Digitale Zentralisierung der Serviceangebote von Golfclubs und Golfanlagen

Offener Gedankenaustausch in der Golfszene

Als Beobachter des deutschen Golfs sehen wir es als unsere Aufgabe an, neutral über die Golfszene zu berichten. Dabei spiegeln die Themen und Aussagen nicht immer die Meinung unserer Redaktion wider, trotzdem halten wir es für wichtig, auch nicht allen Marktteilnehmern Genehmes im golfmanager mit einzubinden. 

 

Über alles offen miteinander sprechen, sollte (nicht nur) im Golf die oberste Maxime sein, denn nur so ist ein von allen getragenes, lösungsorientiertes Handeln im Sinne einer erfolgreichen Zukunft des deutschen Golfsports möglich. 

 

Die Initiative „Golf in Bewegung“ ließ uns folgenden Beitrag mit der Bitte um Veröffentlichung zugehen – die darin angeführten Statements finden sich neben weiteren auch auf golfinbewegung.de.

 

Stefan Vogel


Die digitale „Zentralisierung der Serviceangebote von Golfclubs und Golfanlagen“ ist derzeit das am häufigsten diskutierte und daher wichtigste Thema in der deutschen Golfbranche. Trotz Auffassungsunterschiede bei der Rollenverteilung der Teilnehmer im deutschen Golfmarkt gab es in der Vergangenheit zumeist ein konstruktives Miteinander von Sport- und Berufsverbänden, von Vereinen und Golfplatzunternehmern sowie von Dienstleistern der Golfindustrie. Dieser Konsens ist in den letzten Monaten in Mitleidenschaft gezogen worden und sorgte für Unsicherheit und Unmut in der gesamten Branche.

 

Die daraus entstandene Initiative „Golf in Bewegung“ bemüht sich seither um einen an den gemeinsamen Interessen orientierten Gedankenaustausch mit dem Ziel, Lösungsalternativen zur Diskussion zu stellen, die alle sachlichen Gesichtspunkte der Marktteilnehmer in den Blick nehmen und die technischen Fortschritt und gesellschaftliche Veränderungen in Betracht ziehen.

 

Mit einer offenen Umfrage hat die Initiative „Golf in Bewegung“ ein allgemeines Meinungsbild zu wichtigen generellen Fragestellungen ermittelt und darüber hinaus Statements von Vertretern von Golfclubs und Golfanlagen gesammelt. 

 

golfinbewegung.de


Hubertus Kühne, Clubmanager Haus Kambach

„Ich finde es äußerst bedenklich, dass der DGV mit seiner Marktposition seine eigenen Mitglieder, die Golfclubs und Golfanlagen derart beherrscht. Die Clubs und Anlagen werden in eigenen Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt und sind nur eingeschränkt in der Lage, Dienstleistungen für ihre Kunden, den Mitgliedern, zu erbringen.“ W

 

Thomas Schmidt, Clubmanager GC am Katzberg e.V.

„Als Clubmanager kann ich für die korrekte Handicap-Verwaltung unserer Mitglieder mit dem derzeitigen System keine Verantwortung mehr übernehmen. Dabei sind nicht die Anfangsschwierigkeiten das Problem, sondern die Intransparenz und die zeitliche Verzögerung von Hcp-Anpassungen. Warum muss das dermaßen zentralistisch geregelt werden? 

 

Wir beobachten auch nachlassendes Interesse an vw-Turnieren. Etliche Mitglieder meinten, mit dem neuen System, bei dem Hcp-Veränderungen nicht bei der Siegerehrung kommuniziert werden können, hätten Sie den Spaß am Turniergolf verloren. Das ist sehr bedenklich! Ich denke, eine Integration des WHS in die jeweilige CVS wäre kein Problem. Warum wird seitens des DGV das nicht zumindest als Alternative angeboten?“

 

Prof. Dr. Gerhard Nowak, IST-Hochschule für Management

„Meinungsvielfalt ist Ausdruck von Qualität. Meinungsvielfalt schafft innovativen Fortschritt. Meinungsvielfalt beweist Diversity. Das sehen wir in der (Hoch-)Schulbildung, in der Politik, in der Wirtschaft und natürlich auch im Sport. Auf komplexe Fragestellungen gibt es keine einfachen Antworten und niemand löst kompakte Herausforderungen im Alleingang. Das gilt auch für die Zukunft des Golfsports. Eine zentrale Bedeutung kommt der Digitalisierung und der Digitalen Transformation zu. Big Data ist immer auch eine Frage von Datenschutz und Recht auf die eigenen Daten.

 

Deshalb begrüße ich die Initiative von über einem Dutzend Unternehmen, Golfclub-Managern, Verbandsvertretern, Rechtsanwälten und Journalisten diese Meinungs-Plattform gegründet zu haben. Jeder kann mitwirken, keiner ist ausgeschlossen. Es kann aber am Ende auch niemand mehr sagen, er hätte von nichts was gewusst. Chance und Risiko liegen also für jeden im Golfmarkt ganz dicht beieinander. Ich plädiere für ein selbstbestimmtes Handeln und bin gegen eine ohnmächtige Haltung!“

 

Wolfgang Mych, Gut Kaden

„Den DGV als ‚Konkurrenz für unsere Golfanlagen‘ zu bezeichnen, zeigt ein fragwürdiges Verständnis von Marktgegebenheiten. Wenn Mitglieder vor Ort den angebotenen Service nicht nutzen, ist dafür offensichtlich auch kein Bedarf oder es gibt an anderer Stelle bessere Angebote. Warum kann eine Golfanlage nicht auch ohne Golf-Shop attraktiv für Golfer sein? Die Anlage vor Ort ist verantwortlich, welche Leistungen und Angebote sie den Golfern unterbreitet. Dass nicht alle Leistungen an allen Orten nachgefragt werden, nennt man Markt. Wenn eine Golfanlage dennoch einen Service leisten möchte, der nicht kostendeckend ist – beispielsweise Gastronomie, Mannschaftsgolf oder Jugendarbeit –, ist es eine Grundsatzentscheidung, die eventuell auch für einen Golfshop Gültigkeit hat. Nicht die Schuld auf andere schieben!“ 

 

Bernhard May, Präsident GC Würzburg, -geschäftsführender Gesellschafter Golfplatz Würzburg GmbH

„Der DGV hat in seinen eigenen Handlungsgrundsätzen freiwillig u.a. manifestiert, dass er den Interessen seiner Mitglieder (den Golfclubs) verpflichtet ist. Dies impliziert, alles dafür zu tun, seinen zahlenden Mitgliedern den bestmöglichen Service zu bieten und ihnen nicht auch noch durch eigene Partnerschaften, die zusätzliche Konkurrenz darstellen, das Leben zu erschweren. Ein starker und zeitgemäßer Dachverband ist im Interesse aller Golfclubs, wenn das Verbandshandeln auf die Interessen der Mitglieder fokussiert ist und diese mit allen Möglichkeiten der Digitalisierung unterstützt, so dass vor Ort der Service am Endkunden (den Golferinnen und Golfern) konsequent verbessert werden kann. In diesem Sinne muss der Support zu den Hauptgeschäftszeiten deutlich verbessert werden, um für die Mitarbeiter in den Clubs eine Arbeitsentlastung und nicht -belastung zu generieren. In den Handlungsgrundsätzen des DGV wird ebenso klargestellt, dass nur Golfclubs bzw. Golfanlagenbetreiber ordentliche Mitglieder des Verbandes sind. Dabei muss es auch bei der Datennutzung bleiben und man sollte auch nicht von Vorstandsseite von einer ‚… selbst auferlegten Beschränkung …‘, die eine zeitgemäße ‚… Entwicklung be- oder verhindert …‘ sprechen.“ 

 

Wolfgang Mych, Gut Kaden

„Warum keine HCP-Führung durch den Verband? Aus meiner Sicht ist der Verband generell für den sportlichen Bereich und nicht nur für den Spitzensport zuständig. Und damit auch für die Dokumentation der Spielstärke. 

 

Mein Vorschlag für die nahe Zukunft: Der DGV führt eine HCP-Karte ein, die von den Golfern direkt beim DGV gekauft wird. Die damit verbundenen Daten stellt der Kunde dem DGV zur Verfügung, denkbar ist ein kostengünstiges Modell mit Werbung und eine kostspieligere Variante ohne Werbung. Und wer das gar nicht möchte, kann schließlich auch ohne HCP-Karte Golf spielen, sofern Golfanlagen dies zulassen.

 

Schon jetzt wird man in deutschen Clubs gerne nach dem ‚DGV-Ausweis‘ gefragt. Gefühlt sind Golfer also ohnehin schon direkt Mitglieder des Verbandes. Das können Sie in Zukunft auch ‚offiziell‘ werden. Die Clubs können dabei für Wettspiele und PRP-Runden das aktuelle HCP (ohne Historie) jederzeit abrufen. Der DGV-Ausweis entfällt dann ganz und Clubs können wie früher ihren eigenen Ausweis mit unterschiedlichen Funktionen und in Eigenvermarktung gestalten.

 

Die Golfanlagen zahlen anstelle der Gebühren pro Mitglied eine Grundgebühr als Anlage an den DGV und weiterführende Dienstleistungen können gegen Aufpreis dazu gebucht werden. Der DGV generiert damit Einnahmen aus den HCP-Karten und Gebühren der Anlagen sowie der Vermarktung der Daten. Gerne auch möglichst viele Einnahmen, denn je besser der Verband finanziell aufgestellt ist, desto größer ist sein Handlungsspielraum (z.B. German Open, eigenes Leistungszentrum etc.).

 

Für die jetzige Situation sollte man dem Verband ein wenig mehr Vertrauen entgegenbringen und der Umsetzung Zeit geben. Jeder von uns kennt die komplexen Schwierigkeiten bei der Einführung einer neuen oder auch nur erweiterten EDV.“ 

 

Marc Spangenberger, PC CADDIE AG

„Als Software-Partner unserer Kunden sind wir nach den Umstellung zum WHS nicht mehr in der Lage, nach einem Golfturnier das neue Handicap direkt zur Siegerehrung zu liefern. Auch aktive Änderungen des Handicaps durch den Club, z.B. bei Reaktivierung von Mitgliedern oder neue, bisher im Ausland ansässige Mitglieder, sind im jetzigen System nicht einfach möglich. Technologisch wären hier Verbesserungen in Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des DGV-Intranets möglich.“ 

 

Diese und weitere Statements sind auch auf www.golfinbewegung.de zu finden.

 

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