Zahlungssysteme für den Golfsport

Im Gespräch mit Jörg Möller, Wirecard

 

Eine sichere Zahlungsabwicklung ist für Golfanlagen unverzichtbar – gleich, ob es sich um einen als e.V. geführten Golfclub oder die Betriebsstätte einer Betreiber-Kapitalgesellschaft handelt. Dabei haben sich neben der traditionellen Bar- und Bankenzahlung in den letzten Jahren zunehmend neue Zahlungsmittel und -systeme etabliert, nicht zuletzt die Kreditkarte. Ein Ende dieser Entwicklung ist längst noch nicht absehbar, denn die fortschreitende technologische Entwicklung bietet nicht nur neue technische Konzepte für Zahlungen, beispielsweise auf Basis von NFC (Nearfield Communication), sondern auch neue Bezahldienste wie ApplePay oder GooglePay. Gleichzeitig wird der Zahlungsverkehr, sowohl stationär als auch online, regelmäßig mit Anforderungen an die Zahlungssicherheit konfrontiert. Diese ist wesentlicher Bestandteil des Risikomanagements einer Golfanlage.

 

Jörg Möller, Geschäftsführer der zur Wirecard-Gruppe zählenden Wirecard Technologies GmbH in Aschheim sowie Executive Vice President der Wirecard AG, gibt im Interview einen Überblick zu den künftigen Entwicklungen, sich daraus ergebenden Anforderungen für Golfclubs und auch möglichen Strategien. Das Unternehmen Wirecard hat sich seit seiner Gründung 1999 zu einem der weltweit führenden und unabhängigen Anbieter von Outsourcing- und White-Label-Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr entwickelt. Mehr als 25.000 Kunden weltweit greifen auf die Technologien, transparente Echtzeit-Reporting-Dienstleistungen und die Unterstützung bei der Entwicklung internationaler Payment-Strategien über die Kanäle offline, online und mobil zurück. Ein weiterer Schwerpunkt der Tätigkeit des Unternehmens liegt im Risikomanagement, vor allem durch Lösungen zur Betrugsprävention.

? Auf Golfanlagen dominieren heute im wesentlichen drei Zahlungssysteme: Bargeld, Maestro-Card (mit/ohne Pin) und Kreditkarte. Worauf sollten Golfanlagen bei diesen drei Systemen insbesondere achten in Bezug auf mögliche Risiken, wie bewerten Sie die Zukunftsaussichten dieser Systeme?

 

! Die Zukunftsaussichten für diese Zahlungssysteme sind sehr gut – es ist wahrscheinlich, dass alle drei Bezahlmöglichkeiten auch in Zukunft angeboten und vom Kunden angenommen werden. Künftig kommen zudem Zahlungen, die mittels Mobiltelefonen getätigt werden, hinzu. Dies kann sowohl über die bestehende Infrastruktur (POS-Terminals) als auch über neue Systeme geschehen. In Zukunft können Golfanlagen zudem immer mehr Kundenbindungs-Systeme mit der Zahlung verknüpfen bzw. verbinden, um damit den Kunden noch zielgenauer anzusprechen und den Service zu individualisieren. In allen Bereichen der Zahlung wird die Implementierung von Sicherheitsmerkmalen immer wichtiger, weshalb man künftig auch weitergehende Authentifizierungs-Verfahren sehen wird.

 

? Zahlreiche Golfclubs nehmen Startzeitbuchungen auch online an, aber nicht alle nutzen die Buchung auch zur sofortigen Ausführung einer Zahlung. Ferner haben die meisten deutschen Golfclubs keinen eigenen Onlineshop, um beispielsweise Artikel des Proshops, Trainerstunden oder Greenfee-Voucher zu verkaufen. Ist die Einbindung einer Onlinezahlung in Shopsysteme so komplex, sind die Risiken bei der Zahlungsabwicklung zu hoch oder welche anderen Gründe hierfür gibt es aus Sicht eines Zahlungssystem-Dienstleisters?

 

! Aus Sicht eines Zahlungssystem-Dienstleisters gibt es dafür eigentlich keine Gründe. Die meisten Shopsysteme bieten hier schon Komplettlösungen an, in denen die Zahlungsfunktion vollständig integriert ist. Die Risiken bei der Zahlungsabwicklung sind minimal und gut händelbar. Wie gut es funktioniert, sieht man auch am Wachstum des Onlinemarktes und deren Umsätze.

 

? Immer wieder wird – auch in der Golfbranche – bei Zahlungen von PCI DSS gesprochen. Was versteht man darunter, worauf sollte die jeweilige Golfanlage achten und für welche Anwendungsbereiche (Einzug von Mitgliedsbeiträgen, Zahlungen am Counter des Sekretariats, Zahlungen im Online-Shop etc.) gilt PCI DSS?

 

! PCI DSS ist der Sicherheitsstandard der Kartenindustrie und soll die Sicherheit von Zahlungs- und Kontodaten erhöhen. Hierin sind der sichere Umgang von Karten und Kontodaten beschrieben, die alle Bereiche umfassen, in denen solche Daten vorliegen. Als Tipp können wir mitgeben, dass Golfclubs vermeiden sollten, diese Daten in irgendeiner Weise zu speichern oder in nicht PCI konformen Systemen zu verarbeiten. Alle Daten sollten am besten nur verschlüsselt gehalten werden, am besten durch zertifizierte Anbieter von sogenannten Token-Lösungen. Hier wird anstelle der z.B. Kreditkartendaten ein Token abgespeichert. Dieser kann auch für weitere Zahlungen genutzt werden, ohne die Kreditkartendaten wieder erneut aufzunehmen.

 

? In anderen Branchen wird bereits intensiv über weitere, neue Zahlungssysteme diskutiert. Hier fallen Stichworte wie ApplePay, GooglePay, NFC – und selbst PayPal scheint bisher in der Golfbranche noch nicht Fuß gefasst zu haben. Wie beurteilen Sie die Zukunft dieser Systeme in Zusammenhang mit Golfanlagen?

 

! Das ist sicherlich auch eine Generationen-Frage. Mit dem Nachrücken der jüngeren Generation und deren Affinität zu solchen Bezahl-Produkten wird sich die jetzige Payment-Struktur sicherlich in den nächsten Jahren drastisch verändern.

 

? Viele Jahre lang gab es einen Trend, Mitgliedskarten mit Zahlungsfunktionen zu versehen, beispielsweise über eine Kreditkarte. Inzwischen scheint dieser Trend zum Co-Branding von Kreditkarten nachgelassen zu haben. Worin sehen Sie die Ursachen, wären solche Konzepte aus Ihrer Sicht für die Golfbranche insgesamt oder einzelne Anlagen interessant?

 

! Hier kommen viele Faktoren zusammen. Golfer haben meist schon mehrere Kreditkarten und somit besteht oft nicht das Bedürfnis nach einer weiteren. Der Aufwand dieses Co-Brandings und die Anzahl der potenziellen Kunden stehen bei den meisten Golf­anlagen in einem ungünstigen Verhältnis, so dass die einzelne Karte sehr hochpreisig wird. Mit der heutige Deckelung der Interbankenkosten ist es meist schlichtweg nicht mehr rentabel, ein solches Programm aufzulegen.

 

? Immer mehr Zahlungssysteme scheinen nach dem Prinzip zu funktionieren, dass man in einem System (beispielsweise PayPal) die tatsächlichen Zahlungsmittel hinterlegt, die Ausführung der Zahlung dann jedoch durch Identifikationssysteme wie Chipkarten, User-IDs oder Freigabe per SMS-TAN erfolgt. Sind diese Varianten aus Ihrer Sicht sicher und welche Rolle werden diese „Zwischen-Systeme“ langfristig bei Zahlungen spielen?

 

! Ja, wir halten diese Systeme für sicher, da sie den eigentlichen Zahlungsträger (z.B. die hinterlegte Kreditkarte) für den Händler nicht sichtbar werden lassen. Diese Systeme werden sicherlich noch für längere Zeit eine Vorreiterrolle spielen, da sie in Teilbereichen einen Komfort bieten, den andere Zahlungsvarianten so nicht haben.

 

? Ein wichtiges Element von Mitglieder-orientierten Clubanlagen ist die Identifikation der Golfer. Wirecard hat im Bereich NFC in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Konzepte entwickelt. Welche Varianten halten Sie für besonders interessant, um einerseits Zahlungsfunktionen zu unterstützen, aber auch Mitglieder in allen Bereichen einer Golfanlage – vom Sekretariat über die Driving Range und den Starter bis hin zu Halfway-House, Clubrestaurant und Proshop – zu identifizieren?

 

! Hier gibt es viele Möglichkeiten, angefangen von sogenannten NFC-Stickern über Armbänder bis hin zu Mobiltelefonen oder auch einen Mix aus allen Optionen. Integriert in eine intelligente App hilft es einerseits dem Golfer, alle Leistungen leicht zu finden und direkt zu buchen, andererseits sieht die Golfanlage die Auslastung ihrer Services in Echtzeit und kann bei Kapazitätsengpässen schneller reagieren und die Golfer informieren. Vorlieben der Kunden können so automatisch erkannt werden, Clubanlagen können Golfern dadurch maßgeschneiderte Angebote zukommen lassen.

 

? Das Mobiltelefon wird für die Menschen immer wichtiger. Wie kann eine Golfanlage aus Ihrer Sicht diesen Trend im Bereich Zahlungssysteme für sich sinnvoll nutzen, welche Risiken sind gegebenenfalls zu beachten?

 

! Das Mobiltelefon ist das neue Schweizer Taschenmesser und ständiger Begleiter der meisten Menschen. Somit ist es nur konsequent, dass Zahlungen wie auch Services auf dem Mobiltelefon stattfinden. Dafür brauchen die meisten Golfanlagen nicht ihre Zahlungsinfrastruktur zu ändern, sondern können heute schon über die neueren POS-Terminals mobile Zahlungen entgegennehmen. Auch Zutrittssteuerungen zur Anlage oder Buchungen können heute benutzerfreundlich und einfach umgesetzt werden.

 

? Auf vielen Golfanlagen werden bei den POS-Systemen Produkte der jeweiligen Hausbank eingesetzt. Welche Vorteile hat es aus Ihrer Sicht, wenn ein Golfclub sich für die Produkte (inkl. Hardware) eines externen, unabhängigen Unternehmens entscheidet?

 

! Zahlungssysteme werden immer stärker und schneller von neuen Technologien verändert. Innovationen in diesem Bereich werden heute immer stärker von Firmen außerhalb der traditionellen Bankenwelt entwickelt, den sogenannten FinTechs. Um die Vorteile dieser neuen Technologien vollumfänglich zu nutzen und den Kunden ein besseres bzw. erweitertes Shoppingerlebnis und Services zu bieten, ist es notwendig, neue Wege zu beschreiten, die zum größten Teil nicht mehr von der Hausbank abgebildet werden können. Dazu gehört Target Marketing ebenso wie Kundenbindung und viele weitere Möglichkeiten.

 

? Immer wieder hat man den Eindruck, dass gerade das Thema Zahlungsverkehr durch neue Regelungen aus Brüssel verändert wird. Aktuell lautet das Stichwort PSD2. Was versteht man darunter und welche Auswirkungen wird dies ab wann mit sich bringen?

 

! Mit der Payment Services Directive (PSD2) werden europaweit neue Regeln im Zahlungsverkehr geschaffen. Dies kann zu einer tiefgreifenden Veränderung der Buchungs- und Shoppingprozesse führen, vor allem im Bereich der Vermittler. Alle Zahlungsvorgänge, die nicht papierhaft, per E-Mail oder Telefon geschehen, sind davon betroffen. Also nicht nur Kreditkartenzahlungen, sondern auch z.B. Zahlungen mit Lastschrift/SEPA.

 

? Wo genau wirken sich diese Änderungen aus?

 

! Die PSD2 hat zwei Schwerpunkte: Einerseits fordert sie von den Banken eine offene Schnittstelle zu Drittdienstleistern, um diesen Zugang zu Kontoinformationen z.B. Kontostand oder Zahlungsumsätze zu ermöglichen sowie Zahlungen vom Konto durchzuführen. Dies soll mehr Innovation ermöglichen und neue Services generieren. Derzeit ist es allerdings noch unklar, wie diese Schnittstelle bei den Banken aussehen soll und ob es dafür einen Standard geben wird. Dies gibt Händlern in Zukunft die Möglichkeit, direkt über Drittdienstleister sichere Zahlungen vom Konto des Nutzers zu tätigen. So ist eine maximale Kundenabdeckung bei geringen Kosten gegeben.

 

Anderseits wird eine starke Authentifizierung des Zahlenden gefordert. Zahlungsdienstleister müssen künftig in bestimmten Fällen eine sogenannte starke Kundenauthentifizierung durchführen. Diese erfordert mindestens zwei Elemente der Kategorien Wissen (zum Beispiel eine PIN/Passwort), Besitz (zum Beispiel die Kreditkarte) und Inhärenz, also ein ständiges Merkmal des Kunden (zum Beispiel der Fingerabdruck).

 

? Gibt es solche Systeme denn schon oder sprechen wir hier derzeit von theoretischen Konzepten?

 

! Viele Systeme und Onlineshops haben schon solche Authentifizierung-Systeme integriert wie z.B. „3D Secure“ oder „Verifyd by Visa“ und profitieren heute schon von geringeren Kosten und höherer Zahlungssicherheit.

 

? Wäre es angesichts dieser Regelungswut dann nicht besser, sich wieder stärker den Barzahlungen zu widmen?

 

! Barzahlungen werden wohl immer Bestandteil des Zahlungsmix sein, aber die Bedeutung wird in Zukunft weiter abnehmen. Das Bargeldhandling bringt für Nutzer, Händler und Banken weder Kostenvorteile noch einen Sicherheitsgewinn. Die mit Bargeld verbundene Anonymität ist von staatlicher Seite immer weniger gewünscht. Nutzer wollen heute schnell und bequem zahlen, dies ist mit den neuen elektronischen Zahlungssystemen besser abgedeckt – zudem Bargeld in vielen Fällen, wie im Onlineshop, keine Option sind.

 

? Wie kann sich eine Golfanlage optimal auf die PSD2 und ihre Auswirkungen vorbereiten?

 

! Am besten wendet sich die Golfanlage an ein zertifiziertes Institut oder an einen Dienstleister, um die konkrete Situation zu analysieren und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. In den meisten Fällen wird die PSD2 automatisch über den Zahlungsdienstleister wie z.B. Wirecard für die Golfanlagen umgesetzt.

 

Herr Moeller, herzlichen Dank für das sehr angenehme Gespräch und die spannenden Einblicke in die Welt der Zahlungssysteme.

 

Autor: Michael Althoff ❘ golfmanager 02/2017

 

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