Die Kraft der Bilder

Nicht nur für Foto-Enthusiasten: Im Gespräch mit Jacob Sjöman

Golf ist eine der wenigen Sportarten, bei der sich jede Anlage von der anderen unterscheidet. Daher spielt die Visualisierung von Golfplätzen eine wichtige Rolle im Marketing. Jacob Sjöman aus Schweden ist ein absoluter Könner in dieser Disziplin. Seit 2010 arbeiten Golfplätze auf der ganzen Welt mit ihm zusammen, Plätze wie Tara Iti, Lofoten Links, Thracian Cliffs, Ballybunion, Cabot Links und viele mehr haben von den großartigen Bildern dieses Künstlers hinter der Linse profitiert. Vor allem seine weltberühmte Aufnahme von Loch Nr. 2 auf Lofoten Links mit den beeindruckenden Nordlichtern hat Sjöman weltweites Ansehen verschafft. Dennoch hat er eine starke Verbundenheit zu seinem Heimatland und den dortigen Golfanlagen. Sein Buch „Sveriges bästa och vackraste golfbanor“ (Schwedens beste und schönste Golfplätze) fasst 27 der schönsten Golfplätze des Landes zusammen – nicht nur hervorragend porträtiert, sondern auch mit wunderbaren Texten von ihm versehen, in denen er erklärt, warum er den Platz und seine Annehmlichkeiten für sehenswert hält. Obwohl seine Golfplatz-Fotografien in der Branche hoch anerkannt sind, ist dies nicht das einzige Segment seines Portfolios: Golfstars wie Jack Nicklaus, Justin Rose und Dustin Johnson wurden von ihm portraitiert. Und auch Marktführer der Golfbranche wie Toro und Trackman vertrauen auf die Überzeugungskraft seiner Fotos. Doch Sjöman ist nicht auf die Golfbranche beschränkt – Werbefotografie, Porträts, Natur oder Hochzeiten gehören ebenso zu seinem breiten Portfolio. Seine Ausrüstung umfasst sowohl Kameras als auch Drohnen, so dass er nicht nur Standfotos, sondern auch hochkarätige Videos erstellt. Seine Arbeit hat ihn buchstäblich fast um die ganze Welt geführt, knapp 50 Länder hat er für Golffotos bereist. Deshalb versucht der Vater von drei kleinen Kindern, so viel Zeit wie möglich mit seiner Frau Emelie und seinen Kindern an seinem „Happy Place“ auf einer kleinen Insel östlich von Schwedens Hauptstadt Stockholm zu verbringen. golfmanager-Redakteur Michael Althoff hatte das Vergnügen, ihn dort zu treffen und mit ihm über seinen professionellen Ansatz, die Bedeutung guter Bilder für das Golfmarketing und den Unterschied zwischen guter und durchschnittlicher Golfplatzfotografie zu sprechen.

 

? Wie sind Sie zur Fotografie im Allgemeinen gekommen?

 

! Ich habe mich schon immer für die Fotografie begeistert. Ich habe eine Menge Comics gelesen und Filme gesehen. Als ich 20 Jahre alt war, habe ich mir die Digitalkamera meines Vaters geliehen. Leider habe ich damit nicht nur ein paar Fotos gemacht, sondern sie in einen See fallen lassen, und danach funktionierte sie nicht mehr richtig. Mein Start war also eher durchwachsen ... (lacht).

 

Haben Sie eine spezielle Ausbildung in Fotografie absolviert?

 

! Nach einer ersten Einführung habe ich erkannt, wie wichtig die technische Seite ist, und wollte die Grundlagen lernen. Auch wenn man eine großartige Kamera hat, muss man die Werkzeuge beherrschen. Es ist wie bei einem Schreiner, der wissen muss, wie er sein Werkzeug einsetzen muss, um das Holz so zu formen, wie er es will oder braucht. Daher belegte ich einen Kurs mit dem Titel „Werbefotografie für Zeitschriften“ in Schweden. Ich habe viel von großartigen Lehrern gelernt, vor allem über die Bedeutung von Licht.

 

Was war zuerst da: das eigene Golfspiel oder das Fotografieren von Golfplätzen?

 

! Ich spiele Golf, seit ich elf Jahre alt bin. Aber erst 2010 habe ich begonnen, mein Hobby mit der Fotografie zu kombinieren. Davor habe ich Porträts und Werbefotos gemacht, aber nichts mit Golf. Meine Frau begann zu dieser Zeit in einem Golfclub zu arbeiten, und ich begleitete sie an einem schönen, nebligen Morgen zu ihrer Arbeit im Hills Golf Club in Göteborg. Die Fotos wurden großartig und ich dachte: „Oh, das könnte etwas werden!“ Einige Golfmagazine und auch der Golfclub kauften diese Fotos, und so begann ich von da an, mehr mit Golf zu arbeiten.

 

Sind Sie selbständig tätig?

 

! Ich führe mein eigenes Unternehmen, aber ich habe viele Kooperationen und Partnerschaften geschlossen. Oft beauftragen mich Kunden für eine bestimmte Arbeit oder ein bestimmtes Projekt.

 

Welche Rolle spielt die Golfplatzfotografie für das Branding und den Vertrieb einer Anlage?

 

! Die beste Kombination ist, wenn man ein Foto produziert, das eine Botschaft aussendet, die mit der Marke übereinstimmt und auch eine klare Botschaft an den Gast, den Golfer, vermittelt.

 

Wie bereiten Sie einen Fotoauftrag auf einem Golfplatz vor und führen ihn aus?

 

! Zunächst spreche ich gerne mit Vertretern der Anlage, um bereits vor meiner Anreise so viele Informationen wie möglich zu erhalten. Außerdem schaue ich auf Karten nach, zu welcher Jahreszeit und bei welchem Wetter der Platz am besten aussieht. Für mich ist es sehr wichtig, dass der Platz sauber und gut gepflegt ist, auch was die Bunker und Wasserhindernisse angeht. Wir wollen, dass der Platz so gut wie möglich aussieht! Wenn ich auf dem Platz ankomme, versuche ich, mehrere Standorte zu besuchen, also jeden Stein umzudrehen und zu überprüfen – ich versuche buchstäblich, die Extrameile zu gehen und die Dinge anders zu machen. Bis zu einem gewissen Grad ist das eine einfache Try- and Error-Methode.

? Eines Ihrer berühmtesten Bilder ist Loch Nr. 2 auf Lofoten Links mit den Nordlichtern. Wie lange haben Sie sich vor Ort aufgehalten – und war das geplant oder ein „Glückstreffer“?

 

! Tatsächlich dauerte mein Aufenthalt auf Lofoten Links nur 16 Stunden. Ich war gerade mit einem anderen Auftrag über Schwedens nördlichsten Golfclub beschäftigt und hatte noch etwas Zeit übrig, also beschloss ich, auf die Lofoten zu fahren, was etwa fünfeinhalb Stunden dauerte. Als ich Mitte September gegen ein Uhr nachts dort ankam, war es stockdunkel, aber ich hatte während meiner gesamten Reise schon Nordlichter gesehen. Also stellte ich drei Kameras auf Stativen auf dem Platz auf und ließ sie im Serienbildmodus fotografieren. Das berühmte Bild ist eine Doppelbelichtung: Der Teil mit den Nordlichtern wurde in der Nacht aufgenommen, der Teil mit dem Loch im ersten Tageslicht am frühen Morgen.

Ich habe auch einige Fotos mit dem Golfplatz in der Nacht, aber das Kompositbild ist das berühmteste. Insgesamt habe ich etwa 2.000 oder 2.500 Fotos gemacht – ich liebe den Platz und die Gegend, es war eine bemerkenswerte Erfahrung!

 

 

? Welche Rolle spielt die Postproduktion bei der Golfplatzfotografie, welche Grenzen sehen Sie bei der Postproduktion?

 

! Die Nachbearbeitung spielt eine große Rolle, denn man möchte, dass die Farben stimmen. Als ich 2010 meine Karriere begann, war ich mehr mit der Nachbearbeitung beschäftigt als heute. Trotzdem ist sie immer noch ein wichtiges Werkzeug für das Gesamtpaket. Natürlich möchte man das perfekte Foto machen, das man nicht bearbeiten muss. Da ich im RAW-Format (Anm. d. Red.: Format zum verlustfreien Speichern von Bildern mit unkomprimierten Daten) fotografiere und dieses eine Menge Informationen enthält, sieht das unbearbeitete Bild ziemlich grau und flach aus, da keine spezifischen Einstellungen und Entwicklungskurven darauf angewendet wurden. Um Kontrast und Farben zu erhalten, muss man es bearbeiten. Ich liebe es, mit Beispielen wie der Doppelbelichtung auf den Lofoten an die Grenzen zu gehen, aber ich ziehe es immer noch vor, den entscheidenden Moment zu suchen, in dem der Golfplatz im perfekten Licht am besten aussieht. Und man muss geduldig sein, wenn man das perfekte Foto sucht ... Zu viel Bearbeitung kann ein schlechtes Foto nicht retten.

? Wie unterscheidet sich die Produktfotografie für Kunden wie Toro und TrackMan von der Golfplatzfotografie?

 

! Ursprünglich war meine Karriere sehr auf Werbung und Menschen ausgerichtet. Ich glaube, dass es bei allen Produkten auch um Menschen geht. Egal, ob es sich um Rasenmäher oder Bewässerungsanlagen handelt – letztendlich geht es um die Menschen, und das muss man hervorheben. Wenn man dies hervorheben kann, wird es interessanter. Bei TrackMan sind es die Golfer und Pros, die das System nutzen. Produkte sollten in ihr natürliches Umfeld integriert werden, das kann ein Simulator, eine Range oder ein Golfplatz sein. Ich möchte mich nicht nur auf die Golfplatzfotografie beschränken, es ist wichtig, ein wenig „frische Luft“ zu schnappen und neue Dinge zu lernen.

? Sehen Sie Unterschiede bei Fotos für Print, Web oder soziale Medien? Wenn ja: welche?

 

! Normalerweise zeigt man einen Golfplatz im Querformat, weil es ein Spiel ist, bei dem man von links nach rechts abschlagen kann. Aber in den sozialen Medien ist man viel mehr auf Hochkant-Formate beschränkt, denn so navigiert man üblicherweise mit seinem Mobilgerät. Ich versuche daher, verschiedene Versionen für verschiedene Zwecke anzubieten. Auch im Druckbereich sind manchmal vertikale Formate erforderlich, beispielsweise für Zeitschriftencover. Soziale Medien sind für meine Kunden und natürlich auch für mich selbst wichtig, um meine Arbeit hervorzuheben, und mit einem Foto im Hochformat kann man hohe Reichweiten und Anerkennung erzielen. Soziale Medien sind heute Teil des Marktes, man muss sich darauf einstellen, aber ich bevorzuge immer noch Print.

 

? Wie würden Sie Ihren Stil und Ihre Herangehensweise an die Golffotografie beschreiben?

 

! Meine Vision und mein Ziel ist es immer, ein Maximum an Vision und Qualität zu liefern. Bei jedem Auftrag versuche ich, etwas anderes zu machen. Ich gehe vor Sonnenaufgang auf den Platz und komme oft erst nach Mitternacht zurück, das ist mein üblicher Tagesablauf.

Ich bin auf den Anlagen zum Arbeiten, nicht um selbst Golf zu spielen oder mich zu amüsieren. Mein Hauptziel ist es, das perfekte Bild zu machen, bei dem man so viel wie möglich in ein Foto einbringen kann.

 

? Welches waren bisher Ihre 3 Lieblingsplätze aus der Sicht des Fotografen?

 

! Auf jeden Fall Lofoten Links, denn ich liebe diesen Platz, die Natur und die Berge ringsum. Ich mag auch Ballybunion Old Course, weil ich mit diesem Platz sehr verbunden bin. Und Nummer drei, wenn ich mich auf drei Plätze festlegen müsste, wäre Tara Iti, ich liebe die pure Umgebung, die dort geboten wird.

? In Anbetracht Ihrer Wahl: Ist es einfacher, Fotos von einem Golfplatz zu machen, auf dem es nicht viele Cart-Wege oder andere, nicht zum direkten Spielbereich gehörende Bereiche gibt?

 

! Ich mag es, wenn es ziemlich minimalistisch und natürlich ist. Wenn ich einen Platz spiele, möchte ich auch nicht zu lange Wege von Loch zu Loch zurücklegen, es sollte sich ganz natürlich anfühlen. Deshalb liebe ich Plätze wie Tara Iti, wo man vom zweiten Grün zum dritten Abschlag geht, ohne es sofort zu erkennen. Für mich sollte sich ein Golfplatz natürlich anfühlen.

 

? Sprechen wir über Produktplatzierung in der Fotografie: Schlägerhersteller zahlen Millionen pro Spieler, um ihre Ausrüstung zu benutzen, aber man sieht die Marke nur selten auf den Bildern – im Gegensatz zu Skiwettbewerben, wo die Skier bei Fernsehinterviews deutlich zu sehen sind. Gibt es eine Möglichkeit, dies zu ändern?

 

! Das ist eine interessante Frage. Man muss sich ein klügeres Konzept überlegen, eine offensichtliche Lösung gibt es nicht. Wenn ein Profigolfer von Marke A zu Marke B wechselt, werden die meisten Zuschauer oder Amateurgolfer das nicht sofort bemerken. Man muss die Marke deutlicher machen und eine Verbindung zwischen dem Spieler und der Marke herstellen. Ich bin davon überzeugt, dass es neue Wege geben wird, aber dazu bedarf es weiterer Überlegungen und Reflexionen. Ich habe noch nicht die perfekte Antwort, aber die Hersteller können sich an mich wenden und wir werden gemeinsam einen neuen Ansatz finden … (lacht).

 

? Wie kann die Fotografie dazu beitragen, dass ein Golfplatz interessant aussieht?

 

! Nun, das ist ein schmaler Grat, denn man kann einen Golfplatz auf so viele verschiedene Arten zeigen. Das Layout ist der Schlüssel, denn wenn man ein gutes Layout hat, ist es viel einfacher, es richtig zu präsentieren. Aus der Sicht eines Golfspielers muss es ein unterhaltsamer Golfplatz sein, der Spaß macht. Manche Golfplätze sind landschaftlich sehr reizvoll, haben aber kein so interessantes Layout – das kann eine Herausforderung sein, denn man kann zwar eine schöne Aussicht zeigen, aber auf dem Bild sieht der Platz vielleicht viel besser aus, als der Golfer ihn beim Spielen bewerten wird. Als Fotograf möchte ich einen Platz auf ehrliche Art und Weise in Szene setzen. Ich möchte einen Platz so gut wie möglich aussehen lassen, aber es gibt viele Dinge, die einen Platz zu einem guten oder schlechten Erlebnis machen können, die ich nicht auf einem Foto festhalten kann. Ich möchte keine Fotos machen, die Golfer dazu bringen, weit zu reisen und dann enttäuscht zu sein. Vielleicht hätte ich, nachdem ich einige Plätze gespielt habe, einige Aufträge in der Vergangenheit nicht annehmen sollen – denn das, was ich gerade erwähnt habe, ist meine Einstellung von heute. Ich lege Wert darauf, dass eine Golfanlage das Spiel mit Leidenschaft betreibt und es nicht nur als reines Geschäft sieht. Die menschliche Note macht den Unterschied zwischen guten und hervorragenden Plätzen aus. Rückmeldungen und Gästebewertungen helfen den Golfplätzen sehr, ihre Entwicklung voranzutreiben. Golfplätze, Resorts und alle anderen sollten auf ihre Kunden hören, das hilft ihnen, sich weiterzuentwickeln. Andererseits muss ich natürlich darauf achten, dass ich meine Aufträge erfülle, vor allem unter den aktuellen Umständen der Pandemie. Es ist eine schwierige Zeit für einen internationalen Fotografen, seit fast anderthalb Jahren sind meine Reisen fast zum Erliegen gekommen – es ist also manchmal eine schwierige Entscheidung.

 

Wie wichtig ist der Platz für die gesamte Erfahrung?

 

! Er ist nur ein natürlich sehr wichtiger Teil. Glücklicherweise hat fast jeder Platz sein eigenes Highlight, sei es das Layout, die Landschaft oder ein bestimmtes Loch. Aber letztendlich wird das Erlebnis auch von anderen Komponenten wie dem Service und der Kundenerfahrung geprägt. Manchmal haben Golfer ein süß-saures Verhältnis zu einem Platz, das einfach auf persönlichen Erinnerungen an den Ort, aber nicht auf den Platz selbst oder den angebotenen Service zurückzuführen ist. Die Leute werden über ihre Erfahrungen sprechen, letztendlich muss jeder den Platz selbst erleben.

 

? Soll ein Bild den Golfer oder den Nicht-Golfer ansprechen?

 

! Das ist eine wirklich gute Frage! Ich denke, es sollte auch Nicht-Golfer ansprechen. Wir alle mögen die Natur und die Landschaft, daher können Fotos nicht nur Golfer, sondern auch andere Menschen ansprechen. Golfbilder sollten den Golfsport in Bildern widerspiegeln, es geht um Gefühle – Golfer könnten darüber nachdenken, wie sie diese Lage bewältigen oder wie sie diese Herausforderung angehen würden.

Wie wichtig sind Menschen auf Bildern?

 

Ich mag es, wenn Menschen auf den Fotos zu sehen sind – man muss sie nicht erkennen, aber ich mag es, wenn der Betrachter das Gefühl hat: „Diese Person könnte ich sein, wenn ich über das Fairway gehe.“ Wenn man Menschen zu einer Szene hinzufügt, erhält man einen guten Vergleich und einen guten Maßstab. Ohne Menschen als Referenz kann man zum Beispiel nicht beurteilen, wie groß oder klein ein Bunker ist.

 

Warum ist bei vielen Anlagen die Bereitschaft, in herausragende Bilder zu investieren, so gering – obwohl die Plätze Investitionen in Millionenhöhe erfordern?

 

Das ist mir nur zu gut bekannt! Noch heute erhalte ich Anfragen, die Tauschgeschäfte anstelle von Bezahlung anbieten. Aber ich bin ein professioneller Fotograf, und mit Tauschgeschäften kann ich meine Rechnungen leider nicht bezahlen ... Viele Menschen sind auf eine gute Präsentation der Golfplätze angewiesen, denn Golfplätze sind auch Arbeitgeber. Aber die Golfplätze sollten akzeptieren, dass es qualitativ hochwertige, professionelle Bilder nicht umsonst gibt – Sie würden wahrscheinlich auch keinen Hobbyschreiner mit dem Bau ihres Clubhauses beauftragen, warum investieren sie also nicht in eine angemessene visuelle Visitenkarte für ihre Veröffentlichungen? Diejenigen, die den Wert guter Fotos und deren Verwendung im Rahmen eines intelligenten Marketingkonzepts erkannt haben, haben einen großen Vorteil im Wettbewerb.

? Inwieweit können Golfplätze ihre Bilder selbst machen, beispielsweise durch ihre Mitarbeiter?

 

! Meines Erachtens: „Ja, das können sie!“ Anlagen können diese Bilder nutzen, um Mitglieder und Gäste über Veranstaltungen zu informieren, und auch Greenkeeper können das Marketing mit Fotos unterstützen. Das ist eine willkommene Ergänzung und sollte sich darauf konzentrieren zu zeigen, was man im Club macht. Aber es muss die Philosophie und die Marke unterstützen, die der Club definiert hat. Auch Beiträge in den sozialen Medien sind Teil des Entscheidungsprozesses anderer Golfer, einen Platz zu besuchen oder nicht. Wenn der Platz also nicht in perfektem oder zumindest gutem Zustand ist, sollten Anlagen keine aktuellen Fotos in den sozialen Medien posten – jede Veröffentlichung zahlt auf das Markenbild ein.

? Wie hat die Drohnenfotografie die Branche verändert?

 

! Nun, es gibt Vor- und Nachteile. In gewisser Weise kann man damit zeigen, wie Golfplätze aussehen. Man kann beispielsweise ein komplettes Par 4 oder Par 5 viel besser einfangen. Aber zu viele Luftaufnahmen bedeuten eine Verlagerung von der Golfplatz- hin zur Landschaftsfotografie. Golfer wollen den Platz erleben, also mache ich mehr Fotos vom Boden aus als mit der Drohne. Interessanterweise finden Drohnenfotos in den sozialen Medien großen Anklang – vielleicht, weil man einen Golfplatz beim Spielen normalerweise nicht aus dieser Perspektive sieht. Das ist auch der Nachteil: Sie zeigen den Platz nicht so, wie ein Golfer ihn erlebt. Der Einsatz einer Drohne hat unserer Arbeit eine neue Dimension verliehen: Man muss keine teuren Hubschrauber mehr mieten, kann selbst navigieren und variable Objektive verwenden. Es ist eine neue Welt, auch wenn man nicht vergessen sollte, dass es sich um das Golfspiel handelt.

? Warum hat die 360-Grad-Fotografie in der Golfbranche so wenig Erfolg?

 

! Meines Erachtens betrachtet man einen Golfplatz in einer bestimmten Ansicht und in einer bestimmten Richtung. Deshalb möchte ich persönlich einen Golfplatz nicht in 360 Grad erleben. Außerdem gibt es, wie wir alle wissen, kaum einen Golfplatz, der in allen 360 Grad gut aussieht. Aus künstlerischer Sicht wäre das auch sehr schwierig. Natürlich können Sie es verwenden, aber Sie werden nicht viel positives Feedback erhalten, wenn Sie auf „diese erstaunliche 360-Grad-Ansicht auf diesem Golfplatz“ verweisen.  Bei der Golfplatzfotografie geht es vor allem darum, den besten selektiven Blickwinkel zu finden, unter Berücksichtigung des Lochs und des Hintergrunds. Selbst Golfplatzarchitekten unterstützen diese selektiven Ansichten durch ihre Entwürfe.

 

? Was sind die Do‘s und Don‘ts bei der Golfplatzfotografie?

 

! Nun, ich bin eher für die „Do‘s“ als für die „Don‘ts“. Meine Empfehlungen sind:

 

  • Versuchen Sie, Ihren Platz bei schönem Licht zu fotografieren, wenn das Licht das Layout hervorhebt und die Formen betont. Das ist oft bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang der Fall, hängt aber auch vom Standort und der Umgebung, beispielsweise Bergen, ab. Fotografieren Sie nach Möglichkeit nicht mitten am Tag, wenn das Licht den Platz meist nicht optimal in Szene setzt.
  • Seien Sie wählerisch! Sie werden wahrscheinlich eine Menge Fotos machen, aber zeigen Sie Ihrem Publikum nur die wirklich Guten.
  • Achten Sie auf Details in der Komposition. Fotos erfordern ein feines Gleichgewicht.
  • Nutzen Sie das Prinzip Try & Error. Probieren Sie verschiedene Blickwinkel aus, versuchen Sie verschiedene Aufnahmepositionen. Nicht alle werden zu einem großartigen Ergebnis führen, aber Sie sollten es ausprobieren und werden so immer mehr über den Platz lernen.
  • Überlegen Sie, wie Sie das Foto aufwerten können, indem Sie zum Beispiel jemanden beim Bunkerschlag zeigen, eine Familie auf dem Platz abbilden oder mit anderen Elementen Ihre Botschaft unterstützen.
  • Beschränken Sie sich nicht auf einen bestimmten Tag, den Sie vorher ausgewählt haben. Fotos sind wetter- und lichtabhängig, daher sollten Sie Ihr Timing entsprechend anpassen.
  • Schauen Sie sich andere Fotos an und lassen Sie sich von ihnen inspirieren – was gefällt Ihnen an ihnen, wie könnten Sie es auf Ihren Platz übertragen?

? Welche Ausrüstung benutzen Sie?

 

! Ich fotografiere mit Canon für die Fotografien, ich benutze eine R5, eine 5DS und eine 5D Mark III als Back-up-Kamera. Manchmal verwende ich alle drei auf Stativen, um gleichzeitig im Serienbild-Modus zu fotografieren, da wir nur begrenzte Zeit mit ähnlichem Licht auf einem Platz haben. Bei den Drohnen verwende ich die DJI Inspire 2 mit der X7-Kamera, die ich oft für Videos verwende, sowie die DJI Mavic 2 Pro. Aber es sieht so aus, kommt bald die Mavic 3 Pro ... Für die Videos und Interviews habe ich auch eine Blackmagic-Kamera. Und nicht zu vergessen: Objektive. Ich verwende zwischen acht und neun verschiedene Objektive.

 

Herr Sjöman, vielen Dank für diese außergewöhnlichen Einblicke, die sicher nicht nur für Fotogafie-Enthusiasten interessant sein dürften.

 

Das Gespräch führte unser Autor Michael Althoff | golfmanager 6/2021

 

Ein besonderer Dank an Jacob Sjöman, der uns die Fotografien für diesen Beitrag zur Verfügung stellte.

 

 

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