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Der Golfmarkt 2022

Ausgewählte Zahlen, Daten und Fakten des DGV

Auf dem Hearing des diesjährigen Verbandstages präsentierte der Deutschen Golf Verband (DGV) durch seinen Leiter Marketing & Golfentwicklung, Markus Lawatsch, Zahlen, Daten und Fakten aus der aktuellen DGV-Marktforschung. Da der Vortrag so interessant war und auch von den Entscheidungsträgern im Golfmarkt gehört werden sollte, die nicht in Frankfurt anwesend sein konnten, haben der golfmanager und Lawatsch die wesentlichen Ergebnisse der Präsentation nachfolgend gemeinsam dokumentiert.

 

2022, so der Marketing-Leiter, wurden dem DGV von seinen Mitgliedern anlässlich der jährlichen Mitglieder-Bestandserhebung 682.942 DGV-registrierte Mitgliedschaften gemeldet. „Doch bildet diese für den Golfmarkt wirtschaftlich sicherlich wichtigste Zielgruppe die gesamte Golfnachfrage in Deutschland ab?“, fragt Lawatsch. Falls ja, müsse das Umsatzwachstum von positiv korrelierenden Märkten wie beispielsweise Golfbällen oder kompletten Golfschlägersets zum Wachstum der DGV-registrierten Mitgliedschaften passen. Die dem DGV vorliegenden Zahlen zeigten jedoch, dass dem nicht so ist (Abbildung 1)!

3,238 Millionen Deutsche spielen Golf

2019 wuchs die Anzahl der DGV-registrierten Mitgliedschaften um 0,1%, während der Umsatz von Golfbällen um 25,8% anstieg. Im Folgejahr erhöhte sich die Anzahl der DGV-registrierten Mitgliedschaften erneut und mit 1,4% deutlich stärker als die 0,1% – der Umsatz der Golfbälle stieg jedoch mit nur noch 2,9% weit geringer als im Vorjahr. Bei kompletten Golfschlägersets ist die Diskrepanz in diesen zwei Jahren sogar noch deutlicher: Hier ging der Umsatz im Jahr 2020 um 7,7% zurück, obwohl im Vorjahr ein Mitgliedschaften-Wachstum von nur 0,1% einem Umsatzplus von 11,6% gegenüberstand. Und das Wachstum der DGV-registrierten Mitgliedschaften im Jahr 2021 von 3,5% kann ebenfalls nicht alleine dafür verantwortlich sein, dass der Umsatz von allen drei Vergleichsmärkten so extrem steigt, so Lawatsch weiter. Denn hierzulande spielen nicht nur 682.942 Menschen Golf, sondern 3,238 Millionen.

 

Dies ergab die „Nachfrageanalyse Golf“, eine repräsentative Studie des DGV, die regelmäßig 10.000 Personen der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre befragt – nicht nur, wie normal üblich, 1.000 Personen. Gemäß dieser DGV-Studie existieren neben den DGV-registrierten Mitgliedschaften drei weitere Nachfragesegmente in Deutschland: Die Nicht-organisierten Golfspieler, die Auslandsmitglieder sowie eine dritte Zielgruppe, die sogenannten Weiteren Mitgliedschaften, die von sich selbst behaupten, Mitglied in einem Golfclub zu sein oder ein Spielrecht von mindestens 3 Monaten zu besitzen, aber keinen DGV-Ausweis (Abbildung 2).

Während der Marktanteil der DGV-registrierten Mitgliedschaften im Jahr 2022 nur 21% betrug, so die DGV-Studie, haben die Nicht-organisierten Golfspieler mit 63% den größten Anteil an der gesamten deutschen Golfnachfrage. Diese Zielgruppe spielt zwar seltener Golf, nutzt weniger Infrastruktur auf Golfanlagen und das auch unregelmäßiger und nicht jedes Jahr, aber es sind mittlerweile 2,03 Mio. Golfer ohne Mitgliedschaft oder Spielrecht von mindestens 3 Monaten.  Ein weiteres Nachfragesegment sind die in Deutschland lebenden Menschen, die eine Mitgliedschaft im Ausland haben. Das sind aktuell 200.000 Personen, was 6% der Gesamtnachfrage entspricht. Die Anzahl der Weiteren Mitgliedschaften beträgt gemäß der DGV-Studie mittlerweile 0,33 Mio. Golfspieler. Der Marketing-Leiter des DGV betonte in diesem Zusammenhang, dass bei der Größe der drei zusätzlichen Nachfragesegmente Konfidenzintervalle zu beachten sind: Wie bei jeder Marktforschungsstudie, die mit Stichproben arbeitet (also nicht jeden Bundesbürger befragt, sondern in der Regel nur 1.000 Menschen – oder wie der DGV hier sogar 10.000), gibt es solche Intervalle, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit den wahren Wert einschließen. Wie groß diese Intervalle sind, hängt von mehreren Faktoren ab, beispielsweise wie groß die Stichprobe ist. Im Fall der Weiteren Mitgliedschaften liegt der wahre Wert mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zwischen 235 und 423 Tausend Personen, bei den Nicht-organisierten Golfspieler liegt er zwischen 1,8 und 2,3 Mio. Golfspielern. Dass diese Marktsituation durchaus zum europäischen Gesamtbild passt, zeigte ein zusätzlicher internationaler Vergleich des DGV, auch wenn die Vergleichszahlen der EGA nur für das Jahr 2020 vorliegen. In 2020 betrug der Anteil der registrierten Golfer in Deutschland nicht 21%, sondern 24%. In England lag dieser Anteil bei 15% und im Gastgeberland des diesjährigen Ryder Cups, Italien, bei 20%. Ewas höher war der Wert in Schottland (32%) und Irland (38%). Andere Nationen hingegen hatten deutlich mehr registrierte Golfspieler. Hier sollte jedoch beachtet werden, so der DGV, wann ein Golfspieler als registriert gilt. In Deutschland muss er hierfür eine Mitgliedschaft und einen Ausweis haben. Auch das Wachstum der Golfnachfrage in Deutschland der letzten 5 Jahre wurde in Frankfurt im Rahmen des Hearings präsentiert: Während die Anzahl der DGV-registrierten Mitgliedschaften von 2017 bis 2022 um 6% stieg, wuchs die Anzahl der Nicht-organisierten Golfspieler um 135%. Die beiden weiteren Nachfragesegmente wuchsen ebenfalls deutlich stärker als die DGV-registrierten Mitgliedschaften: die Auslandsmitglieder um 138% und die Weiteren Mitgliedschaften um 488%. Und jedes Wachstum ist signifikant, so die Studie.

 

Betrachtung der Altersklassen

Die Präsentation auf dem Hearing wartete zudem mit einer Neuerung – besser gesagt Ergänzung – für den deutschen Golfmarkt auf: Die Altersklasse der über 60-Jährigen DGV-registrierten Mitgliedschaften wurde weiter aufgeteilt (Abbildung 3).

So wurde deutlich, dass der Anteil aller sechs in Abbildung 3 hellblau markierten Altersklassen der DGV-Mitgliedschaften zwischen 51 und 79 Jahre wesentlich größer ist als bei der Gesamtbevölkerung, was einem der vielen Wettbewerbsvorteile des Golfsports geschuldet ist. Denn Golf kann man im Vergleich zu vielen Sportarten bis ins hohe Alter erlernen und spielen, so der DGV. Bei allen „jungen“ Gruppen unter 41 Jahre hingegen ist der Altersklassenanteil bei den DGV-registrierten Mitgliedschaften wesentlich geringer als bei der Gesamtbevölkerung.  Nur bei den 41-50-Jährigen und über 80-Jährigen wird annähernd Gleichstand erreicht.

 

Ein Blick auf Wachstumsraten und Zufriedenheit

Als nächstes analysierte der DGV die einzelnen Wachstumsraten der letzten vier Jahre, da eine Durchschnittszahl nichts über mögliche Abweichungen aussagt. So könnten beispielsweise alle DGV-Mitglieder im Jahr 2022 um die 1,3% gewachsen sein, was darauf hindeuten würde, dass insgesamt kein größeres Wachstum in Deutschland möglich gewesen wäre. Doch was wäre, fragte Lawatsch, wenn das Wachstum vieler DGV-Mitglieder stark von dieser Durchschnittszahl abweichen würde und somit viele Golfanlagen weit über den 1,3 % gewachsen wären (Abbildung 4)?

Anhand der präsentierten Zahlen verzeichneten im Jahr 2022 32,8% aller DGV-Mitglieder eine Netto-Abnahme bei ihren registrierten Golfspielern. Weitere 17,6% wuchsen ebenfalls unter 1,3%, nämlich gar nicht. 49,6% aller DGV-Mitglieder hingegen konnten netto ein Plus verzeichnen, wobei auch hier das Wachstum in Teilen unter 1,3% lag. Selbst im so erfolgreichen Jahr 2021 verzeichneten 23% aller DGV-Mitglieder netto eine Abnahme, während das Jahr 2020 hinsichtlich der gesamten Verteilung dem Jahr 2022 glich. Es gibt folglich viele Golfanlagen, die weitaus stärker als die bundesweite Durchschnittszahl wuchsen, so dass ein größeres Wachstum möglich gewesen wäre  – wenn die erfolgreichen Maßnahmen der Netto-Gewinner identifiziert worden wären, um das entsprechende Know-how allen DGV-Mitgliedern mittels Toolboxen oder Fortbildungen zur Verfügung zu stellen. Das, so Lawatsch weiter, mache die Marketing-Abteilung des DGV seit nunmehr 15 Jahren für alle interessierte DGV-Mitglieder.

 

Auch die Ein- und Austritte der letzten beiden Jahre wurden vom DGV präsentiert (Abbildung 5).

Demnach verzeichnete der deutsche Golfsport in den Jahren 2022 und 2021 58.290 bzw. 64.052 Eintritte, was einem Rückgang von 9% entspricht. Und auch die Anzahl der Austritte entwickelte sich negativ, nämlich mit einem Anstieg von 19%. Trotz dieser scheinbar negativen Ergebnisse, so der DGV, zeigen die Zahlen auch positive Entwicklungen: 2022 wurden deutlich mehr Mitglieder als vor der Pandemie gewonnen und bei der Eintrittszahl das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des deutschen Golfsports erzielt. Und bei den Austritten bewegen sich die Daten von 2022 auf Vor-Corona-Niveau, obwohl die durchschnittlich vielen Eintritte des Vorjahrs auch zu mehr Austritten in 2022 hätten führen können, so der DGV-Marketing-Leiter. Dennoch verlassen 79% aller registrierten Mitglieder innerhalb der ersten 4 Jahre wieder den Golfsport, sodass sich Golfanlagen auch auf ihre Maßnahmen zur Mitgliederbindung fokussieren sollten, so Lawatsch. Hier liefert die vom DGV vorgestellte Zufriedenheitsumfrage, an der sich mehr als 40.000 DGV-registrierte Mitgliedschaften beteiligten, wichtige Anhaltspunkte. Gemäß dieser Umfrage würden 57% aller registrierten Golfer ihre Golfanlage an Freunde und Bekannte weiterempfehlen, 29% haben eine neutrale Haltung und 14% würden keine Empfehlung aussprechen. Diese Verteilung entspricht einem sogenannten „Net Promoter Score“ von 43 (57 minus 14), was ein erfreuliches Ergebnis darstellt. Denn nur die USA und Finnland erzielten einen höheren Score. Zudem wurden in der Umfrage alle Servicebereiche von Golfanlagen anonym und ohne die zusätzliche Nennung der betreffenden Golfanlage abgefragt. Hier ergab sich folgendes Bild: als bestes wurde der „Pro“ bewertet, gefolgt von „Allgemeiner Service“, „Übungsanlagen“, „Clubleben“ und „Mitgliedschaftsformen“, „Management“, „Golfplatz“ und „Proshop“ sowie „Gastronomie“. Hierbei sollte jedoch beachtet werden, so der DGV weiter, dass nur diejenigen den Pro bewerteten, die ihn auch buchten, sodass eine gute Bewertung eine logische Konsequenz sei. Viel interessanter ist laut DGV folglich der Anteil der registrierten Golfer, die keinen Pro-Unterricht nehmen und folglich nicht besser werden und eher kündigen. Das sind in Deutschland 50,3%.

 

Auch wies Lawatsch bei seinem Vortrag darauf hin, dass nicht nur einzelne Servicebereiche bewertet werden sollten, um daraus Mitgliederbindungsmaßnahmen abzuleiten. Denn es könne zu unnütz teuren Entscheidungen führen, wenn nicht zusätzlich der jeweilige Einfluss auf die Gesamtzufriedenheit berücksichtigt werde. Entsprechend berechnete die DGV-Erhebung diese wichtige Korrelation und zeigt folgendes Gesamtbild (Abbildung 6):

Den höchsten Einfluss auf die Gesamtzufriedenheit hat das „Clubleben“, gefolgt vom „Management“, Allgemeiner Service“, „Mitgliedschaftsformen“, „Golfplatz“, „Übungsanlagen“, „Gastronomie“, „Proshop“ und „Pro“. Somit ist auch nicht der am schlechtesten bewertete Servicebereich „Gastronomie“ die Baustelle im deutschen Golfmarkt zur Erhöhung der Gesamtzufriedenheit, sondern das „Clubleben“, da es gemessen an seinem Einfluss unterbewertet wird (gelb markiert). Natürlich wurden auch einzelne Punkte der jeweiligen Servicebereiche abgefragt, so Lawatsch weiter, um entscheiden zu können, was genau optimiert werden sollte. Für den Golfplatz weiß man beispielsweise, dass die Einheitlichkeit der Grüns die größte Herausforderung in Deutschland darstellt. Und für die Gesamtzufriedenheit ist „Abwechslung“, „Allgemeinzustand“ und „Spieltempo“ beim Golfplatz am wichtigsten, nicht „Schnelle Grüns“. Nachdrücklich wurde im Vortrag darauf hingewiesen, dass diese Zahlen Durchschnittswerte darstellen, die von Golfanlage zu Golfanlage sehr unterschiedlich ausfallen. Daher sei es unerlässlich, dass ein DGV-Mitglied eine eigene Umfrage durchführt. Dies sei über das Tool des DGV-Partners Players1st nicht nur sehr schnell, günstig und mit sehr hohen Response-Raten von durchschnittlich 44% sehr einfach möglich. Auch können mit Hilfe von Players1st die Ergebnisse nach verschiedenen Kriterien ebenso einfach und schnell gefiltert werden. Als Beispiele wurden beim Hearing Geschlecht, Alter, Handicap, Vereinszugehörigkeit, Kündigungsbereitschaft, Spielhäufigkeit oder Clubleben-Typen genannt.

 

Hat Golf noch ein ­Wachstums-Potenzial?

Abschließend wurden einige Daten präsentiert, die auf das weitere Potenzial bei der Mitgliedergewinnung in Deutschland schließen lassen. Spannend die Auswertung, gemäß der die Nicht-organsierten Golfspieler hinsichtlich ihrer Spielmöglichkeiten (sehr) zufrieden sind (Abbildung 7). 

Lawatsch stellte folglich die Frage, warum sich diese Zielgruppe unter dieser Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im Golfclub entscheiden sollte, wenn sie sich bereits gegen eine Mitgliedschaft entschieden habe? Es bedarf folglich für diese Zielgruppe neuer und interessanter Angebote, um sie als Mitglieder zu gewinnen, so der Marketing-Leiter des DGV, oder aber einer entscheidenden Änderung der Lebenssituation hinsichtlich Einkommen oder Freizeit.

 

Aus Nicht-Golfern neue Mitglieder zu gewinnen, hat jedoch auch weiterhin das größte Potenzial, denn nach wie vor haben über 50 Prozent dieser Zielgruppe Interesse, Golf auszuprobieren, so der DGV (Abbildung 8).

Das größte Problem gemäß der DGV-Studie ist jedoch, dass das Willkommensgefühl bei einem Schnupperkurs die wichtigste Voraussetzung für Nicht-Golfer ist, mit dem Golfspiel zu beginnen, sich aber nur 20% bei einem solchen Angebot willkommen fühlen. Wenn man aber bedenkt, dass dieses entscheidende Gefühl vor 6 Jahren nur 11% der Nicht-Golfer hatten, ist auch dies ein erfreuliches Ergebnis der aktuellen Marktforschungs-Maßnahmen des DGV.

 

Fazit

Die anlässlich des Hearings vom DGV präsentierten Daten zeigen einmal mehr, dass der deutsche Golfmarkt weiterhin in Bewegung ist. Trotz der erfreulichen Entwicklung bei den DGV-registrierten Mitgliedschaften: Es fällt auf, dass die Anzahl der Nicht-organisierten Golfer und anderer Mitgliedschaften noch stärker gewachsen ist. Um diese, alleine mengenmäßig sehr interessante Zielgruppe für den organisierten Golfsport in Deutschland zu gewinnen, wird auch in den kommenden Jahren eine Herausforderung für den DGV und die ihm angeschlossenen Golfanlagen bleiben.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 3/2023

 

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