Presidents Cup in Australien

09. bis 15. Dezember 2019

Alle zwei Jahre – immer in den Jahren, in denen der Ryder Cup pausiert – wird der Presidents Cup ausgetragen. Hier stehen sich Team USA und ein internationales Team gegenüber – wobei Spieler aus Europa nicht mit am Start sind, weshalb man das Team International landläufig gerne als „Rest der Welt außer Europa“ bezeichnet. Das vergleichsweise junge Event – die erste Austragung fand 1994 im Robert Trent Jones Golf Club, USA, statt – wurde vom 09.-15. Dezember 2019 bereits zum dritten Mal im traditionsreichen Royal Melbourne Golf Club in Australien ausgetragen. Für den Presidents Cup wird aus dem East und West Course extra ein Composite Course der besten Bahnen zusammengestellt – bedenkt man, dass der West Course in nahezu allen Rankings als bester Golfplatz Australiens geführt wird und auch der East Course zu den Top 8-Plätzen zählt, kann man sich die Herausforderung dieses typischen Sandbelt-Courses mit seinen zahlreichen Bunkern gut vorstellen. Und so galt vielen Besuchern und Fachleuten der Platz – gerne mit „Fast and Firm“ charakterisiert – als einer der großen Gewinner dieses Events und perfekte Werbung für beide Plätze. Sportlich hat es auch 2019 nicht zum zweiten Sieg für das internationale Team gereicht. Trotz guten Starts in den Vierern, konnte das Team USA am Ende den Sieg mit 16 zu 14 einfahren. Ausschlaggebend waren die Einzel, in denen es für das internationale Team gerade einmal zu zwei Siegen reichte. Einmal mehr setzte sich somit individuelle Stärke gegen Teamgeist durch.

Großer Besucherandrang am Finaltag des Presidents Cup 2020 in Melbourne (Alle Fotos M. Althoff)
Ernie Els und Tiger Woods als Team Captains verdeutlichten die ­Bedeutung des seit 1994 ausgetragenen Turniers.

Große Namen und ­Terminprobleme

Neben den rein sportlichen Leistungen ist ein solches Event jedoch auch abseits des rein sportlichen Wettbewerbs interessant. Da ist zunächst die Auswahl der Team Captains: Das internationale Team wurde von Ernie Els angeführt, auf US-Seite fiel die Wahl auf Tiger Woods. Letzterer gewährte sich dann selbst einen Captains Pick für sein Team – und sorgte damit für noch größeres Interesse, da man Tiger nun auch auf dem Platz in Aktion bewundern konnte. Erstaunlich übrigens, dass seine Rolle als Playing Captain so großen Widerhall fand. In den Anfängen des Ryder Cups war der Playing Captain eher die Regel statt die Ausnahme, der große Walter Hagen trug mehrfach selbst zu seinen insgesamt sechs Siegen als Ryder Cup-Captain bei.

Bis ins Detail mit viel Accouratesse organisiert: Der Presidents Cup-Pokal im Heckenschnitt des Royal Melbourne Golf Clubs (li.) ...
... und im Original (re.).

Letzter Playing Captain im Ryder Cup war jedoch 1963 Arnold Palmer. Umso größer dann auch die Überraschung, als Woods am Samstag auf seinen Einsatz verzichtete – offensichtlich war sein Körper nicht fit genug. Der Presidents Cup 2019 offenbarte aber auch ein zunehmendes Dilemma im Golfsport: den immer gedrängter werdenden Terminkalender. Noch bis zum Samstag vor dem Presidents Cup kämpften zahlreiche US-Spieler bei Tigers Hero World Challenge auf den Bahamas um den Sieg, danach ging es per Privatjet nach Melbourne. Und auch die australische Golflegende Greg Norman – 2009 und 2011 selbst Captain des internationalen Teams – wurde Opfer des Terminplans: Sein QBE Shootout im Tiburón Golf Club, Florida, fand zeitgleich mit dem Presidents Cup statt, so dass Norman nicht in Melbourne vor Ort war.

 

Ein Vergleich mit dem ungleich größeren Ryder Cup

Vergleicht man das Event mit dem Ryder Cup 2018, war der Presidents Cup 2019 insgesamt etwas kleiner dimensioniert. Dennoch hat die PGA-Tour, für das Event verantwortlich, dem Cup einen würdigen Rahmen gegeben. Da der Composite Course kein Stadium Course ist, wurden zahlreiche Tribünen für die Zuschauer bereitgestellt – die meisten ohne vorherige Reservierung kostenfrei nutzbar. Auch die Versorgung mit Speisen und Getränken war auf der gesamten Anlage sichergestellt. Wie beim Ryder Cup oder der The Open gab es ein Fan Village mit Großbildschirm, Sitzgelegenheiten und zahlreichen Verpflegungsangeboten, vor allem von Food Trucks. Auffällig jedoch, dass das Merchandising-Zelt im Vergleich zum Ryder Cup deutlich kleiner ausfiel – auch das Angebot war geringer als in Paris. Dennoch griffen auch hier die Fans aus aller Welt in großem Stil zu.

 

Abseits des Golfplatzes

Neben Golf gab es interaktive Mitmach-Zonen und in der Innenstadt der Metropole Victorias wurde eigens eine Fan-Zone errichtet, die zahlreiche Aktivitäten und Live-Acts sowie eine Merchandising-Dependance anbot. Apropos aus aller Welt: Einmal mehr zeigte sich, dass Melbourne für die Gastgeberrolle perfekt geeignet ist. Die Metropole beheimatet Menschen aus über 200 Ländern und Regionen, die 116 Glaubensrichtungen angehören und mehr als 230 Sprachen und Dialekte sprechen – übrigens weniger als zwei Drittel aller Einwohner wurden in Australien geboren. Von daher ist Melbourne im positiven Sinne Multi-Kulti und ein perfekter Ort für internationale Events. Zudem liegt die Stadt aber auch – verglichen mit anderen internationalen Standorten des Wettbewerbs – sowohl für Besucher aus den USA, als auch für Gäste aus aller Welt vergleichsweise gut erreichbar; dennoch war für alle Besucher von außerhalb Australiens und Neuseelands die An- und Abreise mit einem Langstreckenflug verbunden. Das Publikumsinteresse war sehr hoch – und wie bei vielen derartigen Events berichteten Golfanlagen in und um Melbourne, dass viele Besucher die Reise für eigene Golfrunden nutzten. Auch das kulturelle Angebot der Stadt wartete mit einem weiteren Highlight auf: Elton John gastierte mit seiner „Goodbye Yellowbrick Road“-Abschiedstournee gleich mehrfach während des Wettbewerbs in der Rod Laver-Arena. Das zeigte übrigens auch unbewusst eine Besonderheit des Golfsports auf: Während Sportstätten wie die Rod Laver-Arena (hier finden unter anderem die Australian Open im Tennis statt) oder moderne Fußballstadien multifunktional ausgelegt sind, können Golfanlagen allenfalls das Clubhaus anderweitig nutzen, der Golfplatz selbst bleibt dem Golfsport vorbehalten – für die wirtschaftliche Führung einer Anlage ein wichtiger Unterschied.

Adam Scott
Ernie Els
Matt Kuchar
Patrick Reed
Tiger Woods

Team International mit eigenem Logo als verbindendem Element

Ernie Els als Captain des internationalen Teams sorgte zudem für eine weitere Neuerung: Ihm wurde schnell klar, dass – im Unterschied zum Ryder Cup mit Team Europa – das internationale Team keine verbindende Nationalität oder regionale Zusammengehörigkeit aufweist. Schließlich kamen die Spieler 2019 aus Australien, Südafrika, Asien sowie Nord-, Mittel- und Südamerika – damit treffen völlig unterschiedliche Kulturen, aber auch Golf-Historien zusammen. Els sorgte daher dafür, dass sein Team erstmals unter einem gemeinsamen Logo antrat. Wer die Spieler dann sowohl auf der Proberunde, als auch in den Vierern beobachtete, konnte schnell erkennen, dass Els mit dieser Maßnahme einen wesentlichen Beitrag zu noch größerer Teambindung gelungen war. Auch Patrick Reed sorgte erneut für Schlagzeilen: Der vor allem seit seinen Ryder Cup-Auftritten gerne als „Captain America“ bezeichnete Golfer trat bereits unter denkbar schlechten Vorzeichen an. Ein Regelverstoß bei der Hero World-Challenge entfachte einmal mehr die Diskussion um seine Integrität. Und ausgerechnet Reeds Caddy Kessler Karain war es dann, der am Samstag in ein Handgemenge mit einem Zuschauer verwickelt war. Die PGA-Tour sperrte ihn daraufhin für den Finalsonntag – doch Reed zeigte sich unbeeindruckt und gewann sein Einzel gegen C.T. Pan mit 4&2.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 1/2020

 

 

<< zurück

Presenting Partner

Köllen Druck + Verlag GmbH

Postfach 410354, 53025 Bonn
Telefon 0228 / 98 98 287
Fax 0228 / 98 98 229

golf (at) koellen.de
www.koellen-golf.de