Die 2020er – eine Herausforderung, nicht nur für Golfclubs

Vereinsratgeber

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu und wir blicken vermeintlich zuversichtlich in die Zukunft. Doch wissen wir denn auch, was da auf uns zu kommt? Sind wir darauf vorbereitet? In Gesprächen und Diskussionen mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen oder auch anderen Stakeholdern aus der Golfbranche, habe ich den Eindruck gewonnen, „da ist noch viel Luft nach oben“. Warum kann man zu diesem Eindruck kommen?

 

  • Wir akzeptieren und verinnerlichen, dass der (Golf-)Markt Ausgangspunkt und Maßstab für die eigene Existenz und den eigenen Erfolg ist.
  • Wir sind bemüht, die jetzigen Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und die zukünftigen Bedürfnisse vorauszusehen, d.h. den Markt zu kennen und zu verstehen.
  • Wir richten unsere Leistungen und Kommunikation konsequent an den Erwartungen und Bedürfnissen der Kunden/Mitglieder aus.

 

Doch was kommt in den nächsten zehn Jahren auf den (Golf-)Markt zu? Welche Erwartungen und Bedürfnisse haben unsere zukünftigen Mitglieder und Kunden?

 

Megatrend Neoökologie

Einer der wichtigsten Megatrends der nächsten Jahre wird die sogenannte Neoökologie sein, wie das renommierte Zukunftsinstitut uns vorstellt.

 

Umweltbewusstsein wird vom individuellen Lifestyle zur gesellschaftlichen Bewegung. Nachhaltigkeit vom Konsumtrend zum Wirtschaftsfaktor. Und die Klimakrise zur Grundlage einer neuen globalen Identität. Der Megatrend bewirkt nicht nur eine Neuausrichtung der Werte der globalen Gesellschaft, der Alltagskultur und der Politik. Er disruptiert Geschäftsmodelle und stellt ganze Branchen kalt. Er zwingt zum unternehmerischen Umdenken und erfordert entschlossenes Handeln. Denn er formt bereits jetzt die Märkte der Zukunft.

 

Neue Werte

Ökologische Werte schaffen eine neue globale Identität. Rund um den Globus bildet sich ein neues Mindset heraus. Es entsteht ein neues, weltweit geteiltes Werte-Set, das zum zentralen Treiber des Wandels der Wirtschaft wird.

 

Neue Märkte

Die neue Wir-Kultur läutet eine Abkehr vom Konsumismus ein. Menschen fühlen sich immer stärker global zugehörig und verantwortlich. Gängige Konsummuster werden immer kritischer hinterfragt – denn Konsum ist das Gegenteil von Zugehörigkeit.

 

Und Gemeinschaft ist den Menschen wichtiger als je zuvor. Diese Post-Individualisierung formt die Gesellschaft von der Basis her um – und verändert die Logiken von Marken, Marketing und Märkten.

 

Neue Umwelten

Die Gesundheit des Menschen wird zum Maßstab seines ökologischen und ökonomischen Handelns. Natur wird zum Synonym für ein gesundes, gutes menschliches Leben und Umwelt zum zentralen Faktor für sein physisches, psychisches und soziales Wohlergehen. Dabei wird das Verhältnis von Mensch, Natur und Technologie neu ausgehandelt.

 

Neues Wirtschaften

Die Lösung der Klimakrise ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann nur gelingen, wenn sich sämtliche Gesellschaftsbereiche neu ausrichten. Die Politik steht vor der Aufgabe, diesen Wandel durch entsprechende Regulierungen und Anreize voranzutreiben. Je eher Unternehmen die Potenziale dieser Transformation für sich ausloten, umso mehr werden sie künftig davon profitieren. Der Wohlstand von ­morgen beruht auf neuen Werten – und einem neuen Begriff von Wachstum. (Quelle: Zukunftsinstitut)

 

Digitaler Wandel – Die Welt im Jahr 2030

Wenn wir uns erinnern, wie war das vor 15 Jahren im Jahr 2004? Es war eine Welt ohne Smartphones, ohne WhatsApp und ohne Navigationsprogramme auf dem Handy. Netflix und Amazon Prime waren unbekannt – man ging noch ins Kino oder in die Videothek. Wer Musik hören wollte, kaufte eine CD, und um Urlaub zu buchen, ging man in das Reisebüro seines Vertrauens. Airbnb, Selfies und Instagram waren unbekannt. Sicherlich könnte man an dieser Stelle noch mehr Beispiele aufzeigen, die deutlich machen, wie sich unsere Welt und damit auch unser Markt in den letzten 15 Jahren verändert haben. Es deutet heute nichts darauf hin, dass sich das Tempo des Wandels verringert. Im Gegenteil – die Fahrt wird noch rasanter.

 

E-Mobilität

Selbstfahrende Autos (Level 5 PKW‘s) und Robo-Taxis dominieren das Straßenbild. Die Robo Taxis befördern die Passagiere kostenlos und finanzieren sich über Werbung. Der Wagen macht auf dem Weg zum Ziel noch einen kurzen Zwischenstopp bei McDonalds oder Ihrem Golfclub, der die Fahrt sponsort. Die Kinder können sich zum Golftraining vom Robo-Auto bringen lassen oder holen Ihre Mitglieder zum Golfspielen ab – alles gesteuert mit einer Mobilitätsapp.

 

Der Verkehr in den Innenstädten wird dominiert durch E-Mobilität. Auf den Radwegen, die die Hälfte der Fahrspuren einnimmt, gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Gefährten wie E-Bikes, E-Roller, rollende Ein-Personen-Kabinen und viele andere Zwischenformen. Toyota bringt die ersten autonomen Flugtaxis auf den Weg. Ihr Golfclub hat sich natürlich auf die Bedürfnisse der Mitglieder eingestellt und bietet kostenlose Aufladestationen und Landeplätze in ausreichender Stückzahl an.

 

Remote Working

Die klassischen Büros werden stark schrumpfen, da weniger Platz benötigt wird. Jeder zweite Angestellte wird außerhalb des Büros arbeiten: im Homeoffice, im Coworking Space oder auch im selbstfahrenden Auto. Moderne Großkonzerne wie Amazon, Alibaba, Google usw. haben auf das sogenannte „Remote Working“ rea­giert und ihre Büros fast komplett abgeschafft. Das auch aus ganz pragmatischen Gründen – die Mieten in den beliebten Ballungszentren wie Berlin, Köln und München sind so stark gestiegen, dass kein Mensch mehr bereit ist, dort hinzuziehen. Die Angestellten treffen sich nur noch einmal im Jahr persönlich auf einer sogenannten Employee Con, die restliche Zeit läuft die Kollaboration über das Netz. Auch die Büroarbeit an sich verändert sich – Programme sind in der Lage, sich neue Fähigkeiten selbst anzueignen. Jede Arbeit, die sich wiederholt und bestimmten Regeln folgt, übernehmen Rechner. Es gibt keine Tastatur oder Berührungsbildschirme mehr. Standard sind Sprachinterfaces, wobei sich das Gespräch mit der Maschine zu 100% wie ein Dialog mit einem echten Menschen anhört.

 

Fazit

Soweit ein erster Blick in die gar nicht so ferne Zukunft. Viele werden sich an dieser Stelle fragen: Sind das nicht alles sehr gewagte Thesen? Es sind aber Entwicklungen, die sich heute schon andeuten. Es gibt in der Tat schon Unternehmen wie die amerikanische Firma GitLab, die keine Zentrale mehr haben, alle Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten und sich nur einmal im Jahr physisch treffen. Oder die Firma ThyssenKrupp, die Aufzüge entwickelt, die Defekte voraussehen können (Predictive Maintenance).

 

Trotz aller Digitalisierung wird der Mensch des Jahres 2030 weiterhin das Analoge schätzen. Je stärker der Mensch von Technologien durchdrungen wurde, desto mehr wuchs das Verlangen nach realen Erlebnissen beispielsweise auch in der Natur. John Naisbitt, einer der Pioniere der Trendforschung, hatte das schon vor einiger Zeit antizipiert. Mehr Hightech steigert auch immer mehr die Nachfrage nach Hightouch, nach dem „Fassbaren“. Trotz steigender Konkurrenz durch digitale Unterhaltungsangebote (bspw. Virtual-Reality-Welten) wird das Bedürfnis nach menschlicher Gemeinschaft auch in der Natur ungebrochen sein. Davon kann im Jahr 2030 auch Ihr Golfclub profitieren – aber: Sind Sie vorbereitet?

 

Autor: Peter Rücker | rueckerconsult | managementberatung im sport | www.ruecker-consult.com 

 

Stand: golfmanager 6/2019

 

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