Kletterpflanzen auf Golfanlagen, Teil 2

Kletterstrategien in Baumkronen, für Mauern, Zäune und Pfosten

Allgemeine Aspekte zu den Kletterkünstlern stehen in der Einführung vom ersten Teil, in dem Spreizklimmer und Schlingpflanzen behandelt wurden (Greenkeepers Journal 1/17). Hier sollen nunmehr weitere Kletterstrategien behandelt werden:

 

3. Wurzelkletterer

4. Haftscheibenkletterer

5. Rankenpflanzen

 

3. Wurzelkletterer

Sie bilden kurze Haftwurzeln an ihren Sprossachsen aus, mit denen sie sich an der Rinde des Wirtsbaumes festhalten, ohne jedoch die Leitungsbahnen von Bäumen anzuzapfen. Sie wachsen aber auch an Hauswänden und Zäunen.

 

Der bei uns heimische und weit verbreitete Gewöhnliche Efeu (Hedera helix L.) stammt aus der Familie der Araliaceae, die mit etwa 50 Gattungen und 1.500 Arten vorwiegend in den Tropen verbreitet ist. Von dort hat möglicherweise der „Kletterkünstler“ Efeu seine Strategie „mitgebracht“, die er in unseren Breiten sehr erfolgreich einsetzt.

Da traut man seinen Augen nicht, von der Hausfassade sind beinahe nur noch die Fenster zu sehen (Abbildung 1). Ein derartiger Efeubewuchs schützt vor Regen und Spannungsrissen bei starken Temperaturschwankungen, zudem wirkt er wärmeisolierend. Allerdings kann der Efeu – wenn er sich sehr stark entwickelt – je nach Beschaffenheit der Wand auch Schäden am Gemäuer anrichten, beispielsweise in vorhandene Fugen eindringen. Es sollte also bedacht werden, ob Schäden zu erwarten sind. Es ist aber auch die ökologische Bedeutung des Efeus als Lebensraum für Insekten und Nistplatz für Singvögel zu bedenken und in die Überlegungen einzubeziehen.

 

Der Efeu scheint sich bei uns sehr wohl zu fühlen, denn seit einiger Zeit wächst er in großen Beständen in unseren Wäldern wie ein Bodendecker. Sobald er jedoch auf einen Baumstamm trifft, dann „schwingt“ er sich mit Hilfe seiner kleinen sprossbürtigen Haftwurzeln (Abbildung 2) in höchste Höhen, kann aber auch bei starker Entwicklung der Achsen wie ein Korsett den Wirtsbaum einhüllen und außerdem eine zusätzliche Krone bilden. Diese Wuchsweise ist äußerst erfolgreich, sie kann jedoch – obwohl der Efeu die Leitungsbahnen des Wirtsbaumes nicht anzapft – für diesen große Folgen haben.

Denn bei weiterem Wachstum des Efeus kann die Baumkrone wegen des Mangels an Licht regelrecht „ersticken“ (Abbildung 3). Letztlich können stark befallene Bäume absterben, wenn der Efeu nicht rechtzeitig entfernt wird. Außerdem ist bei starkem Bewuchs am Stamm eine gewissenhafte Beurteilung des Wirtsbaumes bei der regelmäßig durchzuführenden Baumkontrolle nicht mehr möglich. Eine ausführliche Schilderung des Efeus ist HIER oder im Greenkeepers Journal 4/13 zu finden.

Die Kletter-Hortensie (Hydrangea petiolaris (Sieb. et Zucc.) McClintock) stammt aus Ostasien (Japan, Korea und Taiwan). Heute ist sie häufig als Zierpflanze in den Gärten Europas und Nordamerikas zu finden. Zahlreiche Hortensien-Arten haben in der letzten Zeit durch ihre schönen, auch zum Trocknen geeigneten, Blütenstände eine regelrechte Renaissance erlebt. Sie sind in zahlreichen Sorten – meist strauchartig wachsend – in unseren Gärten zu finden.

 

Doch nur eine Hortensien-Art klettert an Mauern und Baumstämmen mit Haftwurzeln, so wie der Efeu, empor (Abbildung 4). Sie kann einen Baumstamm völlig einhüllen und mit ihren großen Blütenständen schmücken (Abbildung 5). Da sie aber relativ langsam wächst, wird sie wohl kaum zu einer Gefahr für den Baum. Dadurch unterscheidet sie sich deutlich vom Efeu.

Die Kletterhortensie hat Blütenstände, die eine bemerkenswerte Differenzierung zeigen. Am Rand stehen sterile Schaublüten mit vier großen Kelchblättern, im Inneren des Blütenstandes befinden sich kleine fertile Blüten, mit Staubblättern und dem Fruchtknoten (Abbildung 6). Diese werden von Bienen besucht und bestäubt, in der Folge entstehen kleine unscheinbare Früchte. Ganz ähnlich sind die sogenannten Tellerhortensien aufgebaut. Hingegen stehen in den Blütenständen der sehr beliebten Bauernhortensie, auch als Ballhortensie bezeichnet, nur sterile Blüten, die eine große Schauwirkung entfalten, aber Insekten keinerlei Nektar oder Pollen bieten.

 

Ein weiterer Wurzelkletterer, die Amerikanische Trompetenblume (Campsis radicans (L.) Seem. ex Bur.), ist bei uns immer häufiger, wohl wegen ihrer wunderbaren Blüten und dekorativen gefiederten Blättern, in Gärten anzutreffen. Inzwischen werden mehrere Sorten in Farben von gelb über orange bis rot in Gartencentern und Baumschulen angeboten. Die Art stammt aus der Familie des Trompetenweins (Bignoniaceae), dessen etwa 800 Arten in den Tropen und Subtropen vorkommen.

Die Amerikanische Trompetenblume ist im Osten Nordamerikas von New Jersey und Michigan bis nach Florida und Texas verbreitet. Diese Trompetenblume hat große Fiederblätter mit einer Endfieder (Abbildung 7). Die leuchtend rot gefärbten Blüten haben eine lange Kronröhre, mit fünf freien Kronblattzipfeln (Abbildung 8).

Nach der Bestäubung, in der Heimat durch Kolibris, bei uns durch Bienen und Hummeln, entstehen Kapselfrüchte, die zahlreiche geflügelte Samen enthalten. Die Trompetenblume ist sehr schnellwüchsig und blühfreudig. Alte Achsen verholzen und können dickere Stämme bilden, an denen sich im Frühjahr eine Vielzahl von Trieben entwickelt, an deren Enden im Sommer die Blüten stehen (Abbildung 9). Mit ihren leuchtenden Blüten bringt sie tropischen Flair in Gärten, weshalb nicht auch auf Golfplätze? Sie ist eine besondere Zierde für Hauswände und Mauern, zudem benötigt sie dank ihrer Haftwurzeln weder Klettergerüst noch Pergola. Haben sich jedoch dickere Stämme gebildet, so sollten diese an einer Stütze angebunden werden.

4. Haftscheibenkletterer

Mit kleinen runden Haftscheiben an Sprossranken können sich diese Kletterpflanzen ganz ohne Klettergerüst oder ähnliche Kletterhilfen perfekt an Mauern und Zäunen anheften.

 

Der Wilde Wein, auch Jungfernrebe (Parthenocissus) genannt, kommt bei uns mit zwei Arten vor: die Gewöhnliche Jungfernrebe (Parthenocissus quinquefolia (L.) Planch.) mit geteilten Blättern und oftmals fünf bis sieben Fiedern (Abbildung 10) und die Dreilappige Jungfernrebe (P. tricuspidata (Siebold ex Zucc.) Planch.) mit gelappten Blättern (Abbildung 11). Beide Arten gehören in die Familie der Weingewächse (Vitaceae), die etwa 13 Arten umfasst. Diese kommen vorwiegend in den gemäßigten Breiten Nordamerikas und Asiens vor.

Der Wilde Wein wächst als sommergrüner Kletterer und erobert wie von „Geisterhand“ Mauern, Zäune etc. Die dünnen Triebe haben Spross­ranken, an deren Enden kleine, rundliche Haftfüßchen ausgebildet sind (Abbildung 12). Sie können sich damit an den unterschiedlichsten Unterlagen anheften; sie bekleiden Mauern (Abbildung 13), sogar Schornsteine und Laternenpfosten werden mühelos begrünt (Abbildung 14). Werden die Triebe entfernt, so bleiben die Haftfüßchen noch lange erhalten. Selbst an inzwischen unbewachsenen Mauern oder Zäunen deuten die Haftfüßchen darauf hin, dass an diesen Stellen einmal der Wilde Wein wuchs.

Bei beiden Arten fallen die Laubblätter ab, nachdem sie im Herbst ein Feuerwerk der Farben von grün über gelb, bis leuchtend rot lieferten (Abbildungen 11, 12 und 15). Bereits vorher reifen die dunkelblauen Beeren-Früchte, die oft unter Laub versteckt sind (Abbildung 16), aber von Vögeln schnell entdeckt und gern verspeist werden. Spätestens wenn die Blätter abgefallen sind, kommen die Früchte deutlich zur Geltung.

5. Rankenpflanzen

Sie bilden aus Sprossen oder Blattstielen schnell wachsende, blattlose Ranken aus. Sobald diese dünne Äste oder Drähte berühren, rollen sie sich spiralig um diese Kletterhilfen. Da die Richtung geändert werden kann, ist die Anbindung sehr elastisch.

Die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba L.) aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) ist die einzige Liane, die in unseren Breiten natürlich vorkommt. Sie wächst in Auwäldern und in Gebüschen und schwingt sich mit Hilfe ihrer Blattstiele, die als Ranke fungieren und alle erreichbaren Zweige „umwickeln“, in höchste Höhen. Dabei zieren kleine weiße Blüten mit vier Blütenblättern, zahlreichen Staubgefäßen und Früchten diese Liane (Abbildung 17). Wenn die Blütenblätter abgefallen sind, kommen die jungen Früchte zur Geltung. Sie haben einen langen, silbern wirkenden Griffel (Abbildung 18). Die eigentliche Nussfrucht befindet sich an der Basis. Bei fortschreitender Reife werden die zunächst kleinen Früchte deutlich sichtbar, an den Griffeln beginnen sich die Griffelhaare abzuspreizen (Abbildung 19). Dadurch ergibt sich ein Aussehen, das an eine Perücke erinnert (Abbildung 20), eine schöne Zierde für verschiedenste Gehölze im Herbst.

Die Gattung Clematis ist in den temperaten Breiten Eurasiens und Nordamerikas mit etwa 300 Arten weit verbreitet. Etliche Wild-Arten werden in unseren Gärten kultiviert, etwa die Berg-Waldrebe (Clematis montana Buch.-Ham- ex DC.) aus Mittel- und Westchina und dem Himalaya, die sich ähnlich unserer einheimischen Waldrebe als großartiger Kletterkünstler erweist. Sie gilt als robuste und reich blühende Art und ist deshalb für Gärten, aber auch Golfplätze sehr zu empfehlen. Sie bildet lange, verholzende, aber dünne Sprosse, die nur vorsichtig ausgelichtet werden sollten, denn an diesen bilden sich im nächsten Jahr zahlreiche kleine Blüten (Abbildung 21). Nach ein paar Jahren kann die Berg-Waldrebe, die bei uns in verschiedenen Sorten, wie beispielsweise Clematis montana var. rubens O. Kuntze angeboten wird, in kurzer Zeit Hauswände und Zäune erobern und mit einem Teppich rosafarbener Blüten überziehen.

Bei Gartenfreunden sind vor allem die großblumigen Clematis-Hybriden beliebt, wie beispielsweise die Sorte ‚The President‘ (Abbildung 22), die meistens nicht so großen Blütenreichtum zeigen. Viele dieser Hybriden entwickeln sich jedes Jahr neu aus der Basis.

 

Clematis-Wildformen sind robuste Lianen, die an ihrer Basis durch Stauden oder niedrige Gehölze beschattet werden sollten. Bei den großblumigen Hybriden sollten die unteren Sprosspartien ebenfalls im Schatten stehen, außerdem ist unbedingt auf genügend Bodenfeuchte zu achten.

In die Gruppe der Rankenpflanzen gehört auch die Kultur-Weinrebe (Vitis vinifera L. subspec. vinifera) aus der Familie der Weingewächse (Vitaceae). Der Wein ist eine uralte Kulturpflanze, die von der Wilden Weinrebe (Vitis vinifera subspec. sylvestris (C.C.Gmel.) Hegi)) abstammt und in vielen Sorten angebaut wird. Mit seinen Ranken (Abbildung 23) vermag sich der Wein an gespannten Drähten oder ähnlichen Kletterhilfen festzuhalten. Dies wird im Weinanbau genutzt; die Rebstöcke werden in langen Reihen kultiviert (Abbildung 24). An den Reben reifen wunderbare Trauben (Abbildung 25), die beispielsweise in der Toskana und anderen Weinanbaugebieten einen guten Tropfen ergeben. In diesen Gegenden sind weite Landschaftsbereiche mit dieser alten Kulturpflanze bedeckt. Im Herbst ergibt sich durch das gefärbte Weinlaub ein besonders schönes Farbspiel (Abbildung 26). Der Wein eignet sich aber auch zur Begrünung einer Pergola oder Hauswand und so ganz nebenbei können – so die Sorte für die Gegend geeignet ist – schmackhafte Trauben geerntet werden, allerdings sollten die Weinstöcke regelmäßig fachgerecht geschnitten werden.

Fazit

Kletterpflanzen können Wände, Mauern, Zäune etc. begrünen und wunderbare Farben ins Spiel bringen. Da sie auf ganz unterschiedliche Weise klettern, sollte vor der Pflanzung aus der Fülle der Kletterpflanzen die geeignete Art ausgewählt werden. Dabei ist zu bedenken, ob und welche Kletterhilfe benötigt wird oder ob die ausgewählte Art aufgrund ihrer Wuchsweise Mauern, Zäune etc. so erobern kann.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 03/2017

 

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