Kostenmanagement im Greenkeeping: Die Vogelperspektive

Mit Dokumentation Geld sparen

In den ersten beiden Beiträgen dieser Reihe haben wir einen Blick auf die Pflegekosten von Bunkern und Semiroughs geworfen. Die Kostenunterschiede können groß sein, aber sie lassen sich in aller Regel deutlich beeinflussen.

 

Bei dieser Betrachtung geht es um Einzelbereiche, die für sich genommen gut überschaubar sind. Nun ist Golfplatzpflege bekanntermaßen ausgesprochen vielfältig. Grüns, Fairways, Tees bis hin zu Blumenbeeten, Reparaturen von Maschinen oder der Beregnungsanlage. Die Arbeiten sind breit gefächert. Für Nicht-Greenkeeper ist das nicht immer einfach zu überblicken. Um die Kosten für die Platzpflege zu steuern, ist es umso wichtiger, die „Vogelperspektive“ einzunehmen.

 

* Erläuterungen zu Abb. 1:

Balkendiagramme: Sie zeigen die Gesamtstunden der jeweiligen Anlage. Die rot gestrichelt Linie bezeichnet den Durchschnitt der Mannstunden in der   Studiengruppe. Die grünen Säulen beinhalten alle Arbeiten auf den Spielelementen (Grüns, Tees ...). Die blauen Säulen betreffen die sonstigen Bereiche   wie Clubhaus, Maschinen etc.

Tortendiagramme: Sie stellen die Verteilung der Mannstunden auf die verschiedenen Arbeitsbereiche dar.

Die Bezeichnungen der Golfanlagen finden Sie auch in Abbildung 3 wieder.

 

Abbildung 1 zeigt die unterschiedliche Verteilung der Arbeitszeiten auf sechs Golfanlagen. Gut zu sehen ist, dass die Schwerpunkte in der Pflege unterschiedlich gesetzt werden. So entfallen hier von der gesamten Arbeitsleistung der Mannschaft

  • 10%-23% auf die Grüns,
  • 5%-16% auf die Bunker und
  • 3%-19% auf das Rough.

 

Zunächst steht die Frage im Vordergrund, ob die Verteilung der Stunden den Erwartungen entspricht.

  • Stimmt die Balance zwischen den Spielflächen und den Nebenbereichen (blaue und grüne Säulen im Balkendiagramm)?
  • Passt die Verteilung der Arbeitszeit zur Zielsetzung für die Anlage? Abbildung 1, Anlage S: Das Rough ist so zeitaufwändig wie die Grüns. Bei Anlage M geht dagegen mehr Zeit in die Bunker als in die Grüns.
  • Passt die Qualität in den einzelnen Bereichen zu deren Pflegeaufwand?

 

Weiter im Detail stellen sich andere Fragen: Bedeutet ein hoher Prozentsatz der Stunden auf den Grüns, dass dort der Pflegestandard sehr hoch ist? Kann, muss aber nicht sein. Es kann auch ein Zeichen für Schwierigkeiten sein, zum Beispiel ungünstige Fahrwege, Entfernen der Pitchmarken durch die Mannschaft usw. Was bedeutet ein hoher Anteil von Stunden in den Bunkern? Es kommt darauf an ...

 

Weshalb sich die Zeiten so verteilen, weiß der Head-Greenkeeper. Hier lohnt es sich, für jede Golf­anlage, zusammen mit der Geschäftsleitung, die Verteilung der Arbeitszeiten gelegentlich durchzugehen.

 

Wenn in einem Bereich ein deutlich höherer Zeitaufwand entsteht als erwartet, kann das bei gegebener Mannschaftsstärke nicht so ohne weiteres aufgefangen werden. Dem Greenkeeping bleibt nur, in anderen Arbeitsbereichen die Stunden entsprechend zu reduzieren – mit entsprechender Einbuße im Standard.

Fallbeispiel – Golfanlage B

Die Anlage hat im Jahr über 12.000 Mannstunden zur Verfügung. Das sind sieben Mann auf 18 Bahnen. Damit liegt die personelle Ausstattung im oberen Drittel der Studiengruppe.

 

Es ist mit einem knappen Mannjahr vergleichsweise viel Arbeitszeit in der Werkstatt gebunden (Abbildungen 2 und 4). Grund sind reparaturanfällige Maschinen. Werden die Maschinen nicht ausgetauscht, so steht zu erwarten, dass der Aufwand mit der Zeit eher steigt.

 

Parallel dazu wurden im gleichen Jahr umfangreiche Baumaßnahmen realisiert (Abbildung 2). Die Mannschaft wurde nicht aufgestockt und kompensiert die Zusatzbelastungen, indem sie gleichmäßig über den Platz verteilt in allen Spielbereichen Zeit eingespart (Abbildung 3). Die Umbauarbeiten sind allerdings zeitlich begrenzt und sie stellen eine Investition in den Platz dar.

 

Fazit

Aus der Praxis hören wir regelmäßig von dem Spagat der Pflegemannschaften, hohen Zeiteinsatz in bestimmten Bereichen zu haben und einen Weg zur Kompensation zu finden. In einem gewissen Umfang ist das normal und Alltagsgeschäft. Insbesondere dann, wenn es sich um vorübergehende Engpässe handelt. Hier gilt es aber, genau in die Dokumentation zu sehen und ggf. Probleme zu identifizieren und anzusprechen. Die Themenbereiche lassen sich grob unterteilen:

 

Zunehmender Pflege­aufwand durch Alterung

  • Maschinen
  • Drainagen
  • Beregnungsanlage
  • Grüns, Bunker usw.

 

In den Platz eingebauter Zusatzaufwand

 

Zeitlich begrenzter Sonderaufwand

  • Baumaßnahmen auf dem Platz mit Eigenleistung
  • Beseitigung von Schäden durch z.B. Wild, Wetter oder Vandalismus

 

Es lohnt sich, die Platzarbeiten gut zu dokumentieren und auf beiden Ebenen zu bewerten: Im Detail und in der Vogelperspektive. So werden Probleme sichtbar und in der Regel auch gut lösbar.

 

Autoren: Andrea und Herwarth Talkenberg, Punctus, London und Hamburg, www.punctus.com

 

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