Nachhaltiges Wirtschaften schafft Image und Handlungsspielräume

Abenberg: Entspannt Golfen. Natur Geniessen.

Mehrjährige Blühmischung „Veitshöchheimer gelb-rot“ im zweiten Standjahr; abwechslungsreich fürs Auge, ökologisch wertvoll!

 

Im Zusammenhang mit dem Abschluss des Blühpaktes Bayern besuchten der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber und der BGV-Präsident Arno Malte Uhlig die Golfclubs von Herzogenaurach und Abenberg.

 

Der Golfclub Abenberg (GCA) überreichte als erster Golfclub dem Umweltminister die Bewerbung zur Auszeichnung „Blühender Golfplatz“. Dass der GCA hierbei eine initiative Rolle spielt, ist nicht weiter verwunderlich, zieht die Clubführung bzgl. nachhaltige Golfplatzorganisation doch an einem Strang. So hat insbesondere Axel Markus mit seinem Wirken als Golf& Natur-Koordinator und langjähriger Vorsitzender des Golf&Natur-Fördervereins entscheidend zu dem Erfolg beigetragen.

 

Ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit ist eng verbunden mit einer engagierten Führung und einer guten Kommunikation. Wird das konsequent umgesetzt, dann gewinnt das Image und es bleiben wichtige genehmigungsrechtliche Handlungsspielräume erhalten, beispielsweise, wenn es um Fragen der Platzbewässerung geht.

 

Marc Biber führte für den golfmanager mit Axel Markus, Präsident Gerd Kehrbach, Clubmanager Michael Schalt, und Head- Greenkeeper Werner Nißlein ein Gespräch.

Axel Markus,
Golf&Natur-Koordinator
und langjähriger
Vorsitzender des Golf&
Natur-Fördervereins, GCA

Gerd Kehrbach,
Präsident, GCA

Michael Schalt,
Clubmanager, GCA

Werner Nißlein,
Head-Greenkeeper, GCA

? golfmanager: Der Slogan des GCA lautet „Entspannt Golfen. Natur Geniessen.“ Welche Club-Philosophie steckt dahinter?

 

! G. Kehrbach: „Wir alle haben in unserem täglichen Leben nicht nur mit angenehmen Dingen zu tun. Die wenigen Stunden, die uns für die Freizeit bleiben, sollten aber dann auch entspannt und harmonisch sein. Wir im GC Abenberg versuchen alles, um unseren Mitgliedern und Gästen diese Stunden so angenehm wie möglich zu gestalten.

 

Unsere Philosophie und unser Leitbild sind ausführlich auf unserer Homepage dargestellt. Die wichtigsten Schlagwörter sind: Vielfalt – Attraktivität – Miteinander – Teamgeist – Nachhaltigkeit. Nach diesen Regeln versuchen wir seit vielen Jahren den Verein zu führen und zu leiten. Jährliche Veränderungen und Neuerungen werden positiv aufgenommen und tragen dazu bei, unseren Slogan, „Entspannt Golfen. Natur Geniessen.“ in die Realität umzusetzen. Hierzu trägt der respektvolle Umgang mit der Natur und der sparsame Einsatz von Ressourcen bei. Jeder Mitarbeiter, ob im Greenkeeping, in der Verwaltung oder im Ehrenamt hat das gleiche Ziel: ein rundum stimmiger Golfplatz in einem perfekten Umfeld.“

 

? golfmanager: Wie sieht der Beitrag des GCA für Natur- und Umweltschutz konkret aus und welche Effekte sind daraus entstanden?

! A. Markus: „Ganz konkret haben wir unter anderem zusammen mit dem Team der Greenkeeper als ‚grüne Projektteile‘ für die Anreicherung der Artenvielfalt ca. 8.000 m² Blühflächen mit mehrjährigen Wildblumen und -kräutern geschaffen, über 100 Nistkästen für die verschiedensten Brutvogelarten, 2 Insektenhäuser mit speziellen Nahrungsangeboten sowie eine Bienenecke mit 8 Bienenstöcken und einer Schauwabe.

 

Der Erfolg dieser Anreicherung zeigt sich unter anderem darin, dass der Artenreichtum der Vogelpopulation in den vergangenen sechs Jahren um gut 50% gestiegen ist. Heute beobachten wir über 110 verschiedene Vogelarten auf unserer Golfanlage!

Beitrag zur Naturbildung: Infotafel für Naturinteressierte

Durch gezielte Informationen auf der Golfanlage und der Homepage des Clubs werden diese Elemente den Mitgliedern und Interessenten vermittelt.“

 

? golfmanager: Sie haben zur Finanzierung von Golf & Natur-Projekten den „Förderverein beim Golfclub Abenberg e.V.“ gegründet. Was sind seine Aufgabenfelder und welche grünen Projekte hat er umgesetzt?

 

! A. Markus: „Der ‚Förderverein beim Golfclub Abenberg e.V.‘ wurde 2015 gegründet. Bis heute hat der Verein ca. 140.000 Euro an Spenden erhalten. Zweck ist die Förderung der Artenvielfalt der Golfanlage und des Golfsports für die Jugend. Gefördert wurden so aus gemeinnützigen Spenden von 64 Unterstützern bis Juli 2020 der Naturschutz und die Landschaftspflege auf der Golfanlage mit 78.000 Euro sowie der Golfsport für Kinder und Jugendliche mit 45.000 Euro.

 

Nahezu alle Maßnahmen unseres Golf&Natur-Projekts wurden durch den Förderverein ermöglicht und weitgehend von eigenen Greenkeepern umgesetzt. Der Bau des Maschinenwasch­platzes mit Ölabscheider auf dem neuen Betriebshof war das aufwändigste Projekt für den Naturschutz und die Nachhaltigkeit. Auch das wichtige Projekt ‚Wassermanagement‘ wird vom Förderverein unterstützt.“

 

? golfmanager: Jüngst wurde der „Blühpakt Bayern“ unterschrieben und die erste Anmeldung dafür kam vom GCA: Was hat den GCA dazu bewogen, sich dafür anzumelden?

 

! M. Schalt: „Aufgrund unseres Engagements im Bereich Golf&Natur war das Projekt ‚Blühpakt Bayern‘ eine willkommene Idee für eine Zusammenarbeit zwischen staatlichen Instanzen, den Verbänden und den Golfanlagen. Leider wird der wertvolle Beitrag der Golfanlagen zur Förderung des Artenreichtums der Pflanzen- und Tierwelt häufig noch verkannt. Wir als Verantwortliche müssen dafür sorgen, dass auch Nicht-Golfer die Golfplätze als das wahrnehmen, was sie sind: ein wertvolles Refugium für Flora und Fauna! Im Vergleich zu den vielen Monokulturlandschaften der Landwirtschaft hat eine gut entwickelte Golfanlage deutlich mehr an Biodiversität zu bieten.“

Mehrjährige Blühmischung „Veitshöchheimer gelb-rot“ im zweiten Standjahr; abwechslungsreich fürs Auge, ökologisch wertvoll!

 

? golfmanager: Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Greenkeeping und wie gehen Sie diese an?

 

! W. Nißlein: „Die langanhaltente Trockenheit und Hitze der Jahre 2018/19 führten zu einer erheblichen Austrocknung aller Flächen auf unserer Anlage. Hier in Mittelfranken sind wir in einer extrem tockenen Gegend. Wir hatten in letzten beiden Jahren von Februar bis Oktober jeweils unter 350 mm Niederschlag! Davon sind noch in etwa die Hälfte bei Unwettern oberflächlich abgelaufen. Durch gezielte Optimierung der Beregnungsanlage, beispielsweise durch Verlegung zusätzlicher Leitungen, Anpassung der Hydraulik und sensiblerer Einstellung der Regner wird die richtige Verteilung des Beregnungswassers verbessert.

 

Durch immer strengere Pflanzenschutzauflagen ist ein Umdenken in der Bearbeitung unserer Grüns schon lange nötig. Durch gezieltes Ausbringen von Nährstoffen und Spurenelementen auf Grüns und Abschlägen, hauptsächlich in flüssiger Form, soll ein Befall von Krankheiten vermieden werden. Dies ist uns in den letzten Jahren gut gelungen.

 

Informationen bei Fort- und Weiterbildungen sind uns eine Hilfe bei unseren täglichen Aufgaben im Greenkeeping. Wir haben 2020 einen zusätzlichen Mitarbeiter eingestellt, um unsere Grüns und Abschläge häufiger und gezielter zu pflegen.“

 

? golfmanager: Die letzten beiden Sommer waren extrem heiß und niederschlags­arm. Was bedeutet der Klimawandel für den GCA und wie reagiert er darauf?

 

! W. Nißlein: „Die genehmigte Fördermenge von 48.000 m³ für Beregnungswasser aus unseren beiden Brunnen reichte in 2018 und 2019 bei weitem nicht aus. Für unsere 33 Spielbahnen plus drei Übungsgrüns mit Fairway-Beregnung haben wir einiges mehr aus unseren Brunnen entnehmen müssen.

 

Der ausführliche Wasserrechtsantrag zur Erhöhung der Entnahme unseres Brunnenwassers wurde im Juni an das Landratsamt zur Genehmigung eingereicht. Er umfasst unter anderem die Berechnung sämtlicher zu beregnenden Flächen sowie die Darlegung aller unserer Tätigkeiten, die uns eine Golfanlage mit einer balltragenden Grasfläche bei möglichst geringem Verbrauch vom Beregnungswasser ermöglichen.

 

Trockenstellen auf den Grüns machen uns schon seit Jahren zu schaffen. Um dem entgegenzuwirken, werden unsere Grüns im Wechsel etwa alle zwei Wochen mit kleinen Vollspoons bearbeitet sowie geschlitzt und gespikt. Zusätzlich fahren wir ein gezieltes Programm mit Wetting Agents und wässern Trockenstellen bei Beginn von Hand.

 

Das Thema Golf&Natur wird bei uns großgeschrieben, doch selbst das Anlegen und Erhalten von Blühwiesen mit mehrjähriger Saat bereitet uns bei Trockenheit und Hitze auf unseren Sandböden große Schwierigkeiten.“

 

? golfmanager: Welche wichtigen Projekte sind auf Club­ebene derzeit in Planung und werden die nächsten beiden Jahre umgesetzt?

 

! M. Schalt: „Die wichtigsten sind aus meiner Sicht die Optimierung der Beregnungsanlage und des Wassermanagements sowie die strategische Positionierung der Golfanlage Abenberg als Sport-, Natur- und Erlebnisstätte. Für zweiteres sind verschiedene Aktivitäten vorgesehen, so unter anderem ein Golferlebniswochenende mit Live-Musik, Foodtruck, Naturerlebnisrundgang u.v.m., Führungen über unsere Golfanlage mit verschiedenen Schwerpunktthemen für Mitglieder und externe Interessenten, Mitgliederevents sowie eine Erweiterung des Rabbit-Programms.“

 

? golfmanager: Wie haben Sie die Mitglieder bei den Entscheidungen und Veränderungen der letzten Jahre mitgenommen?

 

! G. Kehrbach: „Zu Beginn unserer Amtszeit war das gar nicht so einfach. Der Club kam aus einer wirtschaftlich schwierigen Situation.Viele Dinge mussten verändert werden. Investitionen bei Maschinen und Gebäuden waren erforderlich. Verträge mussten geändert werden usw. Unsere Mitglieder wurden laufend über Veränderungen und Neuigkeiten informiert und immer über die wirtschaftliche Situation auf dem Laufenden gehalten. Inzwischen hat sich die gewissenhafte und offene Arbeit des Vorstandes ausgezahlt und der Club steht wirtschaftlich auf soliden Beinen. Vor zwei Jahren konnte der Golfclub den Platz und die Gebäude erwerben. Auch dieser Schritt hat die Mitglieder überzeugt und für Vertrauen und ein positives Miteinander gesorgt.“

 

Sehr geehrte Herren, vielen Dank für das ausführliche Gespräch! Ein engagiertes Arbeiten für eine ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit zahlt sich aus, ist zugegeben aber wohl auch nur möglich mit einem engagierten Team wie in Abenberg.

 

Das Gespräch führte Marc Biber (DGV) / golfmanager 5/2020

 

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