Wirtschaftlichkeit von Liga-Wettspielen

Der Wert des Liga-Golfsports

Aus einem Pool von rund 620.000 registrierten Golferinnen und Golfern, lässt man die VcG einmal außen vor, könnten Mannschaftskapitäne schöpfen, um ihre Mannschaft zu bilden. Alleine in Bayern sind ohne regional- und kooperierende-Ligen offiziell 17 verschiedene Ligen im Angebot des Landesgolfverbandes.

 

Das Angebot wird von den Golfern Jahr für Jahr mehr genutzt. So hat sich die Teilnahme am Liga-Wettkampf in den Jahren 2008 bis 2018 über alle Ligen um 15% erhöht. Das liest sich moderat und liegt an dem deutlichen Nachlassen (um 49%) im Bereich der Ligen, in der Jugendliche sich messen, in diesem Zeitraum.

 

Betrachtet man jedoch nur die Erwachsenen-Ligen in den Gruppen DGL Gruppenliga Damen + Herren, Golf Liga AK 30 Damen + Herren, Golf Liga AK 50 Damen + Herren, Golf Liga AK 65 Damen + Herren, ist festzustellen, dass von 2008 bis 2018 die Teilnahme am Liga-Wettkampf um rund 53% zugenommen hat. Soll heißen, 53% mehr Mannschaften in den Erwachsenen-Spielen wurden 2018 gemeldet, als dies 2008 der Fall war. Zumindest in Bayern. Und dies nimmt der Autor dieses Beitrags als repräsentativ, denn jeder vierte Deutsche Golfer/Golferin stammt aus Bayern.

 

Mannschaft spielen ist en vogue

Bemerkenswert ist das schon, denn das Wachstum an registrierten Golfern hat im gleichen Zeitraum stark nachgelassen. Wir erinnern uns, dass der Deutsche Golf Verband (DGV) für 2008 ein Wachstum an registrierten Golfern von 4,1% gemeldet hatte, 2016 waren es nur 0,5%. Die Zahlen für 2017 lagen zu Redaktionsschluss noch nicht vor.

 

An den Golferinnen und Golfern bis 35 Jahre kann es nicht liegen, von denen haben wir immer weniger im System. Nein, es sind unsere Bestandsgolfer, die sich mit den Jahren von Altersklasse zu Altersklasse als kontinuierliche Vollzahler auf unseren Anlagen etabliert haben. Das lässt sich daran ablesen, dass wir in den Ligen AK 50 Damen und AK 65 Herren die stärksten Zuwächse an neu gemeldeten Mannschaften haben. Ein weiteres Indiz ist, dass Mannschaftsspieler eine gewisse Spielstärke an den Tag legen sollten, die in der Regel einige Jahre Spielpraxis voraussetzt.

 

Es liegt also daran, dass unsere (Alt-)Mitglieder ihre Spielfreude nicht nur auf eine gesellige Privatrunde reduzieren, sondern sich im sportlichen Wettkampf messen möchten und dies nicht als Individuum, sondern für ein Kollektiv, für die Mannschaft Ruhm und Ehre nach Hause tragen.

 

Wer hätte das bei einer Individualsportart gedacht, die selbst im olympischen Format nicht als Teamsportart ausgeübt wird. Auf den ersten Blick, sicher nur wenige. Auf den zweiten Blick, der noch etwas von dem Wissen darüber getrübt ist, dass nur etwa 30% aller registrierten Golfer überhaupt am allgemeinen Wettspielgeschehen auf den Golfanlagen teilnehmen, ist auch noch nicht klar zu erkennen, wie diese Nachfrage wachsen konnte.

 

Auch die „Totschlag“-Argumente der Liga-Gegner wie z.B. „die wollen ja nur greenfeefrei auf anderen Anlagen spielen“, helfen da nicht weiter. Ebenso wenig die Fahne des tadellosen Golfclubrufs, die erfolgreiche Mannschaften in die (Golf-)Welt hinauszutragen.

Bei einer Verweigerung von rund 70% der Golfer dem allgemeinen Wettspielgeschehen gegenüber, ist das Interesse am Mannschaftssport im Rahmen der diversen Ligen marginal.

 

Wie viele von den 30% Wettspiel-Sympathisanten spielen Mannschaft?

Nehmen wir einmal an, auf einer Golf­anlage gibt es 800 Mitglieder, davon 500 Vollzahler. 30% der 500 Vollzahler sind demnach 150 Turnierspieler. Von diesen 150 spielen, sofern die Anlage fünf Mannschaften meldet, mit Ersatzspielern ca. 40 Personen Mannschaft. 40 von 800 Mitgliedern, das sind 5%. Nehmen wir die Anlagen dazu, die keine Mannschaften oder weniger als fünf Mannschaften melden, so kommen wir auf einen Landesverband bezogen auf ca. 3% der registrierten Golfer, die am Mannschaftssport im Rahmen der Ligen teilnehmen.

 

Mit einem Ergebnis von 3% kommt man weder in den Landtag, noch in den Bundestag und landet in der Politik unter Sonstige – weil es halt keinen, bezogen auf die Masse, interessiert.

 

Tritt die Sportlichkeit in den Hintergrund?

Nein, und das sollte sie auch nicht. Mit rund 19.000 Liga-Mannschafts-Golferinnen und Golfern haben wir eine durchaus ernstzunehmende Anzahl von Menschen, die Freude am sportlichen Wettbewerb im Kollektiv empfinden. Gerade um Jugendliche in den Sport einzubinden, ist dies ein unschätzbares Asset, um eine Sportart zukunftsfähig zu machen.

 

Heidrun Klump, Geschäftsführerin und Sportdirektorin des Bayerischen Golfverbandes verweist auf Argumente, die für eine Beteiligung der Golfanlagen am Liga-System sprechen, da dies

  • zur Kundenbindung beiträgt,
  • Sport und Leistungssport bedeutet,
  • Partnern und Sponsoren eine Plattform ermöglicht,
  • in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nutzbar ist.

 

Aus ihrer täglichen Arbeit mit den Golfanlagen kennt sie die Argumente der Golfanlagenbetreiber/Goflclubs, die sich dagegen aussprechen:

  • Aufwand für die Abwicklung,
  • Kosten durch viele Mannschaften,
  • Behauptung: Spieler würden nur deshalb Liga spielen, damit sie kein Greenfee für Auswärtsspiele zahlen müssen,
  • Streitpunkt kostenlose Probe­runde.

 

Der Bayerische Golfverband hatte bei seinen Ligaspielen ursprünglich die kostenpflichtige Proberunde verankert. Auf mehrheitlichen Wunsch der Basis hat der Bayerische Golfverband in der Mitgliederversammlung dies in eine Empfehlung umgewandelt, dass kostenlose Proberunden empfohlen werden.

 

In der Deutschen Golf Liga ist dies anders, hier gibt es die kostenlosen Proberunden. Das basiert auf dem Reziprozitätsprinzip. Also wer eine Mannschaft meldet, muss auch Spielmöglichkeit und kostenlose Proberunden akzeptieren.

 

Das fällt nicht allerorten auf Gegenliebe, was auch nachzuvollziehen ist. Warum sollte ein Golfanlagenbetreiber, der einen Golfclub auf seiner Golfanlage beheimatet hat, kostenlose Proberunden und kostenlose Liga-Turniere anbieten? Der Betreiber stellt die Infrastruktur gegen ein Spielentgelt zur Verfügung und hat sich per Satzung nicht zur Förderung des Golfsports verpflichtet. So wie es ein Golfclub/Verein in der Regel in seiner Satzung stehen hat. Warum sollte der Golfclub, so er sich doch zur Förderung des Sports bekennt, nicht den Betreiber mit Greenfee für Probe­runde entschädigen? Der Verein ist doch den anderen Mannschaften über das Reziprozitätsprinzip verpflichtet und nicht der Betreiber. Warum sollte der Verein seinen Altruismus auf Kosten Dritter ausüben?

 

Genau genommen müsste es für die 97% der Golfer auf einer Golfanlage, die diese wirtschaftlich tragen, aber nicht am Mannschaftssport teilnehmen, eine Entschädigung für entgangene Spielmöglichkeiten geben. Denn, hat eine Golfanlage fünf Mannschaften gemeldet, werden voraussichtlich bis zu fünf Tage (häufig an Samstagen) eingeschränkte oder keine Spielmöglichkeit auf einer 18-Löcher-Anlage bestehen. Werden im Rahmen des Mannschaftswettbewerbs 36 Löcher an einem Tag gespielt, ist der Platz den ganzen Tag gesperrt. Menschen, die sich eine Golfplatz-Benutzungs-Flatrate auf einer Golfanlage kaufen, sind sich in der Regel nicht darüber bewusst, eine Verpflichtung zur Förderung einiger weniger eingegangen zu sein.

Sportlichkeit vs. ­Wirtschaftlichkeit

In der kleinen Statistik kommt unter der Annahme, dass die Teilnahme am Liga-System wie in Bayern bundesweit ist und regionale Ligen wie z.B. Top 40 o.ä. sowie kooperierende Ligen nicht berücksichtig werden, eine Mannschaft aus sechs Golferinnen bzw. Golfern besteht und davon nur die Hälfte im Schnitt eine Proberunde spielt, eine Verteilung wie in Grafik 1 zustande.

 

Vor dem Hintergrund, dass in Bayern 717 Mannschaften in 2018 gemeldet sind, und dass durchschnittlich sechs Mannschaftsspieler pro Mannschaft aufteen, kommen wir pro Turniertag auf 4.302 Turnierrunden. Nehmen wir das als repräsentativ für die anderen elf Landesgolfverbände, kommen wir auf 3.204 Liga-Mannschaften in Deutschland mit rund 19.225 Mannschaftsspielerinnen und Mannschaftsspielern, was wiederum rund 3% der registrierten Golfer (ohne VcG) entspricht (siehe Tabelle 1).

 

Gesamt würden demnach im Jahr 2018 ungefähr 115.349 Liga- und Einspielrunden gespielt (siehe Tabelle 2). 115.349 x 50,00 Euro Greenfee = 5.767.440,00 Euro

 

50,00 Euro Greenfee anzunehmen ist durchaus moderat, da die Runden an Wochentagen, jedoch überwiegend an Wochenenden stattfinden, da den Empfehlungen der Landesgolfverbände die Turniere überwiegend an Freitagen stattfinden zu lassen, nicht oder nur in geringem Maße von den Verantwortlichen nachgekommen wird. In Bayern soll die AK 65 an einem Dienstag spielen.

Grafik 1: Verteilung der 19.225 Liga-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer auf 12 ­Landesgolfverbände
Tabelle 1
Tabelle 2

Diese Hochrechnung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. So ist nicht statistisch erhoben, ob im Schnitt drei oder mehr oder weniger Spieler eine Proberunde wahrnehmen. Jedoch bedenken wir, dass Mannschaften mit Ersatzspielern sich durchaus über eine Anzahl von zehn Personen belaufen können, und Ersatzspieler, die nicht am Turnier spielen, auch Einspielrunden spielen möchten.

 

6.000.000,00 Euro

Die Anzahl der Mannschaften kann variieren und die DGL spielt an fünf Tagen. Der Anspruch für diese Erhebung ist, einen Mittelwert zu finden, und der beläuft sich auf die geschätzten rund 6.000.000,00 Euro Greenfee, die das Liga-System in Deutschland wert ist.

 

Dividiert durch 732 Golfanlagen (auch wenn nicht alle teilnehmen) ergäbe dies ein durchschnittliches Greenfee von rund 7.880,00 Euro pro Golfanlage. Das ist in Summe und mit Betracht auf die Gesamtkosten für den Betrieb einer Golfanlage gesehen nicht so viel, dass man emotional erschüttert wird. Kommen jedoch noch Beträge dazu für Kleidung, Reiseaufwendungen, Training etc., die von der juristischen Person (Golfclub und/oder Betreiber) getragen werden, und von denen 97% der Spielberechtigten/Mitglieder nicht profitieren, sondern faktisch benachteiligt werden, lässt sich ein Ungleichgewicht feststellen.

 

Autor: Adriaan A. Straten | golfmanager 06/2017

 

Quelle

Grafik und Tabellen: Adriaan A. Straten


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