Alle Jahre wieder ...

Corona-Pandemie 2021 – Ein Rückblick

Hach, was waren das früher noch für Zeiten: Golfanlagen wechselten Richtung Weihnachten vor allem in Höhenlagen in einen witterungsbedingten Standby-Modus, Pro-Shops verzeichneten viele Spontankäufe oder Gutscheinverkäufe für Golf-affine Menschen, und ungefähr zwei Stunden vor Ladenschluss brachen an Heiligabend auch die letzten Männer auf, um für ihre Partnerinnen noch ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen (und nutzten die Gelegenheit, sich bei Douglas mit den Golfern des örtlichen Men’s Day für die nächste Runde zu verabreden). Die Clubgastronomie öffnete ihre Tore für Weihnachtsfeiern der örtlichen Betriebe, und bei dieser Gelegenheit konnte mancher Noch-Nicht-Golfer gleich für den Sport begeistert werden. An Weihnachten traf man sich dann mit der Familie und/oder Freunden, und an Silvester wurde gefeiert, als ob gleich alle Spieler einer Gruppe soeben ein Hole-in-One erzielt hätten. Doch dann gab es letzten Dezember eine Art Vollbremsung: Eine neue Corona-Welle hatte Deutschland fest im Griff, Impfstoff war angekündigt, aber noch nicht verfügbar, und bundesweit befand man sich in einem erneuten Lockdown. Wie schon beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wurde vielerorts erneut über die Zulässigkeit des Golfspiels (sofern witterungsbedingt überhaupt möglich) diskutiert, die Regelungen einiger örtlicher Behörden erinnerten an Schilda, wenn beispielsweise bei Bundesland-übergreifenden Golfplätzen nur die Bahnen eines Bundeslandes bespielt werden durften oder gar die Zwei-Personen-Regelung so ausgelegt wurde, dass die gesamte Golfanlage stets nur von zwei Golfern zeitgleich genutzt werden durfte. Dennoch, es gab im Winter 2020/21 auch Grund zur Freude, denn die Anzahl der organisierten Golfer wuchs so stark wie lange nicht mehr und viele Golfanlagen – sofern sie nicht stark von Greenfeespielern und Turnieren abhängig waren – standen wirtschaftlich gar besser da als vor Corona.

 

 

Frühjahr und Sommer 2021

Das Frühjahr brachte dann Besserung – allerdings erst nach einem grandios gescheiterten Oster-Lockdown zur Brechung der dritten Welle und einer abgemilderten Lockdown-Form in den Folgewochen. Doch nun war der Impfstoff verfügbar, auch wenn die Impfaktionen vielerorts eher holprig anliefen. Irgendwie kehrte so etwas wie die vielbeschworene neue Normalität ein, man konnte wieder zu viert auf die Golfrunde gehen, Turniere wurden ausgetragen, Bunker wurden wieder gerecht und auch die Gastronomie durfte nicht mehr nur per Take-away, sondern auch vor Ort Golfer und Gäste verwöhnen. Das grenzüberschreitende Reisen wurde wieder einfacher, obwohl man sich für viele Länder selbst im Schengen-Raum vorab registrieren musste. Mancherorts hatte man den Eindruck, Deutschland feiere eine Art „Corona Spring Break“, Menschen trafen sich wieder, Kinder konnten ihre Freunde treffen und das Clubleben in den Golf-anlagen erlebte eine Renaissance. Impftermine waren spätestens im Frühsommer keine Mangelware mehr, allerdings erlebte man auch rund um das Impfen manche Überraschung: Da war die Verwirrung um die Verträglichkeit der Vektorimpfstoffe, allen voran AstraZeneca, und erste Berichte aus Israel deuteten bereits an, dass die Wirksamkeit der Vakzine wohl eher in Monaten denn in Jahren bemessen werden muss.

 

 

Spätsommer und Herbst 2021

Spätestens im Herbst zeigten sich nicht nur für die Gesellschaft insgesamt, sondern auch für die Golfbranche die ersten dunklen Wolken am Himmel. Immer deutlicher wurde, dass Menschen nach rund sechs Monaten eine Auffrischungsimpfung – gerne Booster genannt – benötigen; doch inzwischen waren die Impfzentren weitgehend geschlossen worden und weder Hausärzte noch andere Stellen waren aus verschiedensten Gründen in der Lage, diese Lücke kurzfristig zu schließen. Schlimmer noch: Zwar wurde in Deutschland der weltweit erste wirksame Covid-19-Impfstoff auf mRNA-Basis durch BionTech entwickelt, doch ausgerechnet Deutschland hinkte im weltweiten Vergleich bei den Impfungen hinterher. Selbst wenn man berücksichtigt, dass bis Anfang Dezember für Kinder unter 12 Jahren kein Impfstoff freigegeben wurde: Der Sprung über die 70%-Impfquote wollte nicht gelingen. Zudem wurde die Notwendigkeit der Auffrischungsimpfung immer deutlicher, so dass dennoch die Nachfrage nach Impfungen sprunghaft anstieg. Stundenlanges, oft vergebliches Warten auf eine Impfdosis war die Folge, ein wenig erinnerte das Impfmanagement Ende November doch stark an die Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens BER. Noch dazu war Deutschland im Herbst im Wahlkampf – wenn man das Handeln der konkurrierenden Parteien denn überhaupt so nennen konnte – und jeder vermied tunlichst, Überbringer schlechter Nachrichten sein zu wollen. Besonders deutlich wurde dies Ende November, als in Deutschland die Infektionszahlen drastisch in die Höhe schossen (auf einmal hatte Deutschland in absoluten Zahlen die zweitmeisten Neuinfektionen pro Tag weltweit) und die Frage der Impfung zunehmend zum Lackmustest der Gesellschaft wurde. Krankenhäuser meldeten überfüllte Intensivstationen, bundesweit wurde über Impfpflichten diskutiert und die Bundesländer riefen angesichts der endenden Nationalen Notlage nach neuen, bundeseinheitlichen Regelungen – ohne jedoch ihren eigenen Handlungsspielraum voll auszuschöpfen. Zwar erfreute sich Golf-Deutschland bis zum Herbst an weiter wachsenden Mitgliederzahlen, doch der Tagungsherbst machte deutlich: Corona ist noch nicht vorbei. Die für Anfang November geplante DGV-Jahresversammlung wurde in ein Online-Hearing umgewandelt, der GMVD führte seinen Kongress online durch – einzig der BVGA wagte noch eine Präsenzveranstaltung. Ende November tauchte die neue Omicron-Virusvariante auf und stellte Politik wie Wissenschaftler vor die Herausforderung, die Auswirkungen dieser Mutation zu bewerten.

 

 

Winterbeginn 2021

Wer auf ein entspannteres Weihnachtsfest 2021 gehofft hatte, wurde spätestens im Rahmen der Ministerpräsidenten-Konferenz vom 02. Dezember 2021 eines Besseren belehrt: Die Politik hatte das Regieren wieder-entdeckt und die bereits zuvor eingeleiteten Maßnahmen wie 2G und 3G am Arbeitsplatz nochmals verschärft. Erstaunlich ist, dass dabei weiterhin mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen wird: Während beispielsweise für den Mitarbeiter eines Unternehmens ein (negativer) Antigen-Test ausreicht, um seinen Arbeitsplatz betreten zu können, muss beispielsweise an einer Hotelrezeption der diesem Mitarbeiter gegenüberstehende Gast entweder geimpft oder genesen sein. Während auf Golfanlagen für Mitarbeiter am Arbeitsplatz 3G ausreicht, müssen sie – falls sie in ihrer Freizeit selbst eine Runde spielen möchten – nun häufig 2G nachweisen. Und in vielen Familien, Golfclubs und regelmäßigen Golfrunden wurde die Frage „Impfpflicht oder Impfoption“ in den Rang einer Glaubensfrage erhoben, bei der wissenschaftliche Argumente alleine nicht ausreichten und sich eine Spaltung Deutschlands in Impfwillige und Impfgegner andeutet.

 

 

Auswirkungen auf Wirtschaft und Privatleben

Noch wichtiger: Sowohl der Sport als auch andere Bereiche des Golfsports sind nun gefordert, sich erneut auf neue Corona-Regeln einzustellen. Denn unverändert gilt: Die Politik bestimmt die Regeln, die Umsetzung dieser Regeln überlässt sie jedoch Wirtschaft und Sport. So entschied beispielsweise Baden-Württemberg, dass der (analoge) gelbe Impfausweis künftig nicht mehr reiche und nur noch ein digitaler Impfnachweis anerkannt werde. Und der Einzelhandel sah sich plötzlich mit der Frage konfrontiert, wie er – ohne künftig auf „Türsteher“ zu setzen – gerade in Pro-Shops die 2G-Regel möglichst kostenneutral umsetzen könne. Politiker, Promis und andere Gesellschaftsvertreter werden nicht müde, die Notwendigkeit einer Impfung zur Beendigung der aktuellen Pandemie zu betonen.

 

 

Nach der Ministerpräsidenten-Konferenz vom 02. Dezember wurden weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verkündet – vor allem für Ungeimpfte wird der Zugang zum öffentlichen Leben, sieht man einmal vom Einkauf von Lebensmitteln ab, weiter erschwert. Denn am Ziel der Impfquoten-Erhöhung hält die Politik (zu Recht) fest, allerdings haben die vergangenen Monate eben auch gezeigt, dass Appelle alleine offensichtlich nicht ausreichen und die vielbeschworene gesellschaftliche Solidarität längst nicht mehr auf dem vermuteten Niveau liegt. So werden die kommenden Wochen im Einzelhandel wohl nur unter 2G funktionieren, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind nur über 2G oder gar 2Gplus zugänglich. Ab einer Inzidenz von 350 werden zudem Clubs und Diskotheken geschlossen – und und erneut gibt es an Silvester in Deutschland ein Böllerverbot. Doch auch für Geimpfte und Genesene gibt es Restriktionen, für private Feiern im Innenbereich gilt eine Obergrenze von 50 Personen, im Außenbereich von 200 Personen – auf Basis von 2G. Auch beim Impfen will man nochmals Gas geben – sowohl bei Erst- und Zweitimpfungen als auch beim Boostern, allerdings wies die neue Bundesregierung Mitte Dezember darauf hin, dass für eine schnelle Booster-Kampag--ne erst noch zusätzlicher Impfstoff beschafft werden müsse. Ebenfalls Mitte Dezember wurde beispielsweise von Schleswig-Holstein bis Mitte Januar für Privatreisen 2GPlus bei Übernachtungen definiert. Allerdings verständigte sich der neue Bundesgesundheitsminister Lauterbach mit seinen Länderkollegen darauf, dass eine Boosterimpfung den Test ersetze. Beim Thema Impfpflicht zeichnet sich eine Gesetzesini-tiative im neuen Bundestag ab, über die im kommenden Jahr abgestimmt werden soll.

 

 

Auswirkungen auf den Golfsport

Auch die Golfbranche ist von diesen Entscheidungen betroffen. Sie muss sich nun mit der Frage befassen, wie 2G auf der Anlage kontrolliert werden soll – vor allem in Zeiten, in denen die Sekretariate oftmals nur teilweise geöffnet sind. Für Pro-Shops steht ebenfalls die Umsetzung von 2G an, Club-Gastronomen berichteten über Stornierungen geschäftlicher und privater Weihnachtsessen. Der Golf-Profisport bleibt ebenfalls von diesen Entwicklungen nicht unberührt: Die Joburg Open 2021 – erstes Turnier der nun unter DP World Tour firmierenden, früheren European Tour, wurde infolge der neuen Virusvariante auf 54 Bahnen verkürzt, nachdem bereits viele Profis Hals über Kopf nach Europa abgereist waren (witterungsbedingt wurde dann sogar auf 36 Bahnen reduziert), die an sich co-sanktionierte SA Open Championship wurde als reines Sunshine-Tour-Event ausgetragen. Doch längst werfen die neuen Regelungen ihre Schatten auf das Jahr 2022: Die Messe Berlin hatte Anfang Dezember bereits alle Messen bis Ende Februar 2022 inklusive Grüner Woche abgesagt, am 16.12. verkündete sie das Aus der weltgrößten Tourismusmesse ITB 2022. Zudem wurde die für Mitte Februar geplante Reisemesse Oohh! Freizeitwelten in Hamburg abgeblasen. Rheingolf-Chef Michael Jacoby hat bereits verkündet, auch in 2022 auf eine Hallenmesse zu verzichten und stattdessen auf das Outdoor-Konzept der „Rheingolf on the Green“ zu setzen, im kommenden Jahr laut aktueller Planung in Krefeld und Hannover. Die Austrian Golf Show wurde ebenfalls auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Am 18.12. wurde auch die CMT Stuttgart gestrichen. Man darf gespannt sein, wie die Golf-Publikumsmessen in Hamburg und München reagieren werden. Für die Verbände bedeutet die aktuelle Entwicklung Parallel-Planung, denn noch ist nicht abzusehen, ab wann Präsenzveranstaltungen wieder möglich und sinnvoll sind, von daher dürfte derzeit weitgehend parallel sowohl für Präsenz als auch Online geplant werden. Diese Herausforderung stellt sich auch den Golf-clubs, denn erneut ist unsicher, ob und wann eine Mitgliederversammlung in Präsenzform durchgeführt werden. Bei Sport-Großveranstaltungen gibt es zudem Kapazitätsbeschränkungen und Zuschauerlimits. Auch in Sachen Golfreisen bleibt es schwierig: Nahezu täglich ändern sich die Vorschriften der wichtigen Zielländer, auch die USA haben nur rund vier Wochen nach der Wiedereröffnung der Grenzen Anfang Dezember bereits nachjustiert. Und neben der Steigerung der Erstimpfungen und der ab Ende Dezember voraussichtlich verfügbaren Impfung für 5-11-Jährige steht im kommenden Jahr eine weitere Herausforderung an: die Auffrischungsimpfungen. Frankreich und andere Länder haben bereits angekündigt, zwei vollständige Impfungen nicht mehr unbefristet anzuerkennen. Sinnvollerweise bemüht man sich hier zumindest um eine EU-einheitliche Regelung, ob und mit welchem Ergebnis dies gelingt, war Anfang Dezember noch offen. Zu erwarten ist jedoch, dass künftig maximal sechs bis neun Monate seit der letzten Impfung vergangen sein dürfen, um als vollständig geimpft anerkannt zu werden.

 

 

Bei all diesen weniger schönen Nachrichten sieht es andererseits so aus, als ob die für die Entwicklung der Golfclub-Mitglieder sehr förderlichen Rahmenbedingungen noch eine Weile andauern werden. Denn weiterhin ist Golf eine der Sportarten, die sich mit den Restriktionen rund um Corona am besten vereinbaren lässt und den Menschen eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung bietet. Möglich also, dass im kommenden Frühjahr erste Golfanlagen gar an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen werden, eine in den letzten Jahrzehnten eher ungewohnte Situation. Daher wird für Golfanlagen künftig nicht nur die Mitgliedergewinnung und -bindung, sondern auch das Yield-Management zur Ertragsoptimierung deutlich an Bedeutung gewinnen.

 

 

Fazit

Wer glaubte, mit 2021 sei das Thema Corona Geschichte oder zumindest von der Pandemie zur Endemie geworden, erlebt derzeit leider eine andere Entwicklung. Ob es gelingt, die aktuelle vierte Welle zu brechen (Stand: Mitte Dezember 2021), ob es eine fünfte (Omicron) oder gar sechste Welle geben wird, ob weitere Virusvarianten auftreten werden und ob diese gar gefährlicher als die aktuell dominierende Delta-Variante sind: Man kann derzeit nur raten, denn zu viele Parameter, angefangen bei der Impfbereitschaft über die weltweite Impfquote, nehmen hierauf Einfluss. Ein wenig Hoffnung, dass 2022 tatsächlich die Wende in Sachen Corona bringt, macht die von vielen Wissenschaftlern geäußerte Meinung, dass sich bis zum Ende des Winters 2021/22 nahezu alle Bundesbürger immunisiert haben werden: entweder durch eine Impfung oder über eine eigene Erkrankung. Gesellschaft und vor allem die Menschen im Gesundheitswesen, insbesondere auf den Intensiv-Stationen der Krankenhäuser, würden sich sicherlich freuen, wenn sich die überwältigende Mehrheit für die Impf-Variante entschiede. Ob es dazu kommt, hängt nicht zuletzt von jedem Einzelnen ab.

 

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 6/2021

 

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