Visuelles Storytelling im Golfplatzdesign
Von der Architektur bis zur Realisation
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Was als zufällige Begegnung auf einem Flug begann, hat sich zu einem Unternehmen entwickelt, das die Art und Weise, wie Golfplätze konzipiert, vermarktet und letztendlich erlebt werden, neu definiert. Im Jahr 2009 löste eine zufällige Sitzplatzzuweisung auf einem Transatlantikflug eine geschäftliche Transformation aus, die seitdem Hunderte von Golfplätzen auf der ganzen Welt beeinflusst hat. Andrew Harris und sein Partner Juris Kalinka, beide ausgebildete Architekten, sind zu unerwarteten, aber längst unverzichtbaren Mitgestaltern der modernen Golfindustrie geworden – nicht durch Golfschläger oder neue Greenkeeping-Konzepte, sondern durch 3D-Visualisierung und digitales Storytelling. Heute erstellen sie Renderings für einige der besten Golfplätze der Welt, sowohl für Neubauten als auch für Renovierungen, und sogar Großveranstaltungen wie der Presidents Cup vertrauen auf ihre Arbeit. Mit Büros in England und Lettland hat sich ,Harris Kalinka‘ zum unangefochtenen Marktführer für die Erstellung von Golfplatz-Renderings, einschließlich Standbildern und Videos, entwickelt. Im Gespräch mit dem golfmanager lieferte Mitbegründer Andrew Harris einige Hintergrundinformationen darüber, wie das Unternehmen gegründet wurde und wie die Arbeit von Harris Kalinka zu einem festen Bestandteil fast aller großen neuen Projekte oder Neugestaltungen in der Branche wurde.
„Ehrlich gesagt hatten wir nie vor, in der Golfbranche zu arbeiten“, gibt Harris zu. „Wir waren Architekturanimatoren mit Schwerpunkt auf Gebäuden und Innenräumen. Aber auf einem Flug nach Toronto saß ich neben einem Golfplatzdesigner. Er fragte mich, ob wir schon einmal eine Animation eines Golfplatzes gemacht hätten. Das hatten wir nicht. Als ich landete, rief ich Juris (Anm. d. Red.: Juris Kalinka, Harris‘ Geschäftspartner und Mitbegründer von Harris Kalinka) an und sagte: ‚Ich glaube, wir sollten uns das mal ansehen.‘“ Aus dieser spontanen Idee entstand ein spezialisiertes Rendering-Studio, das Clubs, Architekten und Entwickler dabei unterstützt, abstrakte Pläne in atemberaubende visuelle Erlebnisse zu verwandeln. Harris und Kalinka begannen ihre Karrieren in London und konzentrierten sich auf die architektonische Visualisierung für Immobilien- und Gewerbeprojekte. Aber nach der Begegnung mit dem schicksalhaften Golfplatz-Designer – dessen Namen Harris bis heute nicht kennt – wagte das Duo den mutigen Schritt in die Welt des Golfsports. „Golf ist in Lettland keine sehr verbreitete Sportart“, sagt er. „Wir haben vielleicht zwei oder drei klassische 18-Löcher-Plätze im ganzen Land. Aber wir nahmen unser Team mit zum Ozo Golf Club, besorgten uns Green Cards (Anm. d. Red.: entspricht der deutschen Platzreife), lernten spielen und tauchten nicht nur in das Spiel ein, sondern auch in die Pflege und die Architektur der Plätze.“ Dieses Engagement half ihnen, die Lücke zwischen Architektur und Golf zu schließen. „Wir haben früh erkannt, dass wir diese Plätze nicht nur in ihrer Form, sondern auch in ihrer Atmosphäre verstehen müssen, wenn wir sie visualisieren wollen.“ Der Anfang verlief zögerlich. „Wir hatten keine Golfprojekte in unserem Portfolio. Wir haben ein paar Projekte kostenlos gemacht, um uns zu beweisen“, erinnert er sich. Der Durchbruch kam, als Ken Moody, ehemaliger Präsident der EIGCA (European Institute of Golf Course Architects), ihnen ihren ersten richtigen Auftrag gab: den Weybrook Park Golf Club in Großbritannien.
Die Rolle von Renderings in Golfprojekten
Heute unterstützt das Studio Projekte aus allen Bereichen – von neuen Golfresorts bis hin zur Renovierung traditionsreicher Clubs. Im Mittelpunkt jedes Projekts steht die Zusammenarbeit mit Golfplatzarchitekten. „Unsere Hauptkunden sind die Architekten. Wir legen Wert darauf, sie kennenzulernen – Europäer, Amerikaner, Australier. Wir treffen uns auf Fachmessen, bleiben in Kontakt und oft stellen sie uns ihren Kunden vor: Clubs und Bauträgern.“ Diese Beziehung wird in zwei Projektkategorien besonders deutlich:
1. Neubauten
Bei Neubauten visualisieren sie einen Platz, der noch nicht existiert. Die Arbeit dient dazu, Investoren zu gewinnen, Immobilien vorab zu verkaufen oder frühzeitig Mitgliedschaften zu vermarkten. Es kann Jahre dauern, bis der Platz gebaut ist, daher sind die Visualisierungen entscheidend, um frühzeitig Impulse zu setzen.
2. Renovierungen bestehender Clubs
Immer mehr Clubs verwenden Standbilder und Videos, um ihren Mitgliedern zu zeigen, wie eine Renovierung aussehen wird. Manchmal werden die Visualisierungen sogar bei Abstimmungen über Mitgliedschaften verwendet. „Wir haben mit dem australischen Unternehmen OCM Golf (OCM = Ogilvy, Cocking, Mead) am Medinah Course Nr. 3 zusammengearbeitet, und es war klar, dass alle Beteiligten – von den Mitgliedern bis zu den Medien – verstehen wollten, was auf sie zukommt“, gibt Harris ein Beispiel.
Beide Kategorien zielen darauf ab, ebenso glaubwürdige wie wirkungsvolle Bilder zu schaffen – was technische Fähigkeiten und künstlerisches Feingefühl erfordert. Die Projekte beginnen in der Regel mit CAD-Dateien und Grading-Plänen der Golfplatz-Architekten, aber die Details variieren. „Einige Architekten liefern unglaublich detaillierte CAD-Dateien. Andere sind eher konzeptionell und skizzieren Ideen, die sie dann in der Praxis vor Ort verfeinern. In diesen Fällen haben wir mehr kreative Freiheit, aber sie basiert immer auf Gesprächen mit den Designern“, sagt der Rendering-Spezialist. Das Team von Harris Kalinka erstellt 3D-Modelle Bahn für Bahn und verfeinert Details wie Bunkerränder, Grasübergänge, Wasserelemente und natürliche Vegetation. „Wir gehen buchstäblich bis ins kleinste Detail“, lacht er. „Es ist wichtig, die Textur des Rasens und die einheimischen Pflanzen richtig hinzubekommen.“
Das Team arbeitet in mehreren Phasen und legt den Kunden frühzeitig Renderings für ein Feedback vor. „Es ist ein iterativer Prozess. Der Designer, der Projekt-Entwickler und manchmal sogar der Club-Superintendent bringen sich ein. Jeder hat ein Mitspracherecht“, erklärt Kalinka. Der Zeitaufwand variiert: Ein einzelner Grünkomplex kann vier bis fünf Wochen dauern. Die Entwicklung eines kompletten Resorts – mit Golfplatz, Hotel und Immobilienkomponenten – kann sich bis zu fünf Monate hinziehen. Die meisten Projekte dauern durchschnittlich etwa 12 Wochen. Mit der steigenden Nachfrage nach Videomaterial, insbesondere für Marketingzwecke, machen Animationen heute den größten Teil der Arbeit aus. „Animationen sind komplexer“, erklärt Harris und fährt fort: „Es geht nicht nur um die Modellierung, wir entwickeln eine Geschichte. Beleuchtung, Soundtrack, Erzählrhythmus – es ist fast wie beim Film. Aber es erweckt einen Ort auf eine Weise zum Leben, wie es statische Bilder nicht können.“ Die Preise richten sich nach dem Umfang des Projekts. „Ein Loch ist billiger als alle 18 Bahnen, aber das erste Loch nimmt immer am meisten Zeit in Anspruch. Dort legen wir alle Texturen fest und bestimmen den Charakter des Platzes. Jedes weitere Loch wird dann effizienter in der Bearbeitung“, sagt der Mitinhaber. „Der Rendering-Prozess ist zwar im Allgemeinen einheitlich, aber die Tonalität und die Absicht unterscheiden sich je nach Art der Anlage. Bei Resort-Projekten sind in der Regel Marketingteams beteiligt. Hier gibt es mehr Spielraum für künstlerische Freiheit –
Sonnenuntergänge, dramatische Beleuchtung, stilisierte Szenen“, erklärt Harris. „Private Clubs wollen Realismus. Die Mitglieder wollen wissen: ,Wie wird mein Golfplatz tatsächlich aussehen?‘ Deshalb reduzieren wir den künstlerischen Anteil und legen Wert auf Genauigkeit.“ Das Team kann die Beleuchtung und die Jahreszeiten an die Vorlieben jedes Kunden anpassen: „Wir kontrollieren die Tageszeit und das Wetter. Sonnenaufgang über Loch fünf? Herbstlaub auf Loch 17? Kein Problem! In letzter Zeit wünschen sich die Kunden mehr Farbe – Herbststimmung, goldenes Licht –, um die grüne Wand aufzubrechen.“
Technologie, Tools und die Rolle der KI
Das Studio von Harris Kalinka verwendet klassische Standard-Software aus dem Grafikbereich – „die gleichen Tools, die auch in Hollywood zum Einsatz kommen“ –, entwickelt aber auch eigene Systeme für die speziellen Anforderungen des Golfsports. „Wir haben eigene Tools für Gras und Vegetation entwickelt, die wir über mehr als zehn Jahre hinweg verfeinert haben“, erklärt Kalinka. Der Übergang von der Architektur zum Golfsport erforderte eine komplette Umstellung: „Wir haben unsere Hardware, die Arbeitsabläufe und die Denkweise geändert. Gebäude sind vorhersehbar. Golf ist organisch. Das Modellieren von windgeblasenem Rasen und zerklüfteten Bunkerrändern ist viel schwieriger als das Rendern von Glas und Stahl.“ Künstliche
Intelligenz beginnt, eine unterstützende Rolle zu spielen. „Wir sind fasziniert von KI. Wir haben sie in Teile unseres Arbeitsablaufs integriert, um die Effizienz zu steigern. Aber wir sind noch weit davon entfernt, dass KI die Vision eines Designers ohne menschliches Zutun verstehen kann“, erklärt Kalinka. Hinter den Kulissen arbeitet ein eng verbundenes Team von 12 Fachleuten mit Sitz in Lettland. Andrew Harris kümmert sich um die Kundenbeziehungen und die Projektplanung. Juris Kalinka überwacht die technische Seite, einschließlich der Rendering-Infrastruktur. „Wir haben ein großartiges Team – wahrscheinlich die golfkundigsten Letten des Landes“, scherzt Harris. „Sie spielen selbst, verstehen die Architektur und sind engagiert.“ Diese Kultur der Neugier und Zusammenarbeit überträgt sich auch auf die Kunden. „Die Golfbranche unterscheidet sich von der klassischen Gebäude-Architektur. Hier gibt es mehr Leidenschaft. Die Menschen sind offen. Man kann einen Top-Architekten anrufen und er spricht mit einem wie mit einem alten Freund. Deshalb lieben wir unsere Arbeit.“
Ausblick: Virtuelles Golf und die Zukunft
Mit dem Aufkommen virtueller Golfplattformen wie TGL und immersiven Simulatoren fragen sich einige, ob die Visualisierung des Golfsports in Richtung Fantasie oder vollständig virtuelle Designs gehen wird. Harris ist skeptisch, aber offen: „Wir haben an Projekten für virtuelle Welten gearbeitet, aber derzeit besteht die Nachfrage nach Projekten in der realen Welt. Und ehrlich gesagt macht uns das auch mehr Spaß. Wir mögen den Kontakt zu Menschen – Architekten, Managern, Superintendenten. In der virtuellen Welt geht dieser menschliche Aspekt verloren.“ Dennoch erkennt er den Trend: „Simulator-Golf wird immer beliebter, insbesondere bei jüngeren Spielern. Das wird ein Bereich sein, den man im Auge behalten sollte. Aber vorerst bleibt unser Fokus auf dem Boden – auf realem Boden, mit realen Projekten.“
Fazit
Für Führungskräfte von Golfplätzen – Eigentümer, Vorstände, Geschäftsführer – ist visuelles Storytelling zu einem strategischen Instrument geworden. Ob sie ein neues Resort vorstellen, eine Abstimmung über eine Renovierung vorbereiten oder frühzeitig Investoren gewinnen möchten – Renderings sind kein Luxus mehr. In der visuellen Welt von heute sind sie eine Notwendigkeit. „Bilder helfen den Menschen, das Mögliche zu sehen“, fasst Harris zusammen. „Es geht nicht nur darum, ein Projekt zu verkaufen, sondern eine Vision zu vermitteln. Und diese Vision kann den Unterschied zwischen Zögern und der Umsetzung Ihres nächsten großen Schritts ausmachen.
Was Golfmanager bei Renderings beachten sollten
- Frühzeitiger Beginn: Beziehen Sie Visualisierungsexperten bereits in der Konzeptphase mit ein, um eine bessere Abstimmung zu erreichen.
- Kontinuierliche Zusammenarbeit: Die Kommunikation zwischen Designern, Clubs und Renderern gewährleistet Genauigkeit.
- Maßgeschneiderte Botschaften: Marketingbilder unterscheiden sich von Bildern für Mitglieder – definieren Sie Ihre Zielgruppe möglichst exakt.
- Investieren Sie in Animation: Wenn Storytelling entscheidend ist, können animierte Inhalte einen besseren Erfolg bieten.
- Nutzen Sie künstlerische Freiheit strategisch: Setzen Sie Licht ein und berücksichtigen Sie verschiedene Blickwinkel und Kameraperspektiven – wenn Sie sich von der traditionellen „Tee-to-Green“-Perspektive lösen, können neue und ungewöhnliche Blickwinkel entstehen. Letztendlich geht es darum, der Zielgruppe eine Vision zu verkaufen.