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Umfangreiches Engagement der VcG für den Profisport

Die Golf-Förderer

Im Jahr 2026 unterstützt die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) sechs Profiturniere in Deutschland – und entwickelt sich in ihrer Funktion als „Förderer des Golfsports“ zu einem systemrelevanten Player

Während diese Zeilen entstehen, spielen im Golf Club München-Eichenried das Feld der DP World Tour, einige Gäste aus der LIV-Liga mit Martin Kaymer an der Spitze und ein paar Amateure die BMW International Open aus. Es geht um drei Millionen Dollar. 13 Deutsche sind dabei, fünf überstehen den Cut, bester Einheimischer beim Sieg des südafrikanischen Außenseiters Michael Hollick wird Lokalmatador Thomas Rosenmüller. Insgesamt 56.000 Zuschauer verfolgen das Spektakel vor Ort, Teile der Golfgemeinde sitzen vor dem Fernseher, es gibt einen gewissen Medienrummel und der Gaststarter Brad Dalke animiert die YouTube-Szene. Doch in der breiten Sportöffentlichkeit läuft das größte Golfereignis auf deutschem Boden weitgehend unter dem Radar. Die guckt ohnehin gerade auf die Weltmeisterschaft in den USA, wo Frankreich, Spanien und Erling Haaland zeigen, wie moderner Fußball gespielt wird. Wahlweise zum Tennis nach Wimbledon oder auf die Tour de France. Dagegen hat das einzige deutsche Tour-Gastspiel in den Medien wenig bis gar keine Chancen.

Erst recht fehlt der Blick auf den systematisch strukturierten Unterbau, der sich mittlerweile im Golfsport hierzulande gebildet hat. Bei den Damen war das Mitte Mai beim Amundi German Masters auf den Green Eagle Golf Courses in Winsen (Luhe) wieder zu besichtigen, als um die spätere Siegerin Leonie Harm und Stars wie Esther Henseleit und Alexandra Försterling ein stattliches Aufgebot an Proetten und Nachwuchsspielerinnen an den Start gegangen ist. Gut einen Monat später wurde im Golf-Club Bergisch Land Wuppertal die Premiere der Ladies German Challenge inszeniert; die Schwedin Moa Svedenski gewann ihren ersten Titel auf der LET Access Series, kurz LETAS genannt und zweite Liga der Ladies European Tour (LET). „Wir wollten bewusst eine Plattform entwickeln, die den Spielerinnen der LET Access Series professionelle Bedingungen in Deutschland bietet und zugleich den Nachwuchs und das Publikum näher an diesen Sport heranführt“, bilanzierte Turnierdirektor Christian Schunck vom Veranstalter Deutsche Golf Sport GmbH (DGS) nach den Tagen im Golf-Club Bergisch Land in Wuppertal. „Die Rückmeldungen aus der Turnierwoche bestärken uns darin, diesen Weg konsequent weiterzugehen.“
 

Damit rückt eine Institution in den Fokus, die eigentlich lieber durch Zurückhaltung glänzt, aber bei besagten Veranstaltungen dennoch prominent vertreten ist. Durch den beziehungsreichen Zusatz ,powered by …‘ in den Turniertiteln und mit dem Slogan ,Förderer des Golfsports‘ auf Banden und Bannern. „Wir wollen gar nicht so im Vordergrund stehen“, hat VcG-Geschäftsführer Marco Paeke dem golfmanager mal gesagt. Mag ja sein. Aber die Vereinigung clubfreier Golfspieler ist nun mal ein elementarer Faktor im Golfgeschehen hierzulande. Der Verein bietet deutlich über 30.000 club-ungebundenen Spielerinnen und Spielern eine Heimat samt Handicapverwaltung und bringt sich mit 2,35 Millionen Euro in die Golfentwicklung in Deutschland ein. 1,26 Millionen davon fließen in die Unterstützung des Profisports, „um Golf als Sportart einfach mehr zu positionieren, nicht nur als Freizeitbetätigung“, betont Paeke. „Wir helfen immer da, wo der Förderbedarf am größten ist.“ Nicht mal das Amundi German Masters ginge ohne die VcG. Das sagt selbst Titelsponsor Amundi.
 

Es gilt erst recht für das Engagement in der LET Access Series, die nach siebenjähriger Abstinenz wieder Station in Deutschland macht. Die Ladies German Challenge ist mit einem Gesamtpreisgeld von 70.000 Euro ausgestattet und wendet sich zudem  mit einem innovativen Girls Pro-Am, das ein wenig an das berühmte ,Drive, Chip & Putt‘ im Augusta National Golf Club erinnert, gleichermaßen an den heimischen Nachwuchs. Ziemlich folgerichtig bedankte sich DGV-Vizepräsident Achim Battermann ausdrücklich bei der VcG, „die dieses Turnier als Presentingpartner ermöglicht und damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung des Frauengolfs in Deutschland leistet. Davon profitieren nicht nur die Spielerinnen, sondern der deutsche Golfsport insgesamt“.
 

Das Pendant für die Herren stieg in der zweiten Juliwoche, während auf Höhen über dem Genfer See bei der Amundi Evian Championship das vierte Damen-Major der Saison ausgetragen wurde und sich die Weltelite um Scottie Scheffler und Rory McIlroy bei der Scottish Open auf die Open Championship als finales Männer-Major eingeschossen hat. Die mit 300.000 Euro Gesamtpreisgeld ausgestattete German Challenge – eine gelungene Verbindung von nahbarem Spitzensport und entspanntem Sommerfest, wie das Presseteam gern und zurecht formuliert – fand heuer zum sechsten Mal im Wittelsbacher Golfclub Neuburg an der Donau statt. „Ich liebe dieses Turnier, diesen Golfplatz und die Menschen hier. Die Atmosphäre ist immer außergewöhnlich“, schwärmte der südafrikanische Sieger JC Ritchie im vergangenen Jahr.
 

Und welche Bedeutung das einzige Event der HotelPlanner Tour durch die Start- und Tauschplatz-Kontingente für aufstrebende oder um die Rückkehr auf die DP World Tour ringende Professionals hat, wurde bereits im golfmanager 3/25 ausführlich dargestellt. Man frage halt bloß mal Nicolai von Dellingshausen, den Gewinner der Austrian Alpine Open 2025, der sich seine Tourkarte im Jahr zuvor dank entsprechender Startplätze im Unterhaus verdient hatte. Oder den Engländer Chris Wood, der mal Nummer 22 der Welt war, 2016 zur europäischen Equipe für den Ryder Cup in Hazeltine gehörte und auf Platz 288 des Official World Golf Ranking abgestürzt ist. „Es ist einfach toll“, findet VcG-Geschäftsführer Paeke, „dass du bei dem Event nicht nur junge Spieler mit Drang nach oben hast, sondern ebenso Leute, die mal eine Ehrenrunde drehen müssen oder sogar wirklich in ein tiefes Loch gefallen sind und sich dann wieder nach oben arbeiten.“

Bislang hatte Koordinator Felix Lechner, gleichzeitig Vorstand der Professional Golf AG als Dachgesellschaft der PGA of Germany, in Absprache mit den DGV-Trainern 50 Start- und Tauschplätze zu managen, ab 2027 sind es nur noch 40. Dennoch: „Gerade für junge Profis und ambitionierte Amateure bietet sich hier die seltene Gelegenheit, sich auf internationalem Niveau im eigenen Land zu präsentieren und sich mit internationaler Konkurrenz zu messen“, sagt Herren-Chefcoach Christoph Herrmann. „Das ist insbesondere zu Beginn einer Karriere ein großer Vorteil, weil das persönliche Umfeld, potenzielle Sponsoren und Förderer sowie die Medien die Entwicklung der Spieler unmittelbar begleiten können.“ Ebenso wertvoll seien die zusätzlichen Startmöglichkeiten, die ein Turnier dieser Kategorie in Deutschland schaffe: „Über die nationalen Startplätze und die Strukturen der HotelPlanner Tour erhalten unsere talentiertesten Spieler wichtige Chancen, internationale Turniererfahrung zu sammeln und sich für weitere Einsätze auf dieser Ebene zu empfehlen.“
 

Zur Ergänzung: Fürs Amundi German Master gibt es zwei Wildcards und bei der Ladies German Challenge sind es 20, die in Absprache mit Bundestrainerin Nicole Gögele vergeben werden.


Und die Förderung reicht noch tiefer. Gemeint ist die Pro Golf Tour, die gern als dritte Liga bezeichnet wird, in der freilich immer noch Golf auf einem völlig anderen Level gespielt wird, als der Freizeitgolfer es von der Clubmeisterschaft kennt. Der Circuit hat drei aufeinanderfolgende Turniere in Deutschland, die heuer als German Swing debütierten und mit jeweils 40.000 Euro dotiert sind: die VcG Bodensee Open im Golfclub Owingen-Überlingen, die VcG Köln Open im Golf- und Land-Club Köln und die VcG Neuhof Open im Golf-Club Neuhof in Hessen.

Um all das sportliche Engagement zu stemmen, hat sich die VcG mit Rainer Goldrian einen veritablen Sachwalter ins Haus geholt. Der jahrzehntelange Geschäftsführer der PGA of Germany amtiert seit März 2026 als Projektleiter Professional Golf Sponsoring und war maßgeblich an der Kreation des German Swing beteiligt, den er „ein Herzensprojekt“ nennt. Weil Talenten ein direktes Sprungbrett in den Profisport geboten wird. Durch die finanzielle und organisatorische Unterstützung der VcG und im gemeinsamen Wirken mit den engagierten Clubmanagern Ralph Roßmanith (Owingen-Überlingen), Achim Lehnstaedt (Köln) und Michael Wrulich (Neuhof) wurden Vorzeige-Events kreiert, die Serie mit jeweils 15 Start- und Tauschplätzen für deutsche Aktive ist bereits bis mindestens 2028 im Kalender der Pro Golf Tour verankert.
 

„Für uns war es durchaus eine Frage des Prestiges, immerhin haben wir ja etliche hochkarätige Events mit großen Namen in unserer Geschichte“, sagt beispielsweise Achim Lehnstaedt über die Beweggründe des Engagements als Bühne für den German Swing und erinnert an das Berenberg Masters 2013 oder die sechsmalige Ausrichtung der German Open, bei der 1975 ein 17-jähriger Golflehrer-Azubi namens Bernhard Langer die Offene Deutsche Meisterschaft gewann und damit den Grundstein für eine Weltkarriere legte. „Also, Turniergolf war immer schon unser Thema, aber die Landschaft hat sich halt so verändert, dass wir es von der Infrastruktur her kaum abbilden können, so ein Event zu machen.“ Immerhin konnte der Club in Refrath den Platz so herrichten, dass er trotz der heute erreichbaren Längen noch schwierig und gleichzeitig attraktiv zu spielen ist. Nicht zuletzt durch schnelle Grüns mit einem Stimpmeter-Wert von 11 am Finalsonntag und schwierige Fahnenpositionen. Auch auf der Pro Golf Tour werden Drives von 280 Metern geschlagen, wenngleich aufgrund der dichten Bewaldung in Refrath auf der einen oder anderen Bahn eine eher defensive Herangehensweise angeraten ist. „Ich war positiv überrascht, dass unser Platz sich so gut geschlagen hat und nicht auseinandergenommen wurde“, bilanziert Lehnstaedt. „Wenn die VcG sich jetzt auch auf dieser Ebene kommittiert, ist das nur allzu richtig und wichtig für den deutschen Golfsport.“

Der Circuit ist nicht zuletzt deswegen so wertvoll, weil Amateure ins Dasein als Berufsgolfer schnuppern können, ohne Professional werden zu müssen. Deswegen wurden die jeweils 15 freien Startplätze bewusst so vergeben, dass aussichtsreiche Amateure alle Turniere des German Swing spielen können „und mal drei Wochen Tour-Leben haben“, verdeutlicht Marco Paeke: „Erst an den Bodensee fahren, Hotel; dann nach Köln, Hotel; dann nach Frankfurt, und wieder Hotel. Zwischendurch einen Waschsalon suchen und und und. Kurz: Die Jungs sollen sich fühlen wie Tour-Professionals und erleben, was da auf sie zukommen könnte.“
 

Das sind einzigartige Erfahrungen, ohne Frage. Aber für die VcG war 2026 ebenso ein Superjahr. Man ist bei sechs Profiturnieren als Förderer des Sports an Bord, trägt fünf davon letztlich weitestgehend allein und bespielt damit auf Jahre hinaus vier europäische Touren. Und das vorrangig im Nachwuchsbereich. Oder anders: Ohne die VcG gäbe es so gut wie kein Profigolf in Deutschland – abgesehen von der BMW International Open. Der finanzielle Aufwand relativiert sich ohnehin, wenn man die sportlichen Möglichkeiten zugrunde legt, die sich durch das geschickte Ausspielen der insgesamt 117 Wildcards ergeben. „1,26 Millionen Euro geteilt durch 117“, rechnet Paeke vor: „Jeder Start- oder Tauschplatz, der mit deutschen Aktiven besetzt wird, kostet rund 10.000 Euro.“
 

Dazu kommt die mediale Reichweite – „gratis on top“. Paeke: „Wir bewirken mit unserem Geld etwas Gutes und bekommen obendrein noch Sichtbarkeit.“ Und die zahlt nach seiner Überzeugung auf die Performance der VcG ein. Will heißen, die Mitgliederentwicklung dürfte gleichermaßen vom Turnierengagement profitieren.
 

Trotzdem stellt sich zum Schluss die ketzerische Frage, ob es nicht genug andere Felder gibt, um der Golfentwicklung in Deutschland Gutes zu tun. Die Antwort lautet: Das eine machen und das andere nicht lassen. Paeke weist auf das Projekt ,Abschlag Schule‘ hin, das die VcG 2026 wieder mit 600.000 Euro unterstützt. Beispielsweise. Oder die 500.000 Euro, die in grüne Themen und Nachhaltigkeit fließen. „Wir helfen da, wo es mutmaßlich am Nötigsten ist.“


Autor:  Michael F. Basche | golfmanager 3/26


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