Biodiversität – gerade auf Golfanlagen

UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011-2020

Aufgrund des kontinuierlichen Rückganges an Biodiversität haben die Vereinten Nationen die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für die biologische Vielfalt erklärt. Ziel soll es sein, weltweit möglichst vielen Menschen die Bedeutung der biologischen Vielfalt näherzubringen und sie für den Schutz und den Erhalt zu sensibilisieren. Diese Maßnahme unterstützt auch die Ziele der Konvention über die Biologische Vielfalt (CBD), die in Deutschland in der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ verankert sind. In Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz wurde begleitend der UN-Dekade-Wettbewerb umgesetzt.

 

Eine zehnköpfige Fachjury bewertet hierbei die eingereichten Projekte zur Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt zudem auch im Hinblick auf Multiplikationswirkung, Innovationsgrad und Nachhaltigkeit. Die ausgezeichneten Projekte dürfen für zwei Jahre den Titel „Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt“ führen, erhalten ein Zertifikat und Materialien zur Öffentlichkeitsarbeit.

 

Prominente Botschafter/innen wurden vom Bundesumweltministerium berufen und setzen sich für dieses Projekt ein, u.a. Nina Ruge, Ralph Caspers, Peter Maffay und Dirk Steffens, s. auch www.undekade-biologischevielfalt.de.


Was ist Biodiversität?

Unter Biodiversität, oder auch biologischer Vielfalt, ist viel mehr zu verstehen, als nur die reine Artenvielfalt. Dieser Begriff verknüpft die drei eng miteinander verbundenen Bereiche:

  • Vielfalt an Tier- und ­Pflanzenarten,
  • genetische Variabilität ­innerhalb der verschiedenen Arten sowie
  • Bandbreite der Ökosysteme, also Lebensräume.

 

Die Gründe für die Gefährdung des intakten Naturhaushaltes sind vielfältig und umfassen:

  • Landnutzungsänderungen, z.B. durch den Bau von ­Siedlungen oder Verkehrs­wegen,
  • Einflüsse des Klimawandels,
  • Umweltverschmutzung sowie
  • die Ausbreitung invasiver Arten.


Zahlreiche Informationen zu diesem Themenkomplex finden sich auf der Seite des Bundesamtes für Natuschutz, www.bfn.de


Golfanlagen können ­Artenvielfalt fördern

Der größte Teil der Bevölkerung bringt Golfanlagen nach wie vor mit dunkelgrünen, kurz manikürten Rasenflächen und einer eher monotonen Parklandschaft in Verbindung.

 

„Golf“ und „Natur“ sind jedoch zwei Begriffe, die hervorragend korrespondieren. Golfanlagen umfassen nämlich große Flächen, die sich zur Schaffung von (Über-)Lebensräumen für Tier- und Pflanzenarten anbieten. Somit hat der Golfsport mit seinen Anlagen das Potenzial, die Artenvielfalt bei Flora und Fauna zu fördern.

 

G&CC Seddiner See – Vorreiter bei UN-Dekade-Projekt

Der Golf und Country Club Seddiner See war im letzten Jahr die erste Golfanlage in Deutschland, die ein eigenes Projekt im Rahmen des Wettbewerbs „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ eingereicht hat. Im September 2018 zeichnete die Fachjury den Club für sein Projekt „Monitoring der Artenvielfalt auf der Golfanlage der Golf- und Country Club Seddiner See AG“ aus. In vorbildlicher Weise, so die Jury, wird hier die Förderung der Biodiversität in die naturnahe Entwicklung eines Golfplatzes als Sportgelände integriert.

 

Auf einem fast 200 Hektar großen Gelände wurde 1997 eine qualitativ hochwertige 36-Löcher-Golfanlage in Betrieb genommen, wobei aufgrund der großzügigen Anlage lediglich ein Drittel der Fläche für den eigentlichen Spielbetrieb genutzt wird. Mehr als 100 Hektar sind Baum- und Buschgruppen oder extensiv genutzte Offenlandflächen. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten finden hier die geeigneten Lebensräume.

Die umfangreiche wissenschaftliche Studie „Monitoring der Artenvielfalt“, im Wesentlichen finanziert durch Spenden von Clubmitgliedern, dokumentiert eindrucksvoll, wie sich die Artenvielfalt, insbesondere auch bei den Rote-Listen-Arten, in den vergangenen zehn Jahren auf dem Golfplatz-Areal entwickelt hat. Damals, in den Jahren 2007 und 2008, wurde nämlich eine vergleichbare wissenschaftliche Studie erstellt, die es nun ermöglicht, die Entwicklung der Artenvielfalt über einen Zehn-Jahres-Zeitraum auszuwerten.

 

Während auf landwirtschaftlich genutzten Flächen die Artenvielfalt immer weiter rückläufig ist, ist auf der Golfanlage am Seddiner See erfreulicherweise ein positiver Trend festzustellen. Ein Beispiel: Die Artenzahl bei den Brutvögeln hat sich von 56 auf 66 Arten erhöht, davon die Rote-Listen-Arten von 13 auf 21. Auch seltene Arten wie der Rote Milan, der Wappenvogel Brandenburgs, der Eisvogel oder der Steinkauz brüten hier.

Im Interview mit Autorin Beate Licht gab Horst Schubert weitere Einblicke in das von Vorstand und Mitgliedern geförderte Projekt:

 

? Welche Maßnahmen wurden seit Beginn konkret ergriffen?

 

! Die ersten weitreichenden Maßnahmen wurden bereits in der Bauphase der Golfanlage Mitte der 90er Jahre umgesetzt, insbesondere mit der Anlage von zehn Teichen, die insgesamt eine Fläche von rund 70.000 m² aufweisen. Hier haben sich artenreiche Biotope auf dem Land und im Wasser entwickelt. Zur Förderung der biologischen Vielfalt wurden u.a. Uferzonen zusätzlich bepflanzt, zwei Streuobstwiesen mit einhundert Obstbäumen angelegt, eine eigene Imkerei mit fünf Bienenvölkern, betrieben von unserem Head-Greenkeeper, aufgebaut, anlegt und zahlreiche spezielle Nistmöglichkeiten geschaffen, beispielsweise für Steinkäuze, Störche, Turmfalken oder Eisvögel.

Fast 600 Brutreviere wurden auf dem Golfplatzgelände und seinen Randbereichen im Rahmen des Monitorings 2017 von Ornithologen nachgewiesen. Von solch einer Artenvielfalt sind landwirtschaftlich genutzte Flächen weit entfernt, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Das nächste Monitoring dieser Art ist bereits für 2027 geplant und wird dann hoffentlich eine weitere Fortführung der positiven Entwicklung bezüglich der biologischen Vielfalt dokumentieren.

? Arbeiten Sie vor Ort mit Naturschutzverbänden zusammen?

 

! Die Zusammenarbeit mit Umwelt- und Naturschutzorganisationen ist für uns von Anfang an ein ganz zentraler Punkt im Qualitäts- und Umweltmanagement gewesen. Hierbei sind mehrere Aspekte von Bedeutung, zum Beispiel der Know-how-Transfer, das Lernen von den Experten, aber auch die Nutzung von neuen zusätzlichen Kommunikationsmöglichkeiten. Der hohe Bekanntheitsgrad sowie die hohe Glaubwürdigkeit renommierter Umweltorganisationen wie z.B. der Heinz Sielmann-Stiftung sind natürlich auch von Vorteil.

 

Wir arbeiten mit mehreren Instituten und Organisationen dauerhaft oder temporär bei Projekten zusammen. Am längsten und umfangreichsten ist die Zusammenarbeit mit dem Institut für angewandte Gewässerökologie, die bereits im Jahr 2000 begann.

 

? Wie sehen die Mitglieder das Engagement im Bereich Umwelt- und Naturschutz?

 

! Wohl jeder, der den Golfsport ausübt, hat eine Affinität zur Natur. Ansonsten würde er nicht so viel Freizeit in ihr verbringen. Die große Mehrheit unserer Clubmitglieder, die als Aktionäre gleichzeitig Teileigentümer der Golfanlage sind, sieht dieses Engagement nicht nur positiv, sondern erwartet es geradezu. Das belegen die Daten unserer Mitgliederbefragungen sehr deutlich. Das Umweltmanagement allgemein oder auch speziell die Förderung der Artenvielfalt hat für die Clubmitglieder beispielsweise einen deutlich höheren Stellenwert als die Förderung des Leistungssports der Damen- und Herren-Mannschaft. Dass dies keine reinen Lippenbekenntnisse sind, dokumentiert wiederum sehr eindrucksvoll die Finanzierung der Monitoring-Studie, für die Clubmitglieder mehr als 30.000,- Euro gespendet haben – und diese Spenden waren steuerlich nicht absetzbar!

 

Im Übrigen ist festzuhalten, dass ein Wirtschaftsunternehmen, das nachhaltig erfolgreich am Markt operieren will, sich heutzutage zwangsläufig mit diesem Thema auseinandersetzen muss. Ansonsten hat das Unternehmen keine Zukunft. Das gilt für alle Branchen, also auch für die Golfanlagen.

 

? Welche Rolle spielt hierbei die Kosten-Nutzen-Relation? Stehen für Sie die Kosten in einem guten Verhältnis zum Nutzen?


»Eine Golfanlage NICHT nachhaltig zu betreiben – das ist ein Luxus, den sich eigentlich keine Golfanlage heute mehr leisten kann.«

Horst Schubert


? Welche Rolle spielt hierbei die Kosten-Nutzen-Relation? Stehen für Sie die Kosten in einem guten Verhältnis zum Nutzen?

 

! Die Betrachtung der Kosten-Nutzen-Relation spielt keine Rolle – nicht zuletzt, weil der konkrete Nutzen dieser Maßnahmen kaum in Euro zu beziffern ist. Unabhängig davon ist jedoch zu berücksichtigen, dass jedes Unternehmen nicht nur einen wirtschaftlichen Zweck hat, sondern gleichzeitig auch eine gesellschaftliche Verantwortung, auf neudeutsch „corporate social responsibility“ (CSR) genannt. Dieser Aspekt wurde 2009 in unserer Clubphilosophie wie folgt definiert: „Transparenz, Effizienz und Nachhaltigkeit sind sowohl Zielsetzung als auch Inhalt der Geschäftspolitik, die einen besonderen Schwerpunkt auf das Qualitäts- und Umweltmanagement legt. Hieraus ergibt sich u.a., dass die Erhaltung und Pflege der Natur sowie eine weitgehende Schonung der natürlichen Ressourcen ein zentrales Anliegen beim Betrieb der Golfanlage sind.“

 

Unser Engagement in den Gemeinden Michendorf und Seddiner See, sowohl im Umweltbereich, als auch im sozialen Bereich, hat zweifelsohne entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Akzeptanz der Golfanlage in der Region, in der Nachbarschaft, im Laufe der Jahre deutlich verbessert hat. Wir dürfen eines nicht vergessen: Golf hat in der breiten Bevölkerung immer noch ein schwieriges Image. Und die Aktivitäten im Umwelt- und Sozialbereich tragen ganz wesentlich dazu bei, Kontakte zu schaffen, ins Gespräch zu kommen, Berührungsängste abzubauen und das Verhältnis zum Golfsport dadurch zu „normalisieren“.

 

Unabhängig davon gibt es viele konkrete Beispiele dafür, dass nachhaltiges Umweltmanagement auch zu Kostensenkungen führt, z.B. durch die effizientere Verwendung von Wasser, Dünger oder Energie. Jeder Sack Dünger, der weniger ausgebracht wird, entlastet nicht nur die Umwelt, sondern auch das Budget der Golfanlage.

 

? Würden Sie anderen Golfanlagen ebenfalls zu einem deutlich stärkeren Engagement im Bereich Umwelt- und Naturschutz raten?

 

! Es steht mir nicht zu, anderen Golfanlagen pauschal kluge Ratschläge zu geben. Ich kann aber für den G&CC Seddiner See aufgrund unserer fast 20-jährigen Erfahrungen sagen, dass wir diesen Weg immer wieder so gehen würden. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ich – bevor ich im Jahr 2000 in das Golfmanagement eingestiegen bin – mehrere Jahre im betrieblichen Umweltmanagement eines mittelständischen Industrieunternehmens gearbeitet habe, also quasi „vorbelastet“ war, was dieses Thema anbelangt. Als der DGV dann in 2005 das Programm „Golf&Natur“ startete, war es selbstverständlich, dass wir von Anfang an dabei waren. Mittlerweile haben wir die 4. Gold-Rezertifizierung erfolgreich hinter uns gebracht.

 

Im Oktober 2012 durfte ich im Golfclub München-Riedhof im Rahmen einer Golf&Natur-Tagung einen Vortrag halten zum Thema: „Nachhaltigkeit beim Betrieb einer Golfanlage – Luxus oder Notwendigkeit?“ Mein Schlusswort lautete damals: „Eine Golfanlage NICHT nachhaltig zu betreiben – das ist ein Luxus, den sich eigentlich keine Golfanlage heute mehr leisten kann.“ Von dieser Aussage bin ich heute überzeugter denn je.

 

Herr Schubert, vielen Dank für diese interessanten Einblicke, Ihr vorbildliches Engagement in diesem Bereich belegt ja auch Ihre Teilnahme am Projekt DGV-Innovationspreis, über den wir in einem gesonderten Beitrag in der nächsten Ausgabe des golfmanager berichten werden.


GC Burg Overbach – Golf und Natur als zentraler Baustein

Im März 2019 wurde mit dem Golfclub Burg Overbach e.V. die zweite Golfanlage in Deutschland mit dem Projekt „Golf und Natur – eine perfekte Symbiose“ ausgezeichnet.

 

Die rheinische Golfanlage umfasst 80 Hektar, von denen 20 ha für den eigentlichen Spielbetrieb genutzt werden. Wildtiere wie Feldhasen, Dachse, Füchse und Rehe sind hier anzutreffen. Zu den diversen Vogelarten auf dem mit Wald umsäumten Gelände gehören drei Brutpaare des Roten Milans sowie der Eisvogel. In den Gemäuern des alten Burghauses brüten zahlreiche Fledermausarten.

Beate Licht war bei der Preis-Verleihung zum „Ausgezeichneten UN-Dekade-Projekt“ vor Ort und befragte Club-Präsident Prof. Dr. Andreas Blum zur Teilnahme am UN-Dekade-Wettbewerb.

 

? Wie wurde die Idee der Bewerbung geboren?

 

! Die Verbindung von Golf und Natur war schon bei Gründung des Golfclubs ein zentraler Baustein des Selbstverständnisses und kommt in unserem auf der Homepage veröffentlichten Leitbild sehr deutlich zum Ausdruck. Insoweit haben wir sehr gerne die Möglichkeit aufgegriffen, um zusätzlich nach außen diesen Gedanken zu platzieren.

 

? Welche Maßnahmen haben Sie auf Ihrer Anlage ergriffen?

 

! Zum einen achten wir darauf, dass alle Pflegemaßnahmen rund um den Golfplatz möglichst minimalinvasiv sind. Eingriffe, die massive Auswirkungen auf die Natur haben, gibt es daher bei uns nicht.

Darüber hinaus versuchen wir, durch die Anlage von bspw. Blumenwiesen und Bienenhäusern ganz ausdrücklich dem Bienensterben entgegenzuwirken. Dass bei uns keine für diese Tiere schädlichen Chemikalien zum Einsatz kommen, versteht sich da von selbst. Dass diese Maßnahmen greifen, zeigt auch die Herstellung unseres eigenen Honigs. Imker ist hierbei eines unserer Clubmitglieder.

 

? Worin sehen Sie einen möglichen Nutzen für den Golfclub?

 

! Losgelöst von ökologischen Aspekten stehen Golfclubs heute im Wettbewerb zu anderen Golfanbietern. Da ist es wichtig, sich durch Alleinstellungsmerkmale zu differenzieren. Die Verbindung von Golf und Natur ist für uns ein Baustein, dies zu erreichen. Man sieht also, Ökologie und Ökonomie können gut miteinander kombiniert werden.

 

Herr Prof. Blum, vielen Dank für das freundliche Gespräch und nochmals herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung.


Für neue Wege im Naturschutz

Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft hat sich die Förderung des Natur- und Landschaftsschutzes im Rheinland in Nordrhein-Westfalen zur Aufgabe gemacht. Zweck der Stiftung, so ist auf der Website der Stiftung zu erfahren, ist „die Förderung des Natur- und Landschaftsschutzes durch den Erhalt und die Förderung der Eigenart, Vielfalt und Schönheit der bäuerlich geprägten Kulturlandschaft, ihrer nachhaltigen Nutzungsfähigkeit und ihrer Biotop- und Artenvielfalt in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf.“

 

Als Partner unterstützt die Stiftung u.a. bei Fragen rund um Landwirtschaft und Naturschutz, bei kooperativen Naturschutzmaßnahmen (Biotop- und Artenschutz), bei Ausgleichs-, Ersatz- und Artenschutzmaßnahmen, aber auch bei Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit.

Wissenswertes rund um die Stiftung sowie zu einzelnen Projekten und Infomaterial finden Sie unter www.rheinische-kulturlandschaft.de/Themen & Projekte.

Als Mitglied der Fachjury beim UN-Dekade Biologische Vielfalt zeichnete Thomas Muchow aktuell den GC Overbach aus. In seiner Funktion als Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft mit Sitz in Bonn beschäftigt er sich mit dem Thema Biodiversität. Beate Licht suchte am Rande der Preisverleihung das Gespräch mit ihm.

 

? Golfanlage und Naturschutz – eine in der Bevölkerung noch nicht etablierte Assoziation. Wie sehen Sie Golfanlagen und ihr Potenzial für die Biologische Vielfalt?

 

! „Künstliche Rasenflächen und möglichst wenig Natur, dieses Bild wird häufig mit Golfsport verbunden“, so heißt es provokant im Bewerbungsschreiben vom Golfclub Burg Overbach e.V. als Einstieg. Dass dies für diese Golf­anlage aber auch viele weitere nicht stimmt, wird zunehmend verdeutlicht.


Weitsichtige Platzwarte und gute Greenkeeper haben längst erkannt, dass die Unterhaltung von Golfanlagen nicht nur eine optimale Bespielbarkeit, sondern auch Rücksichtnahme auf die biologische Vielfalt bedeutet. Beispielsweise durch die Anlage arten- und blütenreicher Wiesen, Brachen, Gebüsche oder Waldsäume können wertvolle Nahrungs- und Lebensräume für zahlreiche Insekten wie Bienen und Schmetterlinge, aber auch Vögel, Fledermäuse und andere Säugetiere geschaffen werden.

Dies ist auf der Mucher Golfanlage gut zu beobachten. Zahlreiche Vogelarten wie Rotmilan, Kolkrabe und Goldammer finden hier neben Fledermäusen, Dachsen, Füchsen und zahlreichen Insektenarten von A bis Z, d.h. von Ameisen über Libellen, Tagfaltern bis hin zu Wildbienen und Zikaden, geeignete Lebensräume.

 

Auf jeder Golfanlage finden sich geeignete Flächen für landschaftstypische Maßnahmen zur Förderung der Biologischen Vielfalt. Dieses Potenzial zu wecken und weitestgehend zu nutzen, halte ich für sehr groß. Letztlich ermöglicht dies Golfanlagenbetreibern und -spielern, einen großen Beitrag zur Verbesserung unserer nationalen wie internationalen Biologischen Vielfalt zu leisten. Also bitte, nicht nur zustimmend nicken, sondern auf der eigenen Anlage motivieren, anpacken, umsetzen und kommunizieren!

 

? Ein Kriterium bei der Auswahl der Projekte ist auch die Multiplikationswirkung. Sehen Sie hier eine besondere Aufgabe für Golfanlagen?

 

Jeder kann einen Beitrag leisten. Denn letztlich geht es darum, sich im eigenen Aktionsbereich als Partner für die Biologische Vielfalt einzusetzen – jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. Ziel der UN-Dekade ist es, alle gesellschaftlichen Gruppen zu mobilisieren, sich als Partner für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen einzusetzen. So hat sich der Golfclub Burg Overbach e.V. mit seinem Engagement getreu dem Projekttitel „Golf und Natur – eine perfekte Symbiose“ verdient gemacht.


»Auf jeder Golfanlage finden sich geeignete Flächen für landschaftstypische Maßnahmen zur Förderung der Biologischen Vielfalt. Also bitte, motivieren, anpacken, umsetzen und kommunizieren!«

Thomas Muchow


Meine Botschaft an den Golfclub ist: „Werben sie in ihrem Golfclub, in ihrer Gemeinde und natürlich bei anderen Golfclubs sowie bei Sportsfreunden für ein breites Engagement zum Erhalt unserer Biologischen Vielfalt.“

 

Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen, der Golfclub Burg Overbach war nach der Anlage Seddiner See nunmehr die zweite, die von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet wurde – wir wollen hoffen, dass weitere folgen werden.


(Golf-)Politische Kooperation für Biodiversität

Mit großer Freude verkündete der Deutsche Golf Verband (DGV) auf dem Hearing des 100. Verbandstages am 05. April 2019 in Frankfurt eine neue Kooperation mit dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg und dem Baden-Württembergischen Golfverband (BWGV). Hauptredner am Vortag der eigentlichen Mitgliederversammlung, der traditionell zur Aussprache und zum Vorstellen aktueller Projekte dient, war Umweltstaatssekretär Dr. Andre Baumann.

 

Neben der offiziellen DGV-Pressemitteilung im Nachgang des Verbandstages findet sich aber auch auf der Website des baden-württembergischen Ministeriums ein Bericht zur neuen Zusammenarbeit. Nachfolgend ein Auszug:

 

 

Kooperation mit dem Umweltministerium

Deutscher Golf Verband und baden-württembergischer Golfverband engagieren sich für Biodiversität

Der Deutsche Golf Verband (DGV) und der Baden-Württembergische Golfverband (BWGV) haben eine engere Zusammenarbeit mit dem baden-württembergischen Umweltministerium beschlossen, um ihr Engagement zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu erweitern. „Golf fördert die Biodiversität“ ist das gemeinsame Projekt überschrieben, von dem sich die Partner einen spürbaren Nutzen für die Artenvielfalt im Land sowie Signalwirkung für Golfanlagen in anderen Bundesländern erhoffen.

 

Möglichkeiten noch mehr nutzen

„Golfanlagen umfassen riesige Flächen, die viel mehr noch als bislang genutzt werden können, um Lebensräume für Tier- oder Pflanzenarten zu schaffen. Dabei wollen wir den Golfverband unterstützen und wir freuen uns, dass es bei DGV und BWGV große Bereitschaft für einen Praxistest gibt“, sagte Umweltstaatssekretär Andre Baumann beim 100. bundesweiten Verbandstag des DGV in Frankfurt/Main.

 

Die komplette Meldung auf der Website des baden-württembergischen ­Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft finden Sie unter ­ www.um.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilungen/


Autorin: Beate Licht | golfmanager 2/2019

 

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