Groß, Größer, Open!

Solheim Cup 2015 vs. Open Championship 2016

Zugegeben: Golf-Groß­ereignisse zählen nicht gerade zum Alltag der deutschen Golfszene. Von daher dürfte der fantastische Solheim Cup im September 2015 noch vielen Golfern in bester Erinnerung sein. Gut 70.000 Golffans strömten seinerzeit nach St. Leon-Rot, um den besten Golferinnen der USA und Europas zuzusehen. Damals bestand noch die Hoffnung, dass dieses Event gleichzeitig das berühmte i-Tüpfelchen auf die deutsche Ryder Cup-Bewerbung sein sollte, über dessen Vergabe recht zeitnah zu entscheiden war. Inzwischen wissen wir: Golf-Deutschland kann Großveranstaltungen, aber der Ryder Cup 2022 wurde trotz aller Bemühungen doch nicht nach Deutschland vergeben, sondern ging an Italien. Viel ist seither über die Vergabe und die deutsche Bewerbung diskutiert und geschrieben worden. Fazit: Wer die Gründe für eine Vergabe nach Italien sucht (und es waren wohl eher Gründe für Italien als gegen Deutschland), richte sich nach einer alten Kriminalisten-Wahrheit und folge der Spur des Geldes.

Gut 70.000 Golffans fanden sich in St. Leon-Rot ein, um den Kontinentalvergleich Europa vs. USA live mitzuerleben. (Alle Fotos vom Solheim Cup 2015, soweit nicht anders angegeben: www.solheim-cup.de)

Dennoch bleibt die Frage im Raum, wie die Solheim Cup-Ausrichtung im internationalen Vergleich zu bewerten ist. Kein Zweifel: Der Solheim Cup war ein fantastisches Event, nicht nur für die Region Rhein-Neckar, sondern für ganz Golf-Deutschland. Doch wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Golf-Groß­events in Europa? Um dieser Frage nachzugehen, galt es zunächst, eine Wartezeit von rund neun Monaten zu überbrücken. Natürlich könnte man den Solheim Cup auch mit dem Ryder Cup 2018 in Frankreich vergleichen, doch bis zu diesem Mega-Event dauert es schließlich noch zwei weitere Jahre. Also entschied die Redaktion, nicht mehr und nicht weniger als das größte regelmäßig in Europa stattfindende Golfturnier als Benchmark heranzuziehen: die Open Championship in Großbritannien. Das mag auf den ersten Blick sehr ambitioniert erscheinen, aber man soll sich bei Benchmarks bekanntlich stets an den Besten orientieren und hier ist das einzige Major auf europäischem Boden sicherlich bestens geeignet. 2016 fand das Turnier im schottischen Troon in der Grafschaft Ayrshire statt. Das Ergebnis ist bekannt: Henrik Stenson sorgte nicht nur für seinen ersten Major-Sieg, sondern gleich auch noch für den ersten schwedischen Major-Titel bei den Herren überhaupt. Und damit gibt es auch gleich eine Gemeinsamkeit mit Deutschland, hatte Stenson doch wenige Wochen zuvor auch die BMW International Open auf Gut Lärchenhof für sich entscheiden können.

Gänsehautfeeling: der Eingangsbereich der Open Championship (Alle Fotos von der Open Championship 2016: M. Althoff)

 

Und auch der diesjährige Austragungsort der Open (der Ausdruck „British Open“ wird übrigens meist nur in den USA verwendet, um das europäische Turnier von der US Open begrifflich abzugrenzen) hat durchaus einen starken Bezug zu Deutschland. Das liegt vor allem an der Bahn 8, dem sogenannten Postage Stamp, dem kürzesten Par 3 aller Open-Austragungsplätze. „Hermann Tissies, damals Mitglied in Wentorf-Reinbek und erster Deutscher Open-Teilnehmer nach dem zweiten Weltkrieg, erlangte weltweite Bekanntheit bei der Open 1950 in Royal Troon durch seine 15 an eben diesem Postage Stamp“, berichtet Golfhistoriker Christoph Meister. Und beim Austragungsort zeigen sich auch bereits die ersten Unterschiede: Während die Austragung des Solheim Cups in St. Leon-Rot wohl ein einmaliges Ereignis darstellt (zumindest wird es bis zu einer möglichen erneuten Austragung Jahrzehnte dauern), findet die Open jährlich statt. Der Austragungsort wird stets aus den zum exklusiven Club der Rota zählenden Golfanlagen ausgewählt. Insgesamt zählen 14 Clubs zur Rota, einige Anlagen werden jedoch nicht mehr als Austragungsort gewählt: Musselburgh bietet als 9-Löcher-Anlage nicht mehr die notwendigen Voraussetzungen, Prestwick als Austragungsort der ersten Open Championships (die ersten 11 Open sowie insgesamt 24 Open wurden auf dieser Anlage ausgetragen) hat sich aufgrund der fehlenden Möglichkeiten zur Publikums-Unterbringung zurückgezogen. Royal Cinque Ports und Prince’s werden heute ebenfalls nicht mehr als Austragungsort genutzt, so dass aktuell zehn Anlagen verbleiben. Wobei, angesichts seiner Entscheidung gegen weibliche Mitglieder steht die Zugehörigkeit von Muirfield zur Rota ebenso auf der Kippe wie die inzwischen im Besitz des US-Milliardärs und US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump befindliche Anlage von Turnberry. Zumindest in den kommenden Jahren werden sie nicht Austragungsort der Open sein, denn im nächsten Jahr geht es nach England (Royal Birkdale), anschließend stehen Carnoustie (2018) und seit vielen Jahren erstmals wieder Nord­irland mit Royal Portrush (2019) auf der Agenda.

Einendes Merkmal: Das „Teilnehmen dürfen“ ist bei der Open wie beim Solheim Cup – siehe oben den Spielertunnel – etwas besonderes.
Ruhe vor dem (Open-)Sturm: Erst mit Erreichen der 18. Spielbahn nehmen die Zuschauer-Massen auf dem Grand Stand am Schlussloch Platz.

 

Das Teilnehmerfeld

Solheim Cup und Open Championship eint eines: ein erstklassiges Teilnehmerfeld! Beide Turniere boten das Beste, was im jeweiligen Damen- und Herrengolf aktuell auf die Runde geht. Blickt man vergleichsweise auf das Hin und Her zu Golf bei Olympia, zeigen sowohl der Solheim Cup als auch die Open: Hier wollen die Spieler antreten, es ist fast schon eine Frage der Ehre. Dies verdeutlicht vielleicht am besten das diesjährige Beispiel von Colin „Monty“ Montgomerie, der sich erst über ein Qualifikationsturnier ins Teilnehmerfeld spielte und es dann als große Ehrung empfand, am ersten Turniertag morgens gegen halb sieben den ersten Teeshot des Turniers auszuführen. Auch zahlreiche frühere Sieger wie beispielsweise Sandy Lyle ließen es sich nicht nehmen, hier noch einmal anzutreten – und wer sich an die bewegenden Abschiede beispielsweise von Jack Nicklaus oder vergangenes Jahr von Tom Watson erinnert, kann die Bedeutung dieses Turniers für die Spieler einigermaßen ermessen. Und wer die Spieler auf ihren Proberunden beobachtete, merkte sofort: Vor den Austragungsorten einer Open hat man Respekt. Vor allem die Topfbunker wurden immer wieder trainiert. Auch für die Spieler aus Übersee gehört eine Reise zum einzigen Major auf europäischem Boden zum Pflichtprogramm. Der vielleicht deutlichste Unterschied im Teilnehmerfeld ergibt sich jedoch aus dem Spielformat: Während beim Solheim Cup gerade einmal 24 Spielerinnen antraten, waren es bei der Open 154 Profis und zwei Amateure. Und, beim Solheim Cup treten die Spielerinnen für ihr Land beziehungsweise ihren Kontinent an, bei den Open gilt das klassische Einzelwettspiel. Dennoch, der Vergleich zeigt hier ein klares Unentschieden, beide Veranstaltungen boten das Beste, was das jeweilige Golfsegment zu bieten hatte.

Nicht ganz vergleichbar: Beim Solheim Cup stand der Team-Vergleich im Vordergrund – hier die Tribüne an Loch 1 – ­Partystimmung inklusive.

 

Das Wetter

Ein unfairer Vergleich? Schließlich gilt die Rhein-Neckar-Region als eine der sonnigsten Regionen Deutschlands. Das war auch 2015 so – bis zur Woche des Solheim Cups, da setzte teils ergiebiger Regen ein und stellte die Veranstalter vor große Herausforderungen beim Zuschauermanagement, aber auch beim Spielplan. Bei der Open Championship gehört schlechtes Wetter hingegen fast schon zum Programm. Zuschauer erzählen gerne folgenden Kalauer: „Wie nennt man eine Open Championship mit durchgehend warmem Sommerwetter? US Open ...“. Und tatsächlich, auch in diesem Jahr setzte pünktlich mit dem zweiten Turniertag nach einem sommerlich-sonnigen Auftakt am Donnerstag typisches Open-Wetter ein. Dass US-amerikanische Spieler mit Wind, Kühle und Regen nicht zurechtkämen, widerlegte nicht zuletzt Phil Mickelson, der Henrik Stenson am Finaltag ein wahres Matchplay lieferte. Daher, auch in dieser Kategorie unentschieden, denn das Wetter kam sowohl Sonnen- als auch Regengolfern entgegen, beide Organisatoren meisterten die daraus entstehenden Herausforderungen beim Parken und auf der Anlage souverän.

 

Preisgeld

Keine Frage, bei Ryder Cup und Solheim Cup geht es um Ruhm und Ehre, bei den Open auch um viel Geld. Die beiden ersten Formate sind damit auch Beleg dafür, dass mit entsprechender Tradition auch Turniere ohne hohes Preisgeld bei den Profis äußerst beliebt sein können – ein Aspekt, der in Zusammenhang mit Golf bei Olympia von manchem Betrachter als Grund für die zahlreichen Absagen, vor allem bei den Herren, herangezogen wird. Bei der Open lag das Preisgeld dieses Jahr bei 6,5 Mio. GBP, alleine der Sieger durfte 1,175 Mio. GBP mit nach Hause nehmen. Infolge des Brexit hat das Pfund zwar in den Wochen vor Olympia einiges an Wert verloren, ein Spendenkonto für notleidende Open-Teilnehmer ist aber auch danach sicherlich kaum erforderlich. Fazit: Golf für Ruhm und Ehre ohne hohes Preisgeld klappt, wenn Tradition und Wahrnehmung stimmen – Golf für Ruhm, Ehre, Ewigkeit und hohe Siegprämien wie bei den Open sind jedoch eine kaum schlagbare Kombination.

 

Eintrittspreise

Die Eintrittspreise für den Solheim Cup waren nach Besuchstagen differenziert. Bei der Open Championship gibt es lediglich eine Differenzierung zwischen Trainingstagen und Turniertagen. Kostete beim Solheim Cup ein Finaltagticket 65 Euro, beträgt der Preis für ein Tagesticket bei der Open 60 GBP, liegt also in etwa auf gleicher Höhe – Gleichstand in diesem Bereich und ein schöner Beleg, dass man Damengolf nicht über den Preis verkaufen muss!

 

Zuschauer und Zuschauerlenkung

Golf-Großereignisse stel­len auch besondere Anforderungen an das Zuschauer-Management. Britische Golffans gelten als die fachkundigsten und diszipliniertesten Zuschauer weltweit: Nur gelungene Schläge werden beklatscht (bei misslungenen Schlägen verhält man sich schlicht ruhig), es gibt keine dauernden Zwischenrufe à la „get in the hole“, wie man sie aus Fernsehübertragungen von US-Turnieren kennt. Und dieses Verhalten scheint überraschend schnell auch auf Zuschauer anderer Länder abzufärben, denn sie haben diese Verhaltensweisen in Royal Troon sehr schnell übernommen. Da der Solheim Cup ein Teamwettbewerb ist und die Open ein Einzelwettbewerb, ist das Verhalten der Zuschauer naturgemäß anders: Bei der Open unterstützt man seinen Lieblingsspieler – oder beobachtet als neutraler Beobachter möglichst viele Spieler. Beim Solheim Cup stand das Team im Vordergrund, daher ging es auch darum, das Team lautstark anzufeuern (allerdings nicht während des Schlags). Auch beim Solheim Cup zeigte sich das Publikum insgesamt diszipliniert – wenn auch der Einblick des Autors als Volunteer den ein oder anderen Zuschauer entlarvte, der offensichtlich mit den Gepflogenheiten auf einem Golfturnier nicht ganz so vertraut war und schon mal Absperrungen missachtete oder das Mobiltelefon im falschen Moment klingeln ließ. Ein interessanter Unterschied ist allerdings das Zuschauerverhalten auf der Runde: Bei einer Open Championship begleitet die Mehrzahl der Zuschauer ihre Lieblingsspieler auf der Runde. So herrschte auf den Grand Stands auch reges Treiben: Erreichte man mit der Spielergruppe eine Zuschauertribüne, nahm man Platz, war die Gruppe fertig, zog man mit ihr weiter. Beim Solheim Cup, aber auch bei vielen anderen in Deutschland ausgetragenen Golfturnieren, teilt sich das Publikum hingegen auf: Einige Zuschauer begleiten auch hier die Spieler auf die Runde, sehr viele Zuschauer bevorzugen jedoch einen oder mehrere feste Standorte für die Runde. Beim Solheim Cup wurde dies durch die Tribüne an Bahn 1 sowie die Krake perfekt umgesetzt. Bei den Open galt es, die gut doppelt so hohe Zuschauerzahl gut über die Runde zu bringen – denn typische Linksplätze in Großbritannien sind klassisch In and Out, so dass die ersten neun Bahnen weg vom Clubhaus führen, die zweiten neun bringen Golfer und Zuschauer wieder zurück Richtung Clubhaus. So gibt es auch für die Zuschauer quasi einen Hin- und Rückweg. An nahezu jeder Bahn gab es rund um das Grün große Tribünen, während an den Abschlägen meist nur wenige Stehplätze verfügbar waren. Dies ist jedoch auch der Topographie der Linksplätze geschuldet. Der Open ist es ausgezeichnet gelungen, neben den Begleitwegen der Zuschauer, die einer Gruppe folgten, zusätzlich reine Laufwege einzurichten. Die Parkmöglichkeiten waren bei beiden Veranstaltungen hervorragend gelöst – ja, auch beim Solheim Cup 2015, bei dem die widrigen Wetterbedingungen der Vortage sehr viel organisatorisches Geschick bzgl. Ausweichmöglichkeiten verlangten. Royal Troon konnte die Nähe zum Flughafen Prestwick nutzen, wo es Parkmöglichkeiten samt Shuttledienst gab. Auch die Anbindung an den Zugverkehr war ausgezeichnet, die Bahnarbeiter setzten auf der Strecke Glasgow-Troon sogar ihre Streikmaßnahmen weitgehend aus. Selbst einige benachbarte Golfplätze von Royal Troon wurden für das Turnier zum Parkplatz umfunktioniert – hat es noch eines Beweises für die Open-Begeisterung der Ortsansässigen gefehlt, sollte dieser hiermit endgültig erbracht sein.

 

Natürlich hat eine Open deutlich mehr Zuschauer: Während der Solheim Cup insgesamt gut 70.000 Zuschauer erreichte, schafft eine Open Championship durchaus das Dreifache! Insgesamt auch hier ein Unentschieden – das Zuschauermanagement ha­ben beide Veranstaltungen ausgezeichnet gelöst, bei der Frage nach Stimmung und Action rund um das Spiel entscheidet nicht zuletzt der persönliche Geschmack. Die Open ist hier britisch-traditionell, der Solheim Cup zeigte sich modern und nicht zuletzt mit dem Oktoberfest-Zelt in bester Partylaune.

 

Volunteers

„Volunteers are the backbone of the Solheim Cup“ – diesen Slogan dürfte wohl jeder Freiwillige in St. Leon-Rot mehr als verinnerlicht haben. Und natürlich kann auch ein Event wie die Open nicht ohne Volunteers durchgeführt werden. Bei beiden Veranstaltungen kamen sie aus zahlreichen Ländern, wobei bei einer Open der Anteil der local volunteers deutlich höher ist. Doch neben den klassischen Volunteers gibt es bei einer Open eine große Anzahl weiterer Helfer, die nicht unbedingt in den offiziellen Statistiken erfasst werden:

 

Da sind zum einen die zahlreichen Einwohner der Region, die mit großem Stolz auf „ihre“ Open blicken. Fast überall, sei es im Supermarkt, im Hotel, auf der Straße oder abends im Pub, wird man gefragt, ob man wegen der Open hier sei. Bejaht man das, sieht man regelrecht, wie sich die Einheimischen freuen. Auch Schulklassen wurden als Freiwillige eingesetzt und säuberten das Turniergelände von allerlei Unrat. Und natürlich gab es sowohl beim Solheim Cup als auch bei den Open ganz unterschiedliche Typen von Freiwilligen: Da waren die Golfzuschauer, die lieber selbst den Spielern zuschauten und oft gar nicht bemerkten, wie sich die anderen Zuschauer hinter ihrem Rücken verhielten. Oder die Übereifrigen, die oft Probleme lösten, die Gäste oder Spieler noch gar nicht als Problem für sich erkannt hatten. Aber insbesondere gab es die überwältigende Mehrheit der sehr sympathischen und kompetenten Helfer, die beiden Turnieren zu großem Erfolg verhalfen. Zwei organisatorische Unterschiede zum Solheim Cup fielen in Troon jedoch auf: Es wurden überwiegend fest positionierte Marshals eingesetzt, die Wege für die Spieler wurden eher durch Roping als durch Marshals freigehalten – was seine Ursache jedoch sicherlich auch in der klassischen Wegeführung eines Links Courses im Verhältnis zu einem modernen Platz wie in St. Leon-Rot hat. Zum zweiten waren bei der Open deutlich mehr Security Mitarbeiter und auch Polizei im Einsatz. Wer eine Tasche oder einen Rucksack mitbrachte, musste sich beim Betreten des Geländes einem Security Check im Stile von Flughafenkontrollen unterziehen. Insgesamt in diesem Segment für beide Turniere ein großes Lob und ein „Daumen hoch“.

 

Merchandising und Partner

Merchandising wie hier beim Solheim Cup in St. Leon-Rot ist heute Bestandteil jeder Großveranstaltung, insofern ein ­klares Unentschieden.

Golf-Megaevents sind nicht zuletzt auch ein enormer Wirtschaftsfaktor. Eine Studie der R&A anläßlich der Open Championship 2015 in St. Andrews kam zu dem Ergebnis, dass das Turnier der schottischen Wirtschaft eine Wertschöpfung von rund 140 Millionen Pfund bringe. Und noch dazu sagten vergangenes Jahr über zwei Drittel aller Besucher beziehungsweise rund 80 Prozent aller britischen Besucher des Turniers, dass sie aufgrund der positiven Erfahrungen während des Turniers binnen eines Jahres nochmals nach Schottland reisen möchten. Für den Solheim Cup sind solche Daten bisher leider nicht bekannt geworden. Doch auch bei Partner­ship und Merchandising zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen beiden Turnieren: Während der Solheim Cup zahlreiche Aussteller aus allen Bereichen rund um den Golfsport integrierte, setzt eine Open Championship hier bewusst auf Exklusivität. Einzig den Partnern, hier Patrons genannt, ist es gestattet, sich auf dem Turniergelände zu präsentieren. 2016 waren dies die Unternehmen Doosan, HSBC, Mastercard, Mercedes-Benz, Nikon, NTTdata, Polo Ralph Lauren und Rolex. Und auch Golfanlagen aus dem Umfeld sucht man bei einer Open vergeblich: Hier liegt der Fokus auf dem Austragungsland (Schottland als Home of Golf war natürlich vertreten), ansonsten präsentierten sich nur die Golfanlagen Royal Troon und Royal Birkdale den Besuchern. Eine sehr gute Idee war die neue Autogramm-Zone bei den Open, bei denen vor allem junge Zuschauer und Golfer ihre Idole abseits des Golfplatzes treffen und ihre Autogrammwünsche äußern konnten. Und auch beim Merchandising ist eine Open zentralisierter: Während beim Solheim Cup das Merchandising direkt nach dem Haupteingang begann und auch auf dem Turniergelände weitere Merchandising-Verkäufe erfolgten, war dies bei der Open nahezu komplett (von einem kleinen Accessories-Stand nahe des Haupteingangs ausgenommen) auf ein großes Verkaufszelt in der Mitte der Anlage konzentriert. Ob man nun als Zuschauer eher die Vielfalt oder die Reduktion bevorzugt, ist Geschmackssache. Der Ansatz der Open ist insgesamt deutlich kommerzieller, das schafft andererseits aber auch die Voraussetzungen für höhere Einnahmen der Patrons, da diese ihrerseits Exklusivrechte für das Turnier nutzen können.

Für perfekte Bilder werden bei der Open an markanten (Topf-)Bunkern Kameras integriert – im Bild hinten zu erkennen.

 

Medien

Was wäre ein Turnier ohne Medienberichterstattung? In diesem Bereich zeigt sich der Unterschied besonders deutlich: Eine Open ist ein internationales TV-Event, entsprechend sind Umfang der Berichterstattung, aber auch die Medienpräsenz auf der Runde. Wie beim Solheim Cup an Loch 15 setzte auch die Open am Postage Stamp eine Sky Camera auf Seilen ein. Doch eine Open geht noch weiter: An markanten Bunkern – meist Topfbunkern – wird bei jeder Open eine Kamera in den Bunker integriert, um gerade diese Schläge optimal übertragen zu können. Und natürlich wird in Großbritannien das gesamte Turnier von früh bis spät im Pay-TV übertragen, abends gab es dann noch mehrstündige Zusammenfassungen im Free-TV. Wer sich einmal das Medienzentrum für die Livekommentatoren angesehen hat, dürfte überwältigt gewesen sein: Direkt neben dem 18. Fairway gelegen war das schon eher ein Medien-Hochhaus. Wer sich noch an die kleine Hütte des SWR beim Solheim Cup (sie stand nahe der Krake) erinnert, wird den Unterschied in der medialen Wertschätzung der Events im lokalen Fernsehen schnell erkennen. Ein deutlicher Vorsprung also für die Open – diese Medien­präsenz ist kaum zu toppen, nicht nur quantitativ, auch in Sachen Technik und Moderation werden hier Maßstäbe gesetzt.

Im direkten Vergleich: Das SWR-Studio beim Solheim Cup ...
... und das TV-Studio an der 18 bei der Open.
Ganz lassen sich die beiden Großevents natürlich nicht vergleichen. Trotzdem braucht sich Golf-Deutschland bei der Ausrichtung von internationalen Turnieren nicht verstecken. ­Punktsieg, nicht zuletzt dank der langen Tradition und des Gänsehautfeelings für die Open Championship.

Fazit

Der Vergleich zwischen dem Solheim Cup 2015 und der Open 2016 zeigt nochmals auf, welch großartige Leistung Eicko Schulz-Hansen und sein Team im vergangenen Jahr an den Tag gelegt haben. Keine Frage, das Event braucht sich in Sachen Professionalität und Performance nicht hinter einer Open Championship zu verstecken. Natürlich blickt eine Open auf eine über hundertjährige Tradition zurück, alleine das gibt dem Turnier in der Golfszene natürlich ein anderes Gewicht. Dennoch, Golf-Deutschland kann Großveranstaltungen, das hat der vorliegende Vergleich deutlich gezeigt. Der Solheim Cup stand bei der deutschen Bewerbung um den Ryder Cup sicherlich auf der Haben-Seite der Bewerbung. Da ist es irgendwie schade, dass die deutsche Golfszene nicht häufiger die Gelegenheit bekommt, große, international anerkannte Golfevents mit der internationalen Maßstäben entsprechenden Organisationsqualität auszutragen.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 4/2016

 

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