Gute Stimmung im deutschen Golf bestätigt
DGV-Golfbarometer Frühjahr 2025
Erstmals seit Herbst 2023 hat der Deutsche Golf Verband (DGV) wieder sein Golfbarometer, nun für das Frühjahr 2025, veröffentlicht. Ziel dieser üblicherweise stets zum Frühjahr und Herbst durchgeführten Erhebung unter den im DGV organisierten Golfanlagen ist es, ein Stimmungsbild zu den für die wirtschaftliche Entwicklung relevanten Indikatoren widerzuspiegeln. Anders als beim DGV-Betriebsvergleich geht es dabei nicht um detaillierte Daten zu Erlösen und Kosten, sondern um die Stimmungslage in Hinblick auf die wirtschaftliche Lage und Mitgliederentwicklung. Den Ergebnisbericht zum aktuellen DGV-Golfbarometer finden Interessierte auf dem DGV-Serviceportal oder direkt über https://bit.ly/4mJmCDn. Teilnehmende Golfanlagen erhalten zudem eine umfassende Detailanalyse.
Anzahl Teilnehmer könnte höher sein
Nach rund anderthalbjähriger Pause und vor dem Hintergrund der zunehmenden wirtschaftlichen Herausforderungen durch Inflation und Kostensteigerungen verwundert auf den ersten Blick die vergleichsweise geringe Teilnahmequote seitens der Golfanlagen. Von den insgesamt 726 beim DGV angegliederten Golfanlagen nahmen im Frühjahr 2025 gerade einmal 236 Anlagen am Golfbarometer teil, obwohl der Erfassungsaufwand laut Verband pro Anlage nur bei rund 5 Minuten liegt. Das entspricht einer Teilnahmequote von weniger als einem Drittel aller Anlagen im DGV! Dennoch: Gegenüber 222 Teilnehmern am Golfbarometer Herbst 2023 bedeutet dies eine leichte Steigerung. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der DGV bereits im Herbst 2023 anmerkte, dass die Teilnehmer an Frühjahrs- und Herbstbarometer häufig wechselten: Damals nahmen nur rund 42 % der Teilnehmer an der Herbst-Auswertung auch am Frühjahrsbarometer teil. Von daher ist es aus statistischer Sicht angesichts im Vergleich eher geringer und zudem wechselnder Grundgesamtheit schwierig, exakte Entwicklungen zwischen den einzelnen Erhebungen zu bestimmen. Auch die Frage, inwieweit die teilnehmenden Anlagen und ihre Entwicklung repräsentativ für den Gesamtmarkt sind, kann nicht abschließend beantwortet werden. Schon häufiger hat Markus Lawatsch als Abteilungsleiter für Marketing und Marktforschung bei der Präsentation der Zahlen zu den DGV-registrierten Mitgliedschaften darauf hingewiesen, dass rund ein Drittel der im DGV organisierten Golfanlagen für die positive Gesamtentwicklung der Golfer sorge. Man kann daher nur mutmaßen, ob auch beim Golfbarometer eher Anlagen teilnehmen, die sich durch eine positive Geschäftsentwicklung auszeichnen. Generell bleibt jedoch die Frage, warum die Teilnahme so gering ist. Auch der Autor dieses Beitrags hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die deutsche Golfbranche im internationalen Vergleich zu wenig betriebswirtschaftliche Kennzahlen zum Benchmarking habe. Die – trotz steigender Anforderungen an die wirtschaftliche Führung – aktuelle Teilnahmequote von unter einem Drittel aller Anlagen wirft daher die Frage nach dem ,Warum‘ auf: Nutzen die Anlagen andere, umfangreichere Kennzahlen oder ist das Interesse an einer Standortbestimmung im nationalen Wettbewerb so gering, dass man auf eine Teilnahme und den damit verbundenen, wenn auch geringen Aufwand lieber verzichtet? Klar ist, dass überbetriebliche Vergleiche immer nur so gut sein können wie ihre Datenbasis. Je mehr Anlagen daher teilnehmen, umso wertvoller werden die Erkenntnisse und Anwendungsmöglichkeiten für jede einzelne Golfanlage. Fast ist man geneigt zu fordern, die verpflichtende Teilnahme an solchen Erhebungen in der Satzung des Verbands zu verankern, damit die Branche, aber auch der Verband gegenüber Politik und Öffentlichkeit über aussagekräftige Branchendaten verfügt. Für die teilnehmenden Anlagen gibt es darüber hinaus nicht nur die im Ergebnisbericht zusammengefassten Daten, sondern eine detaillierte Auswertung. Dabei stellt der DGV die Daten nach weiteren Differenzierungsmerkmalen wie Anlagengröße, Alter beziehungsweise Gründungsjahr, Trägerschaftsmodell, Qualitätsstandard sowie Standortkriterien wie Kaufkraft und Region zur Verfügung. Anders formuliert: Teilnehmende Anlagen können sich nicht nur gegen den Bundesdurchschnitt vergleichen, sondern auch den Benchmark so wählen, dass man sich mit Anlagen ähnlichen Typs in Wettbewerb setzt. Auffällig bei den zusätzlichen Kriterien ist insbesondere das Merkmal ,Qualitätsstandard‘, denn hier bleibt offen, wer diesen für die teilnehmenden Anlagen festlegt beziehungsweise diese einstuft. Zu vermuten ist, dass es sich hier eher um eine Selbsteinstufung handelt – kein Wunder, dass sich mehr 60 % aller teilnehmenden Anlagen mindestens dem gehobenen Standard zuordnen. Interessant ist hier, dass beim höchsten Qualitätsstandard im Golfbarometer der Hinweis ,Leading Golf Clubs‘ zu finden ist – das lässt die Frage offen, ob nur oder auch Leading Golf Clubs in dieser Gruppe zu finden sind. Handelt es sich bei den Teilnehmern der höchsten Qualitätskategorie ausschließlich um Leading Golf Clubs, wäre die Teilnahmezahl von 31 Anlagen ein erneuter Beweis für das Engagement und die Solidarität der in diesem Verbund organisierten Anlagen. Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass sich unter den Top 10 der besten Golfanlagen der Kollegen vom Golfmagazin (September 2024) gerade einmal zwei Leading Golf Clubs wiederfinden, unter den Top 20 steigt der Anteil auf fünf Plätze – ein Indiz dafür, dass es in der Golfbranche offensichtlich teils deutlich unterschiedliche Wahrnehmungen gibt, was einen ,guten‘ Golfplatz ausmacht.
Zahlen belegen die gute Stimmung in der Branche
Die Ergebnisse der Golfbarometers bestätigen insgesamt die verhalten optimistische Grundstimmung in der Branche – angesichts steigender Herausforderungen ein durchaus erfreuliches Ergebnis. Bei der Bewertung der wirtschaftlichen Lage gaben 44,5 % der Anlagen diese mit ,gut‘ an, weitere 44,1 % bezeichnen sie immerhin als ,befriedigend‘. Lediglich 11,4 % der Anlagen sieht die eigene wirtschaftliche Lage als ,schlecht‘ an. Der aus diesen Daten bestimmte Index liegt bei 33,1, was gegenüber einem Index von 21,2 im Herbst 2023 eine deutliche Verbesserung darstellt. Auffällig dabei: Die Verbesserung stammt vor allem aus einer Verlagerung aus dem Bereich ,zufriedenstellend‘ hin zu ,gut‘, während der Anteil der Anlagen mit schlechter wirtschaftlicher Lage nahezu gleichgeblieben ist. Bei den Geschäftserwartungen dominiert mit 58,5 % der Teilnehmer die Gruppe der Anlagen, die eine gleichbleibende Geschäftsentwicklung erwarten. 31,8 % erwarten gar eine Verbesserung, nur 9,7 % rechnen mit einer Verschlechterung. Auch dies unterstreicht die positive Grundstimmung unter den teilnehmenden Anlagen. Ein wesentlicher Grund hierfür dürfte in den Erwartungen zur Mitgliederentwicklung liegen. Nur 5,9 % der teilnehmenden Anlagen rechnen mit einem Rückgang, mehr als die Hälfte (58,5 %) rechnet hingegen mit steigenden Mitgliederzahlen. Das dürfte den DGV freuen, spülen mehr Mitglieder auf den Anlagen auch höhere Beiträge in die Kassen des Verbandes. Natürlich gilt für das Golfbarometer wie für die jährlichen DGV-Daten zur Golferentwicklung: Die Vielfalt der inzwischen im Markt angebotenen Mitgliedschaftsmodelle erschwert die Einschätzung, ob mehr Mitgliedschaften für die Anlagen auch im gleichen Maße steigende Mitgliedsbeiträge bedeuten. Auffällig ist, dass die Anzahl der Clubs mit Greenfee-Mitgliedschaften leicht rückläufig ist. Insgesamt erwarten die teilnehmenden Clubs ein Mitgliederwachstum vor allem bei den Voll-Mitgliedschaften, deutlich geringer hingegen die Wachstumserwartung bei Werktags- oder Fernmitgliedschaften. Details zeigt Tabelle 1.
Insgesamt unterstreichen diese Daten, dass Golf in Deutschland weiterhin vor allem auf Mitgliedsanlagen basiert – reine Pay- and Play-Anlagen sind weiterhin die Ausnahme, anders als beispielsweise in den USA (siehe dazu auch den Beitrag über den diesjährigen Austragungsort des Ryder Cups, Bethpage, in dieser Ausgabe). Dennoch: Dass mehr als die Hälfte der Anlagen Fernmitgliedschaften im Angebot hat, unterstreicht, dass es weiterhin eine Nachfrage nach einem eher preissensiblen Golf-Grundangebot gibt. Verständlicherweise erwarten nur 7,3 % aller teilnehmenden Clubs, dass Fernmitgliedschaften am häufigsten verkauft würden – schließlich ist es die primäre Aufgabe der Clubs, ihre eigene Anlage zu füllen, Fernmitgliedschaften leisten hier nur einen geringen Beitrag.
Fazit
Fasst man die Indikatoren des Golfbarometers Frühjahr 2025 zusammen, ergibt sich – zumindest unter den teilnehmenden Anlagen – eine positive Grundstimmung. Vorbei sind offensichtlich die Zeiten, als man befürchtete, wieder auf Vor-Corona-Niveau bei den Mitgliedschaften zurückzufallen. Dennoch: Um ein aussagekräftiges Bild von der wirtschaftlichen Situation zu erhalten, sind weitere Daten unverzichtbar. An erster Stelle stehen hierbei Daten zu Erlösen und Kosten (die man dann im Betriebsvergleich erfährt), denn ob die positive Mitgliederentwicklung auch für die erhoffte positive wirtschaftliche Entwicklung sorgt, hängt nicht nur von der Anzahl der verkauften Mitgliedschaften, sondern auch der Preisentwicklung ab. Auch das Thema Greenfee spielt hier eine wichtige Rolle – selbst wenn die meisten Golfanlagen primär auf Mitglieder zur Finanzierung setzen, sind es oft die Greenfeespieler und die von ihnen entrichteten Preise pro Runde, die über Gewinn oder Verlust zum Geschäftsjahresende entscheiden. Hier wird jedes Jahr aufs Neue deutlich, dass die durch einen hohen Fixkostenanteil geprägte Golfbranche ihren Erfolg vor allem durch eine hohe Auslastung inklusive Greenfeespieler sichern muss. Von daher wäre es wünschenswert, wenn künftig auch belastbare Daten zu den gespielten Runden von Mitgliedern und Gastspielern erhoben und ausgewertet würden – eine international längst übliche Kennzahl zur Bestimmung der Auslastung von Golfanlagen. Denn noch immer steht die Frage im Raum, ob die Clubs weiterhin bei den Mitgliedschaften nach Spieltagen oder Vertragsdauer unterscheiden sollten oder anstelle der üblichen Flatfee-Modelle eher, wie international bereits häufig angewandt, auf Rundenkontingente setzen sollten und damit Modelle für Viel- und Wenigspieler anbieten. Zudem wäre es, beispielsweise zur Kommunikation gegenüber der Politik, hilfreich, die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, aber auch der im Ehrenamt engagierten Personen zu erheben – gerade gegenüber der Politik sind solche Daten hilfreich, denn letztlich bedeuten ,Stellen‘ immer auch ,Wähler‘ und ,Steuerzahler‘. Dennoch: Die publizierten Daten helfen Golfanlagen, nicht nur ihre eigene Position im Markt zu bestimmen, sondern auch ihr eigenes Angebot mit den Erwartungen des lokalen Marktes (zu bestimmen über eigene Marktforschung) abzugleichen. Wenn es in Zukunft gelingt, noch mehr Golfanlagen in Deutschland vom Mehrwert einer solchen Erhebung sowohl für die eigene Anlage als auch als Solidarbeitrag im Sinne von mehr Markttransparenz für die anderen, im DGV organisierten Golfclubs zu motivieren, werden die Daten des Golfbarometers noch aussagekräftiger und wichtiger zur Standortbestimmung.
Autor: Michael Althoff | golfmanager 3/25