Golf nach Hüft-/Kniegelenkersatz

Golf und Gesundheit

Golfsportler verletzen sich während ihres Golfspiels durchschnittlich ein- bis zweimal pro Jahr. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie Golf-Professional, engagierter Hobbygolfer oder begeisterter Golfeinsteiger sind. In vielen Fällen haben sie es hier mit Beschwerden durch eine Über- beziehungsweise Fehlbelastung zu tun, häufig ausgelöst – vor allem beim Hobbygolfer – durch technische Probleme im Golfschwung oder durch nicht optimale körperliche Voraussetzungen für ein effektives Golfspiel ohne Schmerzen.

Golfsport trotz künstlichem Hüft- und Kniegelenk

Die Studie „Activity recommendations after total hip and knee arthroplasty: a survey of the American Association for hip and knee surgeons“ von EA. Swanson, TP. Schmalzried und FJ. Dorey des Deparment of Orthopaedics, Harbor UCLA, in Torrance, Kalifornien, USA, zum Thema „Empfohlene Sportarten nach dem Einsatz eines künstlichen Hüft-/Kniegelenks“ ergab, dass Golfen zu den Sportarten gehört, die nach dem Einsatz eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks ohne Einschränkungen empfohlen werden kann. Befragt wurden 139 Mitglieder der „American Association for Hip and Knee Surgeons“. Demnach halten 95 Prozent der Umfrageteilnehmer den Golfsport nach einem Hüft- oder Kniegelenksersatz für eine der Sportarten, die man ohne jede Einschränkung ausüben kann.

 

Da beim Golfspiel die größten Kräfte im Durchschwung auftreten, kann, vor allem bei einem rechtshändig spielenden Golfer, eine Erkrankung im Bereich der linken Hüfte zu Schmerzen beim Golfen führen. Eine häufige Ursache für Hüftschmerzen beim Golfen ist die Hüftarthrose. Der Grund für Hüftschmerzen kann jedoch auch in anderen Ursachen liegen und führt somit auch zu unterschiedlichen Therapie- und Golfschwungempfehlungen. Daher ist es zunächst wichtig, die genaue Diagnose für die Hüftschmerzen herauszufinden, um den Golfer dann bestmöglich beraten und betreuen zu können. Auch nach dem operativen Ersatz eines Hüftgelenks ist Golfen in aller Regel wieder möglich. Auch hier gibt es viele Tipps und Tricks für einen frühen und gelungenen Wiedereinstieg. Das betrifft nicht nur den Golfschwung, sondern auch das Verhalten auf dem Golfplatz. So kann man das Golfen schon fast als Reha-Maßnahme nutzen.

 

Bei einer Hüftarthrose sind häufig die ersten Bewegungen nach körperlicher Ruhe schmerzhaft. Hier handelt es sich um einen sogenannten „Anlaufschmerz“. Schmerzen bei der Streckung und Innendrehung der Hüfte sind häufig die ersten Anzeichen für eine Arthrose. Sollte die Diagnose „Hüftarthrose links“ lauten, ist es daher wichtig, mit Hilfe einer Golfschwunganalyse per Video die Bewegung der linken Hüfte aufzuzeigen. Dann liegt das Ziel darin, durch individuelle Tipps die Innendrehung und gegebenenfalls eine vorhandene Streckung der linken Hüfte im Golfschwung zu minimieren. Häufig führen schon kleine Anpassungen, wie z.B. eine veränderte Fußstellung in der Ansprechposition oder eine kleine Korrektur im Finish zu einer Reduzierung der Belastung und somit zu einer Schmerzreduktion im Bereich der linken Hüfte. Bei Arthrose ist eine regelmäßige, moderate Bewegung wichtig. Daher ist hier Golf spielen vor allem mit der „richtigen Technik“ bestens geeignet.

 

Ein Beispiel: Alice F., 67 Jahre, eine begeisterte Golfspielerin mit Handicap 27, hat vor vier Jahren links eine künstliche Hüfte bekommen, die ihr beim Sport keinerlei Probleme bereitet. Vor zehn Monaten folgte nun auch an der rechten Hüfte der operative Gelenkersatz. Der Golfsport ist Alice F. sehr wichtig. Sie verbringt viel Zeit auf dem Golfplatz, sowohl im Golf­urlaub, als auch beim Golfspiel mit ihrem Mann und den Enkelkindern. Seit einiger Zeit verspürt sie jedoch während der Golfrunde, vor allem nach einem ausgiebigen Golfspiel, Schmerzen im Bereich des rechten Hüftgelenks. Darum konsultierte sie Doktor Golf.

 

Die Untersuchung von Alice F. bei der Golfsprechstunde im Hotel Sonnenalp ergab u.a. eine gute Beweglichkeit im Bereich beider Hüftgelenke. Jedoch im rechten Hüftgelenk „endgradige“ Schmerzen bei der Streckung und Beugung sowie Druckschmerz im Bereich der Sehnenansätze der großen Beuge- und Haltemuskulatur.

 

Die Golfschwunganalyse von Alice F. zeigte, dass sie im Durchschwung das Becken ausschließlich seitlich bewegte, anstatt es mitzudrehen. Somit endet sie in einem Finish mit beiden Füßen am Boden bei einer leichten Gewichtsverlagerung auf das linke Bein. Alice F. meinte, sie wolle das rechte Hüftgelenk schonen und versuche daher jegliche Bewegung, vor allem Drehung, zu vermeiden.

 

Das führte zu einer – vor allem unter den Kräften während des Schwungs – ausgeprägten Drehbewegung in der rechten Hüfte. Sobald das Becken gedreht und der rechte Fuß abgewinkelt und entlastet auf die Zehenspitze mitgedreht wird, findet in Bezug auf die rechte Hüfte kaum Bewegung/Drehung statt. Und durch die Gewichtsverlagerung auf das linke Bein somit dann auch keine Belastung in der rechten Hüfte. (Einschub: Dreht das Becken wirklich nicht mit zum Ziel, entsteht eine starke Verwringung in der Wirbelsäule, daher empfiehlt es sich auch bei Golfern mit Beschwerden im unteren Rücken die Hüften zu untersuchen.) Da ein leichtes Auswärtsdrehen der rechten und linken Fußspitze ebenfalls die Drehung in den Hüftgelenken verringert, wurde Alice F. auch hierzu geraten. Wichtig ist für die Ausführung des gesamten Schwungs, dass die Fußspitzen erst nach dem Zielen/Ausrichten nach außen gedreht werden.

 

Alice F. konnte die Tipps bereits in der ersten Einheit gut umsetzen. Darüber hinaus erhielt Alice F. einen konkreten Trainingsplan mit speziellen Aufwärmübungen mit Schwerpunkt Hüften und unterer Rücken. Außerdem bekam Alice F. Empfehlungen über das Verhalten auf dem Golfplatz. Dazu gehören beispielsweise das Herausnehmen des Balls aus dem Loch oder das „Aufteen“ des Golfballs ohne Extrembewegungen in der rechten Hüfte. Alice F. wurde angehalten, Golfschuhe mit guten/intakten Spikes zu tragen und bekam Tipps zur Sturzprophylaxe auf dem Golfplatz. Auch die Wahl eines Schiebe- im Gegensatz zu einem Ziehtrolley wurde erörtert und das Nutzen einer Ballsammelröhre für das Üben des kurzen Spiels empfohlen. Ergänzend erhielt Alice F. die Empfehlung zur Physiotherapie, um die bereits vorhandenen muskulären Verspannungen gezielt und schneller zu lösen.

 

Autorin: Astrid Schanbacher | golfmanager 04/2018

 

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