Hintergründe zur World Golf Hall of Fame

Im Gespräch mit amerikanischen (Golfhistorie-)Experten

Die World Golf Hall of Fame als Bestandteil des World Golf Villages ist eine Institution. Kaum ein anderer Ort verbindet Historie und Moderne des Golfsports besser als diese Anlage. Im Gespräch mit dem golfmanager haben Steve Mona (Präsident der World Golf Foundation), Brodie Waters (Senior Director of Institutional Advancement, World Golf Hall of Fame) und Dr. Tony Parker (Historiker der World Golf Hall of Fame) interessante Einzelheiten und Sichtweisen zu Organisation und Ausrichtung der Institution, aber auch des Golfsports insgesamt, erläutert.

golfmanager:   Wer ist der Eigentümer der World Golf Hall of Fame?

 

B. Waters:   Die World Golf Hall of Fame ist Teil der World Golf Foundation, die auch für The First Tee und Golf 20/20 zuständig ist.

 

golfmanager:   Wie finanziert sich die World Golf Hall of Fame?

 

B. Waters:   Die Hall of Fame wird aus verschiedenen Quellen unterstützt. Dazu zählen Spenden von Firmen und Einzelpersonen, die Eintrittsgelder zu World Golf Hall of Fame & Museum in St. Augustine, aber auch eine Unterstützung durch die PGA TOUR und die in unserem Board vertretenen Organisationen.

 

golfmanager:   Welche Beziehungen bestehen zwischen der World Golf Hall of Fame und anderen Golfinstitutionen wie der PGA of America oder der USGA?

 

B. Waters:   Die World Golf Hall of Fame wird durch unser Direktorium (Board of Directors) geführt, das sich aus den Chief Executives der führenden Golfinstitutionen zusammensetzt, darunter die PGA TOUR, die PGA of America, die LPGA, die USGA, die European Tour, das Masters and die R&A.

 

golfmanager:   Wie würden Sie den typischen Besucher der World Golf Hall of Fame beschreiben – konzentrieren Sie sich rein auf Golfenthusiasten?

 

B. Waters:   Die World Golf Hall of Fame ist stolz darauf, unterhaltsame und lehrreiche Erlebnisse für nahezu alle Arten von Besuchern zu bieten – gleich, ob sie Golfer sind oder nicht. Während der ambitionierte Golfer die World Golf Hall of Fame & Museum zweifelsohne als „Must-see Erlebnis“ im Rahmen seines Sports sieht, sprechen unsere Ausstellungen und Konzepte eine große Bandbreite von Menschen an: Ältere und Jüngere, Männer und Frauen, nationale wie internationale Gäste. Unserer Meinung nach bietet das World Golf Village mit der World Golf Hall of Fame & Museum für jeden etwas.

 

golfmanager:   Welche Rolle spielt die World Golf Hall of Fame im Zusammenhang mit Golf Marketing? Kann eine Einrichtung wie die Ihre dazu beitragen, neue Golfer in und außerhalb der USA zu gewinnen?

 

B. Waters:   Die Mission der World Golf Hall of Fame ist es, das Golfspiel und das Vermächtnis derer, die es groß gemacht haben, zu bewahren und zu würdigen. Mit den Geschichten, die wir erzählen, und den Erlebnissen, die wir im Museum anbieten, zielen wir darauf ab, die größten Spieler und großartigsten Momente zu feiern. Gleichzeitig wollen wir auch die unglaublich reichhaltige Geschichte des Spiels bewahren. All dies zielt darauf ab, die nächste Generation an Golfspielern zu inspirieren. Unsere Organisation steht mit ganzer Leidenschaft hinter den Werten, die Golf der Gesellschaft bietet, daher unterstützen wir auch alle Initiativen weltweit, die dieses großartige Spiel unterstützen und weiter voranbringen.

 

golfmanager:   Die World Golf Hall of Fame bietet zahlreiche interaktive Attraktionen. Welche Rolle spielen diese Ansätze im Vergleich zu den klassischen Ausstellungsbereichen?

 

B. Waters:   Die Gäste der World Golf Hall of Fame & Museum erwartet eine einzigartige und aufregende Gelegenheit zu einer kleinen Zeitreise mit der Möglichkeit, einige der großartigsten Golfmomente durch Exponate, Fotografien und Videos wieder auferstehen zu lassen. Da­rüber hinaus können sie selbst einen Schläger in die Hand nehmen und spüren, wie sich das Putten im 19. Jahrhundert angefühlt hat. Ebenso können sie selbst den Druck erleben, wenn man am Abschlag auf das berühmt-berüchtigte Inselgrün im TPC Stadium Course steht oder wie es sich anfühlt, in Pebble Beach direkt neben den tosenden Wellen des Pazifiks aufzuteen. Ein weiteres Highlight ist die Gelegenheit, die Major-Trophäen berühmter Golfer zu sehen und so einige Momente nachzuerleben, die zu diesen unvergesslichen Momenten im Leben dieser Golfer geführt haben.

 

golfmanager:   Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verzeichnete Golf in den USA ein enormes Wachstum. Heutzutage kämpfen viele Golfanlagen mit wirtschaftlichen Problemen. Aus historischer Sicht: Warum verliert Golf offensichtlich an Attraktivität – obwohl die gesamte Infrastruktur heute deutlich besser ist als damals? Und welche Rolle spielen ökonomische und gesellschaftliche Entwicklungen dabei?

 

S. Mona:   Insgesamt befindet sich der US-amerikanische Golfmarkt in einem gesunden und stabilen Zustand. Derzeit haben wir 20-21 Mil­lionen Menschen, die den Sport aktiv ausüben oder bald damit beginnen wollen. Obwohl die Wirtschaft im letzten Jahrzehnt zwei starke Rezessionen durchlebt hat, konnte sich Golf insgesamt gut behaupten. Die US-amerikanische Golfindustrie generiert einen Jahresumsatz von rund 70 Milliarden US-Dollar, sorgt für zwei Millionen Arbeitsplätze (jeder 75ste Arbeitsplatz in den USA ist der Golfbranche zuzurechnen) und steht für 55,6 Milliarden US-Dollar an Gehältern. Eine Konsolidierung im Sinne einer Reduktion der Golfplätze ist durchaus positiv, da dies letztlich für ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage sorgt. Wir werden schon bald einen Punkt erreichen, an dem der Bestand an Golfanlagen der aktuellen Nachfrage entspricht.

 

golfmanager:   Wie wird sich der Golfmarkt Ihrer Einschätzung nach in den kommenden Jahren entwickeln?

 

S. Mona:   Aus heutiger Sicht vorherzusagen, wie viele Golfanlagen neueröffnet oder geschlossen werden, ist sehr schwierig. Letztlich unterliegt auch Golf den Einflüssen und Trends aus Wirtschaft, Immobilienmarkt, Reise und Hotellerie, Gesundheitswesen, Lifestyle und vielen anderen Einflussfaktoren. Aktuelle Stars wie Jordan Spieth, Rory McIlroy, Jason Day und Rickie Fowler sorgen für ein großes Interesse an Golf bei der jungen Generation, so dass wir zuversichtlich nach vorne blicken.

 

golfmanager:   In seinen Anfängen war Golf ein Gentlemen’s Sport, die Klubhäuser waren ein Ort sozialer Begegnungen, auch der Zugang zu den Clubeinrichtungen war teils sehr restriktiv. Glauben Sie, dass dieser Ansatz heute noch zielführend ist oder sollten Golfanlagen andere Ansätze gegenüber Mitgliedern und Gästen wählen?

 

T. Parker:   Einige Bereiche des Golfsports sollten in der Tat dringend modernisiert werden. Schließlich sind wir in die jeweilige soziale, kulturelle und nicht zuletzt wirtschaftliche Situation eingebettet. Derzeit beobachten wir eine Bewegung weg von den traditionellen Privatclubs hin zu Semi-Private Clubs und öffentlichen Golfanlagen. In anderen Worten: Die Golfer von heute suchen Flexibilität und haben Spaß daran, unterschiedliche Anlagen zu spielen. Außerdem sollten wir unsere Blickrichtung stärker auf die Bedürfnisse der Generation Y legen. Gesundheit hat heute einen sehr hohen Stellenwert und Golf passt perfekt zu diesem Bedürfnis. Wir sollten unsere Werte stärker in den Vordergrund stellen und gleichzeitig den Zeitbedarf reduzieren, den man für Golf benötigt. Auch sollten die Clubs sich in ihrer Einstellung und ihrem Verhalten stärker gegenüber Gastspielern öffnen, denn diese werden für die Clubs zunehmend wichtig.

 

golfmanager:   Früher spielten die meisten Golfer Matchplay und eine Spielgruppe bestand regelmäßig aus vier Spielern. Heutzutage gibt es zahlreiche Golfer, die ihre Runde am liebsten alleine spielen und Stableford hat sich zum dominierenden Scoring-System bei den Amateuren entwickelt, vor allem in Deutschland. Zählspiele werden meist nur noch von sehr guten Amateuren und natürlich den Profis gespielt. Worauf ist diese Entwicklung nach Ihrer Einschätzung zurückzuführen?

 

T. Parker:   Der ursprüngliche Sinn des Handicap-Systems war es, dass Golfer unterschiedlicher Spielstärken ein gemeinsames Wettspiel austragen konnten. Dieser Ansatz scheint heute verloren gegangen zu sein. In den USA sind Zählspiele weiterhin sehr verbreitet, besonders bei Turnieren. Matchplay unterscheidet sich in zwei wichtigen Punkten: Zum einen wirkt sich ein schlechter Score immer nur an der aktuellen Bahn aus, auf der nächsten Spielbahn kann man ohne weitere Folgen neu durchstarten. Zum zweiten steht Matchplay für den klassischen 1:1-Wettbewerb: Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. Vor allem ambitionierte Amateure tragen diese Wettspiele auch heute noch sehr gerne aus.

 

golfmanager:   Jede Golfgeneration hat berühmte Spieler hervorgebracht. Zu Beginn des modernen Golfs waren es Spieler wie Old Tom Morris, Anfang des 20. Jahrhunderts Größen wie Walter Hagen und Bobby Jones und heutzutage Tiger, Rory McIlroy oder Jordan Spieth. Welche Unterschiede sehen Sie in der Bedeutung dieser Berühmtheiten für die Attraktivität und Entwicklung des Golfsport in den USA und weltweit?

 

T. Parker:   Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist stets: Welche Zielgruppen sollen diese Spieler ansprechen? Der Golfsport richtet sich an viele unterschiedliche Zielgruppen und Unterstützer, daher können unterschiedliche Golfer durchaus unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. In den USA hat Rickie Fowler einen enormen Stellenwert für die Jugendlichen. Er ist ein Idol und sorgt für ein großes Interesse dieser Zielgruppe am Golfsport. Europa zum Vergleich hat eine komplett andere Golf-Historie. Die Gründung der European Tour erfolgte Anfang der 1970er Jahre – zu einer Zeit, als das berühmte Wembley-Finale zwischen Deutschland und England bereits viele Jahre zurücklag und Deutschland zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister wurde. Anders formuliert: Golf und die Golfprofis hatten kein Chance gegen Fußball – die Idole europäischer Kids waren und sind Fußballer.

 

golfmanager:   Wie sprechen Sie in den USA Kinder und Jugendliche an, um sie für Golf zu gewinnen?

 

T. Parker:   Unser wichtigster Ansatz ist The First Tee. Mit diesem Programm sind wir aktuell an über 9.000 Schulen vertreten, mehr als vier Millionen Kinder nehmen an diesem Programm und seinen Events jährlich teil – mit steigender Tendenz! Die Jugend spricht vor allem auf berühmte jüngere Golfer wie Fowler an. Daher sind diese für die Entwicklung unseres Sports auch so wichtig. Außerdem hilft es sehr, dass viele erfolgreiche Golfer für den typischen American Dream stehen. So denken die Jugendlichen oft: „Wenn sie es geschafft haben, kann ich es auch schaffen!“

 

golfmanager:   Sowohl in den USA als auch in Europa wächst die Gruppe der Hickory-Golfer kontinuierlich. Sie tragen ihre eigenen Turniere aus, nutzen Equipment aus der Zeit vor 1930 und spielen in historischer Kleidung. Ist dies aus Ihrer Sicht nur eine Nische innerhalb des Golfmarktes oder sehen Sie darin eine gewisse „Zurück zu den Ursprüngen“-Bewegung?

 

T. Parker:   Hickory verzeichnet in den USA derzeit ein starkes Wachstum. Einige Golfer sind davon überzeugt, dass der Sport zu Technik-fokussiert geworden sei. Und die Anschaffung neuer Schläger jedes Jahr ist letztlich auch eine Frage der finanziellen Mittel. Aber Hickory-Golf bietet aus Sicht seiner Anhänger weitere Vorteile: Hickory-Golfer gehen zu Fuß über den Platz und sind daher oft schneller unterwegs. Außerdem tragen sie nur ein reduziertes Schlägerset mit sich und spielen auf kürzeren Plätzen beziehungsweise von den vorderen Abschlägen. Im Ergebnis werden Hickory-Runden oft deutlich schneller gespielt als im modernen Golf – und erfüllen damit interessanterweise eine zentrale Forderung zur Modernisierung des Golfsports. Hickory-Golfer haben vielfach eine engere Beziehung zu ihrer Ausrüstung, sie wird regelmäßig gepflegt und soll über möglichst viele Jahre gespielt werden. Ein weiterer wichtiger Unterschied zum modernen Golf ist die Bedeutung eines sauberen, präzisen Schlags – Hickory-Schläger sind weniger fehlerverzeihend. Der Einfluss des Golfers auf sein Ergebnis ist somit viel stärker. Auch mentale Aspekte spielen eine große Rolle beim Spiel mit Hickory-Schlägern. Und natürlich sollten wir nicht vergessen, dass sich diese Golfer ganz besonders mit der Tradition und Geschichte unseres Sports und seinen frühen Berühmtheiten identifizieren.

 

golfmanager:   Meine Herren, wir danken Ihnen sehr herzlich für dieses äußerst informative Gespräch und die zahlreichen Einblicke. „golfmanager: Mein“e“ Herren, wir danken Ihnen sehr herzlich

 

Das Gespräch führte unser Autor Michael Althoff (golfmanager 03/2017).

 

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