Spielgeschwindigkeit – Eine Aufgabe für alle Beteiligten

DGV-Handbuch für kürzere Rundenzeiten

Die durchschnittlich für eine Golfrunde benötigte Zeit scheint seit Jahren stetig anzusteigen. Auf vielen Golfanlagen rückt das Thema „Spielgeschwindigkeit“ immer mehr in den Fokus und es gibt kaum einen Golfplatz, auf dem Clubverantwortliche und Spieler mit den benötigten Zeiten zufrieden sind. Bei dieser Unzufriedenheit handelt es sich nicht um ein subjektives Empfinden, sondern um tatsächlich messbar länger dauernde Runden. Von der Empfehlung des Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (R&A), eine Golfrunde zu viert in maximal 3:50 Stunden zu spielen, entfernen wir uns immer weiter. Vor wenigen Jahren schien die Dauer von rund fünf Stunden für 18 Löcher entschieden zu lang zu sein. Heute wird auf manchen Golfanlagen resigniert festgestellt, dass man sich immer häufiger der Sechs-Stunden-Marke nähert und dies nicht auf wenige Einzelfälle beschränkt bleibt.

 

Die negative Auswirkung betrifft nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Golfanlagen, auch der Spielspaß der Golfer leidet gewaltig. Bei längeren Rundenzeiten muss davon ausgegangen werden, dass aktive Golfer aufgrund des wachsenden Zeitbedarfs weniger Runden pro Jahr spielen und Golf-Interessenten durch den notwendigen Zeitaufwand davon abgehalten werden, den Golfsport überhaupt aufzunehmen. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Kundenzufriedenheit sowie die Anzahl der Mitglieder und Gastspieler aus.

 

Nicht selten werden allein die Spieler für immer länger dauernde Rundenzeiten verantwortlich gemacht. Bis auf die eine oder andere vorsichtige Ermahnung, die kaum Erfolg zeigt, steht man in der Regel dem Problem recht hilflos gegenüber.

 

Nach einer intensiven, weltweiten Datenerhebung und Analyse der verschiedenen Ursachen für das Spieltempo, hat der R&A ein „Pace of Play Manual“ geschrieben. In Anlehnung daran wurde durch den Deutschen Golf Verband (DGV) das „Handbuch Spielgeschwindigkeit“ erstellt und allen DGV-Mitgliedern im November zugesandt.

 

Das Handbuch bietet einen Überblick über die Ursachen für langsames Spiel und beschreibt individuelle Lösungsmöglichkeiten. Das Verhalten der Spieler ist dabei einer der Aspekte, aber auch durch Anpassungen des Managements, also der Organisation des Spielbetriebs, und der Platzgestaltung, können erhebliche Einsparungen bei der Rundenzeit erzielt werden; Konsequenz in der Umsetzung vorausgesetzt.

 

Organisation des Spielbetriebs optimieren

Im Bereich des Managements einer Golfanlage hat es sich insbesondere als grundlegend erwiesen, die Abschlagsintervalle nicht zu kurz zu bemessen. Als Faustregel kann gelten, dass die Abschlagsintervalle nicht kürzer sein sollten, als die Zeit, die benötigt wird, um das am schnellsten zu spielende Loch der Runde zu beenden. Diese Regel ist besonders dann wichtig, wenn sich dieses Loch schon früh auf der Runde befindet. Während die üblichen Intervalle von zehn Minuten für Dreiergruppen häufig noch ausreichend sind, können auf vielen Plätzen damit für Vierergruppen die Zeitverzögerungen bereits vorprogrammiert sein. Erforderlich ist zudem eine klare Information der Spieler über die von ihnen erwarteten Rundenzeiten. Diese können durch die Clubverwaltungssoftware zum Beispiel direkt auf die Scorekarten gedruckt werden. Nur wenn die Zeiten realistisch bemessen sind, werden sie von den Golfern akzeptiert und befolgt.

 

Platzgegebenheiten berücksichtigen

Gerade bei der Platzgestaltung können schon vermeintlich kleine Änderungen große Auswirkungen auf die Spielgeschwindigkeit haben. Grundlegend scheint es hier, die Spieler nicht mit zu schweren Plätzen zu überfordern und für jede Spielstärke passende Abschlagsfarben anzubieten. Die früher übliche Bezeichnung von „Damen-“ oder „Herrenabschlägen“ sollte vermieden werden, um eine größere Flexibilität bei der Auswahl der Abschläge zu erreichen. So sollten auch Herren mit kürzeren Schlaglängen bevorzugt die vorderen Abschläge nutzen. Mit der Bezeichnung „blauer“ oder „roter Abschlag“ sind Spieler eher gewillt, die Vorteile der kürzeren Spielbahnen zu nutzen, als wenn diese weiterhin als „Damenabschlag“ tituliert werden. Durch die leichtere Erreichbarkeit der Fairways und Grüns haben Spieler deutlich bessere Erfolgserlebnisse und den damit verbundenen höheren Spielspaß. Da es so auch zu weniger Ballverlusten und ungünstigen Lagen kommt, absolvieren diese erfolgreichen Spieler ihre Runde in kürzerer Zeit.

 

Gerade Anfänger und Spieler mit höheren Handicaps können unterstützt werden, indem auf der Runde beobachtet wird, welche Stellen für diese Spielergruppen wiederholt problematisch sind. Teilweise handelt es sich hierbei um Spielsituationen, wie etwa Rough, Hindernisse oder Hemmnisse, die deutlich außerhalb der Landezonen von Scratch- oder Bogey-Golfern liegen. Bei solchen Erschwernissen sollten Änderungen des Platzes in Erwägung gezogen werden. Ohne Course-Rating- oder Slope-Rating-Werte zu beeinflussen, kann der Platz an diesen Stellen gerade für weniger geübte Spieler deutlich leichter gestaltet werden. Die daraus folgenden kürzeren Rundenzeiten kommen Spielern und Management gleichermaßen zugute.

 

Für das Thema Spiel­geschwindigkeit sensibilisieren

Um im Bereich des Spielerverhaltens positive Ergebnisse zu erzielen, müssen alle Golfer sich zunächst über die von ihnen erwartete Spielgeschwindigkeit bewusst sein. Während sich zügig gespielte Runden für den größten Teil der Golfer positiv auf gespielte Ergebnisse und Spaß am Spiel auswirken, gibt es auch immer wieder Spieler, die sich über die „Drängler von hinten“ beschweren, statt darauf zu achten, den Anschluss an die vorausspielende Spielergruppe zu halten. Kein Spieler soll sich auf der Runde gehetzt fühlen, aufmerksames und auf das Spiel konzentriertes Verhalten darf jedoch von allen erwartet werden.

 

Flexiblere Spielfolge dank Ready Golf

Ein wichtiger Aspekt, der ab der Spielsaison 2018 seitens des DGV ganz besonders gefördert wird, ist „Ready Golf“. Diese Initiative des R&A reduziert die Rundenzeiten in allen Zählspielformaten innerhalb und außerhalb von Wettspielen, indem die Spielfolge flexibler gehandhabt wird. Statt streng darauf zu bestehen, dass der Spieler mit der Ehre zuerst abschlägt und immer nur der am weitesten vom Loch entfernt liegende Ball zuerst gespielt werden darf, sollen die Mitspieler ihre Bälle schon einmal spielen, falls der Spieler, der eigentlich mit dem nächsten Schlag an der Reihe wäre, noch nicht dazu bereit ist. Bei vielen Schlägen können auf diese Weise einige Sekunden oder gar ganze Minuten eingespart werden. Was zunächst nicht viel klingt, summiert sich für die gesamte Runde leicht auf beträchtliche Zeiteinsparungen.

 

Aufgrund der verschiedenen Aspekte, die beachtet werden müssen, wird deutlich, dass es nicht die eine Lösung für alle Golfanlagen gibt. Nach einer Analyse der Ursachen für das Spieltempo auf einer Golfanlage können jedoch verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden, um die Golfrunden zu beschleunigen. Teilweise reichen schon einzelne Maßnahmen aus, in vielen Fällen wird eine positive Auswirkung auch erst durch die Kombination mehrerer Änderungen erzielt. Jede Golfanlage, die sich des Themas konsequent annimmt, wird Verbesserungen des Spieltempos erreichen.

 

Autorin: Britta Baxmann | golfmanager 06/2017

 

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