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Jahresrückblick 2025: Golfbranche im Wandel?

In einem Beitrag im golfmanager 4/11 habe ich „Ist Golf eine Marke?“ zur Disposition gestellt. Die Eingangsfrage: „Warum tun sich viele Golfanlagen so schwer, ihre Mitglieder zu halten und neue zu gewinnen?“ Als einen Grund hatte ich genannt, dass die wenigsten Golfanlagen in Deutschland klar positioniert sind und deshalb austauschbar seien. Sie besitzen keine Anziehungskraft, keine Nummer-Eins-Position, wie sie durch die konsequente Nutzung der eigenen Stärken entsteht und mit stringenter Markenführung ausgebaut werden kann.
 

Golfanlagenbetreiber und Golfclubs, die sich dies als Handlungshinweis zu Herzen genommen haben, stehen heute wirtschaftlich besser da, als diejenigen, die es bis heute ignorieren und weiterhin die „schönste Golfanlage in der Region“ als beliebiges Alleinstellungsmerkmal für ihr Dienstleistungsangebot ,Golfanlage‘ verbreiten.

„Wir freuen uns über den Trend, dass Golf immer jünger wird. Auch in diesem Jahr ist das Durchschnittsalter bei unseren Neumitgliedern wieder gesunken. Das Interesse an Golf ist nach wie vor hoch. Jedes Jahr besuchen über 100 Interessierte einen Schnupperkurs, viele davon werden dann Mitglied bei uns. Mit der Fertigstellung unseres neuen Westplatzes und einem Pitch&Putt-Platz stehen unseren Kunden 33 Bahnen zur Verfügung. Zusammen mit einer TrackMan-Range mit Großbildschirmen, einer Bar und Events bei Flutlicht setzen wir voll auf Innovation und Dienstleistung und das seit 25 Jahren sehr erfolgreich.“  

Johannes Fülöp, Golf Business Director, Eigentümer Golf & More, Duisburg 

Rückblick auf die Saison 2025
 

Wenn ich auf die Saison 2025 zurückblicke, so stelle ich nach wie vor fest, dass die überwiegende Anzahl der Golfanlagen in Deutschland es versäumen, konsequent die Kontakte zu verfolgen, die ihnen durch Interessenten und Gast-Golfer zufliegen. Ganz zu schweigen davon, eigene Kontakte außerhalb der Golfanlage zu generieren und diese in Interessenten und anschließend in Vollzahler zu wandeln.
 

Betrachtet man die Zahlen zum deutschen Golfmarkt, die turnusgemäß im Januar eines jeden Jahres, rückblickend auf den 30.09. des Vorjahres, vom Deutschen Golf Verband (DGV) veröffentlicht werden, so stellen wir fest, dass ,Wachstumstreiber‘ registrierte Golfer sind, die keiner Golfanlage als Vollzahler zuzuordnen sind. Meine Prognose für dieses Jahr: Es wird so weitergehen.

„Trotz anhaltendem inflationsgetriebenen Kostendruck wird die Golf Range auch im Jahr 2025 die allermeisten Budget-Positionen sowohl auf der Einnahmen- als auch Ausgaben-Seite erfüllen können. Der Gesamt-Saldo wird so ausfallen, dass nach dem 3. Quartalsbericht zu Jahresende 2025 ein durchaus erfolgreiches GolfRange-Ergebnis erwartet werden kann. Auch dass in 05/2025 mit der Golfanlage Düsseldorf-Grafenberg eine weitere stadtnahe Golfanlage übernommen wurde, spricht in Zeiten stagnierender/sinkender Golfplatz-Akquisitionen für sich. 

Die Personalsuche im Dienstleistungsbereich Golf sehen wir im Vergleich zu den Vorjahren als erleichtert an, im Greenkeeping-Bereich wird dies auch durch voranschreitendes Auto-Mowing unterstützt. 

Bereiche wie Sponsoring, Turnier-Teilnahmen und Event-Beteiligungen sind nach unserer Beobachtung rückläufig, so dass eine Konzentration auf die reinen Grundelemente ,Mitgliedschaft‘ + ,Greenfee‘ + ,Range‘ als sinnvoll erscheint.“ 

Hans Peter Thomßen, Golf Business Director, Geschäftsführer GolfRange GmbH 

Herausforderungen im Markt
 

Dass dies so ist, ist hausgemacht. Wer sich keine Zeit nimmt, um eigene Kooperationen und Mehrwerte für seine Vollzahler zu schaffen und stattdessen auf gekaufte s.g. Kooperationsmodelle á la deinGolf.plus, Meingolfclub, golfamore und LeisureBREAKS setzt, wird seine Greenfees weiter herschenken und seine ,Marke‘ verwässern. Nicht alles, was gut für das Portemonnaie des vollzahlenden Golfers ist, ist auch gut für die Wirtschaftlichkeit der Golfanlage. Die Wachstumszahlen an registrierten Golfern sprechen nicht dafür, dass dieses Handeln zu einem Wachstum an vollzahlenden Golfern führt.
 

Ja, die Zeit. Keine Zeit, kein Personal. Oh je! Wer soll das alles richten? Die sich stetig verknappende Ressource (qualifiziertes Personal), führt weiter dazu, dass es zunehmend schwerer fällt, die Qualität an operativer Exzellenz an den Tag zu legen, die es nun einmal braucht, um vollzahlende Golfer zu gewinnen und zu halten. Auch hier ist die Lage ein Kriterium, die es dem einen Golfbetrieb leichter macht und dem anderen schwerer, geeignetes Personal zu finden, in dessen Entwicklung es sich lohnt zu investieren, da ein Verbleib auf der Golfanlage über einige Jahre gewährleistet zu sein scheint.
 

Dazu kommen weitere Aufgaben wie Social Media und professionelles Event-Management, die von den potenziellen und bestehenden Kunden gewünscht und erwartet werden. Hier bietet die KI eine Unterstützung, was Zeit schafft. Aber wie wird die gewonnene Zeit genutzt? Verwaltung? Turnierauswertungen für Turnierkalender, die nach Copy-paste-Manier Jahr für Jahr übertragen werden, ohne zu reflektieren, wie es besser geht. Besser für die 70 % der Vollzahler, die keine Turniere spielen?

„Die Personalsituation im Golfmarkt hat sich rasant verschlechtert. Es wird immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden.“ 

Florian Gneist, Golf Business Director, Golfmanager Berliner Golf Club Gatow 

People Business – der entscheidende Faktor
 

Golfanlagenbetrieb ist ein ,peoples business‘ – ein Geschäftsmodell, das trotz aller harter Fakten, wie Lage, Layout und Pflege, dominiert ist von dem Bauchgefühl und deren Emotionen, welches am Ende zu der Entscheidung für oder gegen einen vollzahlenden Verbleib auf der Golfanlage entscheidet.
 

Auch hier sehe ich im Rückblick auf das Jahr 2025 Potenzial für die Zukunft. Aufmerksamkeit und Wertschätzung sind der Schlüssel. Hier ist Zeit gut und wirtschaftlich nachhaltig investiert.
 

Apropos Investitionen. Geld fließt in autonomes Mähen, Wasserreservoirs, Social Media, Renovationen der Spielelemente. Das macht resilienter gegen Personal- und Wasserknappheit. Hier und da wurde die Golfanlage um weitere Golflöcher erweitert. Der Neubau von Golfanlagen ist auch 2025 erlahmt.
 

Spreche ich mit den Marktbegleitern im deutschen Golfmarkt, so komme ich zu dem Résumé, dass der wirtschaftlich erfolgreiche Betrieb einer Golfanlage neben der Lage, im Wesentlichen von den handelnden Personen geprägt ist. Personen, die ihre Kunden und die potenziellen Kunden verstehen wollen und danach handeln. Weiterhin sind diese Personen bereit, die Extra-Meile zu gehen. Schneller laufen, um auf der Stelle zu bleiben ist derzeit ebenso ein Erfolg, wie durch Vollzahler zu wachsen. Zu diesem Beitrag habe ich Freunde aus dem Kreis der Golf Business Directoren zu Wort kommen lassen, die ihre persönliche Rückschau auf die Branche mit kurzen Statements wiedergeben. Viel Spaß beim Lesen! 

 

Autor: Adriaan A. Straten | golfmanager 5/25

 

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