es selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Abschließend seien zwei Dinge angemerkt: Erstens, dass es sich hierbei um meine ganz persönliche Markteinschätzung handelt – basierend auf einer Vielzahl empirisch ermittelter Marktdaten, meiner 17jährigen Berufserfahrung im Golfmarkt zuzüglich 15 Jahren Berufserfahrung in Marketing und Marktforschung und nicht zuletzt auf der Grundlage vieler interessanter (teilweise vertraulicher) Gespräche mit erfahrenen und geschätzten Berufskollegen aus der Golfbranche.

Und zweitens: Ich verstehe, dass die Sichtweise der Verantwortlichen des DGV auf die Entwicklungen des deutschen Golfmarktes eine etwas andere ist als die eines Clubmanagers oder Geschäftsführers einer Golfanlage. Ein gewisser Zweckoptimismus sei den DGV-Verantwortlichen in der Beurteilung der aktuellen Marktsituation und der zu erwartenden Marktentwicklungen durchaus zugestanden. Allerdings habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass mit Zweckoptimismus keine Probleme gelöst werden. Die Realität des Marktes holt einen meistens sehr schnell ein.

 

Autor: Horst Schubert | golfmanager 05/2017

 

 

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