Türkei-Golftourismus erholt sich

Comeback einer (Golf-)Destination

Die letzten drei Jahre waren für den Türkei-Tourismus alles andere als Boom-Jahre. Zweistellige Rückgänge aus dem deutschen Markt trafen sowohl den Bade- als auch den Golftourismus. Doch 2019 scheint die Trendwende einzuleiten. Während auf der politischen Ebene keine große Veränderung eingetreten ist, scheinen die Urlauber ihre frühere Blockadehaltung wieder aufzugeben – und auch die gefühlte Sicherheit wird heute wieder deutlich positiver gesehen. Dabei profitiert die wichtigste Urlaubsregion rund um Belek sicherlich auch von ihrem Abstand zur Hauptstadt und steht damit nicht so stark im Fokus der unverändert bestehenden Probleme im deutsch-türkischen Verhältnis. Im Gegenteil: Die Region rund um Belek gilt eher als regierungskritisch, tolerant und gastfreundlich. Natürlich gibt es weiterhin Mahner, die nicht zuletzt in sozialen Medien immer wieder darauf hinweisen, dass die Türkei für sie ohne Änderung der politischen Umstände nicht als Reiseziel in Frage käme – doch die Widerstandsfront scheint zu bröckeln, wie nicht zuletzt zahlreiche Meldungen touristischer Unternehmen zeigten. Bereits zur ITB im März diesen Jahres stellte Stefan Baumert, Touristik-Geschäftsführer bei TUI Deutschland, fest: „Die Türkei ist auf dem Weg zu alten Rekorden“. 2018 konnte sich die Destination leicht gegenüber dem Vorjahr erholen, doch dieses Jahr setzte ein regelrechter Boom ein. Schon zu Jahresbeginn berichtete der Deutsche ReiseVerband e.V. (DRV) von Buchungszuwächsen von über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die führende touristische Fachzeitschrift FVW widmete der Türkei in ihrer Ausgabe Mitte Mai gar die Titelstory unter der Überschrift „Zurück im Spiel“. Dabei profitiert die Türkei längst nicht nur von deutschen Urlaubern, die nun wieder ans östliche Mittelmeer zurückkehren. Das Land hat die Krise genutzt und sich international breiter aufgestellt – nicht nur Richtung Osten, sondern global. Ein Beispiel: Urlauber aus Großbritannien buchen verstärkt Türkei-Reisen. Einem Bericht von Thomas Cook UK zufolge ist der Anteil von Non-EU-Destinationen für den Sommer um satte zehn Prozentpunkte gestiegen – nicht zuletzt aufgrund der Abwertung der türkischen Lira gegenüber dem britischen Pfund. Auch die teils deutlich angezogenen Preise für Spanien und andere Gebiete des westlichen Mittelmeers haben bei vielen Urlaubern ein Umdenken eingeleitet.

Rundenzahlen auf ­Niveau von 2014/2015

Das aktuelle Wachstum betrifft jedoch nicht nur den Badeurlaub, auch Golfreisen in die Türkei sind wieder stark im Kommen. Einer internen Statistik der in Belek ansässigen Golf­anlagen zufolge, die der Redaktion vorliegt, wurde bei den Rundenzahlen in Belek 2019 ein Wachstum um 35% erzielt, gegenüber 2017 beträgt das Wachstum gar 105%. Damit liegen die aktuellen Rundenzahlen sogar über denen von 2014 und 2015. Diesen Trend bestätigen auch die Verantwortlichen einzelner Golfanlagen in der wiedererstarkenden Ferienregion. Als Gründe führt Isa Zafer Dogan, Golf Manager Assistant im bekannten und beliebten Robinson Club Nobilis, vor allem die Beruhigung der politischen Lage und das sehr attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis – insbesondere im Vergleich zu anderen Golfdestinationen – an.

Ein Trend, den auch Tom Rostek, Director DERTOUR Sports Golfurlaub, bestätigt: „Die Türkei ist nach wie vor ein preislich attraktives Zielgebiet und auch Startzeiten sind momentan gut zu bekommen.“ Dennoch ist der Trend kein Selbstläufer, wie Aykut Fidan, Golf Sales Manager beim von Perry Dye designten LykiaLinks berichtet: „Die Insolvenz von H&H Touristik hat unsere Entwicklung spürbar gebremst. Nun gilt es, neue Geschäftsbeziehungen mit neuen Partnern für den Quellmarkt Deutschland auf- und auszubauen.“ Anders hingegen die Erfahrungen seiner Kollegin Gülşah Yilmaz Ayna vom Montgomerie Maxx Royal, das bereits mehrere Male Austragungsort der Turkish Airlines Open war und auch diesen November wieder die Top-Stars der European Tour begrüßen wird. „Die Saison 2019 liegt wieder auf dem Niveau von 2016“, so ihr vorläufiges Fazit. Wer jedoch erwartet, dass in Belek schlicht wieder Business as usual eingekehrt sei, wird positiv überrascht. Die diversen Anlagen haben die Krise als Chance begriffen und intensiv an ihrem Produkt und ihrer Vermarktung gearbeitet.

Dabei waren die Voraussetzungen naturgemäß sehr unterschiedlich, auch die Lösungsansätze sind erfreulich differenziert. Basis ist dabei die vergleichsweise hohe Dichte an ausgezeichneten Golfanlagen rund um Belek, das wiederum nur eine gute halbe Stunde vom aus ganz Deutschland sehr gut angebundenen Zielflughafen Antalya entfernt liegt. „Die Türkei verfügt über eine große Auswahl an Unterkünften aller Kategorien sowie über viele qualitativ gute Golfplätze in kleinem Umkreis, d.h. kurze Transferzeiten“, resümiert DERTOUR-Manager Rostek. Ein weiterer Pluspunkt: Der ausgezeichnete Pflegezustand der Plätze, der den Vergleich mit anderen internationalen Topdestinationen nicht zu scheuen braucht. Die Strategien zur Wiederbelebung des Türkei-Golftourismus waren dennoch durchaus unterschiedlich. „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für uns war die Erschließung neuer Märkte“, berichtet Yilmaz Ayna (MaxxRoyal). So habe in den letzten Saisons der Anteil von Gästen aus Slowenien, China und Indien spürbar zugenommen, so die Golfmanagerin weiter. Damit sank die Abhängigkeit vom Quellmarkt Deutschland. Der Quellmarkt Großbritannien wird zudem seit Ende April durch eine neue Verbindung von Turkish Airlines nach Antalya deutlich besser angebunden. Anders die Erfahrung ihres Kollegen Dogan vom Robinson Club Nobilis. „Wir haben einen sehr hohen Stammgästeanteil, die auch das Preis-Leistungs-Verhältnis zu schätzen wissen“, so sein Fazit. Für seinen Kollegen Fidan von LykiaWorld sind Deutschland, Skandinavien und Finnland die wichtigsten Märkte, der Anteil britischer Gäste ist hier eher gering. Die Golfanlagen rund um Belek setzen inzwischen jedoch – obwohl das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu Spanien und Portugal äußerst attraktiv ist – nicht mehr wie in der Vergangenheit auf eine primär durch den Preis getriebene Verkaufsstrategie. Die Destination profitiert von der perfekten Kombinationsmöglichkeit von Golf- und Strandurlaub und ist somit auch für Paare und Familien interessant, in denen nicht alle Reisenden dem kleinen weißen Ball nachjagen.


„Die Nachfrage nach Golfreisen in die Türkei ging 2016-2018 nahezu auf Null zurück, in den ersten Monaten von 2019 kamen wieder Anfragen herein, insbesondere für Golfgruppen. Bei den Individualkunden lässt die Kehrtwende noch auf sich warten. Fakt ist: Die Türkei ist nach wie vor ein preislich attraktives Zielgebiet und auch Startzeiten sind momentan gut zu bekommen.“

Tom Rostek, DER Touristik


Kooperationen, aber auch Individualangebote als Erfolgsrezept

Nahezu alle Anlagen sind jedoch nicht selbständig am Markt tätig, sondern Teil eines Resort-Angebots. Dennoch stehen die Plätze auch Besuchern offen, die nicht in den eigenen Hotels untergebracht sind. „Wir haben für unsere externen Gäste ein Tages-All Inclusive entwickelt“, berichtet beispielsweise Yilmaz Ayna für das MaxxRoyal. Bedeutet: Wer nicht Gast des MaxxRoyal Hotels ist (und somit ohnehin ein hochwertiges All Inclusive genießt), erhält für sein Greenfee nicht nur eine Runde Golf, sondern auch alle Getränke und Speisen im Clubhaus – auch das auf sehr hohem Qualitätsniveau. Bei Robinson hat man in den letzten Jahren erfolgreich auf Greenfee-Flatrates und günstige Greenfee-Pakete gesetzt. Und in der Tat ist der Platz derzeit, trotz ebenfalls sehr guten Pflegezustands, einer der günstigsten der Region. Anders die Situation bei LykiaWorld. Noch vor wenigen Jahren genoss das Resort einen ausgezeichneten Ruf, nicht zuletzt wegen seines in Deutschland durch die AIDA-Schiffe extrem bekannten Chefs Ernie Noelle. Doch dann wurde die Anlage Opfer der Rezession, deren Auswirkungen auch vor der Qualität der Platzpflege nicht Halt machten. Nun hat neuer Schwung in die Anlage Einzug gehalten – und der Links Course aus der Feder von Perry Dye präsentiert sich makellos und bietet die nahezu einmalige Gelegenheit, am östlichen Mittelmeer einen echten Links Course zu spielen. Würde man nicht immer wieder Olivenbäume entlang der Spielbahnen sehen, könnten man glauben, man spielte in Großbritannien. Dennoch: „Unser Standort außerhalb von Belek ist eine zusätzliche Herausforderung, da Golfer, die direkt in Belek wohnen, zusätzlich zum Greenfee Zeit und Geld in den Transfer investieren müssen“, so Manager Fidan. Daher setzt das Resort – neben einem vielfältigen Resortangebot – darauf, die Gäste möglichst direkt im Resort zu beherbergen und dort zu halten. „Im Juni wollen wir eine Akademie eröffnen sowie einen Pitch & Putt-Platz, damit sind wir für Pro-Gruppen äußerst interessant und können auch lokalen Unterricht bieten“, beschreibt er das Konzept des Resorts. Darüber hinaus ist in den Angeboten Golf unlimited enthalten, so dass die Gäste den Platz mehrfach spielen können – was angesichts der Anforderungen an das Course Management von vielen Golfern sehr geschätzt wird. Mit Blick auf die Auslastung zeigen sich daher aktuell deutliche Unterschiede. Während das im Wiederaufbau befindliche Resort Lykia­World für dieses Jahr rund 22.000 Runden anstrebt, kommt das MaxxRoyal bereits heute auf rund 37.000 Runden – ein deutliches Indiz, dass in Belek ganzjährig Golf gespielt wird. „Wir streben noch eine Steigerung auf rund 40.000 Runden an, aber stärker wollen wir den Platz nicht belegen, um unsere maximale Rundendauer von fünf Stunden weiterhin zu garantieren“, verlautet es vom MaxxRoyal. Die Zeiten, in denen sich Gäste wegen überbelegter Plätze und Rundendauern von sechs Stunden und mehr beklagten, gehören zumindest bei den Top-Anlagen damit offensichtlich der Vergangenheit an. Dass der deutsche Quellmarkt weiterhin eine große Rolle spielt, zeigt der jüngste Coup des rührigen Vertriebsteams des MaxxRoyal: Die Anlage ist das offizielle Winter-Domizil der PGA of Germany und zudem Poolpartner der deutschen Profi-Organisation. Auffällig auch, dass sich die Saisonzeiten leicht verschoben haben – heute reicht die Golfsaison bis in den Juni hinein. Danach werden die Golfer von den Badeurlaubern als dominierende Zielgruppe abgelöst – aber dennoch nutzen viele Familienurlauber die Möglichkeit, auch im Sommer eine Runde auf den zahlreichen Plätzen zu spielen, die selbstverständlich auch Leihequipment im Angebot haben.

 

Interessant ist, dass die meisten Hotels und Golfplätze ihre Anlagen nicht selbst vermarkten, sondern hierzu mit verschiedenen Incoming-Agenturen zusammenarbeiten. Diese sind letztlich auch für die Preiskalkulation für den Einkauf durch Reiseveranstalter zuständig. Einzelne Startzeiten können Golfer aber auch direkt bei den Anlagen buchen – fast überall wird sehr gut Deutsch gesprochen, so dass die Sprachbarrie­­re selten eine Rolle spielt. Betrachtet man das reine Greenfee, sind die Plätze keine Discount-Angebote. Top-Plätze verlangen in der Hauptsaison gut 100 Euro und mehr – das Greenfee ist also durchaus auf dem Preisniveau anderer Sonnendestinationen wie Spanien und Portugal angekommen, deutlich günstiger sind jedoch Hotel- und Nebenkosten. Spannend bleibt die Frage, ob die aktuelle Entwicklung einen langfristigen Trend begründet oder nur eine Momentaufnahme bleibt. „Die erfahrenen Türkeiurlauber sind noch nicht zurück“, beschreibt Rostek die Situation für die Veranstalter der DER Touristik. Ob der aktuelle Trend daher nur vorübergehend sei oder eine echte Wende darstelle, könne man noch nicht beurteilen. Deutlich optimistischer ist seine Kollegin Yilmaz Ayna, die für MaxxRoyal von einem langfristigen, stetigen Trend ausgeht. Dabei sieht sie ihre Anlage aufgrund der Platzbedingungen auf European Tour-Niveau im Vorteil – zudem habe ihr Resort gezeigt, dass All Inclusive auch auf Luxus-Niveau erfolgreich umgesetzt werden könne. Nicht zuletzt hat das Resort auch andere gesellschaftliche Trends erfolgreich aufgenommen, so spielen Umweltschutz und Nachhaltigkeit eine große Rolle beim Betrieb. Auch ihr Kollege Fidan vom LykiaLinks blickt optimistisch in die Zukunft: „Die Tal­sohle ist durchschritten, nun geht es wieder kontinuierlich nach oben. Dabei wäre der Markt noch deutlich besser zu bearbeiten, wenn die Resorts und Anlagen im Vertrieb stärker miteinander kooperieren würden“, so seine Einschätzung.

 

Fazit

Natürlich wird es auch weiterhin Golfer geben, die eine Reise in die Türkei aufgrund der politischen Gegebenheiten ablehnen – eine Entscheidung, die jeder Reisende nur für sich selbst aufgrund seiner persönlichen Präferenzen treffen kann, und die nicht nur für die Türkei gilt, sondern selbstverständlich auch für andere Destinationen, in denen Menschenrechte oder Pressefreiheit eingeschränkt sind. Wer sich jedoch für eine Reise an die Türkische Riviera entscheidet, wird auf äußerst freundliche Gastgeber, engagierte Golfanlagen und ausgezeichnete Spiel- und Trainingsmöglichkeiten treffen – und dies zu einem Preis-Leistungs-Verhältnis, das gerade in der kalten deutschen Jahreszeit den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 3/2019

 

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