Erneut kräftiges Golf-Wachstum

Nachhaltiger Zuwachs oder Corona-Peak?

Erste Vorankündigungen deuteten es bereits an: die Anzahl der im Deutschen Golf Verband organisierten Golfer ist 2021 erneut stark gestiegen. Insgesamt 673.983 Golfer bedeuten nicht nur ein Wachstum um weitere 3,46% gegenüber dem Vorjahr, sondern sorgen auch für ein neues Allzeit-hoch bei den Mitgliederzahlen. Dabei fiel die Entwicklung in den einzelnen Regionalverbänden durchaus unterschiedlich aus. Mecklenburg-Vorpommern musste gar einen Rückgang um 2,38% hinnehmen, am stärksten wuchsen Sachsen-Anhalt mit 6,92% sowie Schleswig-Holstein mit 5,41%. Mitglieder-stärkster Landesverband bleibt Bayern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Die Entwicklung nach Regionen zeigt Tabelle 1.

Keine Angaben liefern die Statistiken über die Arten der Mitgliedschaften, also Erst- oder Zusatzmitgliedschaften. Auch der Anteil der Fernmitgliedschaften geht aus den veröffentlichten Daten nicht hervor. Betrachtet man hier die VcG als Indikator, wuchs deren Mitgliederzahl mit 4,62% über Marktdurchschnitt.

 

Die neuen Zahlen des DGV zeigen auch: Golf in Deutschland wird jünger! Nachdem gerade in den letzten Jahren oftmals von stagnierenden oder gar rückläufigen Mitgliederzahlen bei jungen Golfern berichtet wurde, wuchs die Zahl der Golfmitglieder bei den bis zu 18-Jährigen überproportional um 6,57%. Am stärksten innerhalb der Jugend wuchs die Gruppe der Jüngsten mit bis zu 6 Jahren, hier konnte gar ein Wachstum um 11,91% erzielt werden. Auch bei jungen Erwachsenen war das Wachstum überproportional. Die Gruppe der 19-35-Jährigen legte um 10,81% gegenüber dem Vorjahr zu – maßgeblich beeinflusst durch eine Zunahme von rund 14% bei den 21-26-jährigen Golfern und Golferinnen. Leicht eingebüßt haben die Clubs hingegen in der Altersgruppe der 41-55-Jährigen, während das Wachstum bei den über 55-Jährigen erneut überproportional ausfiel. Überträgt man diese Zahlen auf Generationen, scheint bei Großeltern und Enkeln die Begeisterung für Golf zu wachsen, während die Zielgruppe der Eltern eher schwächelt.

Das wirft auch die Frage auf, welche Zielgruppen für Golfanlagen unter wirtschaftlichen Aspekten besonders wertvoll sind – der golfmanager wird diese Frage daher 2022 mit verschiedenen betriebswirtschaftlichen Ansätzen wie dem Customer Lifetime Value näher betrachten – denn einerseits verfügt Deutschland nach Italien über das zweithöchste Durchschnittsalter in Europa, andererseits nimmt der Anteil der über 55-Jährigen, also der Babyboomer-Generation, an der Gesamtbevölkerung in den nächsten Jahren weiter zu. Die Aufteilung nach Altersgruppen zeigt Tabelle 2.

Differenziert man die Mitgliedszahlen nach Geschlecht, zeigt sich – trotz absolutem Mitgliederzuwachs – gegenüber dem Vorjahr ein etwas geringerer Anteil weiblicher Mitglieder. Ihr Anteil an den DGV-Mitgliedschaften sank leicht von 36,14% auf nunmehr 35,93% – dennoch im internationalen Vergleich weiterhin ein Spitzenwert! Ein Blick in die Detailzahlen offenbart, dass der Anteil weiblicher Mitglieder, vor allem in der Altersgruppe der 19-40-Jährigen, deutlich unter Gesamtschnitt liegt. Allerdings konnten im vergangenen Jahr gerade in der Altersgruppe der 19 -26-jährigen weiblichen Golfer überproportionale Zuwächse erzielt werden. Ab 50 Jahren liegt der Anteil der weiblichen Golfer über dem Gesamtschnitt. Erfreulich auch, dass nach den Zahlen des DGV gerade bei den Mädchen im vergangenen Jahr ein starker Zuwachs zu verzeichnen war. Die Entwicklung nach Altersgruppen im Einzelnen zeigen die Tabellen 3 und 4.

Auch die Anzahl der ordentlichen Mitglieder im DGV mit und ohne Spielbetrieb stieg leicht an und liegt nun bei 825 (einschließlich der Landesgolfverbände), hinzu kommen 12 außerordentliche Mitglieder. Die höchste Mitgliederdichte erreicht der DGV in Bayern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die Anzahl der Golfanlagen blieb mit 720 gegenüber dem Vorjahr konstant. Sie verteilen sich wie folgt nach Anzahl der Spielbahnen (Grafik 1).

 

Damit entfallen gut 60% der Anlagen in die Kategorie der sogenannten 18-Löcher-Anlagen. Insgesamt entfallen somit auf jede Anlage in Deutschland aktuell rund 936 Mitglieder.

Eine einerseits schöne Entwicklung, die andererseits jedoch auch die Clubmanager vor zusätzliche Herausforderungen bei der Ausbalancierung von Startzeiten für Mitglieder und Gastspieler oder der Planung von Turnieren (vor allem für Anlagen bis zu 18 Spielbahnen) versus freiem Spiel der Mitglieder stellt. Anders formuliert: Das Thema Auslastungssteuerung und -optimierung wird schon in diesem Jahr bei zahlreichen Clubs stärker in den Blickpunkt rücken.

 

Dass die aktuelle Entwicklung sicherlich auch auf die veränderten Rahmenbedingungen in Zeiten von Corona zurückzuführen ist, zeigt ein Vergleich zwischen dem DGV und weiteren Sportverbänden im DOSB, allerdings für 2020. Schon im vergangenen Jahr konnten Outdoor-orientierte Aktivitäten unter dem Dach des Deutschen Alpenvereins, des Deutschen Tennis-Bundes, des Deutschen Skiverbands und eben des Deutschen Golf Verbands Zuwächse erzielen, während andere Sportarten wie insbesondere der Deutsche Turner-Bund und der Deutsche Handball-Bund erhebliche Rückgänge in Kauf nehmen mussten.

 

Bei aller Freude über das erneute Wachstum im Golfsport: Für eine präzise Erfolgsanalyse sind zusätzliche Daten unverzichtbar. So wird in den veröffentlichten Daten nicht nach Art der Mitgliedschaft differenziert. Bedeutet: Eine rein auf Montag als Spieltag beschränkte Mitgliedschaft zählt in dieser Betrachtung genau so wie eine Vollmitgliedschaft für alle Wochentage. Gerade die Golfanlagen sollten daher den Blick nicht nur auf die Anzahl der Mitglieder werfen, sondern auch die Wertigkeit der Mitgliedschaften als qualitatives Merkmal mit bewerten. Und noch wichtiger: Gerade für die Auslastungssteuerung ist die Anzahl der gespielten Runden noch wichtiger als die reine Zahl der Mitgliedschaften. Dazu gibt es im deutschen Golfsport jedoch weiterhin keine belastbaren Branchendaten, sondern allenfalls Hochrechnungen. Daten aus Großbritannien oder den USA zeigen beispielsweise, dass dort nicht nur die Anzahl der Golfer wuchs, sondern auch die Spielfrequenz in den beiden vergangenen Jahren teils deutlich zugenommen hat. Dass im Rahmen der Lockerung der Zugangsvoraussetzungen zu Sportanlagen zahlreiche Golf-anlagen dem Spiel mit Startzeiten wieder den Rücken zugekehrt haben, erschwert die Erhebung entsprechender Daten – gleiches gilt für die Tatsache, dass in Deutschland Golfer vielfach ohne Check-in-Prozess auf die Runde gehen (sich also entweder vor Rundenbeginn gar nicht erst im Sekretariat melden oder dort die anstehende Runde gar nicht erfasst wird).

 

Fazit

Wie bereits in 2020 bleibt auch mit Blick auf die Zahlen für 2021 die Frage, wie nachhaltig das aktuelle Wachstum ist. Dabei bietet jeder neue Golfer grundsätzlich die Möglichkeit, einen langfristigen Fan des Sports und damit auch ein langfristiges Mitglied (zumindest für den Sport insgesamt) zu generieren. Wichtig für die einzelne Golfanlage ist jedoch die konkrete Analyse, wie sich das Wachstum auf die Mitgliederstruktur und ihre Anforderungen auswirkt. Denn mit dem aktuellen Wachstum kommen nicht nur neue Mitglieder in die Clubs, sondern auch neue Sichtweisen und Erwartungen. In den USA beispielsweise wird aktuell vor dem Hintergrund eines deutlichen Zuwachses bei Kindern, Jugendlichen und Frauen diskutiert, welche Auswirkungen dies auf die Platzgestaltung (bietet der Platz für diese Zielgruppen Teeboxen, die „Spaß“ machen?), das Lehrangebot im Club und insbesondere die Clubevents hat. Neben der weiteren Mitgliedergewinnung rückt daher die Mitgliederbindung noch stärker in den Fokus des Anlagenmanagements. Eine genaue Analyse der Erwartungen dieser neuen Mitglieder und eine kontinuierliche Prüfung, ob diese Erwartungen auch erfüllt werden, hat dabei oberste Priorität. Entsprechende Tools wie beispielsweise standardisierte Umfragen gibt es, nicht zuletzt über den DGV-Partner Players1st. Aber auch die regelmäßige Kommunikation von Ehren- und Hauptamt mit den neuen Mitgliedern – und den langjährigen Mitgliedern – kann viele Wünsche zu Tage fördern. Aktuell ist davon auszugehen, dass sich in 2022 die Rahmenbedingungen langsam wieder in Richtung „Pre-Covid“ entwickeln werden – dann steht der Branche der Lackmustest in Sachen Mitgliederbindung bevor, will man nicht nach Rekordzuwächsen bald wieder von Rekord-Abgängen berichten müssen.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 1/2022

 

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