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PGA of America veröffentlicht Leitlinien zur Inklusion

Zur Selbstreflexion einladend

Inklusion gewinnt gesellschaftlich zunehmend an Bedeutung. Der Deutsche Golf Verband (DGV) hat daher schon seit längerem ein Projekt „Golf & Inklusion“ ins Leben gerufen, welches von der Soziallotterie Aktion Mensch gefördert wird. In Webseminaren und im Rahmen weiterer Maßnahmen zielt das bis zum 31.12.2021 befristete Projekt darauf ab, die Sensibilisierung zum Thema Inklusion zu fördern und Inklusionsbeauftragte auf den Golfanlagen zu etablieren. Während noch vor Jahren Inklusion primär auf die Integration von Menschen mit körperlichen Einschränkungen ausgerichtet war, ist der heutige Ansatz deutlich vielschichtiger ausgelegt und wirkt tiefgreifend in die Gesellschaft. Letztlich bedeutet Inklusion Einbeziehung in alle Lebensbereiche, und zwar unabhängig von individuellen Merkmalen wie

 

  • Alter
  • Kultur
  • Ethnische Herkunft
  • Hautfarbe
  • Geschlecht
  • Sexuelle Orientierung
  • (Mutter)sprache
  • Krankheiten und körperlichen Einschränkungen

 

und anderen Faktoren. Damit dies gelingt, ist eine Sensibilisierung für die besonderen Anforderungen und Bedürfnisse einzelner Personengruppen unverzichtbar. Letztlich bedeutet Inklusion Barrierefreiheit – räumlich, sprachlich, ökonomisch, sozial, aber auch auf dem Arbeitsmarkt. Gerade der Golfsport eignet sich, wie der DGV in seinem Serviceportal darstellt, ausgezeichnet zur aktiven Gestaltung der Inklusion. Das ist umso bemerkenswerter, als viele Golfclubs früher Männern vorbehalten waren – und selbst so renommierte Clubs wie der Augusta National Golf Club oder „The Honourable Company of Edinburgh Golfers“ in Muirfield erst in diesem Jahrtausend – und nach öffentlichen Druck – weibliche Mitglieder zugelassen haben. Golf eignet sich gleich in mehrfacher Hinsicht für Inklusion: bei der Ausübung des Sports durch die Golfer, innerhalb des Golfclubs und nicht zuletzt über die Golfanlage als Arbeitgeber.

 

Vereinigte Staaten als Voreiter

Gerade in den historisch von vielen Konflikten geprägten USA spielt Inklusion aktuell eine besonders wichtige Rolle. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Martin Luther King stellt die Rassendiskriminierung weiterhin ein gesellschaftliches Problem dar, das zuletzt im Prozess um den Tod von George Floyd erneut hochkochte. Im Januar 2021 hat die PGA of America daher unter Federführung von Linnet Carty, Director of Inclusion and Community Engagement der PGA of America, einen detaillierten Inklusionsguide vorgestellt. Einzelne Themen der Richtlinien präsentierte sie in mehreren Online-Sessions anlässlich der PGA Merchandising Show Ende Januar (siehe golfmanager 1/21). Der Leitfaden aus den USA ist insbesondere zur Selbstreflexion konzipiert. Anders als in klassischen Lehrbüchern wird kein generelles „Soll-Szenario“ entworfen, sondern verschiedene Bereiche der Inklusion über Fragestellungen zur Selbsteinschätzung thematisiert. Zu jedem Bereich werden verschiedene Fragen dargelegt, die Golfanlagen sollen pro Aspekt anhand einer vierstufigen Skala von 1 (absolut nicht) bis 4 (in jedem Fall) einschätzen, ob und in welchem Umfang sie bestimmte Zielsetzungen bereits realisiert haben und im Geschäftsalltag umsetzen. Der simple Ansatz: Addiert man die Antworten pro Frage als Punkte auf und setzt diesen Wert in Relation zur möglichen Gesamtpunktzahl pro Bereich (Anzahl Fragen mal vergebene Punkte), hat man gleich einen Soll-Ist-Abgleich zum Thema Inklusion.

 

Der erste Bereich befasst sich in 22 Fragen mit Marketing und Kommunikation. Dabei geht es um alle Segmente von Print bis soziale Medien. Ein paar Beispiele:

 

  • Wurden die Texte auch von Nicht-Golfern auf Verständlichkeit geprüft?
  • Ermutigen die Unterlagen zu Generationen- oder Geschlechter-übergreifendem Engagement?
  • Decken die angebotenen Club-events alle Gesellschaftsgruppen ab?
  • Spiegeln die verwendeten Fotos die Vielfalt der Gesellschaft wider?
  • Thematisieren die Beiträge alle relevanten Gesellschaftsgruppen?
  • Werden Abkürzungen erläutert?
  • Sind die Unterlagen auch in anderen Sprachen verfügbar, sofern für den Standort relevant?

 

Der zweite Komplex widmet sich dem Thema „Äußeres Erscheinungsbild und Auftreten“. Auch hier dienen insgesamt 11 Fragen der Selbsteinschätzung. Einige Beispiele:

 

  • Gibt es eine klare und verständliche Beschilderung?
  • Gibt es ein Begrüßungsschild?
  • Sind barrierefreie Zugänge ausreichend beschildert?
  • Verwendet der Club eine inklusive Sprache, beispielsweise „vordere Abschläge“ anstatt „Damen-Abschläge“?

 

Hier wird deutlich, wie eng Inklusion und Willkommenskultur zusammenhängen – gerade bei Gästen, welche die Anlage zum ersten Mal betreten und durch ungenügende oder missverständliche Beschilderung schnell abgeschreckt werden. 

 

Im dritten Segment befasst sich der Leitfaden mit dem inneren Erscheinungsbild, insgesamt 12 Fragen unterstützen bei der Selbsteinschätzung. Betrachtet werden beispielsweise:

 

  • Gibt es eine klare und frei zugängliche Kommunikation zu Events?
  • Spiegeln die verwendeten Bilder und Symbole die gesellschaftliche Vielfalt wider?
  • Werden bestimmte Gesellschaftsgruppen wie jüngere oder ältere Menschen, Frauen oder die LGBTQ Community ausdrücklich angesprochen?
  • Eignen sich die Merchandising-Produkte für unterschiedliche Gesellschaftsgruppen?
  • Gibt es Windelwechsel-Stationen auf allen Toiletten, unabhängig vom Geschlecht?

 

Insgesamt 23 Fragen befassen sich mit dem Thema „Regeln und Verfahrensweisen“. Hier geht es zunächst um die Frage, ob alle für die verschiedenen Gesellschaftsgruppen relevanten Informationen verfügbar sind. Neugolfer sind ebenfalls Thema der Inklusion, denn auch in den USA ist Willkommenskultur und Integration neuer Mitglieder täglich eine Herausforderung. Ebenso wird die Frage aufgeworfen, ob Familien-Mitgliedschaften beispielsweise geschlechterneutral und eher an Haushalten denn verheirateten Paaren ausgerichtet sind. Zudem wird hinterfragt, ob es Events gebe, welche die unterschiedlichen Mitglieder zusammenbringen, insbesondere neue Mitglieder und Bestandsmitglieder. Auch die Frage eines geregelten Beschwerdemanagements fällt in diesen Bereich. Zusätzlich wird hinterfragt, ob es spezielle Maßnahmen und Aktivitäten gibt, um bisher unter den Mitgliedern unterrepräsentierte gesellschaftliche Gruppierungen verstärkt anzusprechen und für den Club zu gewinnen. Natürlich zählt auch ein standardisiertes, geregeltes Feedback zwischen Mitgliedern und Club zum Inhalt dieses Abschnitts. Wer sich mit den Fragen kritisch auseinandersetzt, wird oftmals auf die Frage stoßen: „Wollen wir das als Club überhaupt?“ Diese Antwort kann der Leitfaden naturgemäß nicht geben – aber er sorgt zumindest dafür, dass Golfanlagen leichter erkennen, wo sie bereits aktiv Inklusion leben oder wo Defizite bestehen.

 

Im fünften und letzten Abschnitt geht es um die von den Mitarbeitern gelebte Willkommenskultur – denn sie sind die Schnittstelle zwischen Club und Kunde, sei es ein Mitglied oder Gastspieler. Auch sind es letztlich die Mitarbeiter, welche die Inklusion gegenüber den Kunden leben müssen – sonst bleiben die besten Leitsätze und Missionen graue Theorie. Zwölf Fragen thematisieren daher Aspekte wie:

 

  • Werden alle Mitglieder und Gäste mit der gleichen Begeisterung begrüßt?
  • Verhalten sich die Mitarbeiter bei Reklamationen angemessen?
  • Werden Anfragen potenzieller Neumitglieder professionell und freundlich behandelt?
  • Gibt es ein Vorschlagswesen im Club („Kummerkasten“)?
  • Wissen die Mitarbeiter, wie Sie mit unangemessener Sprache und unerwünschtem Verhalten der Kunden umgehen sollen?
  • Spiegelt die Zusammensetzung der Mitarbeiter die angestrebte Vielfalt der gesellschaftlichen Gruppen unter Mitgliedern und Gastspielern wider?

 

Fazit

Auch wenn der Leitfaden ursprünglich für den US-amerikanischen Markt konzipiert wurde: Er thematisiert wichtige Aspekte der Inklusion und stellt relevante Fragen. In welchem Ausmaß eine Golfanlage Inklusion leben möchte, hängt nicht zuletzt von ihrer Ausrichtung ab. Der von der PGA of America bereitgestellte Leitfaden eignet sich ausgezeichnet zur Selbstreflexion einer Anlage als Einstieg, aber auch immer wieder zur Prüfung der Zielerreichung, ausgerichtet am individuellen Leitbild einer Golfanlage. 

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 3/2021

 

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