Lebendige Golf-Entertainment-Gemeinschaft

Topgolf – das neue Golferlebnis

Seit einigen Jahren zeigen die Daten des Deutschen Golf Verbandes in schöner Regelmäßigkeit zwei wesentliche Entwicklungen: Zum einen verliert der Golfsport fast genauso viele Mitglieder, wie er an neuen Golfern hinzugewinnt, zum anderen fehlt vor allem ein Wachstum bei den jüngeren Zielgruppen. Landauf, landab wird daher intensiv über die Frage diskutiert, wie man mehr Golfer gewinnen könne. Sowohl von Golfern, als auch aus einigen Clubs ist vielfach zu hören, dass schon der Besuch einer Golfanlage für Interessierte oft eine große Hürde darstelle – es fehle an einer Willkommenskultur, die potenzielle Neugolfer auf die Anlagen locke. Auch die inzwischen nahezu flächendeckend angebotenen Schnupperkurse scheinen kein signifikantes Wachstum zu bescheren. Erste Versuche, Golfanlagen testweise mit größeren Löchern (Hackgolf) auszustatten oder gar andere Spielformen wie Footgolf anzubieten, haben Golf-Deutschland nicht zu deutlich mehr Golfern verholfen.

 

Training und Entertainment

Das nach Einschätzung vieler Experten erfolgreichste neue Konzept rund um das Thema „Golf“ findet vor allem in den USA seinen Niederschlag: Topgolf. Auch wenn viele Menschen glauben, dass das Konzept in den USA entwickelt worden sei: Die Idee und erste Realisation erfolgte Anfang dieses Jahrtausends in Großbritannien. Den Gebrüdern Jolliffe war das traditionelle Training auf der Range schlicht zu monoton – sie suchten nach einer Variante, die Training und Entertainment deutlich stärker miteinander verbinden sollte. Und genau dies ist bis heute der wesentliche Unterschied zwischen einer Topgolf-Anlage und einer klassischen Golfrange. Bei Topgolf stehen vor allem der Spaß und das Erlebnis im Vordergrund – und dies gemeinsam mit Freunden oder der Familie und nicht alleine in einer Rangebox. Dies wird in der Mission des Unternehmens deutlich – darin definiert sich Topgolf nicht als Golfanlage, sondern als weltweite Sport-Unterhaltungs-Gemeinschaft.

Das Konzept verknüpft Golf mit Geselligkeit, aber auch Essen und Trinken werden integriert. Selbst wer kein Golf spielen möchte, findet in den integrierten großen Sportsbars traditionelles amerikanisches Essen und Unterhaltung – ganz in der Tradition klassischer amerikanischer Sportsbars, wie man sie in Deutschland beispielsweise in Joe Champs American Sportsbar in Köln erahnen kann. Die Rangeboxen sind nicht für einzelne Spieler konzipiert, sondern stets für Gruppen. Es gibt Sitzgelegenheiten im Loungestil oder eigene Hochtische mit Stühlen für sechs bis acht Personen.

 

Toptracer-Übernahme für neue Märkte

Auffällig ist die starke Markenführung: Alles ist Topgolf – selbst die Schläger und die Ballautomaten ziert das Unternehmenslogo.

Vielfach unbekannt in der Golfszene, dass seit 2006 der Golfequipment-Gigant Callaway zu den Gesellschaftern zählt. Topgolf befindet sich aktuell in einer starken Wachstumsphase, neben den USA rücken internationale Märkte stärker in den Blickpunkt der Aktivitäten. Zudem weitet das Unternehmen sein Produktangebot deutlich aus: Neben den eigenen Locations hat man das schwedische Unternehmen ProTracer übernommen und in Toptracer umbenannt. Auf der PGA-Show 2018 fand das Produkt großes Interesse.

Derzeit wird Toptracer sukzessive in den Topgolf-Locations installiert. Das Produkt kann jedoch auch unabhängig von Topgolf auf Golfranges weltweit eingesetzt werden. Es zeigt den Ballflug samt Flugkurve – auf Wunsch auch in Echtzeit. Auch bei großen Turnieren wie der Open Championship und dem Ryder Cup wird auf diese Technologie zurückgegriffen.

In der aktuellen Version ist es zudem möglich, mit Toptracer auf einer Range wie in einem Simulator verschiedene Golfplätze aus der ganzen Welt zu spielen – und die einzelnen Schläge können in Echtzeit an beliebige Standort weltweit übertragen werden. Die dafür notwendigen Kameras können bis zu zehn Rangeboxen abdecken; nach Unternehmensinformationen soll das System interessierten Ranges weltweit zu einem monatlichen Mietpreis von ca. 200 USD pro Rangebox angeboten werden.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 01/2018

 

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