Veränderungen im Reiseverhalten der Golfer

Studie zum Golf-Reisemarkt 2017

Anlässlich des 20. International Golf Travel Markets (IGTM), der vom 11. bis 14. Dezember 2017 im französischen Cannes stattfand, veröffentlichte Sports Marketing Surveys seine aktuelle Studie über den Golf-Reisemarkt 2017. Dabei standen die vier größten Märkte im Fokus: Großbritannien & Irland, Frankreich, Deutschland und Schweden. Mit der Studie knüpft das Unternehmen an eine ähnliche Untersuchung aus dem Jahr 2014 an. Grundlage der Ergebnisse war die Befragung von rund 10.000 Golfern, die mindestens zehn Mal pro Jahr Golf spielen.

 

Die höchste Golfreise-Intensität weisen Großbritannien & Irland auf: 66% haben in den letzten zwölf Monaten eine Auslands-Golfreise unternommen, 59% eine entsprechende Reise im Inland. An Position zwei bei den Auslandsreisen folgt bereits Deutschland, hier haben 64% mindestens eine Auslandsreise unternommen, mit 58% Inlandsreisen fiel der Wert ähnlich aus wie bei unseren Nachbarn auf den Inseln. Auffällig ist, dass französische Golfer als einzige Nation Inlandsreisen bevorzugen: Während 62% der Golfer eine Reise im Inland unternahmen, führte nur 55% der Weg ins Ausland. Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei den Zielen der Auslandsreisen. Über alle vier untersuchten Märkte ist Spanien die beliebteste Auslandsdestination. Aus Schweden kommt das südeuropäische Land gar auf einen Marktanteil von 41%, während 32% aller deutschen Golfer das Land für eine Golfreise ausgewählt haben. Bei Golfern aus dem Vereinigten Königreich steht unangefochten Portugal mit 30% an zweiter Stelle, während deutsche Golfer – sicherlich nicht zuletzt aufgrund der Nähe – mit 29% aller Reisen Österreich auf Platz zwei der Auslandsziele gesetzt haben. Auch bei weiteren Destinationen zeigen sich deutliche Unterschiede: Obwohl die Türkei in den letzten Jahren einen deutlichen Einbruch im Tourismus verzeichnete, gehen noch immer 10% aller Golf-Auslandsreisen deutscher Golfer in das Land – ein Spitzenwert unter den hier untersuchten vier Entsenderländern. Auch bei Italien führt Deutschland im Ranking der untersuchten Nationen, immerhin 14% aller Auslandsreisen gehen in das Gastgeberland des Ryder Cups 2022. Anders sieht es bei den Reisen zu den Ursprüngen des Golfsports aus: Sowohl bei England als auch Schottland und Irland belegt Deutschland im Ranking der untersuchten Nationen den letzten Platz der Entsenderländer. Insgesamt gerade einmal 10% aller Golfreisen führten in diese drei Destinationen. Zum Vergleich: 14% aller französischen Golfer haben mindestens eines dieser drei Länder bereist, bei den Schweden ist der Anteil nochmals höher, vor allem bei Reisen in das Mutterland des Golfsports, Schottland.

 

Die Studie hat auch die Größe der Golfreisegruppen untersucht. Gerade einmal 5% aller Golfer reisten alleine. Die größten Gruppen kamen 2017 aus Großbritannien & Irland mit durchschnittlich 6,7 Golfern, deutsche Golfgruppen umfassten lediglich 4,4 Golfer. Insgesamt war in allen vier untersuchten Ländern die Gruppengröße rückläufig gegenüber 2012, lediglich für deutsche Golfer bewegt sich der Wert auf annähernd gleichem Niveau (zum Vergleich: 4,6 Golfer in 2012). Im Unterschied zu den Golfern von der Insel kombinieren Golfer aus Frankreich, Schweden und Deutschland ihren Golfurlaub gerne mit Familienurlaub, rund 40% aller Reisen wurden so gestaltet. Französische Golfer sind dabei führend, wenn es um die Mitnahme von Kindern auf Golfreisen geht.

Stark rückläufig war die durchschnittliche Reisedauer bei den Auslandsreisen. In allen Nationen sank diese deutlich, bei französischen Golfern gar von 8,2 Tagen in 2014 auf nunmehr nur noch 5,7 Tage – ein Trend, der allerdings nicht nur für Golfreisen, sondern auch für Urlaubsreisen gilt. Offensichtlich präferieren immer mehr Reisende die Formel „kürzer, aber öfter“ – ein Trend, den auch viele Golfreiseveranstalter erkannt haben. Am längsten verweilen deutsche Golfer im Ausland, hier liegt die durchschnittliche Reisedauer immer noch bei 7 Tagen. Bei der Anzahl der gespielten Runden pro Reise liegt Deutschland mit 5,0 Runden pro Reise jedoch hinter Schweden, das bei einer Reisedauer von 6,6 Tagen auf 5,6 Runden pro Reise kommt. Nahezu identisch ist die Anzahl der gespielten Anlagen pro Reise: Schweden, Deutschland sowie Großbritannien & Irland kommen auf 3,3 Anlagen pro Reise, Frankreich lediglich auf 3,0. Dies unterstreicht, dass vor allem Golfer aus Deutschland neben dem Spiel auf dem Platz auch weitere Aktivitäten vor Ort in ihren Golfurlaub einbauen.

 

Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der präferierten Urlaubsform: Gerade einmal 30% aller deutschen Golfreisenden bevorzugen ein fertiges Reisepaket, während in den drei anderen Ländern der Anteil der Golf-Pauschalen bei 43 bis 47% liegt. Umgekehrt liegt Deutschland bei den individuell organisierten Reisen mit 70% deutlich vorne. Nach den Ergebnissen der Studie ist dies unabhängig von Alter und Geschlecht der Reisenden – während bei den Buchungskanälen wenig überraschend ältere Golfer eher die Buchung über ein Reisebüro präferieren, jüngere Golfer hingegen Online-Buchungen. Die Marktanalyse hat zudem ermittelt, welche Faktoren für die Buchung einer Golfreise für die Reisenden besonders wichtig sind. Über alle Nationen hinweg führt auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 5 (sehr wichtig) mit 4,1 die Verfügbarkeit von Startzeiten – ein wichtiges Ergebnis, gibt es doch vor allem bei den deutschen Golfreiseveranstaltern derzeit kaum einen Anbieter, der seinen Kunden bereits eine Online-Startzeitenreservierung direkt bei Buchung ermöglicht. An Position zwei und drei mit jeweils 4,0 folgen die Vielfalt der zu spielenden Plätze und die Qualität des Beherbergungsangebots. Die Servicequalität des Reiseanbieters folgt mit 3,5 erst auf Rang 8.

In Hinblick auf den Ryder Cup 2018, der Ende September im Le Golf National bei Paris ausgetragen wird, wurde zudem die Einstellung zu Golfreisen nach Frankreich erhoben. Etwas überraschend: Nur 7% aller deutschen Golfer haben in den letzten Monaten eine Golfreise nach Frankreich unternommen. Für die Marketing-Experten des französischen Golfs aber noch wichtiger: Gerade einmal 2% aller deutschen Golfer sehen Frankreich als Top-Golfdestination an – der niedrigste Wert unter allen vier Nationen. Aber selbst unter französischen Golfern gilt die Destination nur 24% als Top-Ziel für Golfreisen. In Hinblick auf den bevorstehenden Ryder Cup bleibt also noch viel Luft nach oben, um die Vielfalt des französischen Golfmarktes auch in höhere Gästezahlen umzumünzen. Denn ein weiteres Ergebnis der Studie unterstreicht die wirtschaftliche Relevanz des Golftourismus: Die durchschnittlichen Ausgaben für eine Golfreise liegen deutlich über denen für reine Urlaubsreisen. Die höchsten Ausgaben pro Reise tätigen deutsche Golfer. Sie geben im Schnitt 2.041 Euro für Auslands-Golfreisen aus. An Position zwei folgen Golfer aus Frankreich, die durchschnittlich 1.777,- Euro pro Reise investieren. Auf die Reisetage bezogen liegt Frankreich mit 312,- Euro pro Tag sogar vor Deutschland, das auf rund 292,- Euro pro Tag kommt. Die Ausgaben der Schweden sowie Briten & Iren liegen deutlich darunter: Golfer aus Schweden geben im Schnitt 1.080,- Euro für eine Golfreise aus, während britische und irische Golfer auf gerade einmal 946,- Euro pro Golfreise kommen.

 

Für künftige Reisen werden vor allem Fernreise-Destinationen als Wachstumsmärkte angesehen, insbesondere Südafrika und Thailand. 24% aller Golfer aus Schweden und Deutschland gaben an, dass Südafrika für eine Golfreise in die engere Auswahl käme. Und der in den letzten Jahren stark gebeutelte Türkei-Tourismus darf auf eine Renaissance auf dem britischen Markt hoffen: Über 39% aller britischen Golfer rechnen damit, dass die Türkei als Reiseziel wieder eine größere Rolle spielen werde.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 01/2018

 

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