R&A präsentiert Studienergebnisse zu Golf und Gesundheit

Golf unter Gesundheits- und Geselligkeitsaspekten etablieren

Nicht erst zu Zeiten von Covid-19 wird Golf verstärkt unter Gesundheitsaspekten gesehen. Auch der Deutsche Golf Verband (DGV) hat sich diesem Thema seit längerem verschrieben. Um das Thema auch von der wissenschaftlichen Seite zu begleiten und unterstützen, hat die R&A jüngst eine eigene Publikation unter dem Titel „Golf and Health 2016-2020“ (➜ Download PDF) vorgestellt. Diese Studie hat, basierend auf dem von der R&A sowie weiteren Golfverbänden unterstützten „Golf & Health Project“, zahlreiche Studien und Befragungen über die vergangenen Jahre ausgewertet und unter wissenschaftlicher Leitung zusammengefasst. Geleitet wurde das von der R&A mitfinanzierte Projekt von Dr. Andrew Murray, der inzwischen nicht nur Chief Medical Officer der European Tour ist, sondern auch die schottische Regierung als Berater begleitet und an zahlreichen Projekten der WHO mitwirkt. Das Fazit der Analyse fällt für den Golfsport äußerst positiv aus. Die Publikation, für die mehr als 5.000 Studien weltweit insgesamt und davon 300 Studien detailliert ausgewertet wurden, führt zu folgenden Kernergebnissen:

  • Golfer leben im Schnitt fünf Jahre länger als Nicht-Golfer
  • Aufgrund der körperlichen Betätigung hilft Golf bei der Bekämpfung von mehr als 40, teils chronischen Krankheiten, darunter Diabetes, Schlaganfall, diverse Krebsarten, Depressionen und Demenz. Zudem traten bekannte Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und zu hohe Cholesterinwerte bei Golfern seltener auf.
  • Als Sportart mit mittlerer körperlicher Belastung, die besonders den Gleichgewichtssinn und die Ausdauer anspricht, eignet sich Golf besonders zur Gesundheitsförderung bei älteren Menschen. Auch die Ausdauer wird durch Golf optimiert.
  • Golf stärkt die soziale Interaktion und fördert somit nicht nur körperliche, sondern auch geistige Gesundheit.
  • Verständlicherweise ist der Gesundheitseffekt höher, wenn die Runde zu Fuß anstatt mit einem Golfcar absolviert wird.
  • Die mit dem Golfsport verbundenen Gesundheitsrisiken liegen deutlich unter den Vorteilen, zudem können sie durch ein nur siebenminütiges Aufwärmprogramm vor dem Spiel weiter reduziert werden.

 

Golf nachweislich gesundheitsförderlich

Insgesamt ergibt sich damit für Golf ein sehr positives Fazit, denn der Sport dient sowohl der Prävention, als auch der Therapie, zudem werden sowohl die physische, als auch psychische Gesundheit angesprochen. Doch die Studie der R&A fördert weitere Erkenntnisse zu Tage: Auch der Besuch eines Golfturniers als Zuschauer fördert die Gesundheit. Dabei sollte man berücksichtigen, dass insbesondere britische Zuschauer eines Golfturniers meist mit einer Spielgruppe mitlaufen und nicht den ganzen Tag auf dem Sitzplatz einer Tribüne verbringen. Die Analyse basiert auf Untersuchungen anlässlich der Paul Lawrie Matchplay in Archerfield Links 2016, dürfte aber auch heute noch uneingeschränkt gültig sein. Die Studie brachte folgende Erkenntnisse:

 

  • Die empfohlene Anzahl täglicher Schritte für Erwachsene von 10.000 wird von Golfturnier-Besuchern um durchschnittlich 15% alleine während des Events übertroffen.
  • Turnierbesucher legen vor Ort durchschnittlich 8 bis 10 Kilometer zu Fuß zurück und verbrennen dabei mehr als 1.000 Kalorien.
  • Auch die psychische Gesundheit wird durch Kontakt zu Freunden und Familie sowie das Erlebnis im Freien gefördert.

 

 

Das „International Consensus Statement“ von 2018 stützt die bisherigen Ergebnisse. Die Analyse ergab insbesondere, dass

 

  • Golf ein positives Image hinsichtlich der Förderung körperlicher und geistiger Fitness hat und auch das Risiko von Herzerkrankungen mindere.
  • Für einen optimalen Gesundheitseffekt Golfer mindestens 150 Minuten pro Woche spielen und möglichst zu Fuß gehen sollen.
  • Das Verletzungsrisiko im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten deutlich geringer ist. Lediglich bei der Hautkrebsgefahr schneidet Golf schlechter ab als Indoor-Sportarten.
  • Noch immer die Kosten für den Sport als Eintrittshürde angesehen werden. Zudem gilt Golf als schwierig zu erlernen und (vor allem in Großbritannien und Irland) eher als Männersport.

 

Golf nicht nur theoretisch gesund

Dass es sich hierbei keineswegs nur um theoretische Vorteile handelt, belegen im übrigen Studien der Universität von Southampton und der University of Southern California (USC). Beide haben sich insbesondere mit den Auswirkungen auf Golfer über 60 Jahre befasst und den Sport insbesondere als für ältere Menschen sehr geeignet bestätigt. So konnten Neugolfer dieser Altersgruppe binnen kurzer Zeit ihr Muskelsystem stärken und erzielten in vielen Bereichen deutlich bessere Werte als Nicht-Golfer der gleichen Altersgruppe. Speziell zu den Bereichen „Demenz und Gedächtnisverlust“, „Covid-19“ und „Mentale Gesundheit und Wohlbefinden“ präsentiert das Dokument der R&A weitere, vertiefende Erkenntnisse. Spannend sind daneben die Erkenntnisse, dass Golf auch nach dem Einsatz künstlicher Gelenke weiter ausgeübt werden kann. Auf Basis einer Erhebung unter 3.500 Golfern, die sich einer solchen Operation unterzogen haben, wurde deutlich, dass 63% der Befragten bereits binnen drei Monaten wieder mit ihren Eisen spielen konnten, über drei Viertel der Befragten nahmen bereits binnen sechs Monaten wieder an Turnieren teil. Zu Beginn der Wiederaufnahme griffen 22% der Befragten auf Golfcars zurück, lediglich 11% haben nach der Operation dauerhaft auf das Laufen verzichtet.

 

In zahlreichen Fallbeispielen beleuchtet die R&A in ihrer Broschüre auch die Eignung von Golf als inklusive Sportart für Menschen mit körperlichen Einschränkungen – auch hier ist Golf ein mehr als geeigneter Sport. Auch die Rolle der nationalen Verbände bei der Förderung des Golfsports wird unterstrichen, als positives Beispiel wird dabei das Engagement des DGV mit den diversen Maßnahmen von der eigens entwickelten Toolbox zu Golf & Gesundheit bis hin zur PR-Arbeit lobend erwähnt.

 

Abschließend empfiehlt die R&A, das Thema Golf & Gesundheit gerade im Amateursport noch mehr in den Mittelpunkt zu rücken, da die positiven Effekte für die Gesundheit eindeutig sind. Dennoch sieht sie die wissenschaftliche Forschung zu dem Thema keineswegs als abgeschlossen an. Aktuell laufen unter anderem Studien zu folgenden Themen:

 

  • Golf und Parkinson
  • Golf auf Rezept: Hierzu gibt es aktuell einen Modellversuch in Großbritannien
  • Golf und Wohlbefinden – eine Studie in Australien
  • Golf und Diabetes
  • Golf und Autismus
  • Weitere Forschungen zu Golfern mit künstlichen Gelenken

 

Fazit

Auch wenn das Image von Golf als Sport für vorwiegend ältere Menschen durch die Ergebnisse eher gestärkt denn abgeschwächt wird: Golf ist eine der wenigen Sportarten, die man von früher Kindheit bis ins hohe Alter hin betreiben kann – und die man auch im fortgeschrittenen Alter noch erlernen kann. Gerade die Kombination aus körperlicher und geistiger Gesundheit ist für Golf nahezu ein Alleinstellungsmerkmal, auch die Bewegung in der freien Natur auf gepflegten Golfanlagen trägt zu dieser Wirkung bei. Interessant sind die Erkenntnisse zu Besuchern von Golfturnieren – denn anders als bei TV-Übertragungen können Besucher durchaus mit attraktivem Rahmenprogramm für den Sport interessiert werden und ihn dann während des Events einmal selbst ausprobieren. Und dass selbst beim Zuschauen ein positiver gesundheitlicher Effekt eintritt, grenzt Golf einmal mehr von anderen Sportarten ab, die deutlich mehr Publikumsinteresse finden – König Fußball lässt grüßen. Damit die Erkenntnisse aus den Studien zu noch mehr Golfern führen, ist weiterhin eine konsequente Thematisierung des Gesundheitseffekts beim Golfen erforderlich. Dabei sollte man nicht davor zurückschrecken, gerade Menschen über 50 anzusprechen – sie sind nicht nur bereits heute die dominierende Altersgruppe im Golf, sondern werden aufgrund der demografischen Entwicklung weiter an Bedeutung gewinnen. Zudem sind bei dieser Zielgruppe oftmals das soziale und finanzielle Umfeld so gestaltet, dass man sich eher dem vor allem sehr zeitintensiven Golfsport widmen kann. Entscheidend ist, dass entsprechende Initiativen auf lokaler Ebene durch die Clubs gestaltet werden. Neben den Golf-Erlebnistagen sollten daher Golf-Gesundheitstage zur festen, regelmäßigen Einrichtung auf Golfanlagen werden. Auch eine Zusammenarbeit mit beispielsweise Krankenkassen, Krankenhäusern (im Bereich künstliche Gelenke), Physiotherapeuten oder Fitness-Studios kann Früchte tragen. Und gerade in den aktuellen, durch Covid-19 geprägten Zeiten profitiert Golf davon, dass es als Individualsport eingestuft ist und im Freien ausgeübt wird – während Anfang November Fitness-Studios im Rahmen des zweiten Lockdowns erneut schließen mussten, konnte Golf weiterhin gespielt werden. Daher ist es auch wichtig, gerade in diesen anspruchsvollen Zeiten antizyklisch zu denken – und warum nicht spontan für die Mitglieder eines Fitness-Centers oder eines auf Mannschafts-Sportarten spezialisierten Vereins vor Ort spezielle Schnupperkurse für Golfeinsteiger anbieten? Die Mehrzahl der Golf-Neueinsteiger wählt den Sport eher aus Gesundheits- und Geselligkeitsaspekten denn aus primär sportlichen Aspekten – diese Chance sollten die Golfanlagen gerade in der aktuellen Zeit nutzen.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 6/2021

 

<< zurück