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34. GVD-Jahrestagung in Niedernhausen

Von der Wurzel zum Blatt – Praxis & Austausch

Zwischen Bodenwissen, Digitalisierung und Branchendialog wurde in Niedernhausen einmal mehr deutlich, was modernes Greenkeeping heute auszeichnet.

Die 34. Jahrestagung des Greenkeeper Verbandes Deutschland (GVD) Ende Februar liegt nun schon etwas zurück – und doch wirkt sie nach. Der Branchentreff in Niedernhausen hat einmal mehr gezeigt, wie lebendig, engagiert und zukunftsorientiert das Greenkeeping in Deutschland ist. Mit rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie 41 Ausstellern präsentierte sich die Veranstaltung gut besucht und eindrucksvoll – und vor allem als das, was sie im besten Sinne ist: ein zentraler Treffpunkt der Branche.

Auftakt mit Tiefgang: Impulse & Austausch
 

Schon am Dienstag, den 24.02.2026, wurde deutlich, dass es längst nicht mehr nur um Technik und Pflegestrategien geht. Das neue Format ,Impulse & Austausch‘, das die bisherigen Workshops zum Auftakt ablöste, setzte bewusst auf Dialog, Praxisnähe und Beteiligung. Es wurde diskutiert, gefragt, hinterfragt – und das mit spürbarer Offenheit.
 

Dr. Elisabeth Ponocny-Seliger rückte ein Thema in den Fokus, das häufig im Hintergrund bleibt: die psychischen Belastungen im Greenkeeper-Beruf. Ein Vortrag, der nachdenklich machte und deutlich machte, dass neben fachlichen auch menschliche Faktoren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Parallel dazu zeigte Marta Lusawa eindrucksvoll, wie Künstliche Intelligenz ganz konkret im Greenkeeper-Alltag eingesetzt werden kann. Ihr Workshop stieß auf so großes Interesse, dass kurzerhand zusätzliche Stühle organisiert werden mussten – ein Detail, das sinnbildlich für die Aktualität des Themas steht. Und Dr. Beate Alberternst machte deutlich, wie komplex und gleichzeitig relevant das Thema invasive Neophyten geworden ist – ökologisch, rechtlich und praktisch.
 

Ergänzt wurden diese Impulse durch Innovationen der Industrie, intensive Gespräche auf der Fachausstellung und ein Netzwerk, das sich einmal mehr als wichtiger Part der Tagung erwies. Denn so wertvoll die Vorträge sind – die Gespräche dazwischen, das Wiedersehen, der direkte Austausch: Sie machen den eigentlichen Kern dieser Veranstaltung aus.

Mitgliederversammlung: Abschied, Aufbruch und klare Signale
 

Am Abend rückte die Mitgliederversammlung in den Mittelpunkt. In der Nachbetrachtung soll ihr in diesem Jahr bewusst etwas mehr Raum eingeräumt werden, gab es doch einige erwähnenswerte Punkte. Neben organisatorischen Themen und richtungsweisenden Entscheidungen war sie vor allem geprägt von personellen Veränderungen und emotionalen Momenten.
 

Unter den Ehrengästen fanden sich unter anderem Hubert Kleiner (GVD-Ehrenmitglied), Martin Auer (AGA-Kassier), Alexander Klose (DGV-Vorstand Recht & Services) sowie Markus Rott (Vorsitzender GMVD-Regionalkreis Mitte). Die Grüße des verhinderten GVD-Ehrenmitglieds Dr. Klaus Müller-Beck übermittelte Präsident Gert Schulte-Bunert.
 

Nach einer Schweigeminute für die verstorbenen Mitglieder stellte sich mit Ina Herrmann „die Neue“ in der GVD-Geschäftsstelle vor. Sie folgt auf Lisa Bließen, die im Rahmen der Versammlung offiziell verabschiedet wurde. Mit warmen Worten und langanhaltendem Applaus wurde ihr Engagement gewürdigt – verbunden mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen bei künftigen Veranstaltungen.
 

Auch strukturelle Veränderungen wurden beschlossen: Der bisherige ,Feldtag‘ wird nicht mehr fortgeführt, stattdessen sollen die regionalen Tagungen gestärkt und aufgewertet werden. Zudem wurde die Geschäftsstelle in Wiesbaden, in den Räumlichkeiten des Deutschen Golf Verbandes (DGV) zugunsten einer modernen, dezentralen Arbeitsweise aufgelöst. Die Adresse bleibt als Kontaktanschrift bestehen, die Post wird zeitnah durch den DGV weitergeleitet. Der im Rahmen der Mitgliederversammlung geäußerte Appell „ich hoffe, wir werden kein Postfachverband, wir sind eine ,lebendige‘ Gemeinschaft“, drückte die Sorge und zugleich Erwartung aus, im Bemühen für eine Weiterentwicklung des Verbandes nicht nachzulassen.
 

Die Kassenprüfer Theo Kother und Moritz Klawitter bescheinigten Schatzmeister Tobias Gerwing eine solide Haushaltsführung. Für den turnusgemäß ausscheidenden Moritz Klawitter übernimmt künftig Urs Mertens als zweiter Kassenwart Verantwortung.

Wahlen und personelle Weichenstellungen
 

Im Zentrum der Versammlung standen die Neuwahlen des geschäftsführenden Vorstandes: Christian Steinhauser wurde zum neuen Präsidenten gewählt, Daniel Lüttger übernimmt – ebenfalls für vier Jahre – das Amt des Schatzmeisters. Tobias Gerwing (Vizepräsident) und Andreas Buhr (Schriftführer) komplettieren für die kommenden zwei Jahre das Führungsteam.
 

Ein besonderer Moment galt Gert Schulte-Bunert, der seit 2017 als Präsident tätig war und nun aus dem Amt ausschied. Auf Antrag seines Nachfolgers wurde er nach Claus Detlef Ratjen, Hubert Kleiner und Dr. Klaus Müller-Beck zum vierten Ehrenmitglied des GVD ernannt – eine Auszeichnung, die mit großem Applaus bedacht wurde. Die Würdigung durch Alexander Klose (DGV) und Markus Rott (GMVD) sowie die symbolische Übergabe eines ,goldenen Golfballs‘ durch Adolf Hauth unterstrichen die Bedeutung seiner Arbeit für den Verband.
 

Ehrungen gab es auch für die Platzpflege-Experten: Neben den erfolgreichen DEULA-Absolventen – auf die wir in einem gesonderten Beitrag in der Rubrik ,Weiterbildung‘ noch eingehen – wurde einer ganzen Reihe von Mitgliedern für ,25 Jahre Zugehörigkeit im GVD‘ gedankt. Ausgezeichnet wurden Ralf Becker, Alexander Buhl, Mahama Dabré, Christian Dinauer, Mathias Eichner, Nadine Eineder-Müller, Matthias Ernst, Christian Fischer, Thomas Kuhnsch, Michael Kurth, Michael Lochthowe, David Malcolm, Hans-Jürgen Negele, Werner Nißlein, Josef Peschl, Peter Shaw, Georg Siegmar, Frank Simen, Ralf Wagner, Harald Walter, Georg Wasner, Michael Wohlert sowie der Bad Driburger GC und der GC Odenwald.

Seminartag 1: Die Basis im Blick
 

Fachlich führte das Seminarprogramm am Mittwoch unter der Moderation von Nikolaus v. Niebelschütz konsequent durch das Leitthema ,Von der Wurzel zum Blatt‘. Dr. Selina Thanheiser begann bei der Basis und machte deutlich, welche zentrale Rolle der Boden für die Qualität und Nachhaltigkeit von Sportrasen spielt. Dr. Harald Nonn zeigte eindrucksvoll, wie Bodenverdichtung entsteht – und warum sie häufig unterschätzt wird. Mit ,Quo vadis Rasendüngung?‘ stellte Dr. Michael Schlosser zentrale Fragen zwischen Historie, aktueller Gesetzgebung und zukünftigen Entwicklungen.
 

Ein internationaler Impuls kam von Kevin Cavanaugh, der zur Rhizophagie und zur Nutzung von Mikroorganismen durch Pflanzen referierte – ein Thema, das eindrucksvoll zeigte, wie eng Wissenschaft und Praxis inzwischen miteinander verzahnt sind.
 

Was in vielen Gesprächen an diesem Tag immer wieder deutlich wurde: Einen einfachen ,Königsweg‘ gibt es nicht. Greenkeeping bedeutet heute weit mehr als perfekte Grüns. Es erfordert Fachwissen, Kommunikation mit Behörden und Mitgliedern, nachhaltige Strategien im Umgang mit Klimawandel und Biodiversität – und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Seminartag 2: Wandel, Technik und Verantwortung
 

Der zweite Seminartag spannte schließlich einen breiten inhaltlichen Bogen: Beate Licht ordnete die Entwicklungen im Pflanzenschutz ein, Maxi Wuttge und Dr. Selina Thanheiser zeigten Parallelen zwischen Fußball- und Golfrasen auf, und Anton Steinbeck gab Einblicke in die Möglichkeiten der Digitalisierung – von Drohnen bis zu sensorbasiertem Monitoring.
 

Den Abschluss bildete Dr. Gunther Hardt mit seinem Vortrag zu Biodiversitätsstrategien. Ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt – und eindrucksvoll verdeutlichte, wie sehr ökologische Verantwortung inzwischen zum Berufsbild gehört.

Fazit: Mehr als nur Fachvorträge
 

Es waren intensive und in vielerlei Hinsicht nachwirkende Tage in Niedernhausen. Forschung, Praxis und Zukunftsthemen griffen ineinander und zeigten einmal mehr, wie komplex – und zugleich spannend – das Greenkeeping heute ist. So wertvoll die Fachvorträge waren, so entscheidend blieb der persönliche Austausch – sei es tagsüber in den Pausen, bei den gemeinsamen Mahlzeiten oder bei den tagesbeschließenden ,Absackern‘ an der Bar. Genau diese Momente sind es, die diese Tagung tragen und prägen.
 

Ein besonderer Dank gilt Christina Seufert und dem gesamten Organisationsteam für die professionelle Vorbereitung und Durchführung, ebenso dem Moderator, den Referenten, den Industriepartnern – und nicht zuletzt den zahlreichen Teilnehmern, die diese Veranstaltung mit Leben gefüllt haben.


Und wenn Sie sich nach diesen Zeilen denken: Das klingt nach genau dem Austausch, der in der Praxis weiterbringt – dann lohnt sich ein Blick nach vorn: Vom 23. bis 25. Februar 2027 trifft sich die Branche zur 35. GVD-Jahrestagung erneut in Niedernhausen.
 

 

Autor:  Stefan Vogel | Greenkeepers Journal 1/26

 

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