Spielgeschwindigkeit und Ready Golf für mehr Spaß am Sport

Im Gespräch mit Alexander Klose

Zum Thema „Zeitbedarf für das Golfspiel“ und was die Golfanlagen bzw. der Deutsche Golf Verband (DGV) tun können, die immer länger werdenden Rundenzeiten wieder auf ein „sinnvolles“ Maß zu reduzieren, befragten wir den Golfspieler und DGV-Vorstand Alexander Klose:

 

? Lieber Herr Klose, das Thema Spielgeschwindigkeit wird nicht nur in Deutschland zunehmend wichtig, erst in der vergangenen Ausgabe des golfmanager hatten wir eine interessante Variante eingebunden, wie die Flamen mittels Uhren auf dem Platz zur Einhaltung der Rundenzeiten mahnen. Wie sehen Sie das ganz persönlich, als Golfer auf der Runde? Spielen Sie im privaten Bereich eventuell jetzt schon „Ready Golf“?

 

! Ja, natürlich. Ich kenne eigentlich im privaten Spiel niemanden, der z.B. nicht schon seinen Ball zur Fahne spielt, statt dass er darauf wartet, dass sein Mitspieler, der den Ball aus dem Grünbunker weit hinter das Grün getoppt hat, zunächst seinen Ärger verkraftet, dann den Bunker harkt, den Weg um das Grün herum zurücklegt und dann den Ball aufs Grün chippt. Um das ohnehin schon lockere Spiel in privater Runde geht es aber mit „Ready Golf“ nur am Rande. Ziel ist vielmehr ein genereller Bewusstseinswandel: Immer, also gerade auch im Turnier, sollten Deutschlands Golfer im Zählspiel, wozu auch Stableford gehört, nicht mehr auf ihrer Ehre am Abschlag oder der üblichen Spielfolge „am weitesten weg von der Fahne zuerst“ bestehen. Jedenfalls dann nicht, wenn ein Mitspieler klar erkennbar schon vor ihnen spielbereit ist und niemand gefährdet oder gestört wird.

 

? Warum die vom DGV-unterstützte R&A-Initiative „Ready Golf“ zum jetzigen Zeitpunkt? Gibt es hierzu Daten, die der DGV erhoben hat und die diese Anpassung jetzt nahelegen?

 

! Die Antwort ist einfach: Je schneller sich die Rundenzeiten gerade in Turnieren, auch wenn „vorgabenwirksam“ gespielt wird, verkürzen, desto besser. Deshalb ein Appell an alle für den Spielbetrieb Verantwortlichen: Nutzen Sie die Chance, die die Empfehlung des DGV für Ready Golf bietet. Zwei Stunden für neun Löcher oder vier Stunden für 18 Löcher statt bis zu drei oder fünfeinhalb Stunden bringt einerseits den Spaß zurück und ist überragend wichtig für die Attraktivität des Golfsports insgesamt. In der Branche kennt man die DGV-Marktforschungen. Wenn Bundesbürger gefragt werden, was sie von Golf abhält, dann rangiert der Zeitbedarf mit größtem Abstand stets an der Spitze. Da müssen wir alle gemeinsam angreifen und das möglichst schnell. Es gibt, neben Ready Golf, nicht viele andere Schrauben, an denen wir drehen können und die auch tatsächlich etwas bewirken. Mein Glaube beispielsweise an Strafschläge zur Spielbeschleunigung oder Uhren auf dem Platz zur Einhaltung der Rundenzeiten oder die Wirksamkeit von Schildern wie „Wenn Sie nach zwei Stunden hier sind, müssten Sie eigentlich schon zwei Löcher weiter sein“, hält sich arg in Grenzen.

 

? „Ready Golf“ soll 2019 Bestandteil der Offiziellen Golfregeln werden. Der DGV möchte Ready Golf jedoch schon 2018 einführen. Warum um ein Jahr vorgezogen und nicht mit den anderen Regelanpassungen zusammen, zumal dafür landesweit Informationsveranstaltungen geplant sind?

 

! Zunächst: Der DGV „führt“ Ready Golf „nicht ein“. Die Regeln zum Zählspiel erlauben bereits jetzt das Spielen außerhalb der üblichen Reihenfolge ohne Strafsanktion. Daraus leiten wir nun eine, wenn Sie so wollen, dringende Empfehlung ab und werden auch in DGV-Verbandswettspielen den Spielern ein umsichtig gehandhabtes „Ich spiele schon mal.“ empfehlen. Wenn wir wissen, dass der Zeitbedarf für Golf ein Dreh- und Angelpunkt der zukünftigen Entwicklung ist, wäre jedes Jahr, das wir alle gemeinsam verstreichen lassen, fatal. Übrigens: Warum gibt es in vielen Golfclubs Haus- oder Festausschüsse aber keine kleine Arbeitsgruppe, die sich mit Maßnahmen zur Verkürzung der Rundenzeiten konkret vor Ort befasst? Für das Golfanlagenmanagement oder eine solche Arbeitsgruppe hätten wir aktuell nämlich noch etwas: Gerade erschienen ist unser „Handbuch Spielgeschwindigkeit“, in dem, ausgehend von einer weltweiten Recherche des Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews, alle aktuell bekannten Stellschrauben für eine signifikante Verkürzung der Spielzeiten zusammengefasst sind. Jede Golfanlage hat diese Broschüre erst jüngst von uns erhalten und sie steht im Internetangebot des DGV auch zum Download bereit. Also: Ran an den Feind!

 

Herr Klose, herzlichen Dank für dieses Gespräch, das Thema „Arbeitsgruppe Spieltempo“ auf Golfanlagen nehmen wir gerne mit und verfolgen dies bei unseren Gesprächen „draußen“.

 

Das Gespräch führte Stefan Vogel.