Führung braucht Klarheit

Schreibtisch und Kopf aufräumen

Die eigene Interpretation von Führung und die persönliche Haltung sind wichtig, um eine Führungsposition auszufüllen.

 

Die Definition von Führung im Sinne der Betriebswirtschaftslehre und des Personalmanagements lässt sich erst einmal in einem Satz zusammenfassen. „Personalführung ist die Optimierung der Interaktion zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden im Hinblick auf eine weitgehende Integration von Unternehmens- und Individualzielen.“ (SCHOLZ, C., 2013: Personalmanagement – Informationsorientierte und verhaltenstheoretische Grundlagen, S. 893). Natürlich steht hinter diesem Satz ein riesiger Bereich mit diversen Themenfeldern und Ansichten. Häufig beginnt das Problem schon mit einem Mangel an klar formulierten und definierten Zielen. Ohne Zieldefinition ist die Organisation und Struktur im Unternehmen unmöglich, da sich diese an der Zieldefinition ausrichten. Die Herausforderung liegt darin, zum einen an dem persönlichen Anspruch an die eigenen Werte, der Rolle des Angestellten, als auch in der Rolle als Vorgesetzter eines Teams gerecht zu werden. Gerade im Golfmanagement scheitert dies häufig an der „Schwerkraft“ des Tagesgeschäftes.

 

Orientierung bedeutet Klarheit in folgenden Bereichen zu erlangen: Wo stehen wir? Wohin möchten wir uns entwickeln? Wie kommen wir dort hin? Warum ist die Entwicklung in eine bestimmte Richtung notwendig? 

 

Selbstführung

Es gehört sehr viel Mut dazu, sich selbst zu leben und eine integre Persönlichkeit zu sein. Persönliche Integrität bedeutet, eine Treue zu leben, die sich an die eigene Persönlichkeit richtet. All Ihr Handeln – sowohl das geschäftliche Handeln als Führungskraft, als auch das Handeln im privaten Umfeld – ist bestimmt von Ihrem Wertesystem.

 

Der Prozess ist häufig langfristig, da zuerst Mechanismen, Muster und Verhaltensweisen, welche sich häufig unbewusst eingeschlichen haben, erkannt und dann erst bearbeitet werden können. Folgende Fragen sind hilfreich, um zu erkennen, ob man integer handelt:

 

  • Tut es mir gut?
  • Bringt es mich weiter?
  • Macht es mich zufrieden?

 

Veränderung beginnt immer bei jedem selbst. Schon kleine Veränderungen in der eigenen Haltung und Kommunikation bringen langfristig erstaunliche Ergebnisse. Ist einem das eigene Ziel bewusst, fällt einem die Orientierung leichter und das Stressniveau wird reduziert. Um sich über seine Ziele und Werte Klarheit zu verschaffen, ist der wichtigste Faktor Zeit. Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe für sich selbst, damit sie sich wieder in die Lage versetzen können, zu agieren und nicht nur auf äußere Einflüsse zu reagieren. Welche Aufgaben müssen Sie selbst erledigen und was können Sie an Ihr Team delegieren? Trauen Sie sich, Dinge abzugeben – schauen Sie über Ihre Aufgaben und prüfen Sie, was sich delegieren lässt. Sprechen Sie Ihr Team aktiv auf neue Aufgaben an und geben Sie ihm damit mehr Verantwortung. Die Abläufe zu koordinieren und zu kontrollieren ist effizienter, als alles selbst tätigen zu wollen. 

 

Priorisierung ist ein weiterer wichtiger Faktor, um sich Freiräume zu schaffen und nicht im Tagesgeschäft unterzugehen. Um erfolgreich zu priorisieren, bedarf es eines übergeordneten Zieles, um Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Wichtig ist alles, was der Zielerreichung dienlich ist.

 

Haben Sie Ihre Ziele schriftlich notiert, um sich immer wieder selbst daran zu erinnern und weiter an der Umsetzung zu arbeiten?  Orientierung ist ein immerwährender Prozess, der nie beendet ist. Neuausrichtung und Nachjustierung bedürfen einer fortwährenden Aufmerksamkeit, so wie jeder Kapitän immerfort kontrollieren muss, ob sein Schiff noch auf Kurs ist.

 

Unternehmensführung & Unternehmensstrukturen

Unternehmen müssen entwicklungsfähig sein. Entwicklung bedeutet nicht die Optimierung von Effizienz, sondern die aktive Gestaltung der Zukunft des Unternehmens. Hierzu bedarf es einer klaren Vision, welche die Richtung vorgibt, eine gesunde Organisationskultur fördert und die Möglichkeit bietet, klare Strukturen mit Verantwortung und Zuständigkeit zu schaffen.

 

Damit die Mitarbeiter auch im Sinne des Unternehmens agieren können, sollten Sie nicht nur über Ziele sprechen, sondern auch über Ihre Erwartungen und Werte. Die Formulierung der Unternehmenswerte ist ein wichtiger Faktor, um die passenden Mitarbeiter für das Unternehmen zu rekrutieren. (Leit-)Werte, die das Unternehmen nach innen und außen vertritt, dienen der Unternehmensführung und dem Team als Handlungsorientierung, Verhaltensmaßstäbe und Entscheidungsgrundlage. Wirksam sind sie nur, wenn sie laufend vermittelt und vorgelebt werden. Ein Unternehmen ist eine Ansammlung von Menschen. Jeder Einzelne verfügt über sein eigenes Wertesystem und das ist sehr individuell. Da kann es richtig anspruchsvoll werden, eine „Schnittmenge“ zu finden. Oftmals prallen hier sehr unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinander und gleichzeitig sind es auch gemeinsame Werte, die zu Einigkeit und Einheit führen (Betriebsklima, Teamgeist). Da auch jeder einzelne Mitarbeitende die Unternehmenswerte leben und tragen soll, gilt es bereits beim Einstellungsprozess darauf zu achten, inwieweit Bewerber zu den Unternehmenswerten passen – beispielsweise durch gezielte Fragen im Bewerbungsgespräch.

 

Hierzu hat man jedoch meistens keine Zeit, da das Tagesgeschäft ruft und somit ist der Teufelskreis perfekt. Innehalten, Nachdenken und Klarheit schaffen sind wirksame Methoden, um dem Hamsterrad zu entgehen. Sicher ist dies einfach gesagt und deutlich schwerer in der Umsetzung, aber Wandel beginnt immer mit dem ersten Schritt. Realistische Zwischenschritte, Kontinuität und beständiges Training sind hilfreiche Unterstützungen in diesem Prozess. Rückschläge sind wichtige Indikatoren, die man zur Neuausrichtung nutzen kann.

 

Fehlen Strategie und Zielformulierungen, so scheuen Sie sich nicht, diese einzufordern und sprechen Sie unrealistische Zielsetzungen an. Die Rollendefinition des mittleren Managements ist keine Aufgabe für den einzelnen Manager. Sie ist eine strukturelle Fragestellung, die zunächst einmal vom Inhaber / Vorstand zu beantworten ist.

 

Hilfreich ist es, die Opferrolle zu verlassen und die eigene Rolle im Unternehmen aktiv zu gestalten. Dies gelingt durch Veränderung der Situation und der eigenen Einstellung. Als Führungskraft ist es Ihre Aufgabe, eine klare Unternehmensvision und daraus abgeleitete Ziele zu kommunizieren. Häufig sind diese aber nicht klar formuliert, was zur eigenen, als auch zur Unsicherheit im Team führen kann. Wer als Führungspersönlichkeit wahrgenommen werden möchte, muss auch als Führungspersönlichkeit agieren. Hierzu gehört auch der Mut, Themen offen anzusprechen und auch einmal kontrovers zu diskutieren.

 

Um die Integration in den Alltag zu gewährleisten, hilft die schriftliche Dokumentation der getroffenen Ziele, Prioritäten und Strukturen. Nur wenn Verantwortlichkeiten klar kommuniziert und dokumentiert sind, ist eine gute Zusammenarbeit möglich. Dies hilft fokussiert auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten.

 

Häufig fallen wichtige strategische und taktische Aufgaben dem operativen Tagesgeschäft zum Opfer. Dies ist kurzfristig gesehen sicher hilfreich, auf lange Sicht gesehen jedoch kontraproduktiv. Natürlich müssen in einem mittelständischen Unternehmen im Notfall alle unterstützen, jedoch handelt es sich bei einem geplanten Urlaub eines Kollegen nicht um einen Notfall. Eine klare Aufteilung der Zuständigkeiten und Differenzierung nach strategischen, taktischen und operativen Aufgaben hilft, Unternehmensstrukturen zu gestalten. Auch hier ist Durchhaltevermögen gefragt. Wenn Verantwortlichkeiten nicht klar definiert und verteilt sind, wird es immer wieder passieren, dass zum Beispiel die Unternehmensleitung in operative Aufgaben eingreift und durch fehlende Strategien Unsicherheiten im Team entstehen. Um Ihre eigene Position im Unternehmen zu stärken, hilft es, Perspektiven und Erwartungshaltungen auf beiden Seiten transparent zu machen und zu eruieren, wie diese Erwartungen bestmöglich umgesetzt werden können.

 

Teamführung

Auf Golfanlagen und im Dienstleistungssegment allgemein benötigt ein guter Führungsstil besondere Aufmerksamkeit, da das Team nicht „nur“ Produktionsfaktor, sondern entscheidender Bestandteil des Produktes ist. 

 

Im Endeffekt ist jede Führungskraft ein Teil des Teams und sollte daher bestrebt sein, ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen. Fördern Sie Kreativität und Austausch, um die Teammitglieder dazu anregen, selbständig und lösungsorientiert zu denken. Offene und ehrliche Kommunikation sind wichtig, damit die Mitglieder Ihres Teams sich als Teil der Organisation sehen und sich wertgeschätzt fühlen. Stehen Sie zu Vereinbarungen und seien Sie ein verlässlicher Partner innerhalb des Teams. Teams sind erfolgreich, wenn sie miteinander und füreinander arbeiten, gemeinsame Verbesserungsvorschläge entwickeln und diese umsetzen. Die Führungskraft kann dafür die Rahmenbedingungen im Team entsprechend gestalten und Handlungsspielraum schaffen.

 

Wenn uns Orientierung fehlt, verursacht dies Stress. Ebenso ist es bei der Erfüllung von Aufgaben, deren Sinn und Zweck wir nicht verstehen. Stehen Mitarbeiter im Dunkeln und wissen nicht, wohin die Reise geht, arbeiten sie nicht mit voller Kraft und für kein gemeinsames Ziel. Eine fehlende Zieldefinition führt auch zu Konflikten innerhalb des Teams, da einzelne Teammitglieder ihre eigenen Ziele definieren und interpretieren.

 

Ein situativer Führungsstil passt sich an und holt jeden Mitarbeitenden genau da ab, wo er steht. Jeder Angestellte sollte entsprechend seiner Aufgaben, Fähigkeiten gefördert und geführt werden. Vorteil eines situativen Führungsstils ist vor allem die individuelle Berücksichtigung der verschiedenen Situationen und Personen innerhalb eines Teams. Schenken Sie Vertrauen mit weniger Kontrolle und übergeben Sie mehr Eigenverantwortung. Somit ist es möglich, flexibel zu reagieren, Innovationen schneller voranzubringen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Hier geht es nicht darum, die eigenen Werte zu ignorieren, sondern zu akzeptieren, dass andere Menschen andere Werte und Einstellungen haben. Die Kunst besteht darin, konkurrierende Interessen zu vermitteln und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.

 

Bieten Sie Ihrem Team Orientierung: Kommunizieren Sie konkret, was die Kollegen von der Führungsspitze erwarten können. Wann ist schnelles Handeln angesagt, wann sind Ideen gefragt, die Zeit brauchen? Wie können die Ziele erreicht werden und was hat jeder Einzelne dabei zu tun? Machen Sie kleine und große Erfolge, aber auch Rückschritte transparent, so schafft man ein Klima des Vertrauens.

 

Häufige Gespräche mit einem einzelnen Mitarbeiter dienen dazu, die Interessen und Ziele eines jeden Teammitglieds abzuklären. Anschließend werden die individuellen Ziele der Mitarbeiter mit den kollektiven Zielen, also den Unternehmens- und Teamzielen verglichen. 

 

Ein respektvoller Umgang mit seinen Mitmenschen gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen der tagtäglichen Interaktion. Folgenden Haltungen und die zugehörigen Botschaften an die Mitarbeitenden zeichnen eine gute und gesunde Führungshaltung aus und können eine Basis für die eigene, individuelle Haltung bilden:

 

  • Achtsamkeit – Ich nehme Dich wahr.
  • Offenheit – Ich interessiere mich für Deine Ideen.
  • Wertschätzung –Ich schätze Deine Werte.
  • Empathie – Ich verstehe Dich und zeige Dir das auch.
  • Respekt – Ich achte Dich als Persönlichkeit.
  • Gelassenheit – Ich bin Dein Ruhepol.
  • Flexibilität – Ich bin bereit, mit Dir neue Wege zu gehen.
  • Vertrauen – Ich bin überzeugt, dass Du es kannst.
  • Augenhöhe – Wir können beide voneinander lernen.

 

Da die Wahrnehmung jedes einzelnen Menschen unterschiedlich ist, ist eine schriftliche Dokumentation von Zielen und Organisationsstrukturen notwendig, um Missverständnisse zu vermeiden.

 

Eine positive Fehlerkultur fördert Weiterentwicklung, die Offenheit untereinander (Fehler werden nicht vertuscht) und hilft bei einer konstruktiven Lösungssuche. Weiterhin sind Fehler richtungsweisend bei der Orientierung und Weiterentwicklung.

 

Fazit

Führung benötigt Orientierung und Klarheit und muss Orientierung und Klarheit geben. Ohne Klarheit in Führung und Struktur gibt es keine gelingende Gemeinschaft. Den Schreibtisch und den Kopf aufzuräumen, hilft über die eigene Rolle Klarheit zu erlangen. Sowohl im Privatleben, in Richtung Unternehmensleitung, als auch in Richtung Team. Bei uns allen scheitert es meistens nicht am Wissen, sondern daran, das „Wissen“ in „Tun“ umzuwandeln und in den Alltag zu integrieren. 

 

Sprechen Sie ungeklärte Konflikte und Strukturen an. Gehen Sie gut vorbereitet in Gespräche und Verhandlungen, um diese lösungsfokussiert zu führen. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Führungsaufgaben, um das, was gemacht werden muss, selbst zu verstehen und zu durchdringen. Die eigene Denkweise reflektieren und für neue Denkweisen Platz machen. Die Umsetzung scheitert oft daran, dass die Beteiligten sich zu wenig Zeit nehmen, um neue Denk- und Verhaltensweisen zu erlernen und in alte Muster zurückfallen. Immer wieder kommt es vor, dass die Führung schon überzeugend Bereitschaft kommuniziert, sich selbst zu verändern, dann aber trotzdem wieder neue Verhaltensweisen oder Strukturen in Frage stellt. Eine Weiterentwicklung und die damit verbundene Verhaltensveränderung ist hartes Training an sich selbst und benötigt eigenen Willen und Kontinuität.

 

Unternehmen mit fehlenden Zielen und Strategien, welche die Menschen im Unternehmen nicht mit ihren Persönlichkeiten und Fähigkeiten berücksichtigen, haben wenig Chancen auf Erfolgskurs.

 

Oder um es mit den Worten von Michel de Montaigne zu sagen (frei übersetzt) „Kein Wind ist demjenigen günstig, der nicht weiß, wohin er segeln will.“

 

Autoren: Anja Arens und Marco Müller | golfmanager 3/2021

 

 

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