Golfgeschichte im British Golf Museum / Privatmuseum von Archie Baird

Bedeutung von Golf-Museen

Kaum eine Sportart blickt auf eine ähnlich lange und gut dokumentierte Historie zurück wie der Golfsport. Auch wenn neue Varianten des Spiels wie beispielsweise Foot-Golf oder Top-Golf sich zunehmend erfolgreich präsentieren, das klassische Golf basiert noch immer auf seinen Jahrhunderte alten Wurzeln. Während in den USA der Golfsport sowohl von seiner Historie, als auch in Bezug auf den professionellen Golfsport in der World Golf Hall of Fame samt Museum perfekt dokumentiert wird (siehe dazu den Beitrag im golfmanager 3/17), ist die museale Würdigung dieses traditionsreichen Sports in Europa eher unterdurchschnittlich entwickelt. Dabei zeigen viele andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, dass Museen sehr gut geeignet sind, vor allem Kinder für bestimmte Inhalte zu begeistern – sonst wären Dinosaurier wohl gerade bei kleinen Kindern kaum so bekannt und beliebt.

 

Golfgeschichte im British Golf Museum

Im Mutterland des Golfsports in Schottland gibt es zwei sehr unterschiedliche Ansätze, Golfern und Golfsport-Interessierten das Spiel über Museen nahezubringen. Direkt gegenüber dem Clubhaus des Royal & Ancient St. Andrews Golf Clubs befindet sich das British Golf Museum. Dieses wurde erst kürzlich renoviert und präsentiert sich nun in neuem Glanz. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Golfgeschichte – das Museum bezeichnet sich selbst als „Home to Golf‘s History“. In zahlreichen Kollektionen und Abschnitten widmet sich die Ausstellung mit ihren Exponaten daher den diversen Kapiteln der Golfentwicklung. Dabei wird der gesamte Zeitraum vom 17. Jahrhundert bis heute abgedeckt. Eine wichtige Rolle nimmt naturgemäß die Open Championship ein. Es gelingt dem Museum, sowohl den Amateur-, als auch den Profi-Bereich des Sports sehr gut zu integrieren. Die Ausstellungsbereiche widmen sich einerseits der Entwicklung des Sports an sich und des Clublebens, aber auch der Entwicklung des Profisports – stammt mit Old Tom Morris doch nicht weniger als der Gründungsvater des modernen Profigolfs aus St. Andrews.

Old Tom Morris, einer der wichtigsten Protagonisten des Golfsports überhaupt. Unter seinem Einfluss kamen unter anderem die ersten Inlands-Plätze (vorher wurde nur an den Küsten Golf gespielt) auf, der Guttapercha-Ball, die erste Open Championship, die Möglichkeit verschiedener Abschläge pro Bahn und die Professionalisierung des Greenkeepings. (Alle Fotos zum Museums-Beitrag: M. Althoff)
„Bobby Jones in Britain“ wird im British Golf Museum eine eigene Vitrine gewidmet.
Tees aus verschiedenen Golf-Epochen und Designs – das British Golf Museum ist ein Eldorado für Golfbegeisterte.

In einem weiteren Ausstellungsbereich widmet sich das Museum der Bedeutung der Kleidung für den Golfsport. Das alles geschieht in einer gut gelungenen Mischung aus Information, Entertainment und Interaktivität. Wenig verwunderlich, dass daher auch Schulklassen eine wichtige Zielgruppe des Museums sind – und täglich besuchen oft mehrere Schulklassen das British Golf Museum, eine für Deutschland eher ungewöhnliche Vorstellung.

 

Natürlich profitiert das Museum von seiner Lage, denn wer schon einmal im Home of Golf angekommen ist und sich für den Golfsport interessiert, kann sich mit vergleichsweise wenig Zeitaufwand auch gleich noch über die Geschichte seines Lieblingssports informieren. Auch wer nicht den Weg nach St. Andrews schafft, findet auf der gut gestalteten Website des Museums (http://britishgolfmuseum.co.uk) interessante Fakten zur Entwicklung des Spiels.

 

Typisch britisch zurückhaltend wird übrigens die Frage nach dem Ursprung des Sports beantwortet: Die Frage „Schottland oder Niederlande“ wird geschickt umgangen, aber dafür weist man umso deutlicher auf die Rolle Schottlands bei der Entwicklung bis hin zur heutigen Situation hin.

„Wundermittel“ für ein besseres Golf gab es wohl immer schon – gezeigt wird unter anderem eine Packung mit Kräutern gegen den unbalancierten Golfschwung und fehlerhaftes Putten!

Schwerpunkt Hardware im privaten Museum von Archie Baird

Einen ganzen anderen Ansatz verfolgt Archie Baird mit seinem privaten Museum in Gullane. In einem Seitenteil des Proshops am renommierten Gullane Golf Club hat er seine private Sammlung historischen Golfequipments zusammengestellt. Mit seinen über 90 Jahren ist Archie längst selbst Teil der Golfgeschichte, und die Führung durch seine Ausstellung lebt selbstverständlich besonders stark von den zahlreichen Erklärungen und Anekdoten des Golf-Enthusiasten. Die Golfplätze des Clubs blicken ebenfalls auf eine lange und umfangreiche Historie zurück, vor allem Gullane No. 1 war mehrfach Austragungsort renommierter Turniere, unter anderem der Scottish Open. Baird, der nach eigenen Aussagen erst spät selbst zum Golfsport gekommen ist, hat über die Anlage ein wunderbares Buch geschrieben. Seine enge Bindung an den Sport basiert nicht nur auf seiner Liebe zu diesem Spiel, sondern auch auf familiären Beziehungen: Seine Frau ist ein Nachfahre von Willie Park Junior, der das erste von einem Golf-Pro geschriebene Golfbuch veröffentlichte und sich vor allem als Golfplatz-Architekt einen Namen machte.

Mit über 90 Jahren „lebt“ Archie Baird seine Liebe zum Golfsport, indem er auch heute noch in seinem privaten Museum im Gullane Golf Club die Besucher durch die Ausstellung führt und mit Anek­doten unterhält.
Bälle aus allen Epochen der Ballentwicklung erwarten golfinteressierte Besucher des Archie Baird Museums.

Die Führung durch Archies Sammlung wäre ohne seine lebhaften Erzählungen sicherlich nur halb so informativ und unterhaltsam. Anders als beim British Golf Museum liegt Archies Schwerpunkt eindeutig vor allem auf der technischen Entwicklung der Ausrüstung. Seine Hickory-Sammlung umfasst alle wichtigen Etappen, auch einige Kuriositäten des Schlägerdesigns zählen dazu, aber auch seltene Exemplare wie die ersten Sandwedges.

 

Hinsichtlich des Ursprungs des Sports ist sich Baird sicher, dass Schottland die richtige Wahl ist – schließlich zeige das oft zitierte Bild aus Holland mit einem golf-ähnlichen Spiel Männer im Kilt, und dies sei wohl zweifelsfrei eine schottische Bekleidung. Somit hätten die Holländer das Spiel aus Schottland importiert, so sein Fazit. Dass gerade Schottland für die Entwicklung des Spiels so wichtig war, liegt nach seiner Einschätzung nicht zuletzt an den natürlichen Voraussetzungen. „Unser Boden ist einfach perfekt für dieses Spiel geeignet“, so Baird. Im Laufe der Zeit hat sich Golf dann immer weiter emanzipiert. Denn während die Arbeiterklasse früher vor allem als Caddies mit dem Sport in Berührung gekommen sei, werde Golf heute quer durch die gesamte Gesellschaft gespielt. Daher sieht er auch für die Zukunft ein weiteres Wachstum des Sports als sehr wahrscheinlich an.

 

Besonders am Herzen liegt Baird die Entwicklung des Golfballs. Schließlich war der noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein dominierende Featherie-Ball ein hoher Kostenfaktor des Spiels: „Ein Featherie kostete, auf heutige Preise umgerechnet, etwa 4.000 GBP“, so Baird. Kein Wunder also, dass der Sport damals vor allem der Oberschicht vorbehalten war. Auch eine Ballwickelmaschine gehört zur Sammlung des Golf-Historikers, ebenso wie zahlreiche Bälle aus allen Epochen der Ballentwicklung.

 

Dass man nicht nur heute, sondern auch schon in den letzten hundert Jahren nicht nur durch Training und Technik versucht hat, sein Spiel zu verbessern, zeigt eine Sammlung von Kuriositäten und Skurilitäten in einer Vitrine Bairds. Highlight ist eine Packung mit Kräutern gegen den unbalancierten Golfschwung und fehlerhaftes Putten – würde das Hilfsmittel funktionieren, könnte Baird mit dem Rezept des Wundermittels wohl Millionen Golfer weltweit glücklich machen.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 05/2017

 

<< zurück

Presenting Partner

Köllen Druck + Verlag GmbH

Postfach 410354, 53025 Bonn
Telefon 0228 / 98 98 287
Fax 0228 / 98 98 229

golf (at) koellen.de
www.koellen-golf.de