Engagement auf Golfanlagen beschert positive Bilanz

Ergebnisse der DGV-Corona-Umfrage

Im Rahmen des Online-Hearings am 28.11.2020 präsentierte der Deutsche Golf Verband (DGV) Ergebnisse seiner Umfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie im Golfbereich. Grundlage war eine Erhebung vom 09. bis 28. Oktober mit 297 Teilnehmern, was mehr als einem Drittel der DGV-Mitglieder sowie über 40% der Golfanlagen entspricht. Anlagen mit 18 Spielbahnen nahmen im Verhältnis zu ihrem Anteil an den Golfanlagen im DGV daran leicht überproportional teil.

Positive Bilanz bei Mitgliederzahlen und Greenfee-Runden

Insgesamt bewerten 39,4% aller teilnehmenden Anlagen ihre wirtschaftliche Lage als gut – das ist gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 ein Zuwachs um 5,9 Prozentpunkte. Mit schlecht bewerten 6,1% der teilnehmenden Anlagen die Situation, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Rückgang um mehr als 35% – der Rest bewertet die Situation mit befriedigend. In Konsequenz äußern sich fast 80% der Anlagen zufrieden oder sehr zufrieden mit der vergangenen Saison. Der Anteil der Bewertungen mit unzufrieden und sehr unzufrieden sank von 33,9% in 2019 auf nunmehr 20,2%. Ein Hauptgrund für diese Bewertung dürfte in der Entwicklung der Mitgliederzahlen liegen. Immerhin 57,9% der teilnehmenden Golfanlagen berichten von einem Mitgliederwachstum. 2019 war dieser Wert auf 27,5% gesunken. Gleichbleibend war die Mitgliederentwicklung 2020 in 29,3% der Anlagen gegenüber 40,3% im Vorjahr. Besonders erfreulich ist, dass der Anteil der Golfanlagen mit rückläufigen Mitgliederzahlen von 32,3% in 2019 auf nunmehr 12,8% sank. 

Man darf hier durchaus vermuten, dass auch die Beschränkung des Spiels auf Mitglieder bei vielen Anlagen nach den Covid-Lockdowns den Trend zur lokalen Clubmitgliedschaft gefördert hat, zumal der erste Lockdown bekanntermaßen zum Saisonstart im Frühjahr endete. Dennoch entwickelte sich auch das Greenfee-Spiel sehr positiv: 10,6% der teilnehmenden Anlagen meldeten eine deutliche Steigerung, 31,2% immerhin eine Steigerung. Bei rund einem Drittel der Anlagen war die Entwicklung der Greenfee-Erlöse rückläufig – Aussagen, ob dies durch mehr Mitglieder (Umwandlung von Gastspielern in Mitglieder) kompensiert werden konnte, liegen nicht vor.

 

Einsteigerkurse Top, ­Turnier-Einnahmen Flop

Dass Golf insgesamt – wenn es so etwas in einer Pandemie überhaupt geben kann – zu den Gewinnern unter den Sportarten gehört, zeigt sich bei den PE- und Schnupperkursen. Hier konnte durchweg bei mehr als der Hälfte der Golfanlagen ein Anstieg der Einnahmen berichtet werden – ein Indiz dafür, dass auch Schnupperkurse nicht zwangsläufig kostenfrei angeboten werden müssen. Anders die Situation bei Einnahmen, die mit Turnieren zusammenhängen: Kein Club meldete deutlich gestiegene Einnahmen in diesem Bereich, lediglich 1,9% kamen wenigstens auf gestiegene Erlöse. Dem gegenüber stehen fast 90% der hier vertretenen Golfanlagen mit reduzierten Sponsoring-Erlösen bei Turnieren. Auch bei den Turnier-Einnahmen zeigt sich ein ähnliches Bild, weit über 80% der Clubs berichten von reduzierten Einnahmen.

 

Kurzarbeit auf Golfanlagen ­unverzichtbare Hilfe

Im operativen Bereich kommt beim Anlagenbetrieb den Personalkosten besondere Bedeutung zu. 52,2% der befragten Anlagen haben ihre Kosten über Kurzarbeit gesenkt, lediglich 1,7% mussten zu Entlassungen als Ultima Ratio greifen. Auffällig ist, dass über 42% der Anlagen Überstunden abgebaut haben – ein Indiz dafür, dass unter normalen Bedingungen die Personaldecke vieler Clubs offensichtlich recht knapp bemessen ist. Bei 12,5% der befragten Anlagen wurde eine Reduktion der Arbeitszeit zur Kostensenkung vereinbart.

 

Dass die Golfanlagen bisher insgesamt vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind, zeigt sich auch bei der Inanspruchnahme staatlicher Fördermaßnahmen. Zwar haben über 50% der teilnehmenden Clubs Kurzarbeitergeld beantragt oder bereits genehmigt bekommen, weniger als 10% der Anlagen griffen auf Kredite einer Förderbank zurück. Höher ist der Anteil bei den staatlichen Maßnahmen zur Liquiditätssicherung, welche von über 40% der teilnehmenden Clubs beantragt und zu drei Viertel auch bereits bewilligt wurde – hier ist davon auszugehen, dass dies vor allem für Golfanlagen in anderen Rechtsformen als dem eingetragenen Verein zutrifft.

Mitgliederversammlungen und Kommunikation im Pandemiejahr 2020

Die Pandemie betraf auch die Durchführung vieler Mitgliederversammlungen. Lediglich 22% der befragten Clubs konnten diese wie gewohnt durchführen. Ersatzlos ausgefallen ist sie bei 15,3%, der Rest hat sie verschoben oder auf anderem Weg durchgeführt. Auffällig: Lediglich 3,8% der Anlagen meldeten eine Online-Durchführung ihrer Mitgliederversammlung. Sehr positiv fiel das Fazit zur Kommunikation des DGV während des Lockdowns aus: 29,7% der Clubs bewerteten diese mit sehr gut, weitere 48,2% mit gut.

Skepsis bei Aussagen zu Mitgliederrunden

Bei den Mitgliederrunden berichten über 60% von einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr – diese Zahl sollte man jedoch mit Vorsicht genießen, denn gerade vor Corona war in vielen deutschen Golfanlagen ein Spiel ohne Startzeiten möglich, so dass sich die Frage stellt, ob es sich hier eher um eine gefühlte Wahrnehmung der Golfanlagen handelt oder konkrete Messungen. Mit Einführung von Startzeiten ist jedoch künftig eine exakte Berechnung der Mitgliederrunden möglich geworden – wenn diese denn auch in allen Anlagen beibehalten werden. 

Das scheint jedoch nicht überall der Fall zu sein: Immerhin 53,9% der teilnehmenden Anlagen haben mit Corona überhaupt erst eine elektronische Startzeitenbuchung eingeführt, und 19,9% der Anlagen wollen diese nach der Pandemie wieder abschaffen. Positiv ist jedoch, dass mehr als drei Viertel der befragten Clubs auch nach Corona eine Startzeitenregelung beibehalten wollen.

Kritisches Thema ­Beitrags-Rückforderungen

Sehr unterschiedlich fällt das Ergebnis zu Beitrags-Rückforderungen in Verbindung mit der Rechtsform der DGV-Mitglieder aus: 70,9% der als e.V. geführten Anlagen berichteten in der Umfrage, dass es keine Beitragsrückforderungen gegeben habe. Anders bei den weiteren Rechtsformen, hier belief sich dieser Anteil auf 54,5%. Nicht weit auseinander liegen jedoch die bereits erfolgten Rückzahlungen: Bei den e.V.s lag dieser Wert bei 3,9% der teilnehmenden Anlagen, bei den anderen Rechtsformen bei 4,5%. 

Dennoch: Offensichtlich greift bei Vereinen der Solidaritätsgedanke in Krisenzeiten stärker als bei anderen Rechtsformen, in denen Golfer die Beziehung stärker als Kunde-Dienstleister-Verhältnis betrachten.

 

Betrachtung der Entwicklung bei den Mitgliedschaftsformen

Auch wenn die Mitgliederzahlen sich insgesamt positiv entwickelten: Die Vollmitgliedschaft konnte vom Wachstum nicht so stark profitieren wie andere Mitgliedschaftsformen. Über 50% der Clubs meldeten eine Nachfrage nach Jahresmitgliedschaften, die Vollmitgliedschaft kam hier mit 44,1% nur auf den zweiten Platz. Deutlich zugenommen hat die Nachfrage nach Spielrechten für bestimmte Wochentage, auch Greenfee-Mitgliedschaften waren leicht stärker gefragt. Bei den Fernmitgliedschaften ergab sich hingegen ein Rückgang gegenüber 2019. Dies zeigt, dass Golfanlagen für die Akquisition neuer Mitglieder auch auf flexiblere Mitgliedschaftsmodelle setzen sollten – kaufmännisch im Unterschied zur Vollmitgliedschaft durchaus eine Herausforderung, aber offensichtlich auch ein Instrument zur Senkung des Fernmitglieder-Anteils.

 

Fazit

Die Entwicklung im Krisen-Jahr 2020 sorgt insgesamt für positive Erwartungen an das kommende Jahr. 50,4% der befragten Anlagen gehen für das kommende Jahr von einer steigenden Mitgliederzahl aus, 39,5% erwarten stagnierende Mitgliederzahlen. Nur rund 10% der befragten Anlagen erwarten eine sinkende Nachfrage nach Mitgliedschaften. Am häufigsten wird ein Anstieg bei den Mitgliedern im Altersbereich zwischen 26 und 49 Jahren erwartet – eine Zielgruppe, die sich in der Vergangenheit oft für andere Sportarten (auch Outdoor) entschieden hatte und nun offensichtlich Golf für sich entdeckt. Insgesamt hat der bisherige Verlauf der Pandemie die Menschen auf den Golfanlagen noch enger zusammengeführt. Lediglich 4,4% der Clubs berichteten von weniger Engagement seitens der Mitglieder, bei 13,1% hat sich die Stimmung negativ entwickelt. Dem gegenüber melden 20,9% der Clubs ein wachsendes Engagement und 32,7% eine Stärkung des Zusammenhalts und Wir-Gefühls. Die insgesamt positive Entwicklung in 2020 zeigt sich auch bei den von DGV-Präsident Kobold im Hearing genannten Mitgliederzahlen: Nach 642.677 Mitgliedern in 2019 geht man beim DGV für 2020 von 651.417 Mitgliedern aus, ein Zuwachs von 1,4%. Für die Clubs wird es 2021 daher unter anderem darauf ankommen, diese neu gewonnenen Mitglieder auch an den Club und die Anlage zu binden. Nicht umsonst wies Markus Lawatsch, beim DGV für Marketing zuständig, in seinem Vortrag im Rahmen des Hearings darauf hin, dass der höchste Mitgliederzuwachs der vergangenen Jahre aus 2009 nicht durch überproportionale Neumitglieder, sondern vor allem durch einen deutlich geringeren Verlust bei bestehenden Mitgliedschaften erreicht wurde. Neben der Kundengewinnung sollten die deutschen Golfanlagen sich im kommenden Jahr daher mindestens genauso stark in der Kundenbindung engagieren, so seine Empfehlung. Denn noch ist nicht absehbar, wie die Saison 2021 verlaufen wird. Klar ist, dass Corona auch 2021 Einfluss auf das Leben, die Arbeitswelt, das Freizeitverhalten und auch das Reiseverhalten der Deutschen nehmen wird. Wenn die Golfanlagen in ihren Bemühungen um Mitglieder, positive Kundenerlebnisse und Kundenzufriedenheit weiterhin engagiert ans Werk gehen, kann die deutsche Golfszene auch 2021 wieder zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 6/2020

 

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