Nur ein Funken Hoffnung

Golferzahlen, Wertewandel und gesellschaftliche Veränderungen

Der Golfsport in Deutschland wächst weiter. 643.158 Golfspieler waren 2016 in den Golfclubs aktiv und wurden im letzten Jahr (2016) nach Wiesbaden gemeldet.

 

Sicherlich, mit viel Freude und noch mehr Wut könnte man die offiziellen Zahlen der DGV-Bilanz sprichwörtlich in der Luft zerreißen. Sie sind nämlich nicht überragend. Es werden Fehler gemacht im Verband und in den Clubs. Aber wem nutzt das ganze Gezeter, wenn wir alles nur negativ sehen? Suchen wir doch lieber gemeinsam nach Wegen, aus der Golfmisere der letzten Jahre herauszukommen. Daran kann man doch arbeiten.

 

Die Zahlen sind nicht gut, ob hausgemacht oder ob es nur eine Frage der heutigen Zeit ist, lässt sich so einfach nicht bewerten. Begnügen wir uns deshalb mit einigen wenigen Zahlen und einem anschließenden Blick in die Demografie und deren vorausschauende Sätze auf die kommende Zeit.

 

Der Deutsche Golf Verband (DGV) gab auf seiner Jahrespressekonferenz im Januar 2017 bekannt: „Das Wachstum um 2.977 Golfspieler oder 0,5 Prozent ist das größte seit 2012“.

 

Und in der Tat, es ist das größte Wachstum seit vier Jahren. Eigentlich erschreckend! Wie schon in den vorausgehenden Bilanzen, ist die hohe Anzahl an Nicht-Clubgolfern besonders anzumerken. Rund 954.000 Menschen greifen in dieser Statistik zum Golfschläger. Warum bekommen wir die nicht? Eine weitere Frage geht in die Richtung nach dem Brutto und dem Netto des Jahres 2016, denn nach dem prozentualen Wachstum von 0,5 Prozent zeigt die DGV-Statistik einen rechnerischen Nettozuwachs von 2.977 Golfspielern. Das Ergebnis aus einen sehr guten Zugewinn von 52.427 Golfspielern, aber gleichzeitig 49.450 Abgänge. Wohin sind sie?

 

Ein Blick auf das Alter der deutschen Golfspieler macht deutlich, dass wir in den Altersgruppen der 7- bis 50-jährigen einen Rückgang von 3,6 Prozent haben, jedoch einen Anstieg von 3,1 Prozent in den Altersklassen ab 51 Jahren. Die älteren Golfer sind es, die in der Zusammenzählung für das Wachstum insgesamt verantwortlich sind. Sie machen weit über 50 Prozent der organisierten Golfspieler aus. Golf als Vereinssport im Wandel der Zeit. Es ist die Zielgruppe für die Golfanlagen und macht einen Funken Hoffnung für die nahe Zukunft.

 

Gesellschaft ändert sich

Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerung in Deutschland um rund sieben Millionen Menschen auf insgesamt 75 Millionen schrumpfen, hat das Statistische Bundesamt berechnet. Die demografische Entwicklung und der fortschreitende Strukturwandel werden unsere Gesellschaft spürbar verändern. Ob auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, für ganz Deutschland gilt: Es wird immer weniger zu verteilen geben. Der Druck auf die gewachsenen politischen und sozialen Strukturen steigt.

 

Die Bevölkerungszahl in Deutschland geht zurück, gleichzeitig steigt der Altersdurchschnitt. Bereits in den kommenden zwei Jahrzehnten werden die Auswirkungen spürbar sein, sagen Experten voraus. Die Sozialsysteme werden enorme Belastungen tragen müssen. Es wird in vielen Berufszweigen an Nachwuchskräften mangeln. Die regionalen Unterschiede werden sich verstärken – es wird „Schwundregionen“ und „Wachstumsinseln“ geben. Ideen zum Umgang mit der Schrumpfung gibt es, allerdings werden sie bisher nicht konsequent umgesetzt.

 

Entwicklungen der Golfgesellschaft

Insgesamt ist die Golfentwicklung nicht zufriedenstellend. Den Golfanlagen fehlen Nachwuchsgolfer und auch weibliche Golfer. Dazu kommen abnehmende Spielfrequenz und Abwanderung in Billigmitgliedschaften. Weniger Mitglieder rütteln an der wirtschaftlichen Stabilität. Die Golfanlagen sind auf stabile und ausreichende Mitgliedsbeiträge angewiesen, die den Hauptteil der Einnahmen im Jahreshaushalt ausmachen.

 

Bei einem Blick auf das Alter der deutschen Golfspieler wird deutlich, dass weit über die Hälfte der Golfer 51 Jahre oder älter sind. Bei der Geschlechterverteilung ist festzustellen, dass die Zahl der Golfspielerinnen gesunken ist, während die Anzahl männlicher Golfspieler steigt. Es muss gelingen, die Herausforderungen für den Golfmarkt anzunehmen, Strategien auf den neuesten Stand zu bringen, gesundes Wachstum zu fördern und dabei die den Golfsport prägenden Werte zu wahren. Daran müssen Vorstand und Management kontinuierlich arbeiten.

 

Weit weniger als ein Prozent der Deutschen spielt Golf im Verein. Die Zahl der Mitglieder in den über 7.000 deutschen Fitness- und Gesundheitsanlagen ist mehr als zwölfmal so groß wie die der Golfclubmitglieder. Doch warum spielen immer weniger Menschen Golf im Vereinsverband? Die Beantwortung dieser simplen Frage gestaltet sich kompliziert. In dem Versuch, muss in vielschichtige Betrachtungsweisen eingetaucht werden.

 

Demografischer Wandel

Die grundlegendste Betrachtungsweise stellt der demografische Wandel dar, der die Zusammensetzung der Bevölkerung in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten stark verändern wird. Die Demografie beschreibt die Bevölkerung hinsichtlich ihrer Größe, Zusammensetzung und Strukturen. Während die Geburtenrate in Deutschland abnimmt, steigt die Lebenserwartung aufgrund medizinischen Fortschritts und bewussterer Lebensgestaltung. Die heutige Lebenserwartung liegt bei 77 (bei Männern) bzw. 82 Jahren (bei Frauen). Bis ins Jahr 2050 wird ein Anstieg auf 83 Jahre bei Männern und auf 88 Jahre bei Frauen erwartet. Trotzdem wird bis 2050 laut Statistischem Bundesamt die Bevölkerung um rund sieben Millionen Menschen schrumpfen. Die demografische Entwicklung und der fortschreitende Strukturwandel werden unsere Gesellschaft also spürbar verändern. Gründe, warum wir gegenwärtig nur wenig von den Folgen des demografischen Wandels spüren, gibt es in zweierlei Hinsicht. Zum einen gibt es in Deutschland ca. 14 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, die den Rückgang einigermaßen ausgleichen. Zum anderen ist die durchschnittliche Lebenserwartung seit 1970 um zehn Jahre gestiegen. Unabhängig von der absoluten Bevölkerungszahl wird sich auch das Verhältnis von jüngeren zu älteren Menschen stark verändern.

 

Wertewandel

Die demografischen Entwicklungen sind im Zusammenhang mit den Werten und Bedürfnissen zu betrachten, welche die Gesellschaft heute schon und zukünftig verstärkt prägen werden. Unternehmen fordern immense Flexibilität und die Bereitschaft ihrer Mitarbeiter, zu reisen und für Auslandsaufenthalte offen zu sein. Langlebige Bindungen werden dadurch erschwert, die Scheidungsquote steigt. Sesshaftigkeit wird demnach durch mehrere äußere Faktoren schwierig. Gerade hieraus entwickelt sich, besonders zu beobachten in den jüngeren Generationen, das Streben nach Mitbestimmung und Selbstbestimmung. Und das im Berufsleben, wie auch im Privatleben. Die Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten, sind in der modernen Gesellschaft geradezu explodiert. Um sich zurecht zu finden, werden ethische und moralische Werte als Orientierungsmechanismen immer wichtiger. Parallel dazu wächst das Bedürfnis zunehmend, dass es mehr als nur den Job im Leben gibt. Die Entwicklungen zeigen, dass die heranwachsenden Generationen auf der Suche nach sinnvollen Tätigkeiten sind. Es zählt nicht mehr nur die Karriere allein, sondern etwas mit nachhaltiger Bedeutung zu tun, wird ebenso wichtig. Die Arbeit soll Sinn stiften und mit moralischen und ethischen Werten vereinbar sein. Digitale Kommunikationstechnologien lassen die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben zunehmend verschwinden, weshalb es auch aus diesem Grunde immer wichtiger wird, dass der Beruf dem persönlichen Werteprofil entspricht. Vermögen und Besitztum stehen nicht mehr allein im Vordergrund, stattdessen stehen nun Selbstverwirklichung und Flexibilität im Fokus der Menschen. Eine gewünschte wie gleichermaßen abverlangte Flexibilität, die eine langjährige Bindung an einen Wohnort oder auch an einen Verein zunehmend erschwert.

 

Trend der Urbanisierung

Der Urbanisierungstrend ist ein veranschaulichendes Beispiel, um die Vielschichtigkeit der Bedürfnisse oder auch die Spannungsfelder zu demonstrieren, in der die Menschen heutzutage und zukünftig zunehmend leben werden. Die Menschen zieht es immer mehr in die Städte. Aber auch hier ist die Bedeutung der Nachhaltigkeit zu erkennen: Statt Abriss wird öfter umgestaltet und weitergebaut. Die Menschen wollen aber nicht auf Natur verzichten. Unter dem Stichwort „Urban Resilience“ beschäftigen sich Architekten und Stadtplaner neben der Nachhaltigkeit auch damit, die menschlichen Bedürfnisse nach Natur zu erfüllen. Häuserwände werden begrünt, sogenannte vertikale Gärten, und zukunftsrelevante Parkanlagen entworfen. Die Menschen zieht es also in die Stadt, sie möchten aber die Natur mitnehmen. Vielleicht eine gesellschaftliche Entwicklung, die dem Golfsport als Naturerlebnis in naher Umgebung zukünftig sehr entgegen kommt.

 

Modernes Konsumverhalten

Diese Entwicklungen sind ebenso im sensibleren Konsumverhalten zu erkennen. Es steht weniger die Marke im Mittelpunkt, es geht vielmehr um eine Produkttreue. Stabilität und Sicherheit sind Kernansprüche. Auch wenn postmaterialistische Ansprüche steigen, sind die heranwachsenden Generationen keinesfalls weniger konsumfreudig. Die Jugend will sich eher mit einbringen und mitgestalten, weswegen Service oft das neue Produkt ist. Die jüngeren Generationen gehen vorsichtiger mit Geld um, das Bewusstsein für finanzielle Absicherung steigt. Diese Entwicklung führen manche auf das Erleben der Finanzkrise zurück, das in der Kindheit der Konsumenten liegt. Somit steht das Preis-/Leistungs-Verhältnis eines Produktes im Fokus. Der Mensch will nicht mehr unbedingt für Grundbedürfnisse bezahlen. WLAN und damit der freie Zugang zu Informationen wird zum Beispiel mehr und mehr als Grundbedürfnis betrachtet. Grundsätzlich werden mehr Ausgaben für Freizeitangebote gemacht – aber eben für solche, die nicht lange bindend sind. Die notwendige Flexibilität für das Privat- und Berufsleben soll und muss ja schließlich notwendiger Weise bewahrt bleiben.

 

Die Zukunft des Golfsports

Zurück zu der Frage, wie die Zukunft des Golfsports aussieht. Dieser Beitrag kann nur einen kleinen mosaikartigen Einblick in die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen geben und kann diese dabei nur anreißen. Ziel war es, die Perspektive für die Herausforderungen zu öffnen, mit denen Golf als Vereinssport konfrontiert wird. Der Wertewandel und die gesellschaftlichen Veränderungen lassen bei richtiger und vernünftiger Herangehensweise auch neue Chancen für unseren Sport entstehen. Es bleibt also der berühmte Funke Hoffnung. Für eine gesunde Zukunft müssen sich die Golfclubs den zukünftigen Herausforderungen stellen – und zwar gemeinsam.

 

Autoren: Franz Josef Ungerechts & Sophie Sperling „b4b GmbH“ ❘ golfmanager 01/2017

 

<< zurück