Best practice: Golfen in Flandern

Flamen begeistern Mitglieder und Gäste

Flandern ist eine der drei Regionen des Königreichs Belgien und eine Golfregion in Belgien. Flandern liegt im nördlichen Teil dieses Königreichs und beheimatet die meisten, als Flamen bezeichneten, niederländisch sprachigen Belgier. Ebenso geteilt wie Belgien durch Sprache und Religion ist, so ist auch die Golfregion Belgien mit seinen 84 Golfanlagen in eine wallonische und flämische Golfföderation geteilt. Die flämische Golfföderation ist für 55 zuständig und ist rege in der Vermarktung dieser Golfdestination.

 

Mit dem Slogan „Golf in Flanders – visit. play. enjoy“, ist die flämische Golfföderation international aktiv, um die Region wirtschaftlich zu stärken und europäische Golftouristen auf diese abwechslungsreiche Golfdestination aufmerksam zu machen.

 

Das ist vom Grundsatz her keine neue Erfindung. Die in Deutschland aktiven zwölf Landesgolfverbände bemühen sich ebenfalls um die Vermarktung ihrer Region. Bemerkenswert ist bei der flämischen Golfföderation, dass diese ihre Vermarktungsaktivitäten nicht nur auf Belgien reduziert, sondern gezielt das europäische Umland einbezieht, und dort im Wesentlichen den Quellmarkt für ihre Mitglieder, die Golfanlagenbetreiber, sieht.

 

Bei der Infrastruktur der besuchten Golfanlagen in Flandern fällt auf, dass die Clubhäuser allesamt großzügig in Grundfläche, Ausstattung und Anzahl der Fazilitäten sind. Hochwertiges Mobiliar in der Gastronomie trifft auf ausgewogene Speisekarten mit einer feinen, kleinen Auswahl an tagesfrischen Gerichten und einem ausgesprochen freundlichen, prompten, fachlichen Service. Bemerkenswert auch, dass die Golf-Gastronomien nahezu ausschließlich von Belgiern bewirtschaftet werden. Junges, lokales Personal mit einer starken Service- und Dienstleistungsorientierung. Dass dies so auffällt, liegt möglicherweise daran, dass man diese Haltung als (Golf-)Gastronomie-Kunde in Deutschland schlichtweg nicht gewohnt ist, zumindest nicht in dieser Häufigkeit.

 

Brüssels „The National“ besticht durch Großzügigkeit und eine zentrale Bar

Die gerade eröffnete Golfanlage „The National“ in Brüssel verfügt über ein modernes Clubhaus mit ausgewiesenen Möglichkeiten für große Veranstaltungen. Das Gebäude ist im Bungalow-Stil gebaut, hat wenig Wände und gestattet somit, dass viele Gäste in einem Raum bewirtet werden können. Die zentral angeordnete Bar gestattet es den Servicemitarbeitern, kurze Wege zu gehen und schnell am Kunden – und somit auch am Umsatz – zu sein. Das ist clever, spart Zeit und bringt neben mehr Kundenzufriedenheit auch noch mehr Umsatz. Die Außenbereiche sind ebenfalls großzügig bestuhlt und bieten einen offenen Blick auf die spektakulär gestalteten Löcher, die auf das Clubhaus zulaufen.

Gastronomie in belgischer Hand: Die zentral platzierte Bar im „The National“
Blick vom Clubhaus auf die spektakuläre Anlage des „The National“

Die Architektur erinnert dabei sehr an die der Golfanlage „The International“ am Amsterdamer Flughafen, ebenfalls eine sehr gelungene Symbiose von Gebäude- und Golfplatzarchitektur.

 

Ruhiger ist es in „Damme“ und „Winge“

Da der Straßenverkehr in und rund um Brüssel keine Entspannung bietet, ist eine Reise Richtung belgische Küste, Richtung Damme, genau das Richtige, um dem wilden Treiben in der belgischen Hauptstadt zu entkommen.

Mehr Golfer durch organisches Wachstum

Chris Morton betreibt die Golfanlagen Damme Golf & Country Club und Winge Golf & Country Club. Damme hat er gerade um weitere neun Löcher erweitert, was einen Vorlauf von rund 25 Jahren hatte! Spricht man ihn heute darauf an, verschwindet kurz das Lächeln im Gesicht des gut gelaunten und herzlichen Gastgebers. Daran lässt sich nachvollziehen, warum in Belgien das Wachstum an registrierten Golfern nicht wie in Deutschland üblich über den Bau und die Eröffnung von neuen Golfanlagen geschieht, sondern organisch. Das gelingt in Flandern übrigens außerordentlich gut, mit 2,23% Wachstum an registrierten Golfern liegt Flandern im Europavergleich 2016 ganz vorne. Will ein Golfanlagenbetreiber sein Portfolio an Golfanlagen in Belgien erweitern, und möchte dies in einem Zeitrahmen von unter 20 Jahren tun, so empfiehlt sich offensichtlich der Erwerb einer bestehenden Golfanlage.

Chris Morton, Betreiber der Golfanlagen Damme G&CC und Winge G&CC

So tat es Chris Morton, er hat mit seiner Unternehmensgruppe die Golf­anlage Winge vor wenigen Jahren gekauft. Nach dem Erwerb wurde die Golfanlage um ein modernes Clubhaus erweitert, das alte Schloss, das der Golfanlage bis zum Erwerb durch Morton auch als Clubhaus diente, wird nun ausschließlich von dem ehemaligen Eigentümer der Golfanlage bewohnt. Dieser Wechsel hat der Golf­anlage gutgetan.

Übrigens, ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der flämischen Golfföderation ergab, dass die Anzahl der Vollzahler in den letzten beiden Jahren um rund 30% zugenommen hat.

 

Die Uhr läuft auf der Runde mit

Eine Besonderheit fiel auf dem Golfplatz Winge auf: die hier praktizierte Methode, die „Pace of Play“ (Spielgeschwindigkeit) im gewünschten Rahmen zu halten. So begegnen einem auf dem Platz immer wieder „Uhren“. Soweit nichts Ungewöhnliches. Jedoch standen die Uhren bei unserer Runde alle mehr oder weniger auf 09:45 Uhr – etwas seltsam, da es bereits 11:53 Uhr war. Der Text unter einer Uhr bot des Rätsels Lösung: Unsere Spielgruppe war 15 Minuten schneller als das Winge-„Pace of Play“ es vorsieht. Die Uhren sind so gestellt, dass man im „Pace of Play“ spielt, wenn die Uhr die Startzeit anzeigt. Bei einer Startzeit um 10:00 Uhr standen die verschiedenen Uhren also zwischen 09:45 bis 10:00 Uhr, da zügig gespielt wurde. Eine tolle und nachahmenswerte Idee!

Rundenzeiten akzeptabel halten – mit aufgestellten Uhren, die die Winge-„Pace of Play“ anzeigen

Eingerahmt von einem See: Millennium Golf

In der Nähe von Mechelen befindet sich die Golfanlage „Millennium Golf“. Auch diese Golfanlage ist vor kurzem verkauft worden. Gemanagt wird die Anlage heute von Profigolfer Thomas Pieters Vater, Jaak Pieters, und Piet Vandenbussche. Das besondere an dieser Anlage ist, dass der gesamte Platz von einem großen See eingerahmt wird, der neben Kanu fahren, Segeln und andere Wasseraktivitäten möglich macht. Ein Kindercamp ist direkt am See angesiedelt und so wird dem Auge des Golfers neben einem interessant und modern angelegten Platzdesign viel ruhiges Treiben neben den Spielbahnen geboten.

Wasser umgibt Millennium Golf und bietet neben Golf auch andere Aktivitäten.

Platzbesonderheit: Auf den Abschlägen sind die Abschlagsmarkierungen mit Zahlen versehen. Nein, nicht die des jeweiligen Abschlags, die Zahlen – beispielsweise „55“ – stehen für die jeweilige Länge des Platzes von diesem Tee (dem vordersten Tee) aus.

Gepflegt und praktisch: Golfanlage Cleydael

Auf der Golfanlage Cleydael gefielen die Ensembles mit Bänken, Ballwaschern und Mülleimern: eine Betonplatte auf der Bahnbeschilderung, Mülleimer (nett gemacht im „Bag-Design“) mit Ballwascher und Bank. Eine saubere Lösung. Gut und schnell zu pflegen! Auch die mit Wasser und Strom autarken WC-Stationen sind dort durchdacht.

Gepflegt und praktisch in Cleydael, dank Ensemble mit Betonplatte

Belgische Hotelkette mit eigenem Golfpass

Martins Hotels, eine Belgische Hotelkette mit 14 Hotels, hat bereits vor 17 Jahren den reisenden Golfer als Zielgruppe für sich entdeckt.

 

Neben Hotels, die in alten Klöstern und Kirchen mit viel Aufwand modern und stylisch eingerichtet sind, bietet Martins Hotels seinen Gästen einen eigenen Golfpass. Der Martins Golfpass stellt eine Kombination von Übernachtung und Greenfee dar, die der Gast nach Belieben mit 14 Golfanlagen kombinieren kann.

 

Die Hotels sind allesamt in sehr schönen belgischen Städten angesiedelt, die einen Besuch wert sind, und über ein sehr lebendiges Gastronomieangebot verfügen. Die Golfanlagen liegen jeweils ca. 30 Autominuten entfernt von den Hotels.

Neben ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten bietet die Hotelkette Martins Hotels einen eigenen Golfpass.

Praktische Homepage zur Reisevorbereitung

Die Homepage www.golfinflanders.com ist viersprachig und leicht eingängig gestaltet, bietet Informationen zu den 55 Golfanlagen mit jeweils umliegenden Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants. Somit eine gute Unterstützung für Captains, die Golfreisen planen und durchführen wollen. Für den deutschen Golfmanager eine gute Anlaufstelle, um Mitglieder und Spielberechtigte für ein paar erlebnisreiche Tage an andere Golfanlagen „zu verkaufen“, ohne viel Aufwand betreiben zu müssen. Für einen positiven Reiseverlauf sorgen die Flamen mit ihrer Gastlichkeit, den leckeren Fritjes und dem reichen Angebot an Biersorten.

 

Vorbildlich für die deutschen Landesgolfverbände ist, auch in der Tourismusförderung, der Bayerische Golfverband, der mit www.golf-in-bayern.de ein Portal geschaffen hat, um die Golfanlagenbetreiber in ihren Bemühungen um mehr Gastspieler zu unterstützen – auch dieses Portal soll künftig mehrsprachig werden und europaweit Golfreisende ansprechen.

 

Autor: Adriaan A. Straten | golfmanager 05/2017

 

Quelle: http://www.golfinflanders.com, http://www.golf-in-bayern.de 

Fotos: Adriaan A. Straten, martins hotels

 

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