Corona-Chronik

Rückblick auf 2020

Kaum ein Thema hat die Welt 2020 mehr bewegt als Corona. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass Krisen auch ein Spiegelbild der Gesellschaft sind: Solidarität, Mut, Egoismus, Verzweiflung, Unverständnis – all dies konnte man nicht zuletzt im Golfsport rund um Covid-19 beobachten. Zeit, zum Jahresende noch einmal die wichtigsten Etappen Revue passieren zu lassen.

 

Phase 1: Erste Vorboten

Ende 2019/Anfang 2020 erreichen erste Nachrichten von einem neuartigen Virus in China die europäische Nachrichtenszene. Politiker und Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass die Krankheit ein eher regionales Phänomen sei und für Deutschland keine große Gefahr bestehe. Golfmessen wie die CMT in Stuttgart, auch die PGA-Show in Orlando/USA finden ohne Einschränkungen statt. Am 27.01. gibt es im Landkreis Starnberg den ersten Coronafall Deutschlands. Nach dem Fußball-Champions-­League-Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia steigen in Italien und Spanien die Fallzahlen spürbar an. In Österreich entwickelt sich Anfang März der Skiort Ischgl zur Superspreader-Location. Die Fallzahlen in ganz Europa steigen an.

 

Phase 2: Der erste Lockdown

Das Virus hat endgültig Europa erreicht. Anfang März schließen die ersten Länder aufgrund des Infek­tionsgeschehens die Grenzen. Ab dem 18. März gilt eine weltweite Reisewarnung, fast 200.000 deutsche Urlauber müssen in einer beispiellosen Rückholaktion nach Hause gebracht werden – das klappt nicht immer, einige Urlauber stranden für Monate im Ausland. Mit der Reisewarnung kommt auch der Golftourismus spontan zum Erliegen. Mitte März einigen sich Bund und Länder auf weitreichende Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, der Lockdown beginnt. Für Generationen, die bisher wohl den autofreien Sonntag 1973 als stärkste Mobilitätseinschränkung erinnern dürften, werden Begriffe wie „Homeoffice“ und „Homeschooling“ zum neuen Alltag. Bundesweit werden Golfanlagen komplett geschlossen, auch Golfunterricht ist nicht mehr möglich. Einzig die Gastronomie darf weiterhin Speisen zum Mitnehmen anbieten. Trotz aller Bemühungen des Deutschen Golf Verbandes (DGV) sieht es so aus, als ob Golfanlagen bis mindestens Mai 2020 geschlossen bleiben sollen – die Saisoneröffnung in den Clubs ist damit Geschichte. Dennoch: Der Golfsport bekennt sich zu seiner sozialen Verantwortung und trägt, trotz der nachgewiesenen positiven Effekte von Golf auf die physische und mentale Gesundheit, die Sporteinschränkungen solidarisch mit. Um die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns abzufedern, stellt der Bund über die Soforthilfe und Überbrückungshilfe I Unterstützung bereit – die jedoch gerade bei Sportvereinen als e.V. nicht ankommt. Erst spät gibt es auch Fördermaßnahmen für den Sport im Verein. Die geplante Hauptversammlung des DGV, aber auch zahlreiche Hauptversammlungen der Golfclubs vor Ort fallen den Beschränkungen zum Opfer.

 

Phase 3: Behutsamer Wiederanlauf

Willkommen im Föderalismus – und plötzlich geht es ganz schnell: Immer deutlicher tritt zu Tage, dass es keine bundesweit einheitlichen Regelungen gibt. Schon in der zweiten April­hälfte dürfen erste Golfanlagen, beispielsweise in Rheinland-Pfalz, den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Grundlage hierfür sind spezielle Hygienemaßnahmen, die flächendeckend konsequent und sehr gut umgesetzt werden. Allerdings führt der Föderalismus auch zu Schilda-­ähnlichen Situationen: Golfanlagen wie in Reit im Winkl oder Bremer Schweiz dürfen nur die Spielbahnen öffnen, die sich auf dem Gebiet des entsprechenden Bundeslandes be­finden – die übrigen Bahnen bleiben geschlossen. Einige kommunale Gesundheitsbehörden widersetzen sich anfangs der Golfplatzöffnung, beispielsweise in Brandenburg. Während die Golfbranche die Situation insgesamt mit großer Solidarität durchleidet, sorgt der Alleingang des GC Bergkamerhof mit der Wiederöffnung ohne behördliche Genehmigung nicht nur bei Verbänden, sondern auch bei Golfern für Unverständnis, das Presseecho ist ebenfalls teils vernichtend. Weiterhin bestehende innerdeutsche Reisebeschränkungen erschweren den Zugang zu Golfanlagen, viele Clubs begrenzen den Spielbetrieb aufgrund reduzierter Kapazitäten auf ihre Mitglieder. Landesweit werden Startzeiten zur Pflicht. Die Golf-Profitouren definieren ihre Terminkalender neu und müssen auf Zuschauer verzichten, die Deutsche Golf-Liga wird abgesagt. Die Golf-Majors und der Ryder Cup werden auf den Herbst oder gar das kommende Jahr verschoben.

 

Phase 4: Die neue Normalität?

Im Frühsommer kehrt das Leben und damit auch der Golfsport zur neuen Normalität zurück. Grenzen werden wieder geöffnet, vor allem erdgebundene Reisen sind wieder möglich. Die Vorschriften im Golfbetrieb werden weiter gelockert, es gibt wieder Bunkerrechen, Fahnenstöcke können bedient werden und auch die Clubgastronomie kann wieder auf der Grundlage moderner Hygienekonzepte betrieben werden. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa berichten Anlagen von einer gestiegenen Nachfrage nach Golf – kaum eine Sportart kann „social distancing“ so gut umsetzen und fördert noch dazu die Gesundheit. Viele Clubs gewinnen neue Mitglieder, die Anzahl der gespielten Runden steigt vielerorts, da zahlreiche Bürger auf den geplanten Sommerurlaub verzichten. Denn Reisen ist weiterhin kompliziert, an die Stelle der weltweiten Reisewarnung ist inzwischen ein System differenzierter Hinweise mit Einstufungen nach Risikogebieten getreten. Masken gehören zum Alltag, die Sommermonate bieten ein wenig Rückkehr zum gewohnten Leben. Die Wirtschaft kämpft noch immer mit den Auswirkungen des Virus, der Bund ruft daher die Überbrückungshilfe II ins Leben.

 

Phase 5: Die zweite Welle

Entgegen aller Hoffnungen: Mit dem Herbst kehrt das Infektionsgeschehen wieder mit Wucht zurück. Sicherlich hat auch die Achtsamkeit vieler Menschen nach der Aufhebung des ersten Lockdowns nachgelassen – es wird teils wieder fröhlich gefeiert, die AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske (Mund-Nasen-Bedeckung)) werden nicht mehr so konsequent umgesetzt. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern Europas kommt Deutschland jedoch erneut glimpflicher davon – doch auch hierzulande liegen die Infektionszahlen bald sogar über den Werten des Frühjahrs. Auch wenn mittlerweile deutlich intensiver getestet wurde als im Frühjahr: Es wird deutlich, dass die Covid-Krise noch längst nicht überwunden ist.

 

Phase 6: Der Lockdown Light

Kontaktbeschränkungen bleiben das wirksamste Mittel gegen die Virusverbreitung. Die Politik erlässt daher einen erneuten Lockdown – er wird „light“ genannt, weil dieses Mal Schulen und Bildungseinrichtungen sowie der Handel geöffnet bleiben. Dafür muss die Gastronomie geschlossen werden. Golfanlagen dürfen mit Einschränkungen weiterhin geöffnet bleiben (nur Hessen schert für einige Tage aus dieser Linie aus), man kehrt quasi zum Spielbetrieb am Ende des ersten Lockdowns zurück. Die Politik appelliert, Kontakte soweit wie möglich einzuschränken. Privatreisen sind weiterhin stark eingeschränkt, viele Zielländer haben ihre Grenzen wieder geschlossen, fordern negative Covid-Tests bei Einreise oder stehen auf der Liste der deutschen Risikogebiete, was eine Quarantäne bei Rückkehr zur Folge hat. Für die Wirtschaft, insbesondere die Gastronomie, werden neue Förderprogramme aufgelegt. 

 

Phase 7: Hoffen auf den Impfstoff

Die wohl positivsten Nachrichten zum Thema Corona gibt es Mitte November: „Biontech – Pfizer“ und „Moderna“ melden eine Wirksamkeit ihrer Impfstoffe im Bereich von 95%. Doch noch fehlt die Zulassung, dennoch arbeiten Politik und Wissenschaft bereits an einem Impfplan. Es wird jedoch wohl bis mindestens Mitte 2021 dauern, bis eine ausreichende Anzahl Impfungen durchgeführt werden kann. Zahlreiche europä­ische Nachbarn, beispielsweise Österreich, führen deutlich restriktivere Lockdowns ein, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Am 19.11. tritt in Deutschland das reformierte Infektionsschutzgesetz in Kraft – ein weiteres Indiz, dass die Corona-Krise wohl nicht mit Silvester beendet sein wird und wohl eher nochmals verschärft werden muss. Und am 16.12. wurde dann ein erneuter harter Lockdown verkündet, der unter anderem den Einzelhandel, aber auch Schulen zur Schließung verpflichtete. Gerade im Winter wird es weiterhin Beschränkungen geben, sowohl im privaten, als auch im wirtschaftlichen Bereich. Längst bereitet die Regierung die Überbrückungshilfe III vor. Viele Golfanlagen spüren die Auswirkungen der neuerlichen Einschränkungen jedoch nicht mehr so stark, da sie sich in die Winterpause verabschieden. Doch spätestens zur Saisoneröffnung 2021 dürften die Auswirkungen von Corona wieder auf der Agenda stehen. Bis dahin bleibt genügend Zeit, sich vorzubereiten – und auch einfach einmal dankbar zu sein, dass Deutschland und der Golfsport im Vergleich letztlich bisher deutlich besser durch die Krise gekommen ist, als viele europäische Nachbarn. Damit dies auch so bleibt, sind Selbstverantwortung und Solidarität wichtige Bausteine – hoffen wir, dass beides – in Kombination mit neuen Impfstoffen – auch im kommenden Jahr dazu beiträgt, die Folgen dieser Pandemie abzumildern.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 6/2020

 

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