Steigendes Durchschnittsalter und offene Fragen bei Marktdaten

DGV-Bilanz 2019

Nun liegen sie auf dem Tisch: Die Daten des Deutschen Golf Verbandes (DGV) zur Entwicklung der im DGV registrierten Mitgliedschaften auf deutschen Golfanlagen weisen eine minimale Steigerung der Mitgliedschaften um 0,1% aus – das entspricht genau 437 Golfern mehr. Anders ausgedrückt: Im Schnitt hat jede Golfanlage um etwas mehr als einen halben Golfer zugelegt – wahrlich kein Grund für Jubelgesänge. Dabei sollte man berücksichtigen, dass es im Markt unterschiedlichste Formen der Mitgliedschaften gibt: von der klassischen Vollmitgliedschaft mit uneingeschränktem Spielrecht an allen Tagen, über vergünstigte Mitgliedschaften für Jugendliche, Mitgliedschaften für ausgewählte Spieltage bis hin zu den weiterhin viel diskutierten Fernmitgliedschaften.

Wie sich die Zahlen für 2019 auf derartige Mitgliedschaftsmodelle verteilen, geht aus den veröffentlichten Zahlen nicht hervor – ist aber auch eher Angelegenheit der jeweiligen Golfanlagen, denn die Gestaltung der Modelle obliegt schließlich den Clubs und nicht dem zentralen Verband.

Durchschnittsalter steigt weiter

Viel interessanter als die Gesamtzahlen ist jedoch ein Blick in die Verteilung der Golfer – und hier fällt auf: Das Durchschnittsalter der Golfer steigt weiter an! Bei den unter 18-Jährigen ist die Mitgliederzahl rückläufig, während die 56-60-Jährigen das größte absolute Wachstum verzeichnen. Auch die Altersgruppen von 51-55 sowie ab 61 Jahren verzeichnen ein Wachstum – während die Anzahl der Mitgliedschaften in der Gruppe der 41-50-Jährigen um rasante 7.200 Golfer einbricht (-7,6%). Zwar sorgt der natürliche Alterungsprozess des Menschen für eine automatische Verschiebung hin zu älteren Zielgruppen, allerdings zeigen die aktuellen Zahlen drastisch, dass den Golfclubs so langsam der Nachwuchs ausgeht. Insgesamt 428.209 Golfer zählen nun zur Generation der „Best Ager“ ab 51 Jahren, das sind ziemlich genau zwei Drittel aller Golfer in Deutschland. Das kann man nun gut oder nicht so gut finden – entscheidend ist es jedoch, sich an diese nicht nur demografisch bedingte Entwicklung anzupassen: Golfanlagen, die sich diesem Trend entgegenstemmen wollen, brauchen Konzepte, um jüngere Golfer anzusprechen. Das können konkrete Programme für Familien sein, aber auch Konzepte, die sich beispielsweise an Country Clubs anlehnen und auch nicht-golfenden Familienmitgliedern mit Angeboten wie Fitness oder Pools attraktive Freizeitmöglichkeiten bieten. Wer sich hingegen noch stärker auf die älteren Zielgruppen ausrichten möchte, sollte einen Blick in andere Länder wagen: Wahrscheinlich werden – der eigenen Beweglichkeit und dem Komfortbedürfnis geschuldet – auch in Deutschland künftig noch mehr Golfer ihre Runde lieber im Buggie statt zu Fuß absolvieren, das Spieltempo wird ebenfalls eher zunehmen und das Thema Conve­nience, beispielsweise mit einer Speisen- und Getränkeversorgung auf der Runde, kann an Bedeutung gewinnen. Anders ausgedrückt: Die Entwicklung der Mitgliederzahlen deutet darauf hin, dass Golf von den deutschen Golfern primär als Freizeitbeschäftigung angesehen wird, weniger jedoch als aktiver Leistungssport. Anhaltende Berichte über nachlassende Turnierteilnahmen in den Golfclubs verstärken diesen Eindruck. Noch einmal zum Vergleich: Während die Gesamtzahl der Golfer von 2010-2019 von 610.104 auf nunmehr 642.677 Golfer gestiegen ist (+5,3%), ist die Anzahl der Kinder und Jugendlichen im gleichen Zeitraum von 52.881 auf 40.338 zurückgegangen – das ist eine fast schon dramatische Abnahme um 12.543 Nachwuchsgolfer, was einem Minus von 23,7% entspricht. Golf in Deutschland ist eine Freizeitbeschäftigung für Senioren – keine von Kindern und Jugendlichen präferierte Sportart. Folgt man dem Gesetz der großen Zahl, sinkt damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in den kommenden Jahren einen neuen Star im Profigolf hervorbringen wird.

Erkenntnisse aus veröffentlichten Zahlen

Im Rahmen der Bekanntgabe der Marktdaten durch den DGV wird stets die Frage aufgeworfen, welche Erkenntnis Golfanlagen aus den veröffentlichten Daten ziehen können. Die schlichte Antwort: Sie können ihre Mitgliedsentwicklung mit der des Landes- und Bundesdurchschnitts vergleichen. Die veröffentlichen Daten geben jedoch keinerlei Aufschluss über die Frage, wie solide die Golfanlagen in Deutschland wirtschaftlich und finanziell aufgestellt sind. Dies ist jedoch auch nicht Kernaufgabe des DGV. Zur Erinnerung: In § 2.1 der Satzung des DGV wird als Zweck definiert: „Der Verband fördert und regelt die Ausübung des Golfsports in der Bundesrepublik Deutschland.“ Anders ausgedrückt: Der DGV ist in erster Linie ein Sportverband, kein Wirtschaftsverband – auch, wenn manche Golfanlagen dies anders sehen und sich beispielsweise mehr Unterstützung bei der lokalen Mitgliedergewinnung wünschen (eine klassische eigenwirtschaftliche Aufgabe örtlicher Betreiber). Und genau hier sind die Mitgliedszahlen als Kenngröße wichtig, um beispielsweise bei der Politik und Wirtschaft Gehör zu finden und auch an den Fördertöpfen der Sportwelt beteiligt zu werden. Wer jedoch wissen möchte, wie es den einzelnen Golfanlagen geht, benötigt selbstverständlich andere Zahlen. Angefangen von klassischen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie Gewinn vor Steuern, ROI oder Verschuldungsquoten bis hin zu Auslastungskennziffern wie der Anzahl gespielter Runden und der Platzauslastung sowie dem Durchschnittsertrag pro gespielter Runde inklusive Pro-Shop und Gastronomie – derartige Zahlen sind aus Betreiber- und Besitzersicht entscheidend, aber nicht Gegenstand der jährlichen Golferstatistik. Derartige Daten lassen sich teils aus den Zahlen anderer Verbände (für die dort angeschlossenen Mitglieder) und auf Basis freiwilliger Erhebungen gewinnen. Wie aussagefähig diese Daten dann sind, hängt nicht zuletzt von der Anzahl der an diesen Erhebungen teilnehmenden Anlagen ab.

 

Offene Fragen

Wer Golf in seiner Bedeutung in Deutschland nicht nur auf sportlicher Ebene betrachten möchte, sondern auch seine wirtschaftliche Bedeutung hervorheben mag, benötigt andere und deutlich umfangreichere Auswertungen. Auch wenn weiterhin viele Clubs als eingetragener Verein agieren: Golfanlagen sind mittelständische Betriebe, die Mehrzahl mit einem Jahresumsatz von mindestens einer Million Euro. Damit sind die Anlagen beispielsweise auch relevante Arbeitgeber in der Region – doch Zahlen zum von den Golfanlagen erbrachten Steueraufkommen, den gezahlten Beiträgen zur Sozialversicherung für die Mitarbeiter oder der Anzahl der Arbeitsplätze, sucht man derzeit vergebens.

 

Auch die Frage, wie viele Runden von Urlaubs-Greenfeespielern absolviert werden und welcher touristische Umsatz daraus resultiert, bleibt derzeit unbeantwortet. Im Innenverhältnis einer Anlage wären Daten zur Anzahl der gespielten Runden, zum Verhältnis Mitgliedsbeiträge zu Greenfee-Einnahmen oder zur Spieldauer wünschenswert und als Benchmark hilfreich.

 

Die Auswertung derartiger Daten setzt jedoch zweierlei voraus: Erstens, dass diese in den einzelnen Golf­anlagen überhaupt erfasst werden und zweitens, dass alle Golfanlagen bereit sind, diese Daten einer übergeordneten, neutralen Instanz zur Verfügung zu stellen. Der DGV kann hierbei eine wichtige, koordinierende Rolle einnehmen – und auf Basis der gewonnenen Daten die Interessen der Golfanlagen und Golfer auf politischer Ebene noch besser vertreten. Entscheidend ist jedoch der Wille aller Anlagen, derartige Daten bereitzustellen – und dies ist, wie die Gewinnung neuer Mitglieder, eine lokale Entscheidung der einzelnen Anlagenbetreiber und -besitzer.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 1/2020

 

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