DGV Verbandstag 2019 – harmonisch und sachorientiert

100. Ordentlicher DGV-Verbandstag

Verbandstage des Deutschen Golf Verbandes (DGV) werden seit einigen Jahren in zwei Abschnitte gegliedert: das Hearing am Freitag und den eigentlichen Verbandstag am darauffolgenden Samstag. Auch in diesem Jahr war das Marriott Hotel in Frankfurt Treffpunkt der Golfszene. Das Hearing am Freitag begann mit dem wichtigen Thema der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – und die eingeladenen Clubvertreter zeigten eindrucksvoll, wie individuell die Wege hier sein sollten. Anschließend informierte der Verband über sein Zukunftsprogramm – nicht zuletzt basierend auf der beim letzten Verbandstag abgelehnten Beitragserhöhung. Künftig wird der Verband daher schärfer zwischen seinen satzungsgemäßen Kernleistungen und darüber hinausgehenden Individualleistungen unterscheiden – und letztere nicht mehr kostenfrei anbieten. Bei der Kommunikation konnte der Verband Erfreuliches zum Image des Golfsports in der Bevölkerung berichten. Zudem wird der Verband noch mehr Wert auf die Kommunikation mit seinen Mitgliedern legen. Dazu gehören nicht nur die regionalen Versammlungen, sondern auch Umfragen zu aktuellen Themen über das DGV-Serviceportal. Spannend wurde es beim Thema Verbandsfinanzen: Künftig plant der DGV, bestimmte Projekte nur noch auszuführen, wenn diese über eine zuvor zu beschließende Umlage finanziert werden können. Betriebswirtschaftlich hochinteressant: Der Verband hat entschieden, dass eine Eigenkapitalausstattung von rund zwei Millionen Euro für die satzungsgemäßen Aufgaben ausreichend sei. Daher werden die aktuell deutlich höheren Rücklagen in den kommenden Jahren angepasst. Konkret bedeutet dies nichts anderes, als dass Fehlbeträge durch eine Eigenkapitalsenkung ausgeglichen werden – mit den laufenden Einnahmen lassen sich offensichtlich selbst die Kernaufgaben nicht mehr solide finanzieren.

Highlights des Hearings

Dass Golf und Umweltschutz keine Gegensätze mehr sein müssen, zeigte die neue Kooperation zum Thema Golfanlagen und Artenvielfalt. Dass es hier gelungen ist, mit Dr. Andre Baumann einen Staatssekretär des baden-württembergischen Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft nicht nur von einer Zusammenarbeit zu überzeugen, sondern fast schon als Laudator für die neue Zusammenarbeit im Rahmen des Hearings zu gewinnen, war ein echter Coup!

Ein weiterer Höhepunkt des Hearings war der Vortrag David Rickmans von der R&A zum Thema neue Golfregeln – der allerdings auch die Ankündigung folgte, dass das neue World Handicap System in Deutschland frühestens 2021 eingeführt werden könne. Sehr interessant auch der anschließende Vortrag zum Thema Golf und Inklusion. Schade allerdings, dass als Beispiel ausgerechnet Wettkämpfe herangezogen wurden, in denen Menschen mit Einschränkungen unter sich blieben – dabei gibt es auf Clubebene bereits sehr viele wirklich inklusive Projekte, beispielsweise gemeinsame Turniere. Auch sollte man bedenken, dass Inklusion nicht nur Rollstuhlfahrer bedeutet, sondern eben auch Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen.

Aber der Anfang ist gemacht – und die Wahl von Ralf Bockstedte zum Vorsitzenden des Kontroll- und Schlichtungsausschusses sowie Good-Governance-Beauftragten am folgenden Tag zeigte, dass das Thema Inklusion auf Verbandsebene bereits aktiv gelebt wird. Der letzte geplante Programmpunkt des Hearings über das DGV-Serviceportal fiel dann leider der fortgeschrittenen Zeit zum Opfer. 

 

100. Ordentlicher Verbandstag im Zeichen von Neuwahlen

Der ordentliche Verbandstag am Samstag stand ganz im Zeichen der Wahlen. Wer hier jedoch die von früheren Wahlen bekannten Wortgefechte, Debatten und Diskussionen erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Stattdessen verlief auch der Verbands­tag, wie schon das Hearing, insgesamt unaufgeregt und sachorientiert – eines der wichtigsten Ziele des aktuellen Präsidiums. Auftakt war ein Vortrag von DOSB-Chef Alfons Hörmann, der aufzeigte, dass der DGV zu den mitgliederstärksten Verbänden der olympischen Sportarten zählt und auch darauf hinwies, dass gerade die Profigolfer und -golferinnen bei Olympia zeigten, wie sehr Vollprofis und Amateure unter der olympischen Flagge gemeinsam für ihre sportlichen Ziele kämpften. Nach den üblichen Berichten von Präsidium und Revisoren wurden diese mit überwältigender Mehrheit entlastet. Dann stand der Höhepunkt auf der Tagesordnung: die Wahlen. Claus M. Kobold wurde mit 94,15% im Amt bestätigt. „Ich persönlich hatte mir mindestens eine Acht vorne gewünscht“, zeigte sich der alte und neue DGV-Präsident im anschließenden Pressegespräch sichtlich zufrieden. Auch sein Stellvertreter, Achim Battermann, wurde mit ausgezeichnetem Ergebnis im Amt bestätigt.

Spannung dann bei der Wahl der drei Vizepräsidenten: Plötzlich kam Bewegung in die Delegierten, wurde doch der Wahlvorschlag des Präsidiums um einen vierten Kandidaten, Wilhelm Fumy, erweitert. Dieser setzte sich direkt bei der Wahl des ersten Vizepräsidenten gegen seine Mitbewerber durch. Ebenfalls gewählt wurden in den folgenden Wahlgängen Eicko Schulz-Hanßen und Yasin Turhal, der sich im letzten Wahlgang knapp gegen die einzige Bewerberin, Brita Hankammer vom hessischen Golfclub Georgenthal, durchsetzte. Obwohl der DGV mit knapp 40% europaweit die meisten weiblichen Golfer aufweist, bleibt das Präsidium damit auch in der neuen Wahlperiode eine reine Männerdomäne, was der Präsident und sein Stellvertreter sehr bedauerten. Im Pressegespräch wiesen die Präsidiumsmitglieder jedoch auch darauf hin, dass es gar nicht so leicht sei, eine Frau für die Wahl zum Präsidium zu gewinnen, da sich viele potenzielle Kandidatinnen nicht in der Rolle der „Quotenfrau“ sehen wollen. Die neue Sachlichkeit und der ergebnisorientierte Stil des wiedergewählten Präsidiums zeigte sich jedoch gerade daran, dass die teilweise Ablehnung des Präsidiums-Wahlvorschlags als Votum der Mitglieder fair akzeptiert wurde und die sehr gute Stimmung auf dem Verbandstag dadurch nicht kippte. So gab es auffallend wenig weitere Anträge im Verlauf der Tagung. Interessant dann der Vorschlag zur künftigen Verbandsfinanzierung, den Achim Battermann nochmals in Anlehnung an seinen Vortrag beim vortäglichen Hearing erläuterte. Die einzige Überraschung: Es gab auch auf dem Verbandstag keinerlei Fragen, die von Battermann deutlich vorgetragene angestrebte Reduktion des Verbands-Eigenkapitals wurde mit deutlicher Mehrheit durchgewunken – was den stellvertretenden Präsidenten selbst erstaunte.

Mit der Wahl von Norbert Löhlein zum Ehrenmitglied und dem wie immer launigen Vortrag des VcG-Präsidenten Dr. Wolfgang Weikert endete ein erfolgreicher 100. Verbandstag.

 

Dass dieser letztlich harmonisch und sachorientiert verlief, war nach Einschätzung von Präsident Claus Kobold und seinem Stellvertreter Achim Battermann Ausdruck der Arbeit der vergangenen vier Jahre. „Die Stimmung in der Geschäftsstelle hat sich in den letzten vier Jahren deutlich verbessert, das Team geht wieder mit Spaß an der Sache zur Arbeit“, so Battermann. Dass das neue Selbstverständnis des Verbands noch nicht überall angekommen ist, merkte man jedoch daran, dass viele Clubs weiterhin Themen beim Verband platzieren möchten, die in erster Linie die lokale Clubarbeit betreffen, beispielsweise die Mitgliedergewinnung. Battermann führt dies einerseits darauf zurück, dass teils häufige Personalwechsel in den Clubs diese Form der Rückdelegation förderten, andererseits sei es früher auch das abgestrahlte Selbstverständnis des Verbands gewesen, dass man sich auch um solche Themen kümmere – heute habe der Verband eine andere Strategie.

 

Präsident Kobold sieht einen wesentlichen Erfolgsfaktor in der sehr guten Vorbereitung des Verbandstags, vor allem durch die zahlreichen Gespräche vor Ort.

Auch das Verhältnis des DGV zum Golfmanagement Verband Deutschland (GMVD) und Bundesverband Golfanlagen (BVGA) habe sich in den letzten Jahren deutlich gebessert, heute arbeite man miteinander statt gegeneinander. „Wir können heute sogar wieder ohne Ritterrüstung zu Veranstaltungen des BVGA gehen“, fasst Battermann dies mit einem Lächeln zusammen. Bleibt zu hoffen, dass das neue Präsidium die eingeschlagene Richtung auch in den kommenden vier Jahren fortsetzen kann – denn dass es genügend Herausforderungen rund um den Golfsport und den Verband, nicht zuletzt bei der Finanzierung, gibt, haben Verbandstag und Hearing ebenfalls nachdrücklich aufgezeigt.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 2/2019

 

<< zurück