DGV-Initiative Golf&Gesundheit

Gesellschaftlicher Megatrend

Laut einer, auf einer Grundgesamtheit von rund 10.000 Teilnehmern basierenden Umfrage, die der Deutsche Golf Verband (DGV) gemeinsam mit der Vereinigung clubfreier Golfspieler im DGV (VcG) durchgeführt hat, gibt es in Deutschland etwa 770.000 organisierte Golferinnen und Golfer, die Mitglied in einem Golfclub sind, rund 100.000 Auslandsmitglieder, die aber in Deutschland wohnen und spielen, und noch einmal knapp eine Million Gelegenheitsgolfer, die regelmäßig zum Schläger greifen.

Für die Mitglieder des DGV bedeutet das vor allem eines: Der Golfmarkt ist mit fast zwei Millionen Teilnehmern deutlich größer als erwartet, die Chancen, dort auch in Zukunft noch Wachstum für die Golfclubs zu generieren, sind entsprechend gut. Es wurde allerdings auch festgestellt, dass sich der Golfsport vor allem im Bereich Golferbindung verbessern muss. Ein Thema soll dabei in nächster Zeit besonders weiterhelfen: Golf&Gesundheit.

 

Golf&Gesundheit passt einfach

Das Thema Gesundheit gewinnt nicht erst seit 2017 eine immer größere Bedeutung und ist einer der gesellschaftlichen Megatrends. Interessant ist, dass der Golfsport gerade in diesem Bereich einige einzigartige Merkmale für sich beanspruchen kann, die ihn im Vergleich zu den meisten anderen Sportarten hervorheben.

 

Der Golfsport ist eine generationenübergreifende Lifelong-Sportart, die sich praktisch ab den ersten selbstständigen Schritten im Leben bis fast ans Lebensende ganz nach den individuellen Möglichkeiten betreiben lässt. Durch das Handicap-System können Spielerinnen und Spieler jeden Alters unmittelbar im Wettbewerb gegeneinander antreten und dabei Spaß haben.

 

Der Golfsport ist eine der wenigen Wettbewerbssportarten, die sich auch in fortgeschrittenem Alter beginnen, erlernen und erfüllend betreiben lassen. Während in den meisten anderen Sportarten wie beispielsweise Fußball, Handball oder Leichtathletik die Aktiven meistens mit 40-50 Jahren aufhören, fangen viele Golfer mit einer Karriere nach der Karriere häufig erst in diesem Alter richtig an.

Golf&Gesundheit als ideale Ergänzung zu Golf&Natur

Um die Möglichkeiten des Mega­trends Gesundheit im Zusammenhang mit dem Golfsport zu beschreiben, ist ein kurzer Umweg zu einem anderen ähnlich wichtigen Themenbereich notwendig, der sich mit der Gesundheit zu einem Großen und Ganzen idealtypisch verbindet.

Der Golfsport findet in aller Regel in der Natur statt. Der australische Verband hat in einer Werbeaktion einmal gesagt: „Golf ist Natur“ und damit einen Markenkern der Sportart Golf definiert. Dementsprechend definiert sich natürlich auch das Verhältnis zur vom Golfsport genutzten Natur. Auf der einen Seite wird natürlich in Teilen eine gezähmte Natur auf Grüns und Fairways benötigt, um überhaupt geordnet spielen zu können, auf der anderen Seite ist davon aber höchstens rund ein Drittel eines Golfplatzes betroffen, der überhaupt intensiv gepflegt werden muss. Der Rest steht als Ausgleichsfläche zur Verfügung und dient mittlerweile vielen Tier- und Pflanzen­arten als Rückzugsgebiet. Wichtig dabei, auch die gepflegten Flächen kommen heute mit minimalem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aus.

Das Bewusstsein der DGV-Mitglieder in Sachen Naturschutz ist gar keine Frage mehr. Jeder weiß ganz genau, wie wichtig eine intakte Natur gerade für den Golfsport ist. Das macht sich übrigens auch in zahlreichen Umweltschutzaktionen bemerkbar, die der DGV unter anderem gemeinsam mit seinem Partner Allianz umsetzt. Zum Beispiel wird gerade ein Pilotprojekt zum Schutz von Wildbienen durchgeführt. Viele Golfclubs haben schon heute ihren eigenen „Golfhonig“. Ein anderes Projekt beschäftigt sich mit dem Erhalt von Streuobstwiesen. Auch hierfür lassen sich viele Verbindungsflächen zwischen den Spielbahnen hervorragend nutzen und der Attraktivität der Plätze hilft das natürlich auch. Denn je besser ein Platz in die Natur integriert ist, umso attraktiver ist er am Ende.

 

Golf als „Multi-Sportart“

Kein Golfplatz gleicht einem anderen. Gerade diese Tatsache ist natürlich besonders unter Gesundheitsaspekten ausgesprochen wertvoll. Jetzt sagen viele natürlich: Wandern, Joggen, Rudern, Skifahren, da gilt das doch auch alles. Stimmt, aber dennoch unterscheidet sich Golf in der Kombination von bestimmten Attributen von den anderen Natursportarten. Beim Golfen kommt zum Wandern eben noch die koordinative Leistung, die beide Hirnhälften fordert und dadurch zum Beispiel Demenz und Schlaganfall vorbeugt. Im Gegensatz zum Skifahren ist das Verletzungsrisiko extrem gering. Und eines ist ganz besonders wichtig und kommt beim Golf entsprechend zum Tragen: die soziale Komponente. Man ist bis zu sechs Stunden in einer Gruppe unterwegs, unterhält sich, lernt Menschen kennen und häufig auch schätzen. Nicht umsonst heißt es ja, auf einer Runde Golf erfährt man oft mehr über Menschen als sonst manchmal im ganzen Leben.

 

Laut einer Imagestudie des DGV glauben insbesondere viele Nicht-Golfer immer noch, dass auf Golfplätzen Geschäfte gemacht werden. Klar ist das noch so, wo sonst kann man besser Kontakt aufnehmen als auf einer gepflegten Golfrunde. Aber dabei stehen nicht berufliche Kontakte im Mittelpunkt. Möglicherweise auch das, aber in erster Linie geht es doch darum, Menschen zu treffen und sozial aktiv zu sein.

 

Auch das ist ein, und zwar ganz wesentlicher, Gesundheitsfaktor des Golfsports.

 

Wirksam, im Sinne von Kunden-/Golferbindung bzw. -gewinnung, sind diese vielen einzigartigen Aspekte des Golfsports übrigens nur dann, wenn sie vor Ort auch wirklich genutzt werden. Je aktiver ein Golfclub die beschriebenen Möglichkeiten umsetzt, umso größer wird der Erfolg sein.

 

Stand der DGV-Initiative Golf&Gesundheit

 

 

Aktuell bereitet der DGV eine große Golf&Gesundheits-Initiative vor, die zur Saison 2018 die DGV-Mitglieder bei Ihrer Positionierung im Bereich Golf und Gesundheit unterstützen und sowohl der Mitgliederbindung als auch der Mitgliedergewinnung dienen soll. Für die Wirksamkeit der Offensive sind drei grundlegende Schritte erforderlich, die mit entsprechenden Ressourcen dargestellt werden müssen:

 

Schritt 1: Die Wissensbasis

Marktsondierung zu Projektbeginn: Welche Clubs sind schon aktiv, was tun sie, womit sind sie erfolgreich, was lässt sich auf andere übertragen?

 

Was für wissenschaftliche Grundlagen bestehen, welche passenden Untersuchungen wurden bereits durchgeführt? Gibt es allgemeine oder auch spezielle Forschungsergebnisse, die auch auf den Golfsport adaptiert werden können?

 

Dieser Prozess wurde bereits begonnen, zum Beispiel über die Kooperation mit dem R&A und dem British Journal of Sports Medicine. Dabei wurden schon weit über einhundert relevante Studien und Forschungsprojekte zum Thema gesammelt, die aktuell ausgewertet werden.

 

Schritt 2: Die Toolbox

Die Toolbox soll den Golfclubs ermöglichen, sich im Bereich Gesundheit gemäß den eigenen Bedürfnissen zu positionieren und ihren Kunden entsprechende Schwerpunkte anzubieten. Dabei sollen die Angebote, je nach Bedarf skaliert, zu passenden Anwendungspaketen zusammengefügt werden können.

 

Zentraler Bestandteil der Toolbox sind vom DGV und seinen Partnern erstellte, für den teilnehmenden Club individualisierte Infomaterialien, wie Plakate, Flyer, Broschüren und weitere Werbemittel, die von den Golf­anbietern in ihrer Region genutzt werden können.

 

Über die optimale Art der Anwendung informiert der DGV teilnehmende Clubs mit Hilfe von Anwendungsbeispielen (Best Practice), To-Do-Listen, Seminaren, Webinaren, Beratern etc. Im Rahmen des Projektes ist auch ein Gesundheitszertifizierungsverfahren vorstellbar, das es den Clubs ermöglicht, sich nach außen, standardisiert als Golf&Gesundheits-Club darzustellen und zu positionieren.

 

Folgende ausgewählte Aktivierungs-/Positionierungsmöglichkeiten könnte der Bereich Golf&Gesundheit (G&G) abhängig von den zur Verfügung stehenden Ressourcen bieten:

  • G&G-Tag mit zugehörigem Turnier
  • G&G-Angebote der Gastronomie
  • Regionale G&G-Marketingmaßnahmen (Plakat-/Flyeraktionen, Radio/Kinowerbung, Messestände, Open Golfaktionen etc.)
  • Gesundheitskooperationen mit Sportclubs der Region, regionalen Medien und Krankenkassen
  • Führung einer Gesundheitsbilanz für teilnehmende Golfspieler ­(„Gesundheits-Scorecard“)
  • Clubinterne G&G-Wettbewerbe für die höchste/konstanteste/schnellste Anzahl Golfrunden etc.
  • Teilnahme am bundesweiten Golffitness-/-gesundheitswettbewerb (welcher Club schafft die meisten Jahreskilometer/Gesamtgolfrunden, Kooperation mit Fitnesstrackerherstellern ­bzw. Krankenkassen)
  • Angebot von Gesundheits­be­ratungen durch Partner (Physiotherapeuten, Masseure, Ärzte, Wellnessberater etc.)
  • G&G-Seminarangebote für die Mitglieder in Kooperation mit Partnern (Stressabbau durch Golf, ­Demenzprävention mit Golf, Schlaganfallrehabilitation mit Golf etc.)
  • Regelmäßige Gesundheits­in­formationen (Newsletter) für die Clubmitglieder
  • Definierte Wellnessangebote im Club

 

Schritt 3: Marketingoffensive

Natürlich gehört zu einem Projekt Golf&Gesundheit auch eine Marketingkampagne. Die Öffentlichkeit muss wissen, was der Golfsport in diesem Themenbereich zu bieten hat. Auch intern, also innerhalb der Golf-szene wollen und müssen der  Zusatznutzen der Gesundheitsangebote bekannt gemacht werden.

 

Geplant ist vor allem, die relevanten Themen mit Hilfe von PR-Arbeit also über die geschickte Verbreitung von Inhalten, die wir aus unserer Wissensdatenbank beziehen, über alle Medienkanäle zu platzieren.

 

Zeitplan

Geplant ist, das Jahr 2017 zur Vorbereitung zu nutzen, unter anderem, um eine große Wissensbasis mit Datenbank und vielen Best-Practice-Beispielen anzulegen, eine Toolbox zu erstellen und die Clubs über das Projekt zu informieren.

 

Ab 2018 soll dann die Umsetzung starten. Im Laufe des Jahres 2018 werden dann über Marketingmaßnahmen die relevanten Zielgruppen über Golf&Gesundheit informiert. In der Folge soll der Bereich dann, vergleichbar mit ­Golf&Natur, ein fester Bestandteil des Angebots- und Maßnahmenportfolios des DGV bleiben.

 

Autor: Jörg Schlockermann, DGV-Vorstand, Kommunikation & Golfentwicklung | golfmanager 03/2017

 

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